Lebensdaten
1866 bis 1946
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Hahnenklee (Harz)
Beruf/Funktion
Operettenkomponist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118573071 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lincke, Paul

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Zitierweise

Lincke, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118573071.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V August (1822–71), Magistratsbote in B., S d. Sattlermeisters Ernst in B. (S e. Rittergutsverwalters in Oberlödla b. Altenburg/Thüringen) u. d. Maria Schulz;
    M Emilie (1828–1919), T d. Joh. Gottlieb Schubbel aus Metzdorf (Oderbruch), Kassendiener in B., u. d. Caroline Wilhelmine Friesecke;
    vor 1893 ( 1898) Anna Müller, Soubrette in B.; kinderlos.

  • Leben

    Der frühe Tod des Vaters zwang L.s Mutter zum Arbeiten als Weißnäherin. L. fand einen Freiplatz in einer privaten Realschule und erhielt von seinem 9. Lebensjahr an Violinunterricht. Früh zur Wahl des Musikerberufs entschlossen, wurde er nach der Schulzeit von Musikdirektor Kleinow in Wittenberge als Lehrling des Stadtorchesters angenommen und als Fagottist ausgebildet. Das Klavierspiel eignete er sich autodidaktisch an. Nach drei Lehrjahren wieder in Berlin, mußte er sich zunächst mit aushilfsweiser Mitwirkung in kleineren Kapellen durchschlagen. Gesichertere Tätigkeit bot sich ihm schließlich im Centraltheater, dann im Ostendtheater, wo er auch als Korrepetitor und Vertreter des Dirigenten beschäftigt wurde. Er befreundete sich mit Heinz Bolten-Baeckers (1871–1938), dem späteren Librettisten seiner meisten Bühnenwerke. Während seiner nächsten Engagements am Königstädtischen, Parodie- und Belle-Alliance-Theater erzielte er bereits erste Erfolge als Komponist von Lieder-Einlagen zu den dort gespielten Possen. Der Aufstieg aber kam für L. 1893 mit seiner Verpflichtung als 1. Kapellmeister und Hauskomponist an das „Apollo“ (Varieté)-Theater. Bald wurde er ein führender Mann auf dem Gebiet der Unterhaltungsmusik als attraktiver Dirigent wie als Komponist von rasch populär werdenden Liedern, deren Tonfall dem Geschmack des Berliner Publikums besonders entsprach. Nach kleinen parodistischen Werken für die Bühne bot er 1897 mit dem burlesk-phantastischen Ausstattungsstück „Venus auf Erden“ seine erste Operette. Im gleichen Jahre folgte er für zwei Spielzeiten einer Einladung nach Paris als Kapellmeister des „Folies Bergères“-Theaters. Auch dort wußte er sich rasch durchzusetzen. Das Jahr seiner Rückkehr nach Berlin brachte ihm mit der Operette „Frau Luna“ (Uraufführung 2.5.1899) und ihren Liedern „Laßt den Kopf nicht hängen“, „O Theophil, o Theophil“ den durchschlagenden Bühnenerfolg. Mit diesem zwischen Volksstück und Singspiel angesiedelten spaßhaften Stück über Berliner, die mit einem Ballon zum Mond fahren, beginnt, dank der Eigenständigkeit von L.s Musik, die Geschichte der Berliner Sonderart der Operette. Ihre Originalität wie ihre volkstümliche Wirkung waren schon hier, wie in zahlreichen anderen Werken, von L.s Talent im Erfinden amüsanter, flotter und leicht faßlicher Melodien ebenso bestimmt wie vom robust-heiteren rhythmischen Schwung seines Musizierens. Trotz weiterer Erfolge ist „Frau Luna“ sein einfallsreichstes und berühmtestes Bühnenwerk geblieben. Im selben Jahr wurde auch seine nächste Operette „Im Reiche des Indra“ freudig aufgenommen. In der Folgezeit wußte der weltberühmt gewordene Komponist seine Erfolge auch materiell klug zu nutzen, nicht zuletzt durch die Gründung des dein Vertrieb seiner Werke dienenden Apollo-Verlags (1901). Auch trat er, wie Richard Strauss, für eine bessere Sicherung musikalischer Urheberrechte ein. Die Reihe seiner Operetten konnte er 1902 mit „Lysistrata“ (darin das „Glühwürmchen-Idyll“) und „Nakiris Hochzeit“ (darin die „Siamesische Wachtparade“) fortsetzen. Neben diesen abendfüllenden Stücken entstand auch eine Fülle kleinerer Gelegenheitskompositionen, wie die Revue „Berliner Luft“ (1904) mit ihren jahrzehntelang erfolgreichen Liedern. L. war auch ein begehrter Gastdirigent in Deutschland, im europäischen Ausland und in den USA. 1908 wechselte er als Kapellmeister vom Apollo- zum Metropol-Theater, wo er sich mit der Revue „Donnerwetter – tadellos!“ einführte. 1911 erzielte die Operette „Grigri“ wieder einen andauernden Erfolg. Mit dem 1. Weltkrieg endete jedoch die beste Zeit seines künstlerischen Schaffens. In den späteren Jahren zehrte er, obwohl weiterhin (auch für Rundfunk und Film) tätig, vorwiegend vom Wertbestand seiner früheren Werke. Die neuen, nun in Mode kommenden Tanzrhythmen verlockten ihn nicht zur Preisgabe der ihm gemäßen traditionellen Formen. Nach und nach aus der Mode kommend, aber immer noch berühmt und beliebt, lebte er bis 1943 in Berlin-Oranienburg, wich dann vor dem Krieg nach Marienbad aus und ließ sich nach 1945 in Hahnenklee im Oberharz nieder.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenpräs. d. Verbands dt. Bühnenschriftsteller u. -komponisten; Ehrenbürger v. Berlin; Goethemedaille; Prof.-Titel.

  • Werke

    Weitere W Operetten: Ein Abenteuer im Harem, 1897;
    Fräulein Loreley, 1900;
    Am Hochzeitsabend, 1902;
    Casanova, 1913;
    Fräulein Kadett, 1914;
    Ein Liebestraum (Text v. A. O. Erler u. M. Neumann), 1940. -
    Revue: Hallo! Die große Revue!, 1909. - Kleinere Bühnenwerke:
    Eine lustige Spreewaldfahrt, 1897;
    Bis früh um fünf, 1904;
    Eine lustige Doppelehe, 1905;
    Hochparterre links, 1905;
    Prinzeß Rosine, 1905;
    Außer Rand u. Band, 1905;
    Das blaue Bild, 1906;
    Ihr Sechs-Uhr-Onkel, 1906;
    Wenn d. Bombe platzt, 1906;
    Immer obenauf, 1910;
    Pst! Pst!, 1917. -
    Tonfilm: Paul u. Pauline. -
    Einzelkompos.: Ouvertüren, Serenaden, Intermezzi, Märsche, Tänze, Quadrillen, Salonstücke, Lieder, Couplets, Duette.

  • Literatur

    E. Nick, P. L., 1953;
    O. Keller, Die Operette in ihrer geschichtl. Entwicklung, 1926;
    K. Westermeyer, Die Operette im Wandel d. Zeitgeistes, 1931;
    St. Czech, Das Operettenbuch, 1950 ff.;
    A. Würz, Reclams Operettenführer, 1950, 171982;
    H. Steger - K. Howe, Operettenführer, 1950;
    O. Schneidereit, Operettenbuch, 1955;
    B. Grün, Kulturgesch. d. Operette, 1961;
    G. Hughes, Composers of the Operetta, 1962;
    MGG VIII (P), X;
    Riemann;
    W. Huschke, Zu P. L.s Vorfahren, in: Genealogie 8, 1966, S. 495-501.

  • Portraits

    Büste, 1953 (Berlin-Kreuzberg);
    Denkmal, 1982 (Hahnenklee, Kurpark).

  • Autor/in

    Anton Würz
  • Empfohlene Zitierweise

    Würz, Anton, "Lincke, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 572 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118573071.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA