Lebensdaten
1890 bis 1970
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Jurist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118581163 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Merkl, Adolf Julius
  • Merkl, Adolf
  • Merkl, Adolf Julius
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Zitierweise

Merkl, Adolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118581163.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf (1863–1909), Revierförster, später an d. Mil.akademie in Wiener Neustadt tätig, S d. Müllermeisters Ferdinand (1815–80) u. d. Agnes Senftel (1821–92);
    M Franziska Paulina (1865–1939), T d. Gewerks-Dir. Julius Lindermann (1823–89) u. d. Franziska Horak (1826–1909);
    Wien 1929 Edith (1905–85), Dr. iur., T d. Dr. iur. Georg Wieninger (1868–1936), Rechtsanwalt in W., u. d. Karoline Franziska Kraft (1877–1965); kinderlos.

  • Leben

    M. promovierte 1913 an der Univ. Wien zum Dr. iur. und war nach der Gerichtspraxis im Verwaltungsdienst der Stadt Wien tätig. 1917 wurde er in das Handelsministerium, hernach in das Ministerium für soziale Fürsorge und noch im April 1918 in das staatsrechtliche Büro des Ministerratspräsidiums berufen. Im November desselben Jahres wurde M. in den Verfassungsdienst der Staatskanzlei übernommen. Als Schüler von Edmund Bernatzik, Adolf Menzel und Hans Kelsen habilitierte er sich 1919 für allgemeines und österr. Staatsrecht, Verwaltungslehre und österr. Verwaltungsrecht an der Univ. Wien, an der er 1921 zum ao. und 1932 zum o. Professor ernannt wurde. Nach der Besetzung Österreichs durch das NS-Regime wurde M. zunächst im April 1938 beurlaubt und im Dezember 1939 in den dauernden Ruhestand versetzt. Später wurde er als Helfer in Steuersachen in Wien zugelassen. 1941 wurde M. mit der vertretungsweisen Wahrnehmung einer öffentlichrechtlichen Professur an der Univ. Tübingen beauftragt; erst 1943 erfolgte die endgültige Ernennung. 1950 kehrte er auf seinen früheren Lehrstuhl an der Univ. Wien zurück, wo er noch bis vier Jahre nach seiner Emeritierung 1961 lehrte.

    M. hat Bleibendes durch seine Untersuchungen zur Struktur des Rechtssatzes und der Rechtskraft sowie zum System eines allgemeinen Verwaltungsrechtes geleistet. Mit seiner „Lehre vom Stufenbau der Rechtsordnung“ zeigte er den Zusammenhang der Rechtsnormen, der in einer Über- und Unterordnung vom Verfassungsrechtssatz bis zur letzten Vollstreckungsanordnung reicht. Mit dieser Lehre hat M. insofern eine Dynamisierung der „Reinen Rechtslehre“ seines Lehrers H. Kelsen, der die Rechtssätze aus ihrem normativen Zusammenhang erklärte, erreicht, als er die gesamte Rechtsordnung als im lebendigen Prozeß der Verfassungskonkretisierung stehend darstellte. M. war 1918-20 an der Entstehung der Verfassung der Republik Österreich beteiligt und setzte sich auch kritisch mit allen folgenden Stadien der Verfassungsentwicklung auseinander.

    Obgleich vom Rechtspositivismus Kelsens kommend, anerkannte er später das Naturrecht „als regulatives Prinzip des positiven Rechts“ und beschäftigte sich mit den Möglichkeiten des Widerstandes. Der Systematiker des Staats- und Verwaltungsrechts M. war zugleich auch ein Kritiker des Rechtsmißbrauches, den er besonders dann als gegeben ansah, wenn ein Staat das positive Recht zur Verletzung von Menschenrechten verwendete. Er setzte sich auch für den Schutz der Minderheiten, die Friedenssicherung und für die Natur ein; auf ihn gehen in Österreich die ersten Naturschutzgesetze zurück. Wissenschaftliche Bedeutung verband sich bei M. mit persönlicher Bescheidenheit und menschlicher Glaubwürdigkeit.|

  • Auszeichnungen

    Korr. Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss.; Dr. iur. h. c. (Innsbruck, Tübingen, Salzburg. Thessaloniki).

  • Werke

    Das doppelte Rechtsantlitz, in: Jurist. Bll. 1918, S. 425 ff., 444 ff., 463 ff.;
    Das Recht im Lichte seiner Anwendung, in: Dt. Richterztg. 1916, Sp. 584 ff.;
    1917, Sp. 162 ff., 394 ff., 443 ff.;
    1919, Sp. 290 ff. Die Vfg. d. Republik Dt.-Österreich, Ein krit.-systemat. Grundriß, 1919;
    Die Lehre v. d. Rechtskraft, entwickelt aus d. Rechtsbegriff, 1923;
    Demokratie u. Verwaltung, 1923;
    Allg. Verwaltungsrecht, 1927 (tschech. u. span. Überss.);
    Prolegomena e. Theorie d. rechtl. Stufenbaus, in: FS H. Kelsen, 1931, S. 252 ff.;
    Die ständ.-autoritäre Vfg. Österreichs, Ein krit.-systemat. Grundriß, 1935;
    H. Klecatsky, R. Marcic, H. Schambeck (Hrsg.), Die Wiener rechtstheoret. Schule, Schrr. v. H. Kelsen, A. M., A. Verdroß, 1968;
    Bibliogr., zus.gestellt v. D. Mayer-Maly, ebd. II, S. 2384–93. – Selbstbiogr.: N. Grass (Hrsg.), Österr. Rechts- u. Staatswiss. d. Gegenwart in Selbstdarst., 1952, S. 137-59 (P).

  • Literatur

    H. Kelsen, A. M. zu seinem 70. Geb.tag, in: Österr. Zs. f. öffentl. Recht NF 10, 1960, H. 2-3 (A. M. u. J. L. Kunz gewidmet), S. 313 ff.;
    H. Schambeck, ebd. 21, 1971, S. 1 ff.;
    R. Marcic, in: Der Staatsbürger, Beil. d. Salzburger Nachrr. v. 22.3.1960;
    W. Antoniolli, in: Jurist. Bll. 1960, S. 146 f.;
    F. Ermacora, ebd. 1970, S. 520 ff.;
    M. Imboden u. a. (Hrsg.), FS f. A. M., 1970;
    Th. Öhlinger, Der Stufenbau d. Rechtsordnung, 1975;
    J. Behrend, Unterss. z. Stufenbaulehre A. M.s u. H. Kelsens, 1977;
    R. Walter, Die Lehre v. Stufenbau d. Rechtsordnung, in: Archivum Juridicum Cracoviense, 1980, S. 5 ff.;
    A. Abignente, Delegazione e derogazione normativa: la costruzione di A. M., 1984;
    M. Patrono u. W.-D. Grussmann, in: A. J. M., Il duplice volto del diritto, Il sistema kelseniano a altri saggi, 1987;
    R. Walter, in: W. Brauneder (Hrsg.), Juristen in Österreich 1200-1980, 1987, S. 300-04, 339 f. (P);
    W.-D. Grussmann, A. J. M., Leben u. Werk, 1989;
    R. Walter, A. M.s rechtstheoret. Werk, in: Dt. Verwaltungsbll. 1990, S. 657 ff.;
    ders. (Hrsg.), A. J. M., Werk u. Wirksamkeit, 1990;
    ders., Der Kampf ums Recht, dargest. an A. J. M.s rechtspol. Auseinandersetzungen, in: FS H. Klecatsky, 1990, S. 263 ff.;
    D. Mayer-Maly, Das Naturschutzanliegen A. J. M.s, in: Naturschutz-Nachrr. 1990, Nr. 65, S. 3-8;
    H. Schambeck, Leben u. Wirken v. A. J. M., 1990;
    ders., A. M. u. d. Wiener Rechtstheoret. Schule, in: FS L. Adamovich, 1992;
    F. Haja, Zum 100. Geb.tag v. A. J. M., in: Österr. Zs. f. öff. Recht NF 42, 1991, H. 1, S. 1 ff.;
    Teichl.

  • Autor/in

    Herbert Schambeck
  • Empfohlene Zitierweise

    Schambeck, Herbert, "Merkl, Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 157 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118581163.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA