Lebensdaten
1910 bis 1952
Geburtsort
Saarbrücken
Sterbeort
Turin
Beruf/Funktion
NS-Funktionär
Konfession
katholisch,konfessionslos
Normdaten
GND: 118607014 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schellenberg, Walter
  • Schellenberg, Walter Friedrich
  • Schellenbergas, Walteris
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Zitierweise

Schellenberg, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118607014.html [23.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Guido (* 1867), aus Metz, Klavier- u. Musikalienhändler, Inh. d. Fa. B. Schellenberg, Hof-Pianoforte- u. Musikalienhandlung in S. u. Luxemburg, Hoflieferant d. Ghzgn. v. Luxemburg (s. Wenzel), S d. Bernhardt, 1877 Gründer d. Fa. B. Schellenberg in Trier;
    M Lydia Riedel;
    6 Geschw u. a. Bernhardt, führte d. väterl. Klavier- u. Musikalienhandlung weiter, Louis, Mitarb. seines Bruders;
    1) 1938 Käthe Kortekamp, 2) 1940 Irene Grosse-Schönepauk (* 1919);
    1 S, 2 T.

  • Leben

    S., der im Saarland und seit 1923 in Luxemburg aufwuchs, studierte nach dem Abitur seit 1929 zunächst Medizin in Bonn, dann Jura in Marburg und Frankfurt/M. Im Mai 1933 trat er der SS und der NSDAP bei. Seit Frühjahr 1934 wirkte er „ehrenamtlich“, also als Informant, im Sicherheitsdienst der SS (SD), seit Nov. 1935 als reguläres Mitglied. 1936 formal als Assessor von der Gestapo übernommen, arbeitete er jedoch faktisch, wenn auch mit Unterbrechungen, im Sicherheits (SD)-Hauptamt. Nicht zuletzt sein guter persönlicher Kontakt zu Reinhard Heydrich (1904–42) brachte ihn im Jan. 1937 auf die Stelle des Abteilungsleiters I/1 (Stabskanzlei). Als solcher wirkte er an der Planung der Zerschlagung Österreichs und der Tschechoslowakei 1938/39 mit; im Auftrag Heydrichs, für den S. des öfteren als Rechtsberater fungierte, entwickelte er Konzeptionen zur Verschmelzung von Sicherheitspolizei und SD. In die Tätigkeit der Einsatzgruppen im Polenfeldzug involviert, kam S. mit der Neustrukturierung von SS und Polizei Ende Sept. 1939 ins Reichssicherheitshauptamt (RSHA). Dort wechselte er zur Gestapo als Leiter der Gruppe IV E (Spionageabwehr), formell erhielt er diesen Posten im Juni 1940. In dieser Zeit war er auch an der Judenverfolgung beteiligt, etwa bei der Einschränkung der Auswanderung. Im Frühjahr 1941 gehörte er zu den Unterhändlern bei den Absprachen, die zur Aufstellung der Einsatzgruppen für den Krieg gegen die Sowjetunion dienten.

    Kurz danach ging S. im Juli zunächst als Stellvertreter, seit September als geschäftsführender Amtschef VI zum SD-Ausland (offiziell seit Juni 1942). 1944 erreichte S., der als ehrgeizig, aber auch als umgänglich galt, den Rang eines SS-Brigadeführers und Generalmajors der Polizei. SD-Ausland koordinierte die Zerschlagung der Untergrundgruppen der „Roten Kapelle“ und konnte 1944 die einstige Konkurrenz, die militärische Abwehr unter Wilhelm Canaris (1887–1945), als eigenes „Amt Mil“ des RSHA übernehmen. In seiner Funktion als alleiniger Leiter des Auslandsgeheimdienstes führte S., der schon 1942 schweizerische Stellen kontaktiert hatte, im letzten Kriegsjahr Verhandlungen mit neutralen Vertretern zur Erreichung eines Waffenstillstandes, aber auch zum Austausch von Häftlingen.

    Nach Kriegsende wurde S. von brit. Militärpolizei verhaftet. Im sog. Wilhelmstraßenprozeß verurteilte ihn ein amerik. Militärgericht in Nürnberg am 11.4.1949 zu sechs Jahren Haft, v. a. wegen seiner Rolle bei der Ermordung von sowjet. Kriegsgefangenen, die als Agenten des „Unternehmens Zeppelin“ eingesetzt waren. Im Dez. 1950 wurde er krankheitsbedingt aus der Haft entlassen. Er ließ sich in Pallanza (Italien) nieder und erlag alsbald einem Leberleiden. S. war keineswegs lediglich ein normaler Geheimdienstchef, wie seine „Memoiren“ suggerieren, sondern ein hoher Funktionär im verbrecherischen SS- und Polizeiapparat.

  • Werke

    The Schellenberg Memoirs, 1956 (mit e. Vorwort v. A. Bullock;
    dt.: Memoiren, 1959).

  • Literatur

    Trials of War Criminals, 12-14, 1949;
    T. J. Querg, Spionage u. Terror, Das Amt VI d. Reichssicherheitshauptamtes 1939-1945, Diss. 1997;
    J. Banach, Heydrichs Elite, 1998;
    G. Browder, W. S., Eine Geh.dienst-Phantasie, in: Die SS-Elite, hg. v. R. Smelser u. E. Syring, 2000, S. 418-30;
    M. Wildt, Generation des Unbedingten, 2002 (erweitert 2003);
    Hitler's Last Chief of Foreign Intelligence, Allied interrogations of W. S., hg. v. R. R. Doerries, 2003 (P; hierzu K. Harpprecht in: SZ v. 4.5.2004 [P]);.|

  • Quellen

    Qu BA Berlin (Personalakte. BDC, Reste d. Dienstakten, Bestand R 58, u. RGVA Moskau, Bestand 500k); BA Koblenz u. IfZ München (Dok. d. Wilhelmstraßen-Prozesses u. Teilnachlaß).

  • Autor/in

    Dieter Pohl
  • Empfohlene Zitierweise

    Pohl, Dieter, "Schellenberg, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 650 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118607014.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA