Lebensdaten
1876 bis 1945
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Jesuit ; Männerseelsorger
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118579622 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mayer, Rupert
  • Mayer, Ruperto

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Mayer, Rupert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118579622.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Rupert (1849–1927), Kaufm. in S., S d. Kolumban in Rötenbach (Schwarzwald) u. d. Maria Schwörer;
    M Emilie (1855–1947), T d. Dionys Wehrle, Bijouteriewarenfabr. in Pforzheim, u. d. Karolina Thoma;
    Schw Hermanna (1877–1955), Ordensfrau v. heiligsten Herzen, seit 1909 in d. Japan-Mission d. Sacré-Coeur-Schwestern, Oberin in Tokyo u. Obayashi.

  • Leben

    Nach dem Abitur in Ravensburg studierte M. an den Universitäten Freiburg (Schweiz), München und Tübingen Philosophie und Theologie, besuchte danach das Priesterseminar in Rottenburg am Neckar und wurde im Mai 1899 durch Bischof Paul v. Keppler zum Priester geweiht. Anschließend war er als Vikar in Spaichingen tätig. 1900 trat er in den seit den Kulturkampfgesetzen im Deutschen Reich verbotenen Jesuitenorden ein. Es erfolgte die übliche Ausbildung in Ordensniederlassungen in Österreich und Holland. 1906-11 wirkte er als Volksmissionar in Holland, Deutschland, Österreich und der Schweiz. 1912 wurde er als Seelsorger für die „Zuwanderer“ nach München versetzt. M. fand für diesen neuen Zweig moderner Seelsorge viele neue Wege: in enger Zusammenarbeit mit den Laien suchte er das Gespräch mit den Tausenden von Zuwanderern und bemühte sich um deren Verbindung mit den örtlichen Pfarreien und der Caritas. 1914 begann M. seine Mitarbeit bei der neuen Ordensgründung der „Schwestern der Hl. Familie“, deren Spiritual er über Jahrzehnte hinweg war.

    1914-16 war M. Feldgeistlicher und Divisionspfarrer an zwei Fronten. Im Dez. 1915 erhielt er als erster kath. Armeegeistlicher das EK I. Ende 1916 wurde er in den Karpaten schwer verwundet (Beinamputation). Nach der Genesung nahm M. im November 1917 sein seelsorgerliches Wirken in München wieder auf. 1921 wurde er von Kardinal Faulhaber zum Präses der Marianischen Männerkongregation in München ernannt. Bei der Rückkehr der Jesuiten nach St. Michael wurde M. an dieses Gotteshaus versetzt. Sein Doppelamt als Präses der Männerkongregation und als Prediger und Beichtvater in der Michaelskirche machte ihn zu einer der volkstümlichsten Priestergestalten. Eine seiner segensreichsten Unternehmungen war die Einführung des sonntäglichen Bahnhofs-Gottesdienstes 1925 (verboten 1935), bei dem er lange Zeit die ersten Frühmessen selbst übernahm. Seine Tätigkeit als Kongregationspräses führte ihn Tag für Tag in die verschiedenen Pfarreien Münchens. Wie groß seine geistliche Ausstrahlung war, zeigt nicht zuletzt das Wachstum der Münchener Männerkongregation: die Zahl der Gruppen wuchs unter seiner Leitung in wenigen Jahren von 25 auf 60, jene der aktiven Mitglieder von 2500 auf 8000 an. Durch seine Caritasarbeit und seinen persönlichen Einsatz konnten allein von Nov. 1930 bis April 1931 ca. 4000 Familien materiell unterstützt werden.

    Der heraufziehende Kirchenkampf nach 1933 stellte M. Tag für Tag vor neue Anforderungen. Der Prediger von St. Michael verteidigte die kirchliche Lehre mutig gegen alle Angriffe. Seine Predigten wurden von der Gestapo vielfach mitgeschrieben, viele seiner Sprechstundenbesucher wurden von Spitzeln beobachtet und registriert. Im Mai 1936 erfolgte die erste Verwarnung, kurz darauf das erste Redeverbot, im Juni 1937 die erste Verhaftung. Kardinal Faulhaber sprach in einer Predigt in St. Michael „vom Beginn eines neuen Abschnittes des Kulturkampfes“. Wegen „Kanzelmißbrauchs“ und „Verstoß gegen das Heimtückegesetz“ verurteilte ein Sondergericht M. zu sechs Monaten Gefängnis abzüglich sechs Wochen Untersuchungshaft. Er brauchte sie vorerst nicht abzusitzen, erhielt jedoch ein striktes Predigtverbot. Zu Jahresbeginn 1938 bestieg er erstmals wieder die Kanzel von St. Michael. Nach zwei Predigten wurde er erneut verhaftet und zur Verbüßung seiner Strafe in die Haftanstalt Landsberg am Lech transportiert. Dreieinhalb Monate verbrachte er dort. Die „Österreich-Amnestie“ im Frühjahr 1938 verkürzte seine Gefängniszeit um vier Wochen; das Predigtverbot blieb bestehen. Nach der Rückkehr nach München mühte sich der Seelsorger ohne Kanzel um so intensiver um die Einzelseelsorge an den in seine Sprechstunde drängenden Mitmenschen. Er verstärkte die Caritasarbeit und sein Wirken bei den Familienschwestern, gleichzeitig bildete er kleine religiöse Zirkel und mühte sich um die Führungsgruppen der Marianischen Männerkongregation. Am 3.11.1939 wurde er erneut in St. Michael verhaftet. Nach mehrwöchigem Aufenthalt im Münchener Gestapo-Gefängnis wurde M. auf Anordnung Himmlers in das KZ Oranienburg überführt. Die Monate der Isolationshaft bewirkten eine rapide Verschlechterung seines Gesundheitszustandes. Da man befürchtete, daß sein Tod im In- und Ausland große Empörung hervorrufen würde, bot die Gestapo der Münchener Kirchenbehörde seine Entlassung aus dem KZ und seine Überführung in ein Kloster an. Von August 1940 bis zum Kriegsende 1945 lebte M. unter Hausarrest in der Benediktinerabtei Ettal.

    Nach seiner Rückkehr am 11.5.1945 mobilisierte M. seine letzten Kräfte für den religiösen Neuaufbau. Tag für Tag stand er als Nothelfer und Ratgeber den Mitmenschen bei. Am Morgen des 1.11.1945 erlitt er während der Predigt beim Gottesdienst in der Kreuzkapelle von St. Michael einen Gehirnschlag und verstarb kurz danach in der Klinik „Josefinum“. Eine erste Ruhestätte fand er auf dem Jesuitenfriedhof in Pullach. Von dort wurde er im Mai 1948 in die Unterkirche des „Bürgersaals“ in der Neuhauserstraße in München überführt, wo sein Grab seither von vielen Menschen besucht wird. 1950 wurde der diözesane Informationsprozeß für die Seligsprechung des Glaubenszeugen und Nothelfers eröffnet. Diese fand am 3.5.1987 durch Papst Johannes Paul II. in München statt. Aus diesem Anlaß wurde eine „Pater-Rupert-Mayer-Stiftung“ zugunsten Behinderter ins Leben gerufen.

  • Werke

    Mein Kreuz will ich tragen, Texte d. Predigers von St. Michael, 1978.

  • Literatur

    F. Boesmiller, P. R. M. SJ, Dokumente, Selbstzeugnisse u. Erinnerungen, 1946;
    A. Koerbling SJ, P. R. M., Ein Priester u. Bekenner unserer Zeit, 1949 (18 Auflagen, Überss: span. 1959, ital. 1958, niederländ. 1965, engl. 1960);
    ders. u. P. Riesterer SJ, P. R. M. SJ, Überarb. u. erg., 1975, 41986 (P);
    O. Gritschneder, P. R. M. vor d. Sondergericht, Dokumente d. Verhandlung am 22. u. 23. Juli 1937, 1965;
    ders., Die Akten d. Sondergerichts üb. P. R. M. SJ, in: Btrr. z. altbayer. KG. 1974;
    ders., „Ich predige weiter“, P. R. M. u. d. Dritte Reich, 1987 (P);
    K. Morgenschweis, Strafgefangener Nr. 9469, P. R. M. SJ, Erinnerungen an seine Haft in Landsberg, 1968;
    E. J. Görlich, P. R. M., Münchens Männerapostel, 1972;
    W. Sandfuchs, R. M., Leuchtfeuer d. Hoffnung, in: Dt. Glaubenszeugen, hrsg. v. E. Spath, 1980;
    ders., P. R. M., Verteidiger der Wahrheit, Apostel d. Nächstenliebe, Wegbereiter moderner Seelsorge, 1981 (kroat. 1986);
    ders., P. R. M., Sein Leben in Dokumenten u. Bildern, 1984, 21987;
    ders., P. R. M., unerschrockener Bekenner u. Glaubenszeuge im Kirchenkampf, in: Das Erzbistum München u. Freising in d. Zeit d. NS-Herrschaft, hrsg. v. G. Schwaiger, 1984;
    ders., P. R. M. SJ, 1876–1945, in: „Christenleben im Wandel d. Zeit“, hrsg. v. G. Schwaiger, 1987;
    L. Volk, P. R. M. vor d. NS-Justiz, in: Stimmen d. Zeit 194, 1976, H. 1;
    Ch. Feldmann, „Die Wahrheit muß gesagt werden“, R. M., Leben im Widerstand, 1987;
    W. Rupp u. H. Vieregg, P. R. M., 1987;
    A. Läpple, P. R. M., Ein Erinnerungsbuch z. Seligsprechung, 1987;
    Dokumentation z. Seligsprechung v. P. R. M., 1987;
    LThK.

  • Portraits

    Ölgem. v. L. Samberger, 1927 (München, Provinzialat Oberdt. Provinz SJ);
    Bronzebüste v. B. v. Kalckreuth (München, Bürgersaal);
    dass. v. Th. Georgii;
    Ölgem. v. G. Schleich, 1945 (SJ-Niederlassung St. Michael);
    Kohlezeichnungen v. K. Morell-Krähmer.

  • Autor/in

    Wilhelm Sandfuchs
  • Empfohlene Zitierweise

    Sandfuchs, Wilhelm, "Mayer, Rupert" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 553-554 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118579622.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA