Lebensdaten
1916 bis 1990
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Budapest
Beruf/Funktion
Romanist ; Übersetzer
Konfession
evangelisch,katholisch
Normdaten
GND: 118591142 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Paepcke, Fritz

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Zitierweise

Paepcke, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118591142.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Paul (1886–1975), aus Mecklenburg, Ing. in Berlin;
    M Gertrud Strehle (1886–1969), aus Berlin.

  • Leben

    Nach dem Abitur in Berlin studierte P. roman. Sprachen, lat. Philologie und Philosophie in Berlin, Leipzig und Paris. Sein Studium beendete er in München als Schüler von Hans Rheinfelder und Gerhard Rohlfs mit der Dissertation „Die franz. Nominalkomposition“ (1946). 1947-52 war P. als Dozent für Roman. Philologie an der Phil.-Theol. Hochschule in Regensburg tätig. Seit 1952 baute er die franz. Abteilung des heutigen Instituts für Übersetzen und Dolmetschen der Univ. Heidelberg auf, die ihn 1966 zum o. Professor für Angewandte Sprachwissenschaft (Französisch) ernannte. Nach seiner Emeritierung 1981 lehrte er als Gastprofessor am Eötvös-József-Kollegium der Univ. Budapest.

    Im Zentrum von P.s wissenschaftlicher Arbeit stand das Problem des Übersetzens. Sein von der Hermeneutik Hans-Georg Gadamers ausgehendes Übersetzungsverständnis postulierte die Einheit von Wirklichkeit und Sprache und stellte sich damit in bewußten Gegensatz zu Strömungen einer ungeschichtlichen Sprachwissenschaft. P. gelang in seinen Schriften der Aufweis hermeneutischer Gemeinsamkeit zwischen funktionalen Gebrauchstexten und literarischen Werken, was eindrucksvoll die zusammen mit Philippe Forget verfaßten Studienbücher „Textverstehen und Übersetzen“ (2 Bde., 1981/82) belegen. Neben einer Reihe von z. T. in mehreren Auflagen erschienenen Übertragungen (Blaise Pascal, André Maurois, Paul Valéry, Raymond Aron, Albert Camus, Teilhard de Chardin) publizierte P. seit 1951 in deutschen und internationalen Fachzeitschriften zahlreiche Beiträge zur Theorie und Praxis des Übersetzens. P.s Denken ist nicht durch ein systematisches Hauptwerk zugänglich, sondern durch die Vielzahl von Einzeluntersuchungen, deren Themenspektrum von der Sprache der Liturgie, Werbung und Politik bis zur modernen Lyrik reicht.

    Neben seiner unermüdlichen Lehr- und Forschungstätigkeit widmete sich P. einer Fülle ehrenamtlicher Aktivitäten, u. a. war er 1976-86 Vizepräsident des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ), stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses des Aus-, Fortbildungs- und Prüfungswesens sowie des Ausschusses für Geschichte und Theorie der Fédération Internationale des Traducteurs, bis 1986 ständiger Mitarbeiter von DIN (Normenausschuß Terminologie) sowie verantwortlicher Redakteur des „Mitteilungsblatts für Dolmetscher und Übersetzer“. P. wirkte auch nachhaltig im Ausland, etwa als Directeur de Recherches à l'Université de la Sorbonne Nouvelle (Paris III), als Mitbegründer der Heidelberger Universitätspartnerschaft mit Montpellier, langjähriges Vorstandsmitglied im O.I.U.N.T., Warschau, beim Aufbau von Sprachinstituten in Finnland und Polen, beim Kooperationsvertrag der Universitäten Heidelberg und Budapest sowie durch Vorträge und Lehraufenthalte in Frankreich, Belgien, den USA, Finnland, der Schweiz, Spanien, Polen und Ungarn.|

  • Auszeichnungen

    Orden f. Kunst u. Wiss. „Palmes académiques“ (1964).

  • Werke

    u. a. Die franz. Nominalkomposition, Ein Btr. z. Ausdrucksweise d. modernen Sprache, Diss. München 1946 (ungedr.);
    Franz. Wiederholungsgrammatik, Neubearb., 1950 (mit K. Warnke);
    André Maurois, Portrait de la France et des Français, 1955, 101975 (Übers. u. Anm.);
    Blaise Pascal, Le coeur et ses raisons, 1959, 41974 (Ausw., Übers. u. Nachwort);
    Raymond Aron, Conservatrice ou Révolutionnaire? La France dans le monde actuel, 1960 (Übers.);
    Paul Valéry, Regards sur la France 1966, 31976 (Übers. u. Nachw.);
    Sprache u. Zeremonie, Ideologie u. Selbstverständnis i. d. pol. Rede v. Charles de Gaulle, 1968;
    Albert Camus u. d. Friede, 1960, Nachdr. in: Wege d. dt. Camus-Rezeption, 1974, S. 88-115;
    Perspektiven d. Übersetzens, in: Helikon, Zs. d. Ungar. Ak. d. Wiss., 1986, H. 3-4 (Hg.);
    Im Übersetzen leben, Übersetzen u. Textvgl., hg. v. K. Berger u. H.-M. Speier, 1986 (Aufss.; P)
    ;
    Wie verändert Übersetzen e. Gedicht? Baudelaire – Celan, in: Celan-Jb. 1, 1987, S. 183-215.

  • Literatur

    Imago Linguae, Btrr. zu. Sprache, Deutung u. Übers., FS z. 60. Geb.tag, hg. v. K.-H. Bender u. a., 1977 (W-Verz.; P)
    ;
    H. Th. Schwarz u. R. Stolze, in: Mitt.bl. f. Dolmetscher u. Übersetzer 36, 1990, Nr. 2, S. 1 f. (P) H.-M. Speier, in: Ü wie Übersetzen, Zs. d. österr. Übersetzergemeinschaft, Nr. 3/4, 1990, S. 143-45;
    ders., in: Helikon, Zs. d. Ungar. Ak. d. Wiss., 1990, H. 4, S. 527 f.

  • Autor/in

    Hans-Michael Speier
  • Empfohlene Zitierweise

    Speier, Hans-Michael, "Paepcke, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 754 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118591142.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA