Lebensdaten
1873 bis 1945
Geburtsort
Leutkirch (Allgäu)
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
konfessionslos
Normdaten
GND: 118591029 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ratatöskr (Pseudonym seit 1905)
  • Blaich, Hans Erich (eigentlich)
  • Owlglass, Dr. (Pseudonym seit 1895)
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Dr. Owlglass, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118591029.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Jacob Blaich (1833–93), Stadtschultheiß zu L.;
    M Mathilde Büchele (1842–1917) aus Memmingen;
    München 1903 Anna Strobel (1879–1954); kinderlos.

  • Leben

    Nach Schuljahren in Leutkirch, Ulm und Ravensburg studierte O. seit 1890/91 in Tübingen, 1892/93 in München und 1895-97 in Heidelberg Philosophie und Medizin, zuerst mit dem Schwerpunkt Psychiatrie (bei Kraepelin). Nach der ärztlichen Approbation absolvierte er 1899-1904 eine Ausbildung zum Facharzt für Lungenheilkunde und Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde in Görbersdorf (Schlesien) und Davos. 1905 ließ er sich als Facharzt in Stuttgart nieder, 1909 in München-Pasing, 1911 in Fürstenfeldbruck.

    Seit seiner Studienzeit war der freisinnige und literarisch an den Vorbildern Goethe, Eichendorff, Keller, Mörike, Raabe und Busch gebildete O. mit Gedichten, Glossen, Prosaskizzen und Rezensionen Mitarbeiter (nach 1895 mit d. Ps. „Dr. Owlglass“, d. i. Dr. Eulenspiegel) an satirischen, freidenkerischen und sozialdemokratischen Blättern, so 1895-97 an Michael Georg Conrads Organ des Münchner Naturalismus „Die Gesellschaft“ und vom ersten bis zum letzten Jahrgang 1896/97-1944 am „Simplicissimus“. Nach vereinzelten Beiträgen avancierte O. 1905 hier nach und mit Wedekind und Ludwig Thoma zum Hausdichter mit der Verpflichtung, monatlich fünf Gedichte zu liefern. Von 1912 bis zu H. Sinsheimers Konsolidierung der Zeitschrift 1924 war er Redakteur, im Mai 1933 übernahm er nach der Gleichschaltung des Blattes auf Drängen des Zeichners Karl Arnold sogar die Redaktionsleitung, die er aber 1935 abgab. Seine Pflichtgedichte schrieb der sensible, hochmusikalische, oft depressive Dichter, der privat ein entschiedener Gegner des Kaiserreiches und des Nationalsozialismus war, öffentlich allerdings schwieg, noch bis zur vorletzten Nummer der im September 1944 eingestellten Zeitschrift. In neun größtenteils noch unausgewerteten Tagebüchern (1911–1945, Nachlaß Marbach) hielt er die spannungsreiche Geschichte der Simplicissimus-Redaktion fest, deren wiederholt anpasserische Haltung ihn die Freundschaft mit dem jungen Tucholsky kostete. Bereits 1905 hatte O. für seine zeitsatirischen und tagespolitischen Gedichte ein zweites Pseudonym „Ratatöskr“ (Eichhörnchen auf der Weltesche Yggdrasil der „Edda“) gewählt. Die satirische Komponente seines Werks ist von O.s Vorliebe für die Literatur des 16. Jh. geprägt (Rabelais-Übers. mit W. E. Öftering [Ps. E. Hegaur] 1907-09; Montaigne- u. Cervantes-Auswahlausgg. 1925/27; Fischart-Editionsplan). Daneben galt sein Interesse der Aufklärungszeit (Sebastian Sailers Komödien, 1914; Lichtenberg-Auswahl, 1942). Von „Der saure Apfel“ (1904) bis zu „Damals“ (1941), „Idyllen und Katastrophen“ (1942 mit Gulbransson), „Garten hinterm Haus“ (1944) und „Tempi passati“ (postum 1947) hat O. in sorgfältiger Auswahl seine lyrischen und erzählerischen „Simplicissimus“-Beiträge selbst zusammengestellt bzw. herausgegeben. Literaten- und Künstlerfreunde wie Rudolf Baur, Eduard Berend, Anna Croissant-Rust, Josef Eberle, Paul Emst, Albrecht Goes, Hermann Hesse, Josef Hofmiller, Erwin Guido Kolbenheyer, Käthe Kollwitz, Fritz Mauthner, Erich Schairer, Helene Voigt-Diederichs und Josef Weinheber (gr. Briefnachlaß in Marbach) schätzten an O.s Gedichten die geistreiche Themenverarbeitung und die metrisch-rhythmische Meisterschaft.

  • Werke

    Weitere W u. a. Ausgew. Werke d. „Simplicissimus“-Dichters H. E. Blaich „Dr. Owlglass“, Mit sämtl. Briefen an K. Tucholsky, Mit e. Einl., Anm. u. e. Bibliogr. hg. v. V. Hoffmann, 1981 (W-Verz., P).

  • Literatur

    C. Schulz-Hoffmann (Hg.), Simplicissimus, Eine satir. Zs., München 1896-1944, Ausst.kat. München 1978;
    H. Abret u. A. Keel (Hg.), Das Kopierbuch Korfiz Holms 1899-1903, Ein Btr. z. Gesch. d. A. Langen Verlages u. d. Simplicissimus, 1989;
    Jochen Meyer u. A. Bonitz, „Entlaufene Bürger“, K. Tucholsky u. d. Seinen, 1990;
    G. M. Rösch, Doch e. Gesch. d. Simplicissimus, Eine Unters. zu Th. Th. Heines Exilroman „Ich warte auf Wunder“, in: Seminar, A Journal of Germanic Studies 27, 1991, H. 4, S. 301-15;
    dies. (Hg.), Simplicissimus, Glanz u. Elend d. Satire in Dtld., 1996;
    A. Pöllinger (Hg.), Der Briefwechsel zw. L. Thoma u. A. Langen 1899-1908, 2 Bde., 1993;
    H. Abret, A. Langen, Ein europ. Verleger, 1993;
    M. Bosch, Bohème am Bodensee, 1997, S. 97 f.;
    Heyd VIII;
    Kosch, Lit.-Lex3;
    Killy.

  • Autor/in

    Volker Hoffmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hoffmann, Volker, "Dr. Owlglass" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 731-732 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118591029.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA