Lebensdaten
1791 bis 1856
Geburtsort
Koblenz
Sterbeort
Nonnenhorn
Beruf/Funktion
Komponist ; Dirigent
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119133911 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lindpaintner, Peter Joseph (bis 1844)
  • Lindpaintner, Peter Joseph von
  • Lindpaintner, Peter Joseph (bis 1844)
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Lindpaintner, Peter Joseph von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119133911.html [21.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jacob (* 1755, tot 1841), kurtrier. Hoftenorist in K., 1. Kammerdiener d. Kf. Clemens Wenzeslaus v. Trier, S d. Matthias Limpointner in Großhöhenrain b. Bad Aibling u. d. Maria Gittling;
    M Barbara, T d. kurtrier. Hornisten Dornans;
    Ulm 1822 Marie Sofie (* 1803), T d. bayer. Hofschauspielers Karl Stenzsch u. d. Schauspielerin Rosine Lebrun (1785–1855) in München (s. ADB 18);
    1 T.

  • Leben

    L. verbrachte seine Kindheit in Augsburg, wohin sich der Hofstaat des Kurfürsten Clemens Wenzel von Trier 1794 zurückgezogen hatte. Am Jesuiten-Gymnasium erzogen, fiel er früh durch seine ausgeprägte Begabung für die Geige auf. 1806 schickte ihn der Kurfürst auf eigene Kosten nach München zum Studium der Komposition bei Peter v. Winter. In dieser – von ihm später ungünstig beurteilten – Lehrzeit werden 1810 eine erste Oper (Demophoon) und eine Messe aufgeführt. Durch den Tod des Kurfürsten 1812 zerschlug sich der Plan, die Ausbildung durch eine Studienreise nach Italien zu ergänzen. Durch Empfehlung seines Lehrers erlangte er im selben Jahr die Stellung eines Musikdirektors am Isartor-Theater in München. Als nach der Eröffnung des Münchner Hoftheaters (12.10.1818) die Existenz der Isartor-Bühne gefährdet war, nahm L., der sich bereits durch mehrere Opern und Kirchenkompositionen einen Namen gemacht hatte, seinen Abschied. Er bewarb sich erfolgreich um den durch J. N. Hummels Weggang freigewordenen Posten des Hofkapellmeisters in Stuttgart. Anfang 1820 trat er sein Amt an, das für Jahrzehnte seine Wirkungsstätte blieb. Unermüdlich und leidenschaftlich setzte er sich für die von ihm geleitete Hofkapelle ein. Binnen weniger Jahre schuf er aus ihr eines der besten Orchester Deutschlands, dessen Aufführungen einen neuen Standard setzten. „L. ist der beste Dirigent in Deutschland“, schrieb Mendelssohn 1831, „es ist, als ob er das ganze Orchester mit seinem Taktstock selber spielte“. Berlioz äußerte sich bei seinem Besuch 1842 ähnlich enthusiastisch. L. schlug mehrere Angebote aus, darunter eine verlockende Einladung nach Wien 1838. Umso empfindlicher traf ihn, daß nach 1841 seine Stellung in Stuttgart durch Intrigen immer mehr geschwächt wurde. Die Berufung F. W. Kückens zum gleichgestellten zweiten Kapellmeister (1.11.1851) verbitterte ihn besonders, zumal dessen rasch gewonnene Popularität ihm das Schwinden seines Ansehens als Komponist schmerzlich vor Augen führte. Eine Reihe von Konzerten an der Philharmonic Society in London Anfang der 50er Jahre und die Leitung des Niederrhein. Musikfestes 1851, dazu viele Orden und Ehrungen konnten ihn nur zum Teil entschädigen. Er starb auf der Heimreise vom Eidgenössischen Sängerfest in St. Gallen, auf dem er als Preisrichter gewirkt hatte.

    L.s Bedeutung als Dirigent und als Neuerer in der Orchesterführung stand immer außer Zweifel. Aufgewachsen noch in einer Musikauffassung, die keine Trennung zwischen Inspiration und Handwerk kannte, wandte er seine Aufmerksamkeit der Komposition und der musikalischen Interpretation gleichermaßen zu. Er darf als einer der wichtigsten Vorläufer des modernen Dirigierens gelten. Seine Notizen in den Dirigier-Partituren, seine Texteinrichtungen, nicht zuletzt seine einst gefeierte Instrumentierung und Bearbeitung von Händels „Judas Maccabäus“ (1837) zeugen von einem Kunstanspruch, wie er seither der gültigen Interpretation eines musikalischen Werks zugemessen wird. – Über seinem Schaffen als Komponist stand dagegen von Anfang an kein günstiger Stern, auch wenn Robert Schumanns Angriffe der ernsten und anspruchsvollen Leistung L.s nicht gerecht werden. Er komponierte mit einer Regelmäßigkeit und Leichtigkeit, die vom Künstlerbegriff der Romantiker her unbegreiflich scheinen mußte und sich nur aus der Tradition des 18. Jh. erklären läßt. Fast 500 Kompositionen umfaßt sein „Thematisches Verzeichnis meiner sämtlichen Werke“ (Landesbibliothek Stuttgart). Messen und Kirchenmusik, Oratorien und Chorwerke, Schauspielmusiken und Instrumentalkonzerte, Kammermusik und zahllose Lieder umgeben die 28 Opern, auf die sich der Ehrgeiz des geborenen Bühnenkomponisten vor allem konzentrierte. Seine frühen Opern für das Isartor-Theater in München stehen im Zeichen Peter v. Winters und seiner Weiterführung der von Schikaneder mit der „Zauberflöte“ begonnenen Zauber- und Wunder-Oper. Besonders der „Pervonte“ (1816) schließt in der Verbindung von märchenhafter Phantastik und Volkstümlichkeit an Winters Singspiel „Der Sturm“ (1798), aber auch an die romantisch-komischen Singspiele Friedrich Kauers an. Damit steht L. auch in der Zeittendenz zu einer nationalen deutschen Oper aus romantischem Geist. Wie Marschner, Spohr, E. T. A. Hoffmann und Carl Maria v. Weber bewegt er sich, unsicher experimentierend, auf eine dem Singspiel abgewonnene Großform zu. So ist es kein Wunder, daß er sich in Stuttgart rasch an das Muster des „Freischütz“ anschließt. Für mehr als ein Jahrzehnt sucht er in seinen Opern Webers Weg weiterzugehen und der deutschen Schule im Repertoire Platz zu verschaffen. Unter den vielen Opern des Jahrzehnts 1820-30 ragen: „Der Bergkönig“ (1823) und „Der Vampyr“ (1828), seine überhaupt erfolgreichste Oper, durch ihren melodischen Reichtum, den Sinn für Stimmungseffekte und einen Weber sehr nahen Naturton hervor. Feinfühlig für die Veränderungen des Musikideals – Berlioz empfand L. im Gespräch durchaus als einen Vertreter der Moderne –, wandte sich der Singspielkomponist nach 1840 entschlossen der großen, historischen Oper zu. Die Errungenschaften der italienischen und der Pariser Oper sollten auf die romantische Oper übertragen werden: „Die Sizilianische Vesper“ (1843), vor allem aber die fünfaktige Oper nach Wilhelm Hauffs Roman: „Lichtenstein“ (nach einem Text von Dingelstedt, 1846), „Giulia oder Die Corsen“ (1853) sind ehrgeizige Versuche, eine deutsche Oper gleichrangig neben die alle Bühnen beherrschenden Schöpfungen Meyerbeers und Donizettis zu stellen. L.s dramatisches Talent versagte freilich vor den Anforderungen der „Grand opéra“: seine durchweg liedhafte Melodik ist nur selten in der Lage, weite Spannungsbögen zu tragen; die szenische Tektonik bleibt eigentlich immer zu kleinteilig, und seine sympathische Scheu vor lärmenden Überraschungen hindert ihn, über die Prachtentfaltung der Musik und der Bühne Wirkungen nach dem Vorbild Meyerbeers oder Halévys anzustreben. So wurden seine Opern zwar viel aufgeführt, jedoch ohne daß eine sich zu Lebzeiten fest im Repertoire eingebürgert hätte. Es ist bezeichnend, daß einige seiner volkstümlichen Lieder (darunter das „Frühlingslied“, die „Fahnenwacht“ und „Roland“) länger lebendig geblieben sind als seine Opern und Ballettmusiken.

  • Werke

    Weitere W Opern: Der blinde Gärtner od. d. blühende Aloe, 1813;
    Die Bürgschaft, 1834;
    Die Macht d. Liedes, 1836;
    Libella (1855, vermutl. nicht aufgeführt). -
    Mehrere Ballette, zahlr. Bühnenmusiken u. Lieder, Messen, Psalmen, Kantaten u. e. Tedeum.

  • Literatur

    ADB 18;
    L. Schmidt, Zur Gesch. d. Märchenoper, Diss. Halle 1896;
    St. Hock, die Vampyrsagen und ihre Verwertung in d. dt. Lit., 1900;
    F. Muncker, Dramat. Bearbb. d. „Pervonte“ v. Wieland, in: SB d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1904;
    A. Chybinsky, Bülow, L. u. d. Kapellmeisterfrage, in: Vereinigte musikal. Wschrr. 38, 1907, Nr. 45;
    R. Krauß, Das Stuttgarter Hoftheater v. d. ältesten Zeiten b. z. Gegenwart, 1908;
    ders., Aus Franz Karl Hiemers Leben, in: Württ. Vjschr. f. Landesgesch. 15, 1916;
    L. Kraus, Das dt. Liederspiel in d. J. 1800–30, Diss. Halle, 1921;
    H. Franzelin, Gesch. d. Münchener Vorstadt-Theater zu Beginn d. 19. Jh. u. d. Kgl. Theaters am Isartor. Diss. München 1922;
    M. Zenger, Gesch. d. Münchner Oper, 1923;
    R. Hensler, P. L. als Opernkomponist, Diss. München 1928;
    A. Carse, The Orchestra from Beethoven to Berlioz, 1948;
    E. Schenk, Robert Schumann u. P. L. in Wien, in: Festschr. f. J. Schmidt-Görg, 1957;
    MGG VIII (P).

  • Autor/in

    Norbert Miller
  • Empfohlene Zitierweise

    Miller, Norbert, "Lindpaintner, Peter Joseph von" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 614-616 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119133911.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lindpaintner: Peter Joseph v. L., ein ungemein fruchtbarer Componist, geb. am 8. (oder 9?) December 1791 in Koblenz, wo sein Vater Tenorist an der kurfürstlichen Kapelle war. Als sich Kurfürst Clemens Wenzel vor den 1794 in Trier einrückenden Franzosen mit seinem Hofstaat nach Augsburg zurückzog, folgte auch Lindpaintner's Vater ihm als erster Kammerdiener dorthin und der Sohn verlebte, eine sorgfältige Erziehung genießend, seine Jugend daselbst. Der Kurfürst selbst interessirte sich lebhaft für das sich entwickelnde Talent und schickte ihn nach Beendigung der Gymnasialstudien auf seine Kosten nach München zu Winter. Nachdem er dort bis zum Jahre 1811 studirt hatte und bereits eine Oper „Demophoon“, sowie eine Messe zur Ausführung gelangt waren, in denen sich die Winter'sche Schule nicht verkennen läßt, sollte er auf Wunsch des Kurfürsten noch eine Studienreise nach Italien machen; allein der plötzliche Tod desselben (1812) verhinderte die Ausführung dieses Planes und er sah sich genöthigt nun für seinen eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Das neu errichtete zweite Hoftheater am Isarthore in München (vgl. darüber Bd. II S. 410 v. Bernbrunn) bedurfte eines Musikdirectors und durch die Empfehlung seines Lehrers wurde der 21jährige Jüngling mit der Stelle betraut. Unablässig bemüht durch theoretischen Musikunterricht bei dem tüchtigen Contrapunktisten Joseph Graz in München seine technische Kunstfertigkeit zu vermehren, trotzdem er bereits ein einträgliches Amt verwaltete, wurde er endlich Meister jener Technik, die allein im Stande ist der Träger der Idee zu werden und selbst aus kleinen Motiven etwas Ansprechendes und Werthvolles zu schassen. Er schrieb in dieser Zeit u. A. die Opern „Der blinde Gärtner“ (op. 18), „Alexander in Ephesus“ (op. 22), „Abrahams Opfer“ (op. 23), „Die Pflegekinder“ (op. 34), „Die Prinzessin von Cacambo“. Das Theater am Isarthore konnte jedoch auf dem Gebiete des ernsteren Drama's die Concurrenz des Hof- und Nationaltheaters nur schwer überwinden und sah sich von dieser Seite her bedroht. L. kam es daher sehr gelegen, daß er im J. 1819 einen Ruf als Director der Stuttgarter Hofkapelle erhielt. Durch seine unausgesetzten Bemühungen und sein eminentes Directionstalent gelang es ihm, die Stuttgarter Hofkapelle bald zu einer der besten Deutschlands emporzuheben und ihre Aufführungen zu Musterleistungen zu stempeln. Währenddem hatte er aber auch als Componist eine ungemeine Fruchtbarkeit entwickelt und wurde in kurzer Zeit zu den damals beliebtesten gerechnet. Rasch folgten sich die Opern „Timantes“ (eine Umarbeitung des Demophoon), „Perronte", „Die Sternenkönigin", „Kunstsinn und Liebe", „Sulmona", „Giesbrecht", „Der Bergkönig“ und „Der Vampyr“, die bedeutendste darunter (op. 72), der am 21. September 1828 zuerst aufgeführt ward. Unter den um dieselbe Zeit geschriebenen 6 Balletmusiken ragt „Joko“ (op. 65) hervor, überhaupt eine seiner originellsten Arbeiten. Die Werke dieser Periode zeigen mehr und mehr den Einfluß der musikalischen Romantik, wie sie durch Spohr und Weber gestaltet war; vor Allem steht der Vampyr auf diesem Boden. In Lindpaintner's späteren Opern macht sich ein gewisses Streben nach italienischer Melodik daneben geltend, so in der komischen Oper „Die Macht des Liedes", 1836, in der „Genueserin" (1838). Es folgten „Die sicilianische Vesper", 1843; „Lichtenstein“, 1846; „Die Korsen“, 1853. — Von seinen sehr zahlreichen sonstigen Compositionen nennen wir die Oratorien „Der Jüngling von Nain“ und „Abraham"; 4 große Messen; 24 Psalmen (op. 145); daneben viel Kammer- und Concert- und Theatermusiken, unter denen wol seine Ouvertüre zu Goethe's Faust, dessen Lieder er ebenfalls componirte, die bedeutendste ist. Endlich zahlreiche Lieder. Bei einer so massenhaften Production konnte dieselbe nicht immer auf gleicher Höhe stehen und es treten uns oft genug Beurtheilungen in alten Zeitschriften entgegen, die ihn hart tadeln und seine Leistungen als schwach bezeichnen, während anderwärts seine Begabung und sein Können als bedeutend anerkannt wird. Es wird von den biographischen Musiklexicis gern ein Artikel der Allgemeinen musikalischen Zeitung in Leipzig aus dem Jahre 1835 (Spalte 661) citirt, der eine gerechte und ausführliche Würdigung von Lindpaintner's Compositionen enthalten soll. Ausführlich ist der Artikel wol, doch gerecht nur soweit, als er die guten Seiten Lindpaintner's hervorhebt, im Uebrigen aber sehr an Ueberschwenglichkeit und Schwülstigkeit leidet. Der Artikel ist mit Dr. G. Penny gezeichnet und der damalige Redacteur obiger Zeitung, G. W. Fink, hat eine seiner schwachen Poesien als Schlußstein angehängt — er wollte doch auch etwas sagen. L. stand damals auf der Höhe seines Ruhmes und ihn neben Mozart und Beethoven zu stellen war nichts Unerhörtes. So sagt Dr. Penny: „Die Menge verlangt heute nach Aeußerlichkeiten, nach heftigster Erschütterung ihres Nervensystems; ohne diese geht auch die schönste Musik spurlos an ihren Ohren vorüber, zumal wenn dieselbe, wie dies z. B. bei Mozart und Beethoven — mit denen L. hierin die größte Aehnlichkeit hat — immer der Fall ist, das Anmuthige nur Sache der Form und nicht eigentlichen Zweck des Kunstwerks sein läßt." Die Oper „Vampyr" scheint von den Zeitgenossen ganz besonders geschätzt worden zu sein, denn Penny sagt Spalte 668: „Lindpaintner's Musik in seinem „Vampyr" wird man immer mehr und mehr schätzen lernen, je öfter und länger man sie hört. Nur Folge von der glücklichsten Verwendung der Kunstmittel und von der richtigsten Anschauung und Auffassung des Kunstwerks kann dies sein. Und hier erblicken wir ihn denn auch gerade auf der Höhe, auf welcher er bis auf den heutigen Tag noch unerreicht dasteht.“ Charakteristisch für uns und wol treffend bezeichnend für Lindpaintner's Compositionen ist folgender Ausspruch. Penny spricht von „der wohlthuenden Anmuth“ in Lindpaintner's Werken und fügt dem hinzu: „eine schwere Aufgabe, die Künstler, welche nicht von Natur aus mit einem solch' leichten Sinne, einer so gefälligen Scele begabt sind wie L., niemals zu lösen im Stande sein werden. Man hat darin wol schon den Schüler Winter's erkennen wollen; aber L. überflügelte hier noch seinen unvergeßlichen Lehrer; bei ihm ist Alles Kunst und gleichwol zeigt sich seine liebenswürdige Seele auch selbst da noch, wo er zürnen und grausam sein will. Hat er ein Vorbild in dieser Art zu schreiben gehabt, so war es Graun, dessen unsterblicher „Tod Jesu“ z. B. täuschend ähnliche Stellungen und Wendungen enthält, wie Lindpaintner's jüngstes Oratorium|"Der Jüngling von Nain“, ohne sich indessen eines Plagiats, oder auch nur dessen, was man gewöhnlich in der musikalischen Setzkunst Nachahmung, Imitation nennt, schuldig gemacht zu haben.“ Für die Anschauung der damaligen Zeit ist auch folgender Passus von Interesse. Penny schätzt L. noch höher als Instrumentalcomponist und zieht einen Vergleich mit den Leistungen der letzten Decennien. Er sagt: „Gehen wir um nur einige wenige Decennien zurück in der Geschichte unserer Kunst, so kann uns nicht entgehen, daß in dieser Zeit die Instrumentalmusik auf ganz neuen Wegen zu einer bewunderungswürdigen Höhe gelangt ist. Besonders waren es Haydn, Mozart und Beethoven, die fördernd auf ihre weitere Ausbildung hinwirkten. Mit Letzterem ist aber auch die Epoche abgeschlossen, was nach ihm noch in diesem Theile der Kunst Vortreffliches geleistet wurde, erhebt sich nicht über die von Haydn und Mozart geschaffene und von Beethoven noch fester begründete und bestimmter abgeschlossene Manier der Zeit; nur L. läßt neben seinem mächtigen Rival Friedrich Schneider hier noch ein entferntes, schönes, erreichbares Ziel voraussehen.“ Die von Rob. Schumann begründete Zeitung dagegen geht ihm sehr scharf zu Leibe und fertigt ihn nur ganz kurz ab. Schumann hat sich auch darin ein hohes Verdienst erworben, daß er durch seine Musikzeitung ein besseres und auf wissenschaftlicher Aesthetik begründetes kritisches Urtheil erweckte und die Leistungen früherer Zeit mit den jetzigen in ein richtiges Verhältniß brachte. — L., der seit 1822 mit Sophie, der Tochter des bairischen Hofschauspielers Stentzsch in glücklicher, doch kinderloser Ehe lebte, genoß das Glück einer ungestörten Wirksamkeit, einer kräftigen Gesundheit noch im hohen Alter und hoher Verehrung seiner Umgebung bis zum letzten Athemzuge. Noch im J. 1856 ward er zum Preisrichter beim eidgenössischen Sängerfeste in St. Gallen berufen. Auf der Heimreise ereilte ihn der Tod am 21. August zu Nonnenhorn am Bodensee. Er ward im nahen Wasserburg beerdigt.

    • Literatur

      Einen Nekrol. Lindpaintner's gab in Westermann's Illustrirten Monatsheften Nr. 3 und in Nr. 307 der Schwäbischen Chronik vom 25. December 1856 der mit ihm nahe befreundete Professor Gantter in Stuttgart.

  • Autor/in

    Rob. Eitner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eitner, Robert, "Lindpaintner, Peter Joseph von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 706-708 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119133911.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA