Lebensdaten
1905 bis 1960
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Tel Aviv (Israel)
Beruf/Funktion
Psychologe ; Fortsetzer der Jungschen analytischen Psychologie
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118587277 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Neumann, Erich

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Zitierweise

Neumann, Erich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118587277.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Eduard (1866–1937) aus Schlochau (Westpr.), Kaufm. in B.;
    M Selma Brodnitz (1872–1955) aus Posen, emigrierte 1939 nach London;
    Julie Blumenfeld (1905–85), C. G. Jung-Analytikerin u. Chirologin;
    1 S Micha (* 1932), Psychiater, Psychoanalytiker in T. A. (s. W), 1 T Rachel Loewenthal (* 1938), Kinderanalytikerin.

  • Leben

    N. beschäftigte sich seit seiner Jugend intensiv mit der Kabbala und dem Chassidismus. Ein Studium der Philosophie in Erlangen beendete er 1927 mit der Promotion aufgrund der Arbeit „Johann Arnold Kanne, ein vergessener Romantiker, Ein Beitrag zur Geschichte der mystischen Sprachphilosophie“. Angeregt durch die Lektüre der Werke Sigmund Freuds und Carl Gustav Jungs (1875–1961) interessierte er sich zunehmend für Psychologie und Psychotherapie und wandte sich nun dem Studium der Medizin in Berlin zu, das er Anfang 1933 beendete. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung verließ N. mit seiner Familie Deutschland in der Absicht, sich in Palästina niederzulassen. Zuvor suchte er in der Schweiz eine Begegnung mit Jung, auf die er sich intensiv vorbereitete. Die daraufhin folgende, ein Jahr dauernde Zusammenarbeit mit Jung war für N. entscheidend. Auch danach verband beide eine enge freundschaftliche Beziehung, die ein umfangreicher Briefwechsel dokumentiert. 1934 ließ sich N. in Palästina nieder. Sein Zionismus entsprang dem lang gehegten Wunsch, die eigenen jüd. Wurzeln, seine „Erdseite“, ernst zu nehmen. Er baute in Tel Aviv eine analytisch-psychologische Praxis auf und begann, Kurse und Seminare – besonders auch zu jüd. Fragen – abzuhalten. 1939-45 konnte der briefliche Kontakt mit Jung nicht aufrecht erhalten werden. N. nutzte diese Jahre für die Vertiefung und schriftliche Fassung seiner Studien. Als er sich 1947 erneut mit Jung traf, konnte er ihm „Tiefenpsychologie und neue Ethik“ (1949, 31973) und „Ursprungsgeschichte des Bewußtseins“ (1949, 41989) vorlegen. Darin versucht N., nach Weltkrieg und Holocaust zunächst den Ausblick auf ein neues ethisches Verhalten zu geben, das konventionelle jüd.-christl. Begriffe übersteigt, und zeichnet die Phasen der Entwicklung menschlichen Bewußtseins durch die Interpretation grundlegender Mythologien und die von Werken der Kunst auf der Grundlage der Archetypenlehre nach. Der Entwicklung des kollektiven Bewußtseins wird dabei sowohl phylogenetisch wie ontogenetisch nachgegangen. Jung schrieb Vorworte zu diesen Werken, in denen er die eigenständige systematische Leistung N.s hervorhebt, und sorgte für ihre Veröffentlichung im Verlag Rascher in Zürich. Seit 1948 war N. alljährlich Gast und Vortragender bei den von Physikern, Philosophen, Biologen, Ethnologen, Tiefenpsychologen, Religionswissenschaftlern, Mythologen und Mystik-Wissenschaftlern frequentierten Eranos-Tagungen in Ascona. Die jährlichen Besuche bei Jung und die Vorträge bei diesen Tagungen, die weit über die engeren Grenzen der Psychologie hinausreichten, bildeten die Grundlage für weitere wissenschaftliche Arbeiten, u. a. für das postum erschienene fragmentarische Werk „Das Kind“ (1963, 41990). Es beschäftigt sich mit der Herauslösung des individuellen Ich aus dem umfassenden Unbewußten und erörtert dabei die schicksalhafte Bedeutung der ersten Beziehung des Kindes zur Mutter. N. gilt als der bedeutendste Jung- Schüler und als eigenständiger Fortsetzer der Jungschen analytischen Psychologie.

  • Werke

    Weitere W Amor u. Psyche, 1952, 71990;
    Umkreisung d. Mitte, Aufss. z. Tiefenpsychologie d. Kultur, 3 Bde., 1953/54;
    Die gr. Mutter, 1956, 91989;
    Kulturentwicklung u. Rel., 1958, 1978;
    Die archetypische Welt Henry Moores, 1961 (engl. 1959). – Eranos-Vorträge: Zur Psychologie d. Weiblichen, 1952, 21975;
    Kunst u. schöpfer. Unbewußtes, 1954;
    Der schöpfer. Mensch, 1959;
    Krise u. Erneuerung, 1961;
    Die Psyche als Ort d. Gestaltung, 1992. – E. N. – C. G. Jung, Briefwechsel, hg. v. Micha Neumann, voraussichtl. 1998. – Zahlr. Überss. ins Engl., Ital., Holländ., Span., Portugies., Japan. u. Hebr.

  • Literatur

    Kreativität d. Unbewußten, Zum 75. Geb.tag v. E. N. (1905-1960), hg. v. H. Dieckmann u. a., 1980 (W-Verz., P); , Analyt. Psychologie 18, 1987, H. 2, S. 420 (Verz. d. Briefe C. G. Jungs an E. N.)
    ;
    Enc. Jud. 1971;
    BHdE II.

  • Autor/in

    Micha Neumann
  • Empfohlene Zitierweise

    Neumann, Micha, "Neumann, Erich" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 142 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118587277.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA