Lebensdaten
1209 bis 1272
Geburtsort
Winchester
Sterbeort
Berkhampstead (heute Berkhamsted, Hertfordshire)
Beruf/Funktion
römisch-deutscher König ; Gegenkönig
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118600273 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Richard von Cornwall

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Zitierweise

Richard von Cornwall, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118600273.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Anjou-Plantagenêt;
    V Johann (1167–1216), Kg. v. England;
    M Isabella v. Angoulême (1188–1246);
    B Heinrich III. (1207–72), Kg. v. England;
    Schw Johanna (1210–38, Alexander II., 1198–1249, Kg. v. Schottland), Isabella (1214–41, Ks. Friedrich II., 1194–1250, s. NDB V);
    1) 30.3.1231 Isabella (1200–40, 1] Gilbert de Clare, 1230, Earl of Glocester), T d. William Marshal I. (1144–1219), Earl of Pembroke, 2) 23.11.1243 Sancha (1225–61), T d. Raimund Berengar V., 1205–45, Gf. d. Provence, 3) 16.6.1269 Beatrix ( 1277), T d. Gf. Dietrich v. Falkenburg ( 1268);
    6 Stief-K;
    4 K aus 1), u. a. Heinrich (1235–71), 2 oder 3 K aus 2), u. a. Edmund (1250–1300), Earl of Cornwall.

  • Leben

    R., anläßlich des Ritterschlags 1225 mit Einkünften aus der Gfsch. Cornwall ausgestattet (1227 Earl of Cornwall), kam durch seine Ehe mit Isabella Marshal in enge Interessengemeinschaft mit dem engl. Hochadel, dessen Verhältnis zu Kg. Heinrich III. von wachsenden Spannungen gekennzeichnet war. Nach anfänglichen Verstimmungen stellte sich R. jedoch entschlossen an die Seite seines Bruders, den er an politischem Geschick weit übertraf. Dabei behielt er stets die Interessen seiner Familie im Auge, auch in Phasen, in denen er die Aktivitäten Heinrichs III. kritisch beurteilte.

    1236 legte R. ein Kreuzzugsgelübde ab, das er nach dem Tod seiner Frau 1240/41 erfüllte. Auf der Rückreise aus dem Hl. Land besuchte er seinen Schwager Ks. Friedrich II. in Sizilien und schloß nach einem Feldzug in die Gascogne 1243 eine neue Ehe mit Sancha, einer Tochter des Gf. Raimund Berengar von der Provence, der schon Töchter an Kg. Ludwig IX. von Frankreich (1234) und R.s Bruder Heinrich (1236) vergeben hatte (eine weitere Tochter Raimund Berengars wurde 1246 die Ehefrau Karls von Anjou).

    In den 40er Jahren vermehrte R. zielstrebig sein Vermögen, u. a. durch Beteiligung an der Münzerneuerung in England (seit 1247) und die Ausübung des Judenschutzes; der zeitgenössische Chronist Matthäus Paris beschrieb ihn als von Geldgier und Ruhmsucht besessen. Seit 1247 verhandelte Papst Innozenz IV. mit R. über die Annahme des Königstitels von Sizilien, die den Versuch einer gewaltsamen Beendigung der stauf. Herrschaft nach sich gezogen hätte. R. hielt dieses Projekt, das sein Bruder seit 1254 für seinen jüngeren Sohn Edmund aufgriff, jedoch für aussichtslos. 1253/54 führte R. während des Frankreichfeldzugs Heinrichs III. in England die Regentschaft.

    Nach dem Tod Kg. Wilhelms von Holland am 28.1.1256 konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der europ. Herrscher auf die Frage der Nachfolge im Reich. Während Kg. Alfons X. von Kastilien, der über seine Mutter stauf. Abstammung war, frühzeitig Thronansprüche erhob, verhielt sich die engl. Diplomatie zunächst abwartend. Erst als sich im Sept. 1256 ein Scheitern aller innerhalb des Reiches diskutierten Kandidaturen abzeichnete, trat R. in Konkurrenz zu Alfons von Kastilien als Thronbewerber auf. R.s Strategie baute im Unterschied zu der des Kastiliers auf der Beobachtung auf, daß die Entwicklung des Wahlverfahrens im Reich seit dem Thronstreit von 1198 zur Formierung einer kleinen Gruppe von wahlentscheidenden Fürsten (der späteren Kurfürsten) drängte. Seine Bevollmächtigten konnten durch hohe Geldgeschenke und andere Vergünstigungen zunächst den Mainzer Ebf. Gerhard von Eppstein, am 25./26.11. den rhein. Pfalzgf. Ludwig von Wittelsbach und am 15.12. schließlich auch den Kölner Ebf. Konrad von Hochstaden zur Zusicherung ihrer Wahlstimmen bewegen. Am 26.12.1256 erklärte sich R. mit Zustimmung seines Bruders und der engl. Barone zur Annahme der Wahl bereit. Sie erfolgte am 13.1.1257 vor den Toren Frankfurts. Erst am 1. April wurde unter der Leitung des Trierer Erzbischofs auch Alfons von Kastilien zum röm. König gewählt, der allerdings nie die Absicht hegte, die Herrschaft in Deutschland persönlich anzutreten. R. hingegen reiste nach seiner Wahl unverzüglich nach Aachen, wo er am Fest Christi Himmelfahrt, dem 17.5.1257, gekrönt wurde. Auch er betrachtete die Aachener Krönung allerdings in erster Linie als Sprungbrett zum Kaisertum, das den politischen Bestrebungen des angevinischen Hauses in Sizilien und gegenüber Frankreich höhere Durchschlagskraft hätte verleihen können. So ging es R. v. a. darum, die Rheinlinie und (im Bündnis mit den Grafen von Savoyen) den Alpenübergang unter seine Kontrolle zu bringen. In den Gebieten rechts des Rheins suchte er seine Autorität nur durch Bündnisse, Belehnungen und die Gewährung von Privilegien zur Geltung zu bringen. So gewann er 1262 Kg. Otakar von Böhmen, der sich bei der Wahl 1257 nicht eindeutig auf Richards Seite gestellt hatte, durch die Belehnung mit Österreich und der Steiermark zum Bundesgenossen gegen den Staufer Konradin, der von oppositionellen Fürsten als Thronkandidat lanciert wurde. 1266 betraute er den Böhmenkönig mit dem Schutz des Reichsgutes rechts des Rheins.

    R. hat insgesamt vier Züge in das Reich unternommen (1257/58, 1260, 1262, 1268/69). Er hat aber auch von England aus konsequent, wenn letztlich auch vergeblich, Verhandlungen mit den Päpsten über seine Kaiserkrönung geführt. 1261 wählte ihn zudem eine Partei der röm. Bürgerschaft zum Senator. Seine Bemühungen um die Kaiserkrönung scheiterten jedoch schließlich an seiner Verstrickung in die Auseinandersetzungen zwischen seinem Bruder Heinrich und den engl. Baronen unter der Führung Simons de Montfort. Im Krieg der Barone geriet R. am 14.5.1264 in der Schlacht von Lewes in Gefangenschaft, aus der er erst am 6.9.1265 entlassen wurde. Trotz dieser Rückschläge konnte er auf seinem vierten Zug ins Reich seine Autorität in den Rheinlanden erneut konsolidieren. 1269 heiratete er in dritter Ehe die Nichte des Kölner Ebf. Engelbert II. und kehrte danach nach England zurück.

    Die zeitgenössische Geschichtsschreibung in Deutschland hat für R.s Herrschaftskonzeption kein Verständnis aufgebracht, die habsburg. Propaganda rechnete R.s Regierungszeit der Phase des Interregnums zu. Erst in jüngster Zeit wird R.s Wirken in der dt. Forschung differenzierter und positiver beurteilt.

  • Literatur

    ADB 28;
    Regg. Imp. V/2, bearb. v. J. Ficker u. E. Winkelmann, 1882–92, S. 988-1024;
    G. Lemcke, Btrr. z. Gesch. Kg. R.s v. C., 1909;
    J. F. Bappert, R. v. C. seit seiner Wahl zum Dt. König 1257-1272, 1907;
    N. Denholm Young, R. v. C., 1947;
    C. C. Bayley, The Diplomatic Preliminaries of the Double Election of 1257 in Germany, in: English Historical Review 67, 1947, S. 457-83;
    A. Gerlich, Rhein. Kurfürsten u. dt. Königtum im Interregnum, in: Geschichtl. Landeskde. 3, 2, 1967, S. 44-126, H.-E. Hilpert, Richard of Cornwall's Candidature for the German Throne and the Christmas Parliament at Westminster, in: Journal of Mediaeval Hist. 6, 1980, S. 185-98;
    M. Groten, Konrad v. Hochstaden u. d. Wahl R.s v. C., in: Köln, Stadt u. Bistum in Kirche u. Reich d. MA, FS f. O. Engels z. 65. Geb.tag, hg. v. H. Vollrath u. St. Weinfurter, 1993, S. 483-510 (L);
    B. Weiler, Image and Reality in R. of C.'s German Career, in: English Hist. Review 113, 1998, S. 1111-42;
    R. v. C., in: Krönungen, Könige in Aachen, Gesch. u. Mythos, hg. v. M. Kramp, Ausst.-kat. Aachen 2000, S. 433-39;
    Lex. MA.

  • Portraits

    Thronsiegel, Abb. b. O. Posse, Die Siegel d. dt. Kaiser u. Könige v. 751 bis 1806, 1, 1909, Tafel 37, 3 (nicht d. Münzsiegel ebd. Tafel 36, 1-2).

  • Autor/in

    Manfred Groten
  • Empfohlene Zitierweise

    Groten, Manfred, "Richard von Cornwall" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 505-506 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118600273.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Richard von Cornwall, Bruder des englischen Königs Heinrich III., geboren am 5. Januar 1209, erwählter römischer König. — Schon nach dem Tode von Friedrich's II. erstem Gegenkönig Heinrich Raspe (1247) soll ihm durch einen päpstlichen Legaten die römische Kaiserkrone angeboten sein, danach im J. 1252 ist Papst Innocenz IV. mit ihm und seinem Bruder wegen der sicilischen Königskrone in Unterhandlungen getreten. Indessen zerschlugen sich auch diese. Kaum aber, daß die Nachricht von dem am 28. Januar 1256 erfolgten Tode des Gegenkönigs Wilhelm von Holland nach England gelangt war, als sich König Heinrich III. zunächst bei der römischen Curie, dann auch bei den deutschen Wahlfürsten um die Erhebung eines ihm angenehmen Fürsten d. h. seines Bruders Richard, auf den erledigten Thron bemühte. Durch große Geldsummen ließen sich von ihm gewinnen voran der Erzbischof von Köln, Konrad von Hochstaden, dann der von Mainz und der Pfalzgraf. Diese drei wählten den wegen seiner Reichthümer willkommenen Ausländer am 13. Januar 1257 vor den Thoren Frankfurts und nach wenigen Tagen gab König Ottokar von Böhmen seine nachträgliche Zustimmung, obwol sein Procurator in Gemeinschaft mit dem Erzbischof von Trier, Arnold von Isenburg und dem Herzog von Sachsen in Frankfurt selbst am Tage der Wahl gegen den Vollzug derselben Protest eingelegt hatten. Und trotz dieser nachträglichen Zustimmung wählte und verkündete der Erzbischof von Trier am 1. April zu Frankfurt für sich, aber auch als Beauftragter König Ottokar's, sowie des Herzogs von Sachsen und des Markgrafen von Brandenburg König Alfonso X. von Castilien zum römischen König und Kaiser. Am Himmelfahrtstage (17. Mai) wurde R. zu Aachen, sitzend auf dem Stuhl Karl's des Großen, nebst seiner Gemahlin Sanchia vom Erzbischof von Köln gekrönt. Auch wurden ihm die Kroninsignien ausgeliefert. Die Krönungsstadt ehrte und bereicherte er durch wichtige Privilegien, dann wandte er sich dem Süden des Reiches zu. Auch hier blieben die Wirkungen seiner mit verschwenderischer Hand gespendeten Reichthümer nicht aus. Zudem stand ihm ein päpstlicher Legat zur Seite. In der Lombardei konnte er auf den Anhang aller der Städte rechnen, welche Papst Alexander IV. anhingen, der bei den Fortschritten der Macht König Manfred's der Kaiserkrönung Richard's nicht abgeneigt schien. In Rom wurde er zum Senator erwählt. Aber alle gewonnenen Aussichten schwanden ihm hin durch den Tod Alexander's (Mai 1261) und die Erhebung Urban's IV. Wohl gelang es ihm bei seiner dritten Anwesenheit im Reich 1264 — zwei Jahre zuvor|hatte er es zum zweiten Male besucht — Heinrich II. von Vinftingen, den neuen Erzbischof von Trier, völlig für sich zu gewinnen und König Ottokar von Böhmen sich dadurch zu verpflichten, daß er ihn auch mit dem Herzogthum Oesterreich und der Markgrafschaft Steier belehnte, doch wiederum riefen die Wirren in England ihn zurück. Am 14. Mai 1264 wurde er mit seinem königlichen Bruder in der Schlacht bei Lewis Gefangener des Grafen Simon von Leicester und der aufständischen Barone. Obwol im nächsten Jahre infolge der Schlacht bei Evesham befreit, kehrte er doch erst im J. 1268 und nur zu einem kurzen Aufenthalt in das Reich zurück. Nicht lange nach der Ermordung seines Sohnes Heinrich starb er am 2. April 1272.

    • Literatur

      Großes Verdienst erwarb sich um die Geschichte Richard's, zumal durch die reichliche Beigabe von Urkunden, Georg Christian Gebauer (Leben und denkwürdige Thaten Herrn Richard's, erwählten Römischen Kaysers, Leipzig 1744). Am eingehendsten handelten in neuester Zeit über ihn: A. Busson, Die Doppelwahl des Jahres 1257 und das Römische Königthum Alfons X. von Castilien. Münster 1866. — Fr. Schirrmacher. Die letzten Hohenstaufen, Göttingen 1871; in Betreff der Doppelwahl dessen Geschichte Spaniens, IV. S. 452 flg. — H. Koch, Richard von Cornwall, Straßburg 1887, erster Theil, für die Zeit von 1209—57. — Armin di Miranda, Richard von Cornwallis und sein Verhältniß zur Krönungsstadt Aachen, Bonn.

  • Autor/in

    F. Schirrmacher.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schirrmacher, Friedrich, "Richard von Cornwall" in: Allgemeine Deutsche Biographie 28 (1889), S. 412-413 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118600273.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA