Lebensdaten
1903 bis 1942
Geburtsort
Beuthen (Niederschlesien)
Sterbeort
Berlin-Nikolassee
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118563238 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Klepper, Jochen

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Zitierweise

Klepper, Jochen, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118563238.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1866–1934), Pfarrer, S d. Adelbert, Rechnungsrat, Quästor an d. Univ. Breslau, u. d. Ottilie Stierl;
    M Hedwig (1876–1941), T d. Amtgerichtsrats Hermann Weidlich (kath.) in Ohlau u. d. Louise Radler;
    Schw Margot ( Eberhard Fischer, Gen. d. Flieger);
    - Breslau 1929 Johanna Gerstel (1890–1942) aus Nürnberg, Wwe d. Rechtsanwalts Dr. Felix Stein ( 1925) in Breslau; 2 Stief-T.

  • Leben

    K. blieb in seinem ganzen Leben der Tradition des evangelischen Pfarrhauses und dem ursprünglichen Berufsziel verpflichtet. Obwohl er sich nach dem Theologiestudium nicht für den Dienst des Gemeindepfarrers entschied, setzte er sich ständig mit dem geistlichen Amt und dem Pfarrhaus als Lebensraum auseinander und suchte sie auch in seinen anderen Lebensumständen in ihrer geistlich-kulturellen Bedeutung zu verwirklichen. Diese unkonventionelle Erfüllung der geistlichen Tradition in ständiger hellwacher Reflexion kennzeichnet den Menschen K. und spricht eindringlich aus seinen Tagebüchern. Aus Verworrenheit und Depressionen der Jugendjahre führte K. die Begegnung und Ehe mit Hanni Gerstel heraus. Noch aus den späteren Tagebuchaufzeichnungen geht hervor, in welchem Maß das Verstehen und Vertrauen der reiferen Frau K.s Selbstverständnis begründeten und sein künstlerisches Schaffen ermöglichten. Zugleich aber hatte die Verbindung mit einer Jüdin den durch Jahre schmerzvoll erfahrenen Bruch mit Elternhaus und ursprünglichem Berufsziel zur Folge.

    K., der 1933 seinen ersten Roman, „Der Kahn der fröhlichen Leute“ vorgelegt hatte, verließ seine Heimat Schlesien und kam als Mitarbeiter des Rundfunks nach Berlin. Sehr bald überschattete die nationalsozialistische Herrschaft das Leben des Mannes, dessen Familie aus einer jüdischen Frau und 2 jüdischen Stieftöchtern bestand. K. verlor 1933 die Stellung beim Funk und 1935 die anschließende Tätigkeit beim Ullstein-Verlag. Gleich nach Erscheinen des Romans über den preußischen Soldatenkönig „Der Vater“ im Frühjahr 1937 geriet auch die schriftstellerische Arbeit, der K. nun ausschließlich lebte, in äußerste Gefährdung: Er wurde aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und unterlag damit praktisch einem Berufsverbot. Auch nachdem eine Sondergenehmigung die Fortführung der schriftstellerischen Tätigkeit ermöglichte, blieb sie von Kontrollen und Einschränkungen belastet.

    K.s Widerstand gegen das Regime zeichnete sich durch die Bemühung um ein gerechtes Urteil aus: Er versagte sich lange die einseitige Ablehnung, suchte an der Idee des Vaterlandes festzuhalten, wie es nicht zuletzt seine intensive Beschäftigung mit der preußischen Tradition verlangte, zu der ihn „Der Vater“ veranlaßt hatte. K.s Werk und Schicksal brachten ihm Kontakte mit führenden Persönlichkeiten des geistigen Widerstandes. Am intensivsten war wohl die Freundschaft mit Reinhold Schneider.

    Im 2. Weltkrieg führte der Militärdienst K. auf den östlichen Kriegsschauplatz. Aber bereits nach einem knappen Jahr wurde er wegen „Wehrunwürdigkeit“ entlassen. Nach seiner Heimkehr nahm die Bedrohung der Familie, von der sich durch eine Scheidung zu trennen, K. von sich wies, immer mehr zu. Während kurz vor dem Krieg noch die Emigration der älteren Stieftochter gelungen war, erfolgte der Entschluß zur Trennung von der geliebten jüngeren Tochter zu spät. Es gab keine Möglichkeit, sie der unmittelbar bevorstehenden Deportation zu entziehen. Angesichts dieser hoffnungslosen Situation wählte K. mit seiner Familie den Tod. Das Tagebuch der letzten Zeit zeigt die intensive Auseinandersetzung des Christen mit der Versuchung zum Selbstmord, der zugleich als Befreiung aus der Depression durch die unvermeidliche Lähmung der künstlerischen Produktivität erscheinen mußte. Was K. in der bedrohten und doch so sorgsam gehegten Welt seines Hauses, seiner Ausschmückung mit alten Möbeln, seinen Festen, als ein „tragisches Idyll“ zu verwirklichen suchte, war auch Ziel seines dichterischen Werkes: Es galt, Urbildhaftes am Beispiel darzustellen – Verantwortung und Bürde des Königtums als eines väterlichen Amtes im „Vater“, dem Roman Friedrich Wilhelms I., das Haus, den irdischen Besitz als Abbild und Verheißung im „Ewigen Haus“, dem nicht mehr vollendeten Buch um Katharina von Bora. Was sich hier ergibt, bestätigen K.s Aufsätze, besonders der über den „christlichen Roman“ (1940): Das Anliegen des Dichters ist – bei aller Feinfühligkeit der Darstellung – nicht ästhetisch oder psychologisch, sondern religiös. Der historische Stoff, der die schöpferische Phantasie des mit äußerster Sorgfalt an die Quellen Gebundenen einengt, enthält das exemplum für das Handeln Gottes am Menschen.

    Ebenso um Urbildliches geht es in K.s geistlichen Liedern, die die große Tradition des barocken Kirchenliedes in unser Jahrhundert übertragen: Tageszeiten und Feste werden im Vertrauen auf die Gnade mit einer Zustimmung erfahren, deren Tiefe erst angesichts des persönlichen Schicksals ihres Dichters ganz verständlich wird. Mit Recht sind diese künstlerisch wie theologisch durchgestalteten Texte ins Liedgut der deutschsprachigen Christenheit eingegangen.

  • Werke

    Weitere W In tormentis pinxit, Die Briefe u. Bilder d. Soldatenkg. Frdr. Wilh. I., Kg. v. Preußen, 1938;
    Der König u. d. Stillen im Lande, Begegnungen Friedrich Wilhelms I. mit Aug. Herm. Francke, Gotthilf Aug. Francke, Jon. Anastasius Freylinghausen u. Nik. Ludwig Gf. v. Zinzendorf, 1938;
    Kyrie, Geistl. Lieder, 1938;
    Gedichte, 1947;
    Die Flucht d. Katharina v. Bora, Aus d. Nachlaß hrsg. u. eingel. v. K. Pagel, 1951;
    Unter d. Schatten deiner Flügel, Aus d. Tagebüchern d. J. 1932–42, mit Geleitwort v. Reinh. Schneider, hrsg. v. Hildegard Klepper (Schw), Ausw., Anm. u. Nachwort v. B. Mascher, 1956, 21970 (W-Verz.);
    Überwindung, Tagebücher u. Aufzeichnungen aus d. Kriege, mit e. Nachwort u. Anm. v. B. Mascher, hrsg. v. Hildegard Klepper (Schw), 1958;
    Nachspiel, Erzz., Aufsätze, Gedichte, hrsg. v. K. Ihlenfeld, 1960;
    Gast u. Fremdling, Briefe an Freunde, hrsg. v. E.-J. Meschke, 1960;
    Das Ende, Erz., 1962;
    Ziel d. Zeit, Die ges. Gedichte, 1962;
    Das ewige Haus, Romanfragment a. d. Nachlaß hrsg. v. K. Pagel, 1963;
    Briefwechsel 1925–42, hrsg. v. E. R. Riemschneider, 1973.

  • Literatur

    R. Schneider, Eine Begegnung, 1956;
    K. Ihlenfeld, Freundschaft mit J. K., 1958, 21967;
    R. Wentorf. J. K., Ein Dichter im Dennoch, 1964;
    ders. (Hrsg.), Nicht klagen sollst du: loben, J. K. in memoriam, 1967;
    ders., J. K. in Berlin, 1967;
    I. Jonas, J. K. Dichter u. Zeuge, Ein Lb., 1967;
    Dichter d. Kirche: R. A. Schröder, J. K., S. Stehmann, 1967;
    F. Teschner. in: Schles. Lb. V, 1968, S. 255-68 (W, L, P);
    H. v. Arnim, Christl. Gestalten neuerer dt. Dichtung. 1972;
    R. Thalmann, J. K., 1977 (P).

  • Autor/in

    Waldtraut Ingeborg Sauer-Geppert
  • Empfohlene Zitierweise

    Sauer-Geppert, Waldtraut-Ingeborg, "Klepper, Jochen" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 47-48 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118563238.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA