Lebensdaten
1552 bis 1606 oder 1607
Sterbeort
in der Innerschweiz
Beruf/Funktion
Maler ; Zeichner
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 118573268 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lindtmayer, Daniel der Jüngere
  • Lindtmayer, Daniel
  • Lindtmayer, Daniel der Jüngere

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Zitierweise

Lindtmayer, Daniel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118573268.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus einer kurz nach 1500 in Schaffhausen zugewanderten, urspr. in Süddeutschland (Landsberg/Lech?) beheimateten Künstler- u. Kunsthandwerkerfam.;
    V Felix ( 1574), Glasmaler in Sch., S d. Glasmalers Felix ( um 1542, beide s. L);
    M Anna Satter aus Sch.;
    Ov Daniel ( 1559), Maler (s. ThB);
    - 1) Feldkirch 1567 N. N., T d. Malers Moritz Frosch, um 1550 in Feldkirch tätig (s. ThB), 2) 1588 Beatrix Rüeger ( n. 1602) aus Sch., Wwe d. Malers u. Glasmalers Werner Kübler d. Ä. (1555–86 [7?]) in Sch., arbeitete zusammen mit L.;
    8 K aus 1), 3 K aus 2);
    Stief-S Werner Kübler d. J. (1582–1621), Glasmaler u. Zeichner in Sch., Schüler v. L., fertigte zahlr. Wappenscheiben f. schweizer. Städte (s. ThB; Schweizer. Künstlerlex.).

  • Leben

    L. verbrachte seine Lehrzeit in einer unbekannten Schaffhauser Werkstatt; die unglückliche Ehe der Eltern mag Ursache eigener Schwierigkeiten und unsteter Lebensführung gewesen sein. 1574 ist L. auf Gesellenwanderung in Basel nachgewiesen, dann ist er vielleicht nach Straßburg weitergezogen, jedenfalls 1576/77 in der Ostschweiz tätig, u. a. in Feldkirch. 1577 ließ er sich in Schaffhausen nieder und übernahm die väterliche Werkstatt, jedoch nicht als Glasmaler, sondern als Flachmaler und vor allem Zeichner von Entwürfen für farbige Kabinett- und Wappenscheiben (sog. Scheibenrisse). 1588 war er Mitglied der Kommission für eine neue Handwerksordnung der Maler und Glasmaler, was ein gewisses bürgerliches Ansehen voraussetzt. 1595 arbeitete er am Bodensee, ohne seine Familie zu unterstützen, weshalb mehrfache Schreiben des Rats von Schaffhausen erfolgten, der ihn gewaltsam aus Konstanz zurückführen ließ. Seit 1596/97 hielt sich L. in der Innerschweiz auf (Luzern u. a.). Zunächst wurde seine Familie aus dem Armensäcklein unterstützt, später zog sie wohl zu ihm. L. kehrte nicht mehr in seine Heimat zurück. Die kath. Orte und Klöster boten ihm vielfältige Aufgaben für künstlerische Betätigung, doch war L. nach damaligen Zunftregeln gezwungen, dienstweise in fremden Werkstätten zu arbeiten, und er starb vermutlich in ärmlichen Verhältnissen. Erst die neuere Kunstwissenschaft hat sein Werk gebührend gewürdigt.

    Das überlieferte Schaffen L.s besteht fast ausschließlich aus Zeichnungen, wobei die für schweizer. Kunst charakteristischen Scheibenrisse den Hauptanteil bilden. Einzelne Gemälde, auch Porträts, sind zufällige Überreste seiner eigentlichen Tätigkeit als Flachmaler. In seiner Jugend dürfte Tobias Stimmer den entscheidenden künstlerischen Eindruck vermittelt haben. Die frühen Zeichnungen L.s zeigen sich durch holzschnittartige Schraffuren der altdeutschen Kunst der Dürerzeit verpflichtet. Nach dieser Phase bricht sich sein dekoratives Talent Bahn, das in der Wappenscheibe ein ideales Betätigungsfeld findet. Er lockert die überlieferte, streng tektonische Rahmenform auf und verschmilzt Mittelszene und Rahmenmotiv mit den Wappen zu einem vordergründig-flächigen Ganzen. Bei Stifterfiguren, auch Teilnehmern an Rats- und Zunftmählern, zeigt sich lebhaftes physiognomisches Interesse. Autonome Zeichnungen für Liebhaber entstehen, oft in altdeutscher Tradition, auf dunkelfarbig getöntem Papier mit Höhungen weißer Tusche. Ein Fassadenentwurf und eine Gruppe von Radierungen bleiben Einzelfälle. In den späteren Scheibenrissen ersetzt kräftige Pinsellavierung das verwirrende Federstrichwerk, die Kompositionen wirken dadurch klarer und großzügiger. In einer Blütezeit der Ornamentik lebend, beherrscht L. das gesamte Repertoire der damals „modernen“ Formen, ohne in Schematismen zu erstarren. Architekturornamente und charaktervolle Kopftypen sind die Themen zahlreicher Musterblätter und serienmäßiger Versuche seiner Spätzeit.

    Weniger erfolgreich und vielseitig als seine Zeitgenossen Tobias Stimmer und Christoph Murer, erreicht L. doch Souveränität und kann als einer der charaktervollsten Schweizer Zeichner der Spätrenaissance sowie als eine Zentralfigur für die Kunstgattung des Scheibenrisses gelten.

  • Werke

    Ca. 370 erhaltene Zeichnungen (darunter einige farbige Gouachen), 4 eigenhändige Radierungen;
    Gemälde Abrahams Opfer, 1572 (Schaffhausen, Mus. zu Allerheiligen);
    Esther vor Ahasver, 1589 (ebd., 1944 verbrannt);
    einzelne ihm zugeschriebene Porträts;
    7 Buchholzschnitte sowie zahlr. Glasgem. n. s. Entwürfen v. anderer Hand gefertigt.

  • Literatur

    ADB 18;
    J. C. Füssli, Gesch. u. Abb. d. besten Mahler in d. Schweiz I, 21769, S. 54 f.;
    Ausstellungskat. D. L. Handzeichnungen, Mus. zu Allerheiligen, Schaffhausen, 1952;
    F. Thöne, D. L. 1552-1606/07, Die Schaffhauser Künstlerfam. Lindtmayer, 1975 (W-Verz., L);
    T. Falk, in: Schaffhauser Btrr. z. Gesch. 59, 1982, S. 122-35;
    Schweizer. Künstler-Lex. II, 1908, S. 260-62;
    ThB.

  • Autor/in

    Tilman Falk
  • Empfohlene Zitierweise

    Falk, Tilman, "Lindtmayer, Daniel" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 618 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118573268.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lindtmayer: Daniel L., ein geschickter Maler und Zeichner, wurde um das Jahr 1552 in Schaffhausen geboren. Er war der letzte Sproß einer Familie, welche um 1515 nach Schaffhausen gekommen war und hier die Glasmalerkunst eingeführt hatte, in der sich besonders Daniels Vater, Felix L. ( 1574), ausgezeichnet zu haben scheint. Daniel selbst nennt sich einfach Flachmaler. In verschiedenen Kunstsammlungen Süddeutschlands und der Schweiz finden sich Entwürfe zu Freskogemälden für Häuserfaçaden, Risse für gemalte Scheiben, kleine Oelgemälde und Aquarellbilder von seiner Hand; den Gegenstand derselben bilden meist Erzählungen aus der heiligen Schrift. L. starb um das Jahr 1606. Der Glasmaler Werner Kübler, der von Füeßli und Nagler erwähnt wird, war sein Schüler.

    • Literatur

      Vgl. über sie die Neujahrsblätter des Kunstvereins in Schaffhausen für 1879 u. 1880.

  • Autor/in

    Bäschlin.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bäschin, "Lindtmayer, Daniel" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 708 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118573268.html#adbcontent

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