Lebensdaten
1855 bis 1938
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Schriftstellerin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118578103 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Marriot, Emil (Pseudonym)
  • Mataja, Emilie
  • Marriot, Emil (Pseudonym)
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Zitierweise

Mataja, Emilie, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118578103.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Anton (* 1827), Kaufm. in W., S d. Johann aus Fiume u. e. Italienerin;
    M Barbara Gernerth ( 1873);
    B Victor (s. 3);
    Halb-B Heinrich (s. 2); – ledig.

  • Leben

    M. besuchte 8 Jahre lang die Mädchenlehranstalt der Natalie Mahlmann und erhielt privat Französischunterricht. Kindheit und Jugend der zur Melancholie neigenden M. waren geprägt durch ein besonders enges Verhältnis zur Mutter, einer heiteren und humorvollen Frau. Mit 9 Jahren begann sie zu dichten, fand aber vor allem beim Vater wenig Verständnis. Als 13jährige verfaßte sie Dramen über Napoleon III. Als bevorzugte Lektüre folgten auf Schiller und Grillparzer Molière, Rousseau und Zola sowie Dostojewski und Tolstoi. Mit ihrem Entschluß, Schriftstellerin zu werden, traf sie auf den Widerstand der Eltern, die ihr nur eine kaufmännische Ausbildung zugestehen wollten. Ihre erste Veröffentlichung war der Abdruck einer Novelle über Leon Gambetta in der „Wiener Tagespresse“ 1871. M.s Versuche, sich nach dem Tod der Mutter und der Wiederverheiratung des Vaters zu emanzipieren, scheiterten vor allem am Willen des um seinen Ruf besorgten Vaters. Anfang 1875 wandte sie sich hilfesuchend an Leopold v. Sacher-Masoch, mit dem sie dann fast ein Jahr korrespondierte. In Anspielung an den von ihr geschätzten Schriftsteller Emil Mario Vacano wählte sie damals ihr Pseudonym. Im selben Jahr lernte M. Karl Emil Franzos kennen, mit dem sie, wohl im Hinblick auf eine Befreiung aus der Familie, kurze Zeit verlobt war. Tatsächlich öffnete er ihr den Weg in die Öffentlichkeit. 1878 hatte sie eine vorübergehende, zunächst briefliche, dann persönliche Bekanntschaft mit Hans Hopfen, dem Verfasser von Sensationsromanen. Im selben Jahr arbeitete sie an der „Hausfrauenzeitung“ mit. 1878 veröffentlichte sie auf eigene Kosten den bereits 1873 begonnenen Roman „Egon Talmore“. Paul Heyse, der schon 1876 auf die Zusendung einiger Novellen ermunternd, aber auch kritisch reagiert hatte, tat dies erneut. Auf seinen Einfluß ist es zurückzuführen, daß M. ihrer Neigung zu pathologischen Stoffen weniger nachgab. Durch die Veröffentlichung des Romans „Egon Talmore“ wurde M. mit Rudolf Waldeck, dem Redakteur der „Wiener Allgemeinen Zeitung“ bekannt, deren ständige Mitarbeiterin sie dann 30 Jahre lang war. Ihr nächster Roman „Familie Hartenberg“ (1883), eine Schilderung des mittelständischen Lebens, wurde ihr erster großer Erfolg. Seit 1882 verbrachte M. die Wintermonate in Berlin. Zu ihren Freunden zählten dort u. a. Julius Wolff, Paul Lindau und Maximilian Harden, den sie 1884 kennenlernte. In dessen Zeitschrift „Die Zukunft“ wurden mehrere Artikel und Geschichten M.s veröffentlicht. In Wien fand sie Zugang zum Kreis um Richard v. Kralik, der auch ihr umstrittenes Buch „Der geistliche Tod“ (1884), in dem sie das Scheitern eines ohne wahre Berufung tätigen kath. Priesters am Zölibat darstellt, als katholisches Buch anerkannte. Sie schloß sich dem Schriftstellerverein „Goncordia“ an und trat 1891 der in Opposition zu Bahr und Schnitzler gegründeten Literaturgesellschaft „Iduna“ bei. Durch diese wurde sie auch mit Rudolf Steiner und seinem Freundeskreis bekannt sowie mit P. Laurenz Müller, dem Förderer von Marie Eugenie delle Grazie. Mit Karl Kraus hat sie um 1900 kurz korrespondiert. Während des 1. Weltkriegs war M. für eine Reihe von Hilfswerken tätig. Danach begann sie Lebenserinnerungen aus Tagebüchern zusammenzustellen. Etwa 1920 beendete sie ihre schriftstellerische Tätigkeit.

    M., die zu ihrer Zeit noch neue Erzähltechniken wie den inneren Monolog beherrschte, schuf auf feiner psychologischer Beobachtung beruhende, realistische Gesellschaftsbilder. Das Ehe-, Familien- und Gefühlsleben des österr. Mittelstandes, meist ohne starkes Lokalkolorit dargestellt, ist ein durchgängiges Thema ihres Werks. Künstler, Ärzte und Geistliche stehen häufig im Mittelpunkt. In ihren journalistischen Beiträgen ist sie u. a. für die Emanzipation der Frau und den Tierschutz eingetreten. Die zeitgenössische Literaturkritik beurteilte M.s Werk sehr unterschiedlich. Hielten sie einige für eine kath. Schriftstellerin, so verstanden andere ihre Werke als Angriffe auf die Kirche, Ehe, Familie und Geschlechterbeziehungen überhaupt; bald wurde sie ihrer erzählerischen Objektivität wegen gepriesen und mit Marie v. Ebner-Eschenbach verglichen, bald als Tendenzschriftstellerin abgetan. Nach 1924 geriet sie zunächst in Vergessenheit. Die jüngste Forschung ordnet sie der Intention nach dem Wiener Impressionismus zu. In der Wahl ihrer Gegenstände ist sie allerdings anderen Autoren dieser Richtung nicht vergleichbar.

  • Literatur

    L. Berg, in: Die Zukunft 50, 1905, S. 144-50;
    G. Falkensammer, E. M.s Btr. z. österr. Ständeroman um 1900, Diss. Wien 1950 (W-Verz., L);
    J. Byrnes, An Introduction to E. M., in: Modern Austrian Literature 12, 1979, Nr. 3/4, S. 45-76 (W-Verz., L, P);
    ders., E. M., A Reevaluation Based on Her Short Fiction, 1983 (W, L);
    Brümmer;
    Nagl-Zeidler-Castle;
    ÖBL;
    Kosch, Lit.-Lex.3

  • Autor/in

    John Byrnes
  • Empfohlene Zitierweise

    Byrnes, John, "Mataja, Emilie" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 363 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118578103.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA