Lebensdaten
1883 bis 1974
Geburtsort
Lautschin (Böhmen)
Sterbeort
Graz
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Journalist
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 118586092 | OGND | VIAF

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Zitierweise

Nabl, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118586092.html [24.10.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1839–1913), Thurn- u. Taxisscher Forst- u. Domänenrat in L., später Privatier in Wien u. Baden (Niederösterreich); M Antonia Unterstein (1852–1940); 1) 1907 Hermenegild (1887–1937), T d. Johann Lampa, Maschinen-Ing., Insp. d. Staatsbahn, 2) 1940 Ilse Meltzer (1905–78); Schwager Anton Lampa (1868–1938), Physiker u. Volksbildner (s. NDB 13).

  • Leben

    N. studierte 1902-07 in Wien zunächst Jus, später Germanistik. Nach seiner Heirat lebte er bis 1911 als freier Schriftsteller in Enzesfeld/Triesting (Niederösterreich), danach in Wien. Vor allem durch den Roman „Ödhof“ (1911, 61975) wurde er bekannt. Die Erbschaft nach dem Tode seines Vaters ermöglichte N., sich in Baden bei Wien niederzulassen. Fehlspekulationen des Bruders Arnold brachten ihn 1919 um sein Vermögen. Durch den Mißerfolg des Romans „Die Galgenfrist“ (1921, 21949) entmutigt, arbeitete er 1924-27 als Feuilletonredakteur für das „Grazer Tagblatt“. Aufgrund dieser Tätigkeit machte er Bekanntschaft mit der „Südmarkrunde“, die durch Mitglieder wie den Volkskundler Viktor v. Geramb und den Heimatschriftsteller Hans Kloepfer Einfluß auf N.s Werk ausübte. Die Einkünfte aus den zahlreichen Aufführungen des 1924 entstandenen Theaterstückes „Trieschübel“, das vor allem in konservativen und nationalen Kreisen als Gegenbeispiel zu moderner Dramatik gelobt wurde, ermöglichten ihm die Rückkehr nach Baden. Die Hoffnung, an den Erfolg dieses Stückes anknüpfen zu können, erfüllte sich jedoch nicht. Erst seine Verbindungen zum Bremer Verlag Carl Schünemann sowie seine Kontakte zu Exponenten des österr. Nationalsozialismus verhalfen ihm zu neuer Popularität. 1934 ließ er sich endgültig in Graz nieder. 1938 erschien das Landschaftsbuch „Steirische Lebenswanderung“ (61973), das N.s Ruf als Heimatschriftsteller begründete. Er arbeitete 1940-44 als Kulturredakteur bei der „Grazer Tagespost“ und nahm an Dichterlesungen teil. In dieser Zeit entstanden einzelne Novellen, vor allem jedoch kurze Aufsätze, die in erster Linie die heimische Natur und Landschaft behandelten. Nach dem 2. Weltkrieg geriet N. außerhalb der Steiermark trotz der Verleihung mehrerer Literaturpreise weitgehend in Vergessenheit. Die kurzen Texte für den steir. Regionalsender wurden auszugsweise im Band „Der erloschene Stern, Eine Kindheit um die Jahrhundertwende“ (1962) veröffentlicht. Erst 1973 wurde N. von den jungen Schriftstellern des „Forums Stadtpark“ in Graz wiederentdeckt, die die psychologische Genauigkeit seiner frühen Texte schätzten.

    N. sah sich selbst in der Tradition des Realismus des 19. Jh. Zunächst an Wiens Literatur um 1900 orientiert und von A. Schnitzler gefördert, schuf er mit dem „Ödhof“ ein Werk, das auch als Heimatroman eingestuft werden konnte. Heute gilt als wichtigstes Werk der Roman „Das Grab des Lebendigen“ (1917, 51976), in dem eine kleinbürgerliche Familie eindrucksvoll analysiert wird. Obwohl sich N. als unpolitischer Schriftsteller verstand, paßte er die Thematik seiner Werke dem NS-Regime an; er wurde nun als Schilderer von Mensch und Natur jenseits politischer und sozialer Fragestellungen gefeiert. Dieses einseitige Bild N.s hat sich bis heute auch in den Kontroversen über seine Rolle während des Nationalsozialismus erhalten.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Graz 1943); Bauernfeld-Preis (1921), Mozart-Preis (1938), Lit.preis d. Stadt Wien (1952), Gr. Staatspreis f. Lit. d. Republik Österreich (1957); Vorstandsmitgl. d. österr. PEN; Mitgl. d. Dt. Ak. in Prag (1918); Korr. Mitgl. d. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung (1960).

  • Werke

    Weitere W u. a. Romane: Der Mann v. gestern, 1935, 31947; Vaterhaus, 1974, 21976. – Erzz.: Der Tag d. Erkenntnis, 1919, 41961; Der Fund, 1937, 21955; Johannes Krantz, Erzz. in e. Rahmen, 1948, 31981; Frühe Erzz., Einl. v. P. Handke, 1975; Meistererzz., 1978. – Autobiogr. Erzz.: Das Rasenstück, 1953; Die zweite Heimat, 1963; Spiel mit Blättern, 1973 (Skizzen); Meine Wohnstätten, 1975 (P). – Ausgew. Werke, 4 Bde., 1965. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: F. N.-Inst. f. Lit.forschung, Graz; Dt. Lit.archiv, Marbach (Briefwechsel mit E. Ackerknecht).

  • Literatur

    E. Ackerknecht, F. N., 1938; J. Rieder, Das epische Schaffen F. N.s, Diss. Wien 1949 (ungedr.); Studium Generale, Sonderh. F. N., 24, 1971 (darin u. a. F. u. I. Nabl, Leben u. Werdegang, W-Verz., L); G. Smola, Sonderausst. F. N., 1973 (P); K. Bartsch, G. Melzer, J. Strutz (Hrsg.), Über F. N. (mit Btrr. v. W. Schmidt-Dengler, P. Handke, H. Himmel, H. Keiper, J. Holzner, Z. Skreb, K. Amann, B. Doppler, E. Canetti, P); K. Rossbacher, F. N.s Roman „Ödhof“ in d. ersten Rezensionen, in: J. Holzner (Hrsg.), FS f. A. Doppler z. 60. Geb.tag, 1981; E.-E. Keil, in: Ostdt. Gedenktage, 1984, S. 36-38 (P); H. Arlt, in: ders. u. M. Diersch, Sein u. Schein – Traum u. Wirklichkeit, Zur Poetik österr. Schriftst./innen im 20. Jh., 1994, S. 103-20; M. Walser, „Die Ortliebschen Frauen“, Über d. erste Bekanntschaft mit F. N., in: NZZ v. 18.3.1994 (Rede z. Verleihung d. F.-N.-Preises d. Stadt Graz am 26.1.1994); B. Noelle, F. N., Diss. Wien 1995 (W-Verz., L); Biographisches Lexikon Böhmen; Kosch, Lit.-Lex.3; Killy. – Eigene Archivstud.

  • Autor

    Brigitte Noelle
  • Empfohlene Zitierweise

    Noelle, Brigitte, "Nabl, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 679 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118586092.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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