Lebensdaten
1787 bis 1857
Geburtsort
Schweinitz (Niederschlesien)
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
katholischer Theologe ; Kirchenhistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118601326 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ritter, Joseph Ignaz
  • Ritter, Ignaz
  • Ritter, Ignaz J.
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Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

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Zitierweise

Ritter, Joseph Ignaz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118601326.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., Volksschullehrer.

  • Leben

    R. besuchte das kath. Gymnasium in Glogau, studierte seit 1806 an der Univ. Breslau Theologie, wurde 1811 zum Priester geweiht und wirkte zunächst als Kaplan in mehreren schles. Pfarreien, seit 1818 bei St. Hedwig in Berlin. Hier edierte er 1821 seine kommentierte Übersetzung einer Schrift des Johannes Chrysostomos über das Priestertum, aufgrund derer ihn die Breslauer theol. Fakultät zum Dr. theol. promovierte. 1823 wurde er zum o. Professor für Kirchengeschichte und Patrologie in Bonn ernannt. Dort profilierte er sich neben Georg Hermes (1775–1831) durch seine Lehrtätigkeit (auch in anderen theol. Fächern) und durch die Publikation seines „Handbuchs der Kirchengeschichte“ (3 Bde., 1826–35; 2 Bde., hg. v. L. Ennen, 61862), das „eben sowohl durch die nüchterne Klarheit und Uebersichtlichkeit der Darstellung, wie auch durch die nach möglichster Vollständigkeit strebende Reichhaltigkeit des Inhaltes einen geachteten Ruf und weite Verbreitung fand“, wenn er auch „seine Anschauungen im Laufe der Jahre nicht unbedeutend modificirt[e]“ (K. Werner). 1830 nahm R. einen Ruf an die Univ. Breslau und in das dortige Domkapitel an. Auch hier dozierte er wegen der Unterbesetzung der Theol. Fakultät mehrere Fächer, war mehrfach Dekan und 1835/36 Rektor der Universität.

    Nach dem Rücktritt des Breslauer Fürstbf. Leopold Gf. v. Sedlnitzky (1787–1871) im Zusammenhang mit dem preuß. Mischehenstreit wählte das Domkapitel R. gegen den Widerstand einer Minderheit unter Führung des Weihbischofs und bisherigen Generalvikars Daniel Latussek (1787–1857) 1840 zum Kapitularvikar. Hatte er – ohne erklärter Hermesianer zu sein – zuvor die Rechtgläubigkeit des 1835 postum kirchlich verurteilten Hermes und seiner Anhänger verteidigt, so wandelte er sich nunmehr rasch zum romorientierten Prälaten, Vorkämpfer der Kirchenfreiheit und Wegbereiter einer strengkirchlichen Ausrichtung des Klerus. Er reformierte das Alumnat und setzte sich für die Einrichtung eines Theologenkonvikts ein, das 1852 eröffnet wurde; gegen Johannes Ronge (1813–87), den Begründer der dt.-kath. Bewegung, ging er scharf vor. Er förderte das Lyoner Missionswerk und kämpfte frühzeitig gegen soziale Mißstände. Obwohl ihn die preuß. Regierung wegen seiner publizistischen Äußerungen zur Kirchenfreiheit nicht anerkannte und 1842 seine päpstl. Vorschrift folgende Verordnung über die kath. Einsegnung gemischter Ehen wieder aufhob, blieb er dennoch bis zur Inthronisation des neuen Fürstbf. Joseph Knauer (1764–1844) im Amt. Dieser ernannte ihn bei seinem Amtsantritt 1843 zu seinem Generalvikar, mußte ihn aber unter dem Druck der Regierung im März 1844 durch Weihbischof Latussek ersetzen, der nach dem Tod Knauers auch zum Kapitularvikar gewählt wurde. R. kehrte auf seine Professur zurück, engagierte sich aber, 1846 vom neuen Fürstbf. Melchior v. Diepenbrock (1798–1853) zum Domdekan ernannt, weiterhin seelsorgerlich und in der kath. Vereinsbewegung. 1849 war er Abgeordneter der 1. Kammer in Berlin sowie im Jahr darauf Mitglied des Erfurter Unionsparlaments.

  • Werke

    u. a. Des hl. Johannes Chrysosthomos sechs Bücher vom Priesterthum, übers. u. mit Anm. begleitet, 1821;
    Wie haben sich d. v. d. hermes. Rechtgläubigkeit überzeugten Katholiken in d. Ansehung d. Breve Gregors XVI. Dum acerbissimas v. 26. Sept. 1835 zu verhalten? Beantwortet v. e. Doktor d. Theol., 1836;
    Irenikon oder Briefe z. Förderung d. Friedens u. d. Eintracht zw. Kirche u. Staat, 1840;
    Über d. Verehrung d. Reliquien u. bes. d. hl. Rockes in Trier, 1845;
    Über d. dt. Kirchenfreiheit, 1848.

  • Literatur

    ADB 28;
    K. Werner, Gesch. d. kath. Theol., 1866, Nachdr. 1965;
    E. Kleineidam, Die kath.-theol. Fak. d. Univ. Breslau 1811-1945, 1961;
    H.Jedin, Von Sedlnitzky zu Diepenbrock, Briefe v. I. R. an Augustin Theiner v. 1841 bis 1847, in: Archiv f. schles. KGesch. 29, 1971, S. 173-204;
    ders., Eine Denkschr. J. I. R.s über Georg Hermes, in: Ann. d. Hist. Ver. f. d. Niederrhein 174, 1972, S. 148-61;
    J. Overath, Briefe d. Kirchenhistorikers J. I. R. an d. Kölner Ebf. Ferdinand Gf. Spiegel, ebd. 180, 1978, S. 99-128;
    ders., J. I. R. (1787-1857), Sein Wirken als Kirchenpol. u. seine Bedeutung als Kirchenhist., 1979 (W, L);
    LThK;
    BBKL (W, L);
    Gatz I.

  • Autor/in

    Manfred Weitlauff
  • Empfohlene Zitierweise

    Weitlauff, Manfred, "Ritter, Joseph Ignaz" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 665-666 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118601326.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ritter: Joseph Ignaz R., katholischer Theologe, geb. am 12. April 1787 zu Schweinitz (nicht Schweidnitz, wie in manchem Lexikon steht!) in Preußisch-Schlesien, studirte an der Universität zu Breslau, wo er das Baccalaureat der Theologie erhielt und wurde am 6. October 1811 zum Priester geweiht. Hierauf wirkte er als Caplan in Grottkau und von 1818—23 an der St. Hedwigskirche in Berlin. Als er 1821 die Schrift des heiligen Chrysostomus über das Priesterthum überseht herausgab, erhielt er von der theologischen Facultät zu Breslau die theologische Doctorwürde und 1823 wurde er ordentlicher Professor der Kirchengeschichte an der Universität zu Bonn. Im J. 1830 kam er als Professor und zugleich Domherr nach Breslau, wo er außer Kirchengeschichte auch noch neutestamentliche Exegese und Dogmatik zeitweilig vortrug. Nach der Resignation des Fürstbischofs Sedlnitzky wurde R. am 4. December 1840 zum Capitularvicar gewählt, von der Regierung zwar nicht anerkannt, verwaltete aber dennoch das Bisthum bis zum Amtsantritt des Fürstbischofs Knauer am 23. April 1843. Gelegentlich seiner Wahl zum Capitularvicar wurde er zum Doctor juris promovirt. Als Capitularvicar erließ R. am 24. October 1842 eine Verordnung über katholische Einsegnung gemischter Ehen, welche damals von großer Bedeutung war. Fürstbischof Knauer ernannte R. zu seinem Generalvicar und Fürstbischof Diepenbrock verlieh ihm die Domdechantei am 21. Juni 1846. Hatte er schon zur Zeit des in Breslau sich erhebenden Rongeanismus seine Feder ergriffen und über die Verehrung der Reliquien und besonders des heiligen Rocks in Trier geschrieben, so betrat er noch im Greisenalter den Kampfplatz, indem er gegen Superintendent Eichler seine „Offene Briefe“ 1855 und gegen Dr. Bunsen „Die beiden Dillskuren“ 1856, seine letzte Schrift schrieb. Der sehr wohlthätige und heitere Domdechant R. starb am 5. Januar 1857. Seiner fruchtbaren litterarischen Thätigkeit entstammen folgende Schriften: „Des heil. Chrysostomus 6 Bücher vom Priesterthum, übersetzt und mit Anmerkungen begleitet“. Berlin 1822; „Eusebii Caesar. de divinitate Christi placita“. Bonae 1824, 40; sein Hauptwerk: „Handbuch der Kirchengeschichte“. Bonn 1826—30. 2. Aufl. 1836—38, 3 Bde. 3. Aufl. 1846—47, 2 Bde. 4. Aufl. 1851, 5. Aufl. 1854, 6. Aufl. von Ennen besorgt. Bonn 1862; „Der wahre und der verkannte Katholik. Nach Gother's engl. Werke im Auszuge Challoner's. Aus dem Englischen übersetzt“. Bonn 1827. 2. Aufl. 1845; „Pellicia, de christianae Ecclesiae primae, mediae et novissimae aetatis Politia libri VI, curantibus Ritter et Braun,“ III Tomi in 2 Vol. Coloniae 1829—38; „Jahrbücher der Gesellschaft zur|Verbreitung des Glaubens, aus dem Französischen übersetzt von J. J. Ritter, W. Smets“ etc. Jahrg. 1834 u. 1835 4 Hefte, Jahrg. 1836 u. 1837 8 Hefte, Jahrg. 1838 6 Hefte. Jahrg. 1839—48 6 Hefte. Köln; „Andenken an Prof. Dominikus Unterholzner“. Breslau 1838; „Irenikon oder Briefe zur Förderung des Friedens und der Eintracht zwischen Kirche und Staat.“ Leipzig 1840; „Beleuchtung der Zeitungsartikel darüber.“ Ebendas.; „Der Kapitular-Vicar, eine kanonistische Abhandlung.“ Münster 1842; „Geschichte der Diöcese Breslau. I. Theil. Von der Pflanzung des Christenthums in Schlesien bis zum J. 1290.“ Breslau 1845; „Ueber die Verehrung der Reliquien und besonders des heil. Rockes von Trier. Eine Vorlesung.“ Breslau 1845; „Antwort deßhalb, auf einen Zeitungsartikel.“ Ebendas.; „Die deutsche Kirchenfreiheit.“ 1848; „Offener Brief an den Superintendenten Eichler.“ Breslau 1855; „Die beiden Dioskuren der protestantischen Kirche in Deutschland: Bunsen u. Stahl.“ Breslau 1856. Außerdem gab R. zwei Jahrgänge (1832 u. 1833) der Breslauer Zeitschrift für katholische Theologie heraus und veröffentlichte in der Bonner Zeitschrift für Philosophie und katholische Theologie folgende Aufsätze: „Ueber den Ursprung und die Einführung des Christenthums in Böhmen"; „Beiträge zur Geschichte des Catechismus Romanus und über eine neue Ausgabe zu Breslau nach der editio princeps"; „Einige Gedanken über Volksschulen in ihrem Verhältnisse zur Kirche“, endlich den Artikel „Eusebius“ in Aschbach's Kirchenlexikon.

    • Literatur

      Vgl. den Nekrolog über J. J. Ritter im Schlesischen Kirchenblatt 1857, S. 50. — Werner, Geschichte der katholischen Theologie. Seit dem Trienter Concil bis zur Gegenwart. S. 608 u. 609, wo auch eine treffende Charakterisirung der Geschichtschreibung Ritter's gegeben ist. — Meer. Characterbilder aus dem Clerus Schlesiens. S. 164. Breslau 1884.

  • Autor/in

    Otto Schmid.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmid, Otto, "Ritter, Joseph Ignaz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 28 (1889), S. 678-679 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118601326.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA