Lebensdaten
1921 bis 2006
Geburtsort
München
Sterbeort
Schliersee
Beruf/Funktion
Regisseur ; Autor ; Filmproduzent
Konfession
-
Normdaten
GND: 118993976 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Seitz, Franz (d.J.)
  • Seitz, Franz Xaver
  • Laforet, Georg (Pseudonym)
  • mehr

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel
Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Seitz, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118993976.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (s. 1);
    M Anny Terofal;
    ⚭ Anneliese Conrad;
    1 S Peter, Filmproduzent, Prokurist d. Seitz Filmproduktion GmbH, 1 T Gabriele (* um 1950), Filmproduzentin, Autorin, beide wirkten in S.s Filmges. mit (s. L).

  • Leben

    Nach dem Abitur am Münchner Neuen Realgymnasium wurde S. zum Kriegsdienst eingezogen; an der Ostfront eingesetzt und 1943 verwundet, studierte er anschließend drei Semester Medizin. Seit 1945 beschäftigte er sich autodidaktisch mit Malerei und betätigte sich als Kunstmaler, bevor er sich 1949 als Filmarchitekt beruflich neu orientierte. Zusammen mit Jochen Genzow gründete er 1951 die Produktionsfirma „Allegro-Film“, die im selben Jahr als Co-Produktion für das bayer. Wildschütz-Drama „Der letzte Schuß“ auftrat, bei dem S.s Vater Regie führte. Drei Jahre später, wieder mit Genzow, erfolgte die Gründung der „Ariston-Film“, mit der S. konzeptionell eine Abkehr von Trivialfilmen hin zu gesellschaftspolitisch ambitionierten|Stoffen betrieb, ohne die ökonomisch einträgliche Herstellung populärer Genrefilme ganz aufzugeben. Filme wie Roberto Rossellinis „Angst/La Paura“ (1954) nach einer Erzählung von Stefan Zweig und G. W. Pabsts Widerstandsdrama „Es geschah am 20. Juli“ (1955) markierten diese Wende in S.s Verständnis als Produzent. 1956 etablierte er die „Franz Seitz-Filmproduktion“.

    S. gelang eine erfolgreiche Balance zwischen Kunst und Kommerz. In den 60er Jahren produzierte er vorwiegend Komödien, adaptierte 1964 Ludwig Thomas „Lausbubengeschichten“ und entwickelte daraus die Serie sogenannter „Lümmel- und Paukerfilme“. Dem traditionellen Erzählkino verpflichtet, förderte er gehobene Unterhaltungsfilme, häufig abgesichert durch literarische Vorlagen und von versierten Regisseuren des bundesdt. Nachkriegsfilms in Szene gesetzt. Unter dem Pseudonym Georg Laforet schrieb S. zu einigen Filmen die Drehbücher selbst. 1954 debütierte er zudem als Regisseur mit dem musikalischen Lustspiel „Ein Mädchen aus Paris“.

    Obwohl zur „Generation der Väter“ gehörend, engagierte sich S. in der Folge des „Oberhausener Manifests“ von 1962 für den Jungen Deutschen Film. So produzierte er Volker Schlöndorffs Regiedebüt „Der junge Törless“ (1965/66) oder auch Jean-Marie Straubs „Chronik der Anna Magdalena Bach“ (1967). Von seinem Selbstverständnis her konservativ, blieb S. als Produzent offen für neue ästhetische Formen, ob triviales Genre, Literaturadaption oder ästhetische Avantgarde. Er produzierte einen Film wie „Herzflimmern“ (1970/71) von Louis Malle, Geschichte eines Inzests zwischen Mutter und Sohn, ebenso wie Maximilian Schells „Der Fußgänger“ (1972/73), eine Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit. Zu seinem herausragenden Erfolg wurde 1978/79 Schlöndorffs Adaption von Günter Grass' Roman „Die Blechtrommel“, 1980 als bester fremdsprachiger Film mit einem „Oscar“ ausgezeichnet.

    Ein besonderes Faible hatte S. für die Werke von Thomas Mann. So entstanden Verfilmungen von „Tonio Kröger“ und „Wälsungenblut“ (1964/65, beide in d. Regie v. Rolf Thiele), „Der Zauberberg“ (1981, Hans W. Geissendörfer) und in eigener Regie „Unordnung und frühes Leid“ (1976) sowie „Doktor Faustus“ (1981/82). Die Kritik reagierte reserviert auf diese Filme, ordnete sie eher dem „alten“ Kino zu, konnte aber nicht umhin, die Fähigkeiten des Produzenten S. zu würdigen. Auch das Genre der Heimatfilme versuchte S. zu erweitern, indem er ihm etwa eine politische Dimension hinzufügte, wie in „Flammenzeichen“ (1964), in dem er den Lebensweg des Jesuitenpaters Rupert Mayer (1876–1945) nachstellte. Seine Verfilmung von Lion Feuchtwangers Roman „Erfolg“ (1990/91) wurde trotz großer Besetzung mit Befremden aufgenommen, da sie engagiert in der Wahl des Stoffes, inszenatorisch aber wie aus der Zeit gefallen wirkte.

    S. entfaltete großes filmpolitisches Engagement, war u. a. seit 1981 Vorsitzender des Verbandes dt. Spielfilmproduzenten und 1987–97 Vorsitzender bzw. Präsident der Spitzenorganisation der dt. Filmwirtschaft (SPIO).

  • Auszeichnungen

    u. a. E. K. I. Kl. (1943); Dt Filmpreis f. langj. u. hervorragendes Wirken im Dt. Film (1978), BVK (1980), Medaille „München leuchtet“ (1981); Staatsmedaille f. bes. Verdienste um d. bayer. Wirtschaft (1981); Bayer. Filmpreis f. „Der Zauberberg“ u. „Doktor Faustus“ (1983); Bayer. Verdienstorden (1985); Chevalier dans L'Ordre des Arts et des Lettres (1989); Bayer. Filmpreis (1990); Berlinale-Kamera (1997); Gr. BVK (2000).

  • Werke

    Weitere W als Produzent (jeweils in Klammern d. Regisseur) u. a. Morgengrauen, 1954 (Viktor Tourjansky);
    Die grünen Teufel v. Monte Cassino, 1958 (Harald Reinl);
    Die feuerrote Baronesse, 1959 (Rudolf Jugert);
    Isola Bella, 1961 (Hans Grimm);
    Venusberg, 1962/63 (Rolf Thiele);
    Moral 63, 1963 (Rolf Thiele);
    Kennwort Reiher, 1963/64 (Rudolf Jugert);
    Die schwed. Jungfrau, 1964/65 (Kurt Wilhelm);
    Die fromme Helene, 1965 (Axel von Ambesser);
    Stella, 1966 (Rudolf Thome);
    Grieche sucht Griechin, 1966 (Rolf Thiele, auch Drehbuch);
    Die Flucht, 1966 (Eckhart Schmidt);
    Zum Teufel mit der Penne, 1968 (Werner Jacobs, auch Drehbuch);
    Die Lümmel v. d. ersten Bank, 1968 (Werner Jacobs, auch Drehbuch);
    First Love, 1969/70 (Maximilian Schell);
    Dr. med. Fabian – Lachen ist d. beste Medizin, 1969 (Harald Reinl);
    Das fliegende Klassenzimmer, 1973 (Werner Jacobs, auch Drehbuch);
    Abelard, 1975/76 (Regie F. S., Drehbuch);
    Die Jugendstreiche d. Knaben Karl, 1977 (Regie F. S., Drehbuch);
    Die wunderbaren Jahre, 1979 (Drehb. v. Reiner Kunze);
    Sukkubus, 1987/88 (Georg Tressler, auch Drehbuch).

  • Literatur

    Gabriele Seitz (Hg.), Der Zauberberg, Ein Film v. Hans W. Geißendörfer nach d. Roman v. Thomas Mann, 1982;
    dies. (Hg.), Doktor Faustus, Ein Film v. F. S. nach d. Roman v. Thomas Mann, 1982;
    dies. (Hg.), Erfolg, Ein Film v. F. S. nach d. Roman v. Lion Feuchtwanger, 1991;
    K. Hebecker, in: Die Welt v. 11. 2. 1980;
    H. G. Pflaum, in: SZ v. 22. 10. 1991;
    F. Göttler, ebd. v. 24. 1. 2006;
    V. Schlöndorff, ebd. v. 26. 1. 2006;
    CineGraph;
    Munzinger.

  • Autor/in

    Wolfgang Jacobsen
  • Empfohlene Zitierweise

    Jacobsen, Wolfgang, "Seitz, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 205-206 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118993976.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA