Lebensdaten
1897 bis 1976
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118571990 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lernet-Holenia, Alexander
  • Holenia, Alexander L.-
  • Holenia, Alexander Lernet-
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Zitierweise

Lernet-Holenia, Alexander, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118571990.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Alexander, k. u. k. Kapitänlt., aus franz., nach Österreich emigrierter Offz.fam.;
    M Sidonia (1856–1935), Wwe d. Julius v. Boyneburgk (1834–90), k. u. k. Oberst, T d. Romuald Holenia (1817–93), Großindustrieller, Hauptgewerke in Bleiberg, u. d. Josephine Wieltschnigg;
    1945 Eva Vollbach.

  • Leben

    Die Trennung der Eltern unmittelbar nach der Eheschließung und die durch sie hervorgerufenen Spekulationen über eine adelige Herkunft beschäftigten L. zeitlebens. Rollenspiel und Ich-Verlust sowie das Schicksal des österr. Adels waren die durch seine Biographie veranlaßten, dominierenden Themen seines literarischen Werks. – Nach dem Besuch der Mittelschule meldete sich L., gerade großjährig geworden, zur k. u. k. Kavallerie. Als Dragoner kam er im 1. Weltkrieg an die russ. Front nach Galizien. Das Erlebnis des Zusammenbruchs der Donaumonarchie bildete die Grundlage seines künftigen Schaffens. 1921 erschien der erste Gedichtband „Pastorale“, der stark von Rilke, mit dem er in Briefwechsel stand, inspiriert war. Diese Veröffentlichung fand auch die Anerkennung Hermann Bahrs und Hugo v. Hofmannsthals. Sein zweiter Lyrikband „Kanzonnair“ (1923) orientierte sich, wie auch die späteren, mehr an Pindar und Hölderlin.

    Mit „Demetrius“ (1926) wandte sich L. dem Drama zu. Für die beiden 1926 entstandenen Einakter „Saul“ und „Alkestis“ erhielt er im selben Jahr den Goethe-Preis der Stadt Bremen. Die Lustspiele „Österr. Komödie“ (1926) und „Ollapotrida“ (1927) trugen ihm, zusammen mit „Demetrius“, 1926 den Kleist-Preis ein. Mit der Komödie im lockeren, geistreichen Schwankton hatte L. ein für ihn wesentliches Schaffensgebiet entdeckt, dem er sich bis 1932 überwiegend widmete. Gleichzeitig verfaßte er Feuilletons für die Illustrierte „Die Dame“. Zahlreiche Reisen führten ihn in den 30er Jahren ins Ausland, u. a. nach Südamerika, wo er sich längere Zeit aufhielt. 1939 kehrte er, der inzwischen auch durch Romane und Erzählungen hervorgetreten war, nach Österreich zurück.

    L. nahm am Polenfeldzug teil, wurde aber durch eine Verwundung kriegsuntauglich. Einen Posten als Chefdramaturg der Heeresbildstelle versah er nur kurze Zeit. Danach zog er sich auf seinen Landsitz im Salzkammergut zurück. Hier entstanden seine wichtigsten Werke: „Mars im Widder“ (1941), ein Roman, der in seltsam visionärer Atmosphäre das Geschick eines adeligen Leutnants beim Ausbruch des 2. Weltkriegs erzählt, die Lyrikbände „Die Titanen“ (1946) und „Die Trophäe“ (1946) sowie der Roman „Beide Sizilien“ (1942). Während des Kriegs waren die Werke L.s wenig gefragt, seine Theaterstücke wurden nicht aufgeführt. Erst 1947 war dann mit „Die Frau des Potiphar“ (1934) bei den Salzburger Festspielen wieder ein Drama L.s zu sehen. In dieser Zeit bestritt L. seinen Lebensunterhalt durch die Abfassung von Filmdrehbüchern. Später ließ er zahlreiche Neubearbeitungen seiner früheren Theaterstücke folgen. Seine späteren Schwänke, Possen und Umarbeitungen brachten ihm beträchtliche Publikumserfolge. Auch in seinen Romanen wandte er sich mehr der leichten Muse zu. Zugleich übersetzte er aus dem Italienischen, Spanischen, Französischen und Englischen. In den 60er Jahren dominieren historische Studien. L. gehörte dem Herausgeberkreis der Zeitschrift „Forum“ an. 1972 legte er sein Amt als Präsident des österr. PEN-Clubs, das er seit 1969 innehatte, anläßlich der Nobelpreisverleihung an Heinrich Böll unter Protest nieder. Wie leicht L. das Schreiben fiel, hat er einmal Carl Zuckmayer gegenüber ausgesprochen: Ihm genüge ein verregnetes Wochenende, um eine Komödie zu verfassen. Der mit dieser Leichtigkeit einhergehende, scheinbar oberflächliche Ton seiner Dialoge und der schwankhafte Charakter mancher Stücke wurden ihm durch die Kritik oft verübelt, das Publikum aber schätzte seine „Intrigen aus dem Handgelenk“ (Böhm), seine durch Ironie und Skepsis geprägten Gesellschaftsgeschichten. Aber auch in der Beurteilung seiner Lyrik herrscht keine Einhelligkeit. Während Otto Basil und andere ihn als Bewahrer der hymnischen Tradition, als Erben Rilkes, Hölderlins und Pindars verehren, verspottet Karl Kraus seine Lyrik als „Sterilke“ und „Puerilke“. Nach der Gedichtsammlung „Das Feuer“ (1949) veröffentlichte L., der von sich gesagt hatte, er schreibe Gedichte, „um seine geistige Haltung zu bewahren“, keine Lyrik mehr. – In L.s umfangreichem Prosawerk, das häufig Abenteuer und Kriminalfälle zum Gegenstand hat, spielen immer wieder Zwangsvorstellungen eines Niemandslands zwischen Tod und Leben eine bestimmende Rolle. So im Roman „Beide Sizilien“ (1942), der als einer der schönsten der österr. Literatur in diesem Jahrhundert gilt, besonders auch in seiner Erzählung „Der Baron Bagge“ (1936). Der Roman „Die Auferstehung des Maltravers“ (1936) stellt die Kunst als eigentliche Realität jenes Tod und Leben vereinenden Zwischenreichs dar. Neben der Gestaltung von Fragen der Identität, von mythischen und kosmischen Problemen finden sich in seinen auf anspruchsvolle Unterhaltung abzielenden Werken allerdings oft auch triviale Züge. Aufgrund dieser Ambivalenz seines Schaffens ist er wohl zurecht als „Schwieriger“ in die österr. Literaturgeschichte eingegangen.|

  • Auszeichnungen

    Preis d. Stadt Wien (1951),|Großer österr. Staatspreis f. Lit. (1961), Adalbert-Stifter-Preis (1967).

  • Werke

    Weitere W u. a. Gedichte: Die goldene Horde, 1935 (u. Szenen);
    Olymp. Hymne, 1935. -
    Dramen: Parforce, 1928;
    Erotik, 1929;
    Die nächtl. Hochzeit, 1929;
    Kavaliere, 1930;
    Glastüren, 1939;
    Span. Komödie, 1948;
    Radetzky, 1956;
    Die Schwäger d. Königs, 1958;
    Das Finanzamt, 1969. -
    Romane: Die nächtl. Hochzeit, 1930;
    Die Abenteuer e. jungen Herrn in Polen, 1931;
    Ich war Jack Mortimer, 1933;
    Die Standarte, 1934;
    Der Mann im Hut, 1937;
    Der Graf v. St. Germain, 1948;
    Der Graf Luna, 1955;
    Die vertauschten Briefe, 1958;
    Das Halsband d. Königin, 1962;
    Pilatus, 1967;
    Der Stern von Florenz od. Die Hexen, 1969;
    Die Beschwörung, 1974 (Ps. G. T. Dampierre). -
    Erzz.: Der 27. November, 1946;
    Der 20. Juli, 1947;
    Das Finanzamt, 1955;
    Mayerling, 1960;
    Das Bad an d. belg. Küste, 1963. -
    Essays u. Stud.: Adel u. Ges. in Österreich, in: Der Monat, H. 101, 1957, S. 33-43;
    Der wahre Werther, 1959;
    Prinz Eugen, 1960;
    Naundorff, 1961. - Briefe:
    Monolog. Kunst? Ein Briefwechsel mit Gottfried Benn, 1953.

  • Literatur

    J. Halperin, in: Neue Rdsch. 58, 1947, S. 456-65;
    E. Jank, A. L.-H.s Dramen, Diss. Wien 1950 (ungedr.);
    I. Kowarna, Das erzählende Werk v. A. L.-H., Diss. Wien 1950 (ungedr.);
    G. Gaya, in: Frankfurter Hh. 8, 1953, S. 790-96;
    E. Hebra, in: Wort in d. Zeit 1, 1955, H. 4, S. 1-7;
    H. Spiel, in: Der Monat 10, 1957/58, H. 109, S. 65-72;
    dies., in: NÖB 20, S. 88-94 (P);
    dies., in: Jb. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung 1976, 1977, S. 191-95 u. 195 f.;
    R. Schneider, Winter in Wien, 1958, S. 123-26;
    E. v. Naso, Glückes genug, 1963, S. 234-37;
    A. Ayren, in: Neue Dt. Hh. 14, 1967, H. 115, S. 116-30 (W);
    H. Sembdner, Der Kleist-Preis, 1912–32, 1968, S. 92-97;
    A. L.-H., Festschr. z. 70. Geb.tag d. Dichters, 1967 (mit Btrr. v. O. Basil, F. Torberg, C. Zuckmayer u. a., W-Verz. u. Schallplatten, Filme, Hörspiele, Fernsehspiele);
    H. Wittmann, in: ders., Gespräche mit Dichtern, 1976, S. 88-116;
    E. Thurnher, in: Dichter zw. d. Zeiten, 1977, S. 250-54;
    G. Sebestyén, Epitaph f. Alexander, in: ders., Stud. z. Lit., 1980, S. 189-202;
    F. Müller-Widmer, A. L.-H., Grundzüge s. Prosawerks, dargest. am Roman „Mars im Widder“, 1980;
    F. Sieburg, Eine Tür ins Dunkle, in: ders., Zur Lit. 1957–63, 1981, S. 317-21;
    Kosch, Lit.-Lex.;
    Giebisch-Gugitz;
    Dichtung aus Österreich, hrsg. v. H. Kindermann, I, 1966, S. 1193–95, II, 1969, S. 898 f. (W, L);
    Kunisch;
    Internat. Bibliogr. z. Gesch. d. Dt. Lit., II, 2, 1972, S. 755 f.;
    Kindlers Lit.-Lex. I, S. 715 (Die Abenteuer e. jungen Herrn in Polen), II, S. 1377 (Der Baron Bagge), V, S. 4088 (Der Graf v. Saint-Germain), X, S. 8979 (Die Standarte);
    Kürschner, Lit.-Kal., 1973;
    Kunisch-Wiesner.

  • Autor/in

    Eva-Suzanne Bayer-Klötzer
  • Empfohlene Zitierweise

    Bayer-Klötzer, Eva-Suzanne, "Lernet-Holenia, Alexander" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 315-317 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118571990.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA