Lebensdaten
1399 oder 1400 bis 1464
Geburtsort
Tournai
Sterbeort
Brüssel
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118860143 | OGND | VIAF: 259069427
Namensvarianten
  • Weyden, Rogier van der
  • Rogier van der Weyden
  • Weyden, Rogier van der
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Zitierweise

Rogier van der Weyden, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118860143.html [20.09.2020].

CC0

  • Leben

    Rogier: R. van der Weyden, namhafter flandrischer Maler, geb. in Tournai im J. 1399 oder 1400. Ursprünglich führte er den Beinamen „de la pasture“, den er später nach seiner Uebersiedlung nach Brüssel mit „van der Weyden“ vertauschte. In Tournai war er ein Schüler von Robert Campin, einem sonst unbekannten Künstler und wurde 1432 freigesprochen. Ein Schüler der beiden van Eyck war er kaum, doch trat er mit seiner Kunst in deren Fußtapfen ein. Im J. 1436 wurde er von der Stadt Brüssel zum Stadtmaler ernannt, muß also bereits schöne Proben seiner Kunst abgelegt haben. Alte Berichterstatter über Kunst sind voll des Lobes über vier große Bilder, die er für das Rathhaus in Brüssel ausgeführt hatte. Sie stellten in historischen Compositionen die Tugenden der strengen Gerichtspflege dar. A. Dürer hat sie noch 1522 bewundert und bis 1690 werden sie von Reisenden erwähnt. Dann verschwinden sie spurlos. Wahrscheinlich sind sie 1695 von Franzosen bei der Belagerung zerstört worden. Der Stoff zu zweien dieser Bilder war der alten römischen Geschichte, zu den beiden anderen der vaterländischen Sage entnommen. Das|erste Bild zeigte Kaiser Trajan, welcher der Wittwe, der man den Sohn ermordet hat, zum Rechte verhilft. Das zweite Bild stellte den Papst Gregor den Gr. dar, der für den heidnischen Kaiser Trajan beim Altare wegen dessen Gerechtigkeitsliebe zu beten wagte, worauf ihm eine himmlische Stimme die Seligkeit des Kaisers verkündete. Im dritten Bilde tödtet Graf Herkenbald, krank im Bette liegend, seinen Neffen, der ein unschuldiges Mädchen verführt hatte und vom Gerichte zum Tode verurtheilt war, welches Urtheil man sich scheute zu vollstrecken. Im vierten Bilde kommt der Bischof zum Grafen und verlangt, daß er diese That als große Sünde beichte, weil er ihm sonst die Wegzehrung nicht reichen dürfe. Da verschwand die Hostie aus dem Kelche und der Sterbende hatte sie auf seiner Zunge. Wahrscheinlich durch Dürers Bericht angeregt, hat H. S. Beham die erste Composition und G. Pencz die dritte in einem Stiche, freilich nach eigener Erfindung, verewigt. — Wenden wir uns nun erhaltenen Bildern des Meisters zu. Im Museum del Prado in Madrid befindet sich eine Kreuzabnahme. Das Bild ist deshalb merkwürdig, weil der Maler hier im Gegensatz zur würdigen Ruhe, welche die Brüder van Eyck in ihrer Kunst wahrten, den Schmerz der Trauernden in allen Gestalten, in größter Lebendigkeit und Bewegung offenbart. Das Bild muß sich bei den Zeitgenossen des Künstlers einer großen Beliebtheit erfreut haben, da viele Copien existiren, die bis in die Zeit des Meisters reichen. Das Berliner Museum besitzt drei Originalwerke von R. Das eine ist ein Altar mit zwei Flügeln. Das Mittelbild stellt Maria mit dem todten Heiland im Schoße dar; auf einem Flügel ist die Geburt Christi zu sehen, auf dem anderen, wie der auferstandene Heiland seiner Mutter erscheint. Die drei Bilder sind von Architekturen umrahmt, in welchen sich, als Bildhauerarbeit gedacht und gemalt, Standbilder von Heiligen und biblische Scenen befinden. Ursprünglich befand sich das Altärchen in der Karthause von Miraflores bei Burgos in Spanien. Aehnlich in Anlage und Ausführung dem genannten ist ein zweites Altärchen desselben Museums, das in drei Darstellungen die Geburt des Täufers, die Taufe Christi und den Martertod des Wüstenpredigers zum Gegenstande hat. Zu den umfangreichsten Compositionen des Meisters gehört das Bild im Museum zu Antwerpen, das ursprünglich (um 1440) für einen Kanonikus des Capitels von Tournai aus dem Geschlechte de Boonem gemalt war. Es stellt eine gothische Kirche mit zwei Seitenflügeln dar, in welcher die sieben Sacramente administrirt werden. Im Vordergrunde des Mittelschiffs bringt Christus am Kreuze zwischen Maria und Johannes sein Opfer dar, das im Grunde am Altare vom Priester im Meßopfer auf unblutige Weise wiederholt wird. Die übrigen sechs Sacramente werden in Seitencapellen gespendet. Das grüßte Bild des Künstlers befindet sich in Beaume im Berathungszimmer des Hospitals, das im Auftrage des Kanzlers Nic. Rollin, des Stifters des Hospitals, gemalt wurde. Wenn alle sechs Flügel geöffnet sind, erblickt man die Darstellung des Weltgerichts mit den Bildnissen des Donators und dessen Gemahlin Guyonne de Salins in ganzer Figur. Trotz seines Umfangs und des Figurenreichthums ist Alles mit größtem Fleiße durchgeführt. Die Pinakothek in München besitzt auch ein Flügelbild von R. Das Hauptbild enthält die Anbetung der Könige, die beiden Flügel die Verkündigung und die Darbringung im Tempel. Das Altarwerk befand sich ehedem in der Kirche S. Columba in Köln. In einzelnen Werken Rogier's machen sich auch italienische Einflüsse geltend und man glaubt, er habe in der That Italien besucht. Er soll 1449 dahin gereist sein und sich in Ferrara und Florenz aufgehalten haben. Im Städel'schen Institut in Frankfurt sieht man von ihm eine thronende Madonna, umgeben von den Heiligen Petrus und Johannes. Cosmas und Damian. Die beiden letzteren sind Patrone von Florenz und die|ersteren dürften auf die Donatoren, die beiden damals lebenden Mediceer Pietro und Giovanni hindeuten, die das Bild vielleicht bestellt haben. Auch das Wappen von Florenz dürste hier mitreden. Lange wird R. in Italien nicht geblieben sein; er starb in Brüssel am 16. Juni 1464 und wurde in der Gudulakirche beigesetzt. In seinem Vaterlande wurden er und seine Kunst sehr hoch geschätzt, in der Kunstgeschichte bildet er ein wichtiges Mittelglied, das die Kunst der beiden van Eyck mit jener der späteren Zeit verbindet.

    • Literatur

      s. Immerzeel. — Kramm. —
      Michiels. — Wessely, Classiker d. Kunst, vläm. Schule.

  • Autor/in

    Wessely.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wessely, Joseph Eduard, "Rogier van der Weyden" in: Allgemeine Deutsche Biographie 29 (1889), S. 47-49 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118860143.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA