Lebensdaten
erwähnt um 1460 oder 1480 , gestorben 15. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11858040X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meister der Lyversberg-Passion
  • Meister des Bonner Diptychons
  • Meister des Marienlebens
  • mehr

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Zitierweise

Meister des Marienlebens, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11858040X.html [16.11.2018].

CC0

  • Leben

    Mit dem Vorbild niederländ. Maler wie Rogier van der Weyden und Dieric Bouts, die in Köln bald nach der Mitte des 15. Jh. durch einige herausragende Importwerke wie den Columba-Altar“ und die Tafeln des Meisters der Münchner Gefangennahme besonders vertreten waren, begann die Ära des Meisters des Marienlebens, des tonangebenden Künstlers seiner Generation. Der Meister, in der älteren Forschung noch ein Sammelbegriff für viele ähnlich gerichtete Werkgruppen, stand anfänglich in deutlicher Auseinandersetzung mit der Kunst Stefan Lochners. Seinen Namen erhielt er nach dem ehemals in der St. Ursula-Kirche in Köln aufgestellten Flügelretabel, dessen einzelne Tafeln, abgesehen von der „Darstellung im Tempel“ (London, National Gallery), heute in München (Alte Pinakothek) aufbewahrt werden. Es sind folgende Szenen des Marienlebens dargestellt: Begegnung an der Goldenen Pforte, Geburt, Tempelgang und Vermählung Mariae, Verkündigung an Maria, Heimsuchung und die Aufnahme Mariae in den Himmel. Die beschädigten und zerteilten Flügelrückseiten zeigen die Kreuzigung Christi und die Krönung Mariae. Das Altarwerk ist eine Stiftung des Kölner Patriziers Ritter Joh. v. Hirtz, dessen Stifterbildnis in der „Heimsuchung“ erscheint. Während A. Stange eine Mitwirkung des Meisters der Lyversberg-Passion annahm, spricht doch mehr dafür, daß neben M. der Meister der Georgslegende beteiligt war. Die früher von O. H. Förster vertretene Auffassung, daß M. mit dem Meister der Lyversberg-Passion identisch sei, konnte sich nicht durchsetzen. Das dem Künstler zugeschriebene Werk hebt sich durch seine idealistische, feierlich kühle Haltung und klassische Stilisierung von allen Arbeiten gleichzeitiger Kölner Maler ab. Außer jenen Bildern, die heute für die Meister der Lyversberg-Passion und der Georgslegende in Anspruch zu nehmen sind, gibt es noch eine Anzahl ihm früher zugeordneter Gemälde, die nun in das Werk des|Meisters des Bonner Diptychons gehören. Keiner dieser Künstler konnte sich seinem Einfluß entziehen.

    Das früheste seiner erhaltenen Werke ist das heute noch am ursprünglichen Aufstellungsort befindliche Passionstriptychon in der Kapelle des St. Nikolaus-Hospitals in Bernkastel-Kues an der Mosel. Es wurde um 1460 im Auftrag des als Stifter dargestellten Kardinals Nicolaus Cusanus geschaffen. Köln., niederländ. und sogar ital. Momente, wie beispielsweise auch in der „Geburt Mariae“, sind hier zu einem Ganzen vereinigt. In weiträumigen Szenen, mehr kontemplativ als dramatisch, stellen die Bilder Stationen des Leidens Jesu vor Augen: im Mittelbild die Kalvarienbergszene, auf dem linken Flügel die Verspottung und auf dem rechten die Grablegung Jesu.

    Um 1465 dürften die Tafeln des „Marienlebens“ entstanden sein, in denen sich bereits ganz die souveräne Gestaltungskraft des Malers ausdrückt. Diese zeigt sich auch in einigen zeitlich benachbarten und in ihrem Charakter fast intimen Gemälden wie der von großer Innigkeit durchdrungenen Darstellung der Gottesmutter mit dem Kind und dem hl. Bernhard in Köln (Wallraf-Richartz-Museum) und der Tafel mit der Madonna in Berlin (Gemäldegalerie Berlin-Dahlem). Die Fähigkeit zur sorgfältigen Erfassung menschlicher Physiognomie und zur Steigerung des Ausdrucks in zeitentrückte Gültigkeit ließ den Künstler zu einem gesuchten Porträtisten des Kölner Patriziats werden, was das Bildnis eines Baumeisters in München (Alte Pinakothek) und das Porträt eines Mannes, vielleicht eines Gelehrten, in Karlsruhe (Staatl. Kunsthalle) sowie verschiedene Stifterporträts in den Altartafeln belegen.

    Das Schaffen des Meisters, das über etwa zwei Jahrzehnte zu verfolgen ist, findet in der wohl kurz nach 1480 entstandenen „Beweinung Christi“, dem Mittelbild des Kölner De-Monte-Triptychons (Wallraf-Richartz-Museum) einen Höhepunkt. Die Flügelbilder dieses Werks führte einige Jahre später der einstige Werkstattgehilfe, der Meister der Georgslegende, aus. Wahrscheinlich strahlte die Kunst des Marienleben-Meisters auch auf andere künstlerische Gebiete aus, z. B. auf die Glasmalerei und die Holzschnitt-Buchillustration in Köln. In der Bildwelt des Meisters, der ein Zeitgenosse Hans Memlings und Martin Schongauers war, gelangte spätmittelalterliches Sehen und Empfinden trotz vieler neuer Impulse ein letztes Mal vor dem Anbruch einer neuen, ruheloseren und stärker subjektiv bestimmten Epoche zu einem in sich geschlossenen Ausdruck.

  • Werke

    Weitere W Heimsuchung Mariae (Rotterdam, Mus. Boymans-van-Beuningen);
    Maria mit Kind u. d. Hll. Columba u. Katharina (Paris, Privatslg.);
    Beweinung Christi (Köln, Erzbischöfl. Priesterseminar).

  • Literatur

    A. Stange, Dt. Malerei d. Gotik, Bd. 5, 1952, S. 25-37;
    ders., Die dt. Tafelbilder vor Dürer, Krit. Verz., Bd. 1, 1967, S. 61-66, Nr. 167-85;
    H. M. Schmidt, Der Meister d. Marienlebens u. s. Kreis, Stud. z. spätgot. Malerei in Köln, 1978, S. 19-54, 174-93;
    R. Budde, Köln u. s. Maler 1300-1500, 1986, S. 95-106;
    ThB.

  • Autor/in

    Hans M. Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmid, Hans M., "Meister des Marienlebens" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 716-717 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11858040X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA