Lebensdaten
1888 bis 1948
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118562592 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kittel, Gerhard

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Zitierweise

Kittel, Gerhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118562592.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Rudolf (s. 2); - ( Dresden 1917 Elisabeth (1886–1972), T d. Pfarrers Adolf Rohde u. d. Caroline Roeth;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    K. studierte in Leipzig, Tübingen, Berlin und Halle Theologie und orientalische Sprachen. 1913 habilitierte er sich in Kiel, war seit 1917 Privatdozent in Leipzig und wurde 1921 dort außerordentlicher Professor, dann ordentlicher Professor in Greifswald, 1926 in Tübingen (Nachfolger von A. Schlatter), 1939 in Wien. Seit 1943 war er wieder in Tübingen. 1945 wurde er entlassen. K. führte historische und religionsvergleichende Untersuchungen durch und zwar vor allem über das Urchristentum in Palästina und das antike Judentum. Bekannt geworden ist er als Herausgeber des Theologischen Wörterbuches zum NT (1933 ff.) und durch seine Stellungnahme zu geschichtlichen und aktuellen Fragen des Judentums. Ausgangspunkt für K. ist dabei das Phänomen des antiken Weltjudentums. Von dem alten Volksbestand Israels verschieden, ist es nach seiner Meinung eine typische Zersetzungserscheinung, eine Dekadenz des ursprünglichen Rassebestandes. Erst dieser rassisch depravierte Bestand ist für die biologisch-anthropologische Größe des Judentums charakteristisch. Zwischen rassischen Vorgängen in der Diaspora und den geistig-seelischen Vorgängen, die von Palästina ausgehen, die beide als Judaisierung anzusehen sind, ist grundsätzlich zu unterscheiden. Entscheidend ist das Gesetz von dem stetigen Ineinander und der Wechselwirkung der geistig-seelischen und der biologisch-bluthaften Prozesse. Das antike Weltjudentum beruft sich geistig auf Privilegierungstheorie und kasuistische Gesetzlichkeit. Es beansprucht, die Gleichberechtigung mit allen anderen Bürgern des römischen Imperiums, aber gleichzeitig behauptet es, Volk in besonderem Sinn mit allen Privilegien zu sein. Das Christentum bringt die Kampfansage gegen diese bevorzugte Stellung des Judentums mit sich. Es ist die geschichtliche Umkehrbewegung, die entscheidende Gegenbewegung, die das die Völker zerfressende Weltjudentum entmachtet. Durch den Eintritt des Christentums in die abendländische Geschichte wird der schon vorher mannigfach vorhandene, aber uneinheitliche Antisemitismus zu einer erstmaligen Geschlossenheit umgeformt und für ein Jahrtausend als eine der undiskutierten Voraussetzungen der abendländischen Kultur angesehen. Das Diasporajudentum wehrt sich mit Erfolg gegen eine Auflösung durch die christliche Mission; es bildet sich um zu einem neuartigen Rassengemisch, das sich gegen die abendländischen Völker abgrenzt. Die Nachfolge Jesu hat umgekehrt zu allen Zeiten eine antithetische Stellung zum Judentum beibehalten. Sie schuf ein neues Einheitsbewußtsein, zu dem die anderen religiösen Kräfte nicht fähig waren. Wo das Judentum sich bewahrt, muß es dem Anspruch Jesu den Kampf ansagen. Wo Jesus als Wirklichkeit und Wahrheit anerkannt wird, da hat das Judentum sein Ende gefunden.

    K. hat den Versuch unternommen, Rassenprobleme in einer Zeit des primitivsten Biologismus religionsgeschichtlich zu deuten. Daß dabei seine Auffassung bei persönlicher Integrität in Mißkredit kam, mißbraucht wurde und sich K. nicht immer eindeutig von den nationalsozialistischen Rassevorstellungen fernzuhalten wußte, ist nicht verwunderlich. Wenn auch seine Thesen über das Judentum unhaltbar sind, so hat er doch bei seiner großen Gelehrsamkeit wertvolles Material zur Geschichte des Judentums zusammengetragen.

  • Werke

    u. a. Die Oden Salomons, überarb. od. einheitlich? Diss. Kiel 1913, 1914;
    Jesus u. d. Rabbinen, 1914;
    Rabbinica, 1920;
    Sifre zu Deuteronomium, 1. Lfg., 1922;
    Urchristentum, Spätjudentum, Hellenismus, 1926;
    Jesus u. d. Juden, 1926;
    Die Probleme d. palästin. Spätjudentums u. d. Urchristentum, 1926;
    Die Rel.gesch. u. d. Urchristentum, 1932;
    Die Judenfrage;
    1933, 31934;
    Kirche u. Judenchristen, 1933;
    Ein theolog. Briefwechsel (mit K. Barth), 1934;
    Christus u. Imperator, 1939;
    Die Entstehung d. Judentums u. d. Entstehung d. Judenfrage, 1937;
    Meine Verteidigung (abgeschlossen am 14.12.1946).

  • Literatur

    G. Friedrich u. G. Reyher, in: Theol. Lit.ztg. 74, 1949, Sp. 171-75 (W-Verz., L);
    O. Michel, Das wiss. Vermächtnis G. K.s, in: Dt. Pfarrerbl. 58, 1958, S. 415-17;
    RGG.

  • Autor/in

    Otto Michel
  • Empfohlene Zitierweise

    Michel, Otto, "Kittel, Gerhard" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 691 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118562592.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA