Lebensdaten
um 1453 oder 1454 bis 1520
Sterbeort
vermutlich Augsburg
Beruf/Funktion
Humanist ; bayerischer Rat
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118595067 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dietrich von Plieningen
  • Plieningen zu Eisenhofen, Dietrich von
  • Dietrich von Plieningen zu Eisenhofen
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Zitierweise

Plieningen, Dietrich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118595067.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus edelfreier niederadliger Fam., d. ursprüngl. in Plieningen auf den Fildern (Stuttgart) ansässig war, u. a. in Diensten d. Gf. v. Werdenberg-Heiligenberg-Trochtelfingen u. Sargans u. d. Gf. v. Zollern;
    V Dietrich ( 1485), Vogt d. Gf. v. Werdenberg auf Burg Aislingen b. Dillingen/Donau, erwarb um 1480 d. Burg Schaubeck in Kleinbottwar (Kr. Ludwigsburg);
    M Margarete v. Venningen ( 1466 ?);
    B Johannes (wohl 1454/55-1506), studierte mit P. in Freiburg (Br.), Pavia u. Ferrara, war in Rom Familiare d. Kard. Rodrigo Borgia (später Papst Alexander VI.) u. d. Kard. Giuliano della Rovere (später Papst Julius II.), Propst zu Mosbach, Domherr in Worms;
    Stief-B Eitelhans (1486 ?-1534), studierte mit P. in Freiburg (Br.);
    1) vor Sommer 1479 Anna v. Memmersweiler (1450–1510), 2) 1511/14 Felicitas (* wohl 1493, 3] Leonhard v. Eck, 1480–1550, bayer. Kanzler, s. NDB IV), Wwe d. Hans v. Treswitz, T d. Ambrosius v. Freyberg u. d. Maria v. Schöndorf;
    1 T aus 2) Kunigunde ( 1] Johann Michael v. Tanneck, 2] Wilhelm Friedrich Gf. v. Lichtenstein auf Castelcron); S d. 2. Ehefrau Oswald v. Eck (* spätestens 1523), Erbe v. Hofmark u. Schloß Eisenhofen (Kr. Dachau).

  • Leben

    P. studierte mit seinen Brüdern 1471-79 in Freiburg (Br.), Pavia und Ferrara. In Pavia befreundete er sich mit Rudolf Agricola (1443/44-85), den er dazu veranlaßte, an den Hof des Augsburger Bischofs Johann v. Werdenberg zu gehen und „De inventione dialectica“ niederzuschreiben. Nach Agricolas Tod wurde dessen schriftlicher Nachlaß von P. und seinem Bruder Johannes gesammelt. Kf. Philipp I. von der Pfalz berief P. 1482 als gelehrten Rat an seinen Hof, der sich mit dem Kanzler und späteren Wormser Bischof Johann v. Dalberg, Konrad Celtis, Jacob Wimpheling, Sebastian Brandt und Rudolf Agricola zum|Zentrum des frühen Humanismus in Deutschland entwickelte.

    1494 holte Kg. Maximilian I. P. an das kgl. Kammergericht. Seit 1495 einer der Assessoren des Reichskammergerichts, nahm er an den Reichstagen in Lindau 1496 und Worms 1497 teil und war an der Reichsreform beteiligt. Seit 1499 stand er als gelehrter Rat in Diensten Hzg. Albrechts IV. von Bayern und führte die Verhandlungen, die den bayer.-pfälz. Erbfolgekrieg (1504/05) beendeten. Durch den Erwerb von Hofmark und Schloß Eisenhofen wurde P. 1506 bayer. Landsasse.

    P.s literarische Tätigkeit ist seit 1510 nachweisbar. Besonders seine prachtvoll illustrierten Erstübersetzungen lat. und griech. Autoren (u. a. Seneca, Sallust, Cicero, Juvenal, Horaz, Lukian) sind wichtige Dokumente für die Rezeption der klassischen Antike in Deutschland. 1515 erschienen zwei Ausgaben von Plinius' d. J. „Traiani Panegyricus“ (unautorisierter Nachdr. 1520), wofür P. eigene Interpunktionsregeln entwickelte.

    Rechtshistorisch wichtig ist Ps. Sammlung der sog. „Landesfreiheitserklärungen“ in Bayern und eine zweibändige, mit Vorwort und Registern versehene Edition (1514) der verstreuten kaiserl. und fürstl. Privilegien für bayer. Stände und Orte. Diese Sammlung bildete fortan die Grundlage, welche die bayer. Herzöge zu beschwören hatten. P. arbeitete mit an der 1516 in Ingolstadt beschlossenen neuen Gerichtsordnung (1520 neu bearb.) und an der Reform der bayer. Landrechte (1518). In den ständischen Auseinandersetzungen 1514 vertrat P., selbst Landsasse, die Position der Stände gegenüber dem bayer. Herzog, wobei er sich auf das aus der Naturrechtslehre übernommene Prinzip des Widerstandsrechts der Untertanen gegenüber der Obrigkeit in Notsituationen bezog.

  • Werke

    u. a. Stundenbuch, u. 1470-74 (Ms. in d. Württ. Landesbibl. Stuttgart).

  • Literatur

    ADB 26 u. 53;
    F. J. Worstbrock, Dt. Antikerezeption 1450-1550, 1976 (W-Verz.): W. Irtenkauf, Das Stundenbuch der Herren v. P., in: Ludwigsburger Gesch.bll. 28, 1976, S. 141-49;
    F. Gfn. Adelmann, ebd. S. 5-139 (P);
    dies., D. v. P., Humanist u. Staatsmann, 1981 (W-Verz., L, P);
    Ch. Bührlen-Grabinger, Die Herren v. P., 1986;
    Schottenloher;
    Killy.

  • Portraits

    Stifterbild auf Glasgem. aus d. St. Georgskirche in Kleinbottwar (Nürnberg, German. Nat.mus.);
    Kupf. auf Bl. 1v d. Sallust-Übers. „Des hochberompten latin. Historien schreiber Sallusti (…) Historien (…)“ (Göttingen, Niedersächs. Staats- u. Univ.bibl. 4° Auct. lat. II, 6285), Abb. in: F. Gfn. Adelmann, 1976 u. 1981 (s. L).

  • Autor/in

    Franziska Gräfin von Adelmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Adelmann, Franziska Gräfin von, "Plieningen, Dietrich von" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 542 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118595067.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Plieningen: Dietrich v. P. (auch Pleningen und Plenningen, latinisirt Plinius), geb. ca. 1450, 1520, entstammte dem alten, schon 1142 erwähnten ritterlichen Geschlechte v. P., welches in dem gleichnamigen Dorfe (zwei Stunden von Stuttgart entfernt) seine Heimath hatte. Sein Vater, Diether v. P., wurde 1480 mit der bei Kleinbottwar (Dorf O.-Amts Marbach) gelegenen Burg Schaubeck belehnt, das Familienbegräbniß war seitdem in Kleinbottmar, dessen Kirche zahlreiche Grabsteine des 1641 ausgestorbenen Geschlechts beherbergt; 1471 verlor Dietrich seine Mutter Margarethe v. Venningen. Die überaus dürftigen Nachrichten über seinen Lebensgang lassen uns auch darüber im Stiche, wann und wo er Rechtswissenschaft studirte. 1475 finden wir ihn in Gesellschaft seines jüngeren Bruders Johannes in Pavia, dort soll er Doctor der Rechte geworden sein. Neben seinem Berufsfache zogen den begabten und wohlhabenden Edelmann, der sich, den Briefen seiner Freunde nach zu schließen, durch Liebenswürdigkeit und treue Freundschaft auszeichnete, humanistische Studien an; aufs mächtigste wurde er von den Schätzen des Alterthums angeregt, mit den bedeutendsten Vertretern des Humanismus, der damals seinen Eroberungszug über die Alpen begann, trat er in Freundschaft und Correspondenz, er selbst gehörte zu den eifrigsten Beförderern desselben. Mit Johann v. Dalberg ((s. A. D. B. IV. 701 ff.), mit Rudolf Agricola (s. A. D. B. I. 151 ff.) schloß er die innigste Freundschaft, es war ein gegenseitiges sich Fördern und Unterstützen, und wenn P. den vielseitigen, glänzend begabten Agricola als seinem Lehrer unendlich vieles verdankte (Agricola corrigirte für ihn eine Handschrift der Briefe von Plinius), so suchte P. seinerseits die Thätigkeit des etwas unstäten Freundes festen, seiner Kenntnisse würdigen Aufgaben zuzuwenden. Am 29. Nov. 1475 folgten die Brüder einer Einladung Agricolas nach Ferrara. Mitte 1476 (Juli?) verließ P., dem Rufe seines Vaters folgend, Pavia, wo er sich zuletzt aufgehalten, sein Bruder blieb noch längere Zeit, 1482 war er noch oder wieder in Rom. Nach seiner Rückkehr trat Dietrich in die Dienste des Kurfürsten Philipp des Aufrichtigen von der Pfalz (1486—1508), der ihn 1482 zu seinem Rath ernannte, mit wichtigen Missionen (1490 nach München) betraute, zu Reichstagen z. A. 1487 in Nürnberg mitnahm, eine Zeitlang auch zum Reichskammergericht deputirte. Dem hochgebildeten und kunstsinnigen, für die Hebung seiner Universität Heidelberg eifrig besorgten Fürsten stand P. aufs treueste bei; Heidelberg wurde ein hervorragender Mittelpunkt des deutschen Humanismus, besonders seitdem Joh. v. Dalberg als Bischof von Worms Kanzler der Universität geworden war (1482), mit ihm bewohnte er den Münzhof. Von den italienischen Freunden war es namentlich Agricola, welchen Plieningen's Bemühungen für Heidelberg gewannen; Celtes, Wimpheling, Reuchlin und andere bildeten den schönen bedeutenden Kreis, welcher in Heidelberg eine Blüthezeit wissenschaftlichen Lebens hervorrief. Der angesehene, vielerfahrene schwäbische Edelmann gehörte als ebenbürtiger Genosse demselben an, er stand mit den bedeutendsten Trägern des Humanismus in Correspondenz, war auch eifriges Mitglied der von Celtes gegründeten sodalitas litteraria Rhenania. Sein Bruder Johann, der Canonicus in Worms und Propst in Mosbach geworden war, veranstaltete auf seine Aufforderung eine Sammlung der Werke des früh Verstorbenen viel betrauerten Freundes Agricola, derselbe schrieb auch, da Dietrich zu beschäftigt war, eine kurze lateinische Biographie des Freundes und Lehrers. 1493 war er Vciarius von Dalberg als Bischof von Worms, 1495 Reichskammergerichtsassessor|in Frankfurt, 1501 nahm er als Vertreter des Herzogs Albrecht von Baiern, in dessen Dienste er (wann?) getreten war, Theil am Reichsregimentstag in Nürnberg, 1512 war er dessen Gesandter beim schwäbischen Bunde; 1513 finden wir ihn beim Reichstag in Worms, dort vollendete er die Uebersetzung des Sallust. In bedauerlichster Weise schwinden die Nachrichten über ihn zusammen, wir wissen nur, daß er meistens in Landshut sich aufhielt, wo auch seine Schriften erschienen. Sein Bruder Johann starb 1506, seine erste Hausfrau Anna von Memerßwiler 1510, er selbst 1526; sie alle sind in Kleinbottwar begraben.

    P. gehörte zu den deutschen Humanisten, welche in der Beschäftigung mit den alten Classikern ihre liebste Erholung fanden und durch die Kenntniß der Alten moralisch auf ihre Landsleute einwirken wollten, dazu sollten die Uebersetzungen und Auszüge aus ihren Werken dienen, durch welche P. sich auch litterarisch bekannt gemacht hat: „Gaij Pliny des andern Lobsagung“, Landßhut 1515; „Des hochberomten Latinischen historischreibers Salustii zwo schone historien: von des Catilinen u. Jugurthen kriegen“. ibid. eod.; „ain kurtzer außzuge vom Seneca, wye man die Kinder auftziechen soll“. ibid. eod.; „Von Klaffern, zway püechlein: das ein Lucianus, das ander Poggius“. ibid. eod. „Anntwort auff zwo Fragen“. ibid. 1516. Die Uebersetzungen sind etwas ungelenk, reich an Provinzialismen, ihrem praktischen Zwecke entsprechend. Aus seiner Bibliothek kamen einige schöne Handschriften und Incunabeln in die Stiftsbibliothek Comburg und von dort in die königl. öffentliche Bibliothek (Stuttgart, cod. poet. et philos. 36 4° und 77 4°).

    • Literatur

      Eine würdige Biographie fehlt noch; vgl. über ihn: Erhard, Geschichte des Wiederaufblühens etc. III, 348. — Geiger, J. Reuchlin, S. 42 f. —
      Beschreibung d. OA. Marbach, S. 228; besonders Hartfelder, Unedirte Briefe v. R. Agricola und dess. deutsche Uebersetzungen classischer Schriftsteller a. d. Heidelb. Humanistenkreis. Heidelberg 1884. — Morneweg, Johann von Dalberg. Heidelberg 1887.

  • Autor/in

    Theodor Schott.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schott, Theodor; Riezler, Sigmund Ritter von, "Plieningen, Dietrich von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 26 (1888), S. 297-298 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118595067.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Plieningen: Dietrich von P. (Ergänzung zu A. D. B. XXVI, 297) hat nach seiner Uebersiedlung nach Baiern dort eine hochbedeutsame politische Wirksamkeit entfaltet. Herzog Albrecht IV. von Baiern gab seine Zustimmung, daß P. 1504 von seinem Schwager Stephan v. Lycha (Luchau), Pflegers zu Reichertshofen, dessen Güter in den bairischen Aemtern Oetting, Wildshut, Mauerkirchen und benachbarten durch Kauf erwarb. Derselbe Fürst belohnte seine Dienste durch Verleihung der niederbairischen Lehen, die Hans Wambolt besessen hatte. So trat der schwäbische Edelmann in die Reihe der bairischen Landsassen ein. 1507 und 1512 hat er eigenhändig Lehensbücher über diese beiden Lehensgruppen geschrieben (cod. germ. Monac. 3948 u. 3949). Während der vormundschaftlichen Regierung nach dem Tode Albrecht's IV. treffen wir ihn 1509 als Rath und Gesandten Herzog Wilhelm's IV. von Baiern in Heidelberg bei Verhandlungen mit Kurpfalz, 1512 in derselben Eigenschaft auf dem Tage des Schwäbischen Bundes in Augsburg und seit April auf dem Reichstage in Trier. Seine wichtigste Rolle aber spielte er in der Opposition gegen seinen Fürsten, auf den zwei stürmischen Landtagen des Jahres 1514, die den Höhepunkt der ständischen Macht in Baiern bezeichnen. Hier erscheint er als das geistige Haupt der bairischen Landstände, als ihr freimüthiger Wortführer und der schneidige Vorkämpfer ihrer Freiheiten. In seiner Person ist die humanistische Bildung zuerst in die Stuben der Landstände eingezogen und damit hängt es zusammen, daß die ständischen Interessen und Forderungen nie vorher mit solchem Geist und Nachdruck vertreten wurden. Vornehmlich P. war es zu danken, wenn die Landstände damals ihren schönsten Beruf erfüllten, einen Damm gegen Mißregierung und Willtürherrschaft zu bilden. Daß aber gerade ihm, dem geborenen Schwaben, in den exklusiven und gegen alle Fremden mißtrauischen Kreisen des bairischen Adels die führende Rolle zufiel, läßt sich nur durch seine geistige Ueberlegenheit erklären.

    Herzog Albrecht IV. hatte in Baiern das Erstgeburtsrecht im regierenden Hause eingeführt. Die kühne Neuerung stieß umsomehr auf Widerstand, da Albrecht's unreifer ältester Sohn und Nachfolger Wilhelm IV. durch Mißregierung und Verletzung der ständischen Freiheiten allgemeine Unzufriedenheit weckte. Unterstützt von seiner Mutter Kunigunde und seinem Oheim, K. Maximilian, forderte der zweite Sohn Ludwig den dritten Theil des Landes oder Mitregierung, also den Umsturz der jungen Primogeniturordnung. Auch die Landstände ergriffen für ihn Partei; sie schlossen (1. Februar 1514) ein Bündniß zur Handhabung ihrer Freiheiten und zur Abwehr wider jeden, der sie angriff, wählten einen Achterausschuß, der Klagen der Landsassen gegen die Herrschaft entgegennehmen sollte, beantragten für Ludwig die Mitregierung (denn die Primogenitur verstoße gegen Herkommen und Klugheit, Landestheilung aber sei als das größte Uebel zu vermeiden) und baten die beiden Fürsten, sie möchten, bis sie 24 Jahre erreicht hätten, die Besetzung ihrer Rathstellen der Landschaft überlassen. In eindringlicher und wohlgesetzter Rede trug P. den beiden Fürsten vor versammelter Landschaft diese und andere Wünsche vor. Erst nachdem die Herzoge in allem, auch der Aemterbesetzung, nachgegeben hatten, wurde die geforderte Steuer bewilligt. In der That wurden nun auch die herzoglichen Räthe von den Ständen ernannt. Unter den 16 ständigen oder „täglichen“ Räthen, die zu München tagten, befand sich P. Eine Zeitlang schalteten die Landstände förmlich als Vormünder ihrer|jungen Fürsten. Als dann K. Maximilian der Landschaft seine höchste Unzufriedenheit darüber entbieten ließ, trat wiederum P. als Wortführer einer ständischen Gesandtschaft zu Vöcklabrück vor den Kaiser. In seiner Rechtfertigungsrede (s. „Der Landtag von 1514“, S. 252—271) betonte er auch, daß der neue Entwurf der Landesfreiheiten nur den Inhalt der alten Freiheiten erläutere. Wolle man der Landschaft ihre Freiheiten nicht halten, dann wolle sie die Fürsten „ihre Roth und Verderben selbst austragen lassen“. An der Redaction der Erklärung dieser Landesfreiheiten, die am 28. März 1516 zu Ingolstadt definitiv beschlossen wurde, dürfte P. einen wesentlichen Antheil genommen haben. Auf den Kaiser scheint Plieningen's Beredsamkeit und feste Haltung in Vöcklabrück nicht ganz ohne Eindruck geblieben zu sein, da er erklärte, „er wolle mit der Landschaft nur scharmützeln, doch keinen Spieß auf der Bahn brechen“. Sachlich aber beharrte Maximilian bei seiner Auffassung; auf dem zweiten Landtage von 1514, der am 8. Mai eröffnet wurde, ließ er durch seine Gesandten das Vorgehen der Landschaft als unbedacht und vorschnell tadeln, bezeichnete ihre Freiheiten als veraltet und gebot ihr bei Strafe der Acht mit jeder weiteren Handlung innezuhalten. Mit großem Aufwand juristischer Gelehrsamkeit opponirte wiederum P. Der Conflict wurde verschärft, da H. Wilhelm in dem Eingreifen des Kaisers willkommenen Rückhalt zu dem Versuche fand, des Bruders Mitregierung abzuschütteln und sich der Abhängigkeit von dem Regentschaftsrathe und den Ständen zu entwinden. Da er überdies Drohungen gegen einzelne Räthe fallen ließ, richtete P. am 5. Juni im Auftrage des Ausschusses und der Räthe an ihn eine Strafpredigt, wie sie wohl selten ein Fürst von seinen Ständen vernahm. Kein Herr auf Erden sei so gefreit, daß er Macht habe, die Unterthanen nach seiner Willkür wider Recht und Billigkeit zu beschweren. Jeder Fürst sei nur Administrator oder Verweser und die Unterthanen brauchen nicht zu dulden, daß ihnen das jus naturale und das jus gentium benommen werde. Regenten und Fürstenthümer werden erhalten durch Gottesfurcht, Gerechtigkeit und Tugend, nicht durch Hoffart, Stolz und Eigenwilligkeit. Man kann kaum zweifeln, daß P. auch an der Abfassung der Denkschrift mitgearbeitet hat, die der Ausschuß am 15. August an die Stände des Reiches richtete, um sein Verhalten gegenüber den Anklagen des Kaisers zu rechtfertigen (Landtag von 1514, S. 571—599). Charakteristisch für Plieningen's und der Landschaft Auftreten in diesem ganzen Streit ist, daß bei ihnen der mittelalterliche Herrschaftsbegriff verdrängt erscheint von demselben modernen Staatsgedanken, gegen den doch andererseits das Pochen auf ihre Privilegien verstieß — ein innerer Widerspruch, dessen sich die Landstände natürlich nicht bewußt waren.

    Ein Bruder- und Bürgerkrieg war in Sicht, als Wilhelm, vom kaiserlichen Oheim in seinem Widerstand gegen die Landschaft bestärkt, seine Residenz in Burghausen aufschlug, und als die beiden Brüder zu Rüstungen schritten. Gegen Wilhelm's Hofmeister Hieronymus v. Stauf ward der Verdacht rege, daß er seinen Herrn gegen die Landschaft aufhetze. Als er mit einem Auftrage seines Fürsten nach München kam, stellte ihn P. (18. Aug.) auf dem Rathhause in Gegenwart aller Räthe und des kleineren Ausschusses zur Rede. Im Herbst aber wurde die schwere Gefahr eines inneren Krieges durch die Aussöhnung der herzoglichen Brüder abgelenkt. P. war nicht unter den herzoglichen Räthen, welche zum Abschlusse des brüderlichen Vertrags über gemeinsame Regierung vom 20. November 1514 beigezogen wurden — wahrscheinlich widerstrebte H. Wilhelm seiner Zuziehung —, wohl aber unter den 16 Männern, welche die Stände als Ausschuß zur Berathung über diesen|Vertrag niedersetzten. Mitten unter diesen Stürmen hatte P. die „hoch und theuer eroberten ständischen Freiheiten, die an vielen Orten zerstreut, verlegt, theilweise verloren und nun mit großer Mühe und Kosten wieder gesammelt worden waren“, nach den Originalurkunden vidimiren und mit einem von ihm verfaßten Register (in der Ausgabe v. Lerchenfeld's, S. 188—204) am 17. November 1514 in Druck ausgehen lassen. Unter dem Rathhause in München konnte man das Exemplar um 15 Kreuzer kaufen. P. betonte, daß diese Freiheiten um hohes, unermeßliches Geld erkauft seien, daß sie nicht widerrufen werden könnten und daß sie von allen nachfolgenden Fürsten — selbst von Albrecht IV., wiewohl sie dieser nicht in allen Punkten stracks gehalten habe — bestätigt und erneuert worden seien. In den (unter der Folter gemachten) Aussagen des am 8. April 1516 wegen Hochverrats hingerichteten Hofmeisters Hieronymus v. Stauf kommt vor, daß neben Wolf v. Aheim und dem früheren Kanzler Neuhauser P. mit H. Wilhelm's Wissen den Plan gehegt habe, daß Wilhelm wieder Alleinregent werden solle — eine höchst überraschende Nachricht, die wir dahingestellt lassen müssen, so lange nicht weitere Stützen dafür aufgefunden werden.

    • Literatur

      (Krenner), Bairische Landtagshandlungen XVII, 234; XVIII, 347. — Der Landtag im Herzogthum Baiern v. J. 1514, 1. u. 2. Handlung. —
      Die Landtage im Hzgth. Baiern v. d. J. 1515 u. 1516, bes. S. 65—77, 129, 161. —
      v. Lerchenfeld, Die altbaierischen landständischen Freibriefe mit d. Landesfreiheitserklärungen, mit geschichtl. Einleitung (v. Rockinger). —
      Riezler, Geschichte Baierns IV, bes. 14 flgd.; VI, 23 flgd. — Ueber den Humanisten Plieningen ferner: Vilmar, Dietrich v. Plieningen. Ein Uebersetzer aus dem Heidelberger Humanistenkreis. Marburger Diss. 1896.

  • Autor/in

    Sigmund Riezler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schott, Theodor; Riezler, Sigmund Ritter von, "Plieningen, Dietrich von" in: Allgemeine Deutsche Biographie (), S. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118595067.html#adb2content

    CC-BY-NC-SA