Lebensdaten
1853 bis 1929
Geburtsort
Eningen (Württemberg)
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116194367 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kittel, Rudolf

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Zitierweise

Kittel, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116194367.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus schwäb. Lehrerfam.;
    V Karl (1819–61), Realschullehrer u. -vorstand in Isny, dann in E., S d. Lehrers Jakob Friedrich in Nagold u. d. Rosina Schmidt;
    M Pauline (1818–97), T d. Lehrers Otto Philipp Mündler in Kempten u. d. Maria Bilgram;
    Ludwigsburg 1882 Emilie (1860–1914), T d. Fabrikdir. Heinrich Theodor Groß (1825–94) u. d. Julie Weigle;
    2 S Theodor (1883–1970), Prof., Dr. iur., Ministerialdir. im Reichsbzw. Bundesverkehrsmin. (s. Wi. 1935), Gerhard (s. 1).

  • Leben

    Prägenden Einfluß auf K. hatten sein pietistisches schwäbisches Elternhaus, während seines Studiums seit 1871 in Tübingen der Theologe Johann Tobias Beck und der Historiker Karl Weizsäcker. Nach den Studien wurde er Repetent für Philosophie am Tübinger Stift, 1881 Religionslehrer am Karlsgymnasium in Stuttgart. 1888 veröffentlichte K. die „Geschichte der Hebräer I“, in der er vor allem literarkritisch vorging und sich mit Wellhausen auseinandersetzte. Im gleichen Jahre folgte er einer Berufung an die Universität Breslau, wo er Eduard Meyer begegnete. Durch ihn erhielt K. entscheidende Anstöße für seine spätere Orientierung auf die altorientalische Umwelt Israels. Meyer wies ihn besonders auf die Bedeutung der gerade gefundenen Amarnatexte hin. 1893 kam Friedrich Delitzsch nach Breslau, bei ihm studierte der Ordinarius für Altes Testament K. noch Akkadisch. 1898 wurde K. nach Leipzig berufen, wo er bis zu seinem Tode 1929 lebte. Die Jahre 1902-06 waren mit der Arbeit an der Erstherausgabe der Biblia Hebraica ausgefüllt, die seitdem mit K.s Namen verbunden ist. Sie blieb auch in seinen Augen ein Kompromiß zwischen einem textkritischen Ideal und erschwinglichen Kosten. Der in dieser Zeit aufkommende Bibel-Babel-Streit entfremdete ihn völlig von Delitzsch, mit dem ihn bis dahin ein freundschaftliches Verhältnis verbunden hatte. Einen Wendepunkt in K.s Auffassung vom AT bezeichnet seine Palästinareise 1907, deren Frucht außer kleineren archäologischen Veröffentlichungen vor allem die völlige Neubearbeitung der „Geschichte der Hebräer“ von 1888/92 darstellt. Sie erschien als „Geschichte des Volkes Israel“ (Band 2 1909, 71925, Band 1 1912, 61923) und wurde von ihm noch mehrmals ergänzt und umgearbeitet. Sie machte erstmals die Erkenntnisse der altorientalischen Forschungen aus den literarischen Dokumenten und den Grabungsergebnissen für die Geschichtsschreibung Israels fruchtbar und ist bis heute grundlegend geblieben. Seitdem wandte K. sein Hauptinteresse immer mehr der Geistes- und Kulturgeschichte Israels, insbesondere der Geschichte der israelitischen Religion zu. Sein „Kommentar zu den Psalmen“ (1914, 3, 41922), in dem er die von Hermann Gunkel eingeführte gattungsgeschichtliche Methode deutlich ablehnte, ist ein Ausdruck seiner theologisch-seelsorgerlichen Anliegen. Einen Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Laufbahn stellt seine Rede vor dem 1. Deutschen Orientalistentag, Sondertagung der Alttestamentlichen Forscher, in Leipzig am 29.9.1921 dar: „Die Zukunft der alttestamentlichen Wissenschaft“ (in: Zeitschrift für alttestamentliche Wissenschaft, 1921, S. 84-99).

    K.s Bedeutung liegt vor allem darin, daß er die dem jeweiligen Stand der Wissenschaft entsprechende Synthese zu erarbeiten suchte: in der literarkritischen Debatte um Wellhausen, in der textkritischen Arbeit, in der Hineinstellung Israels in die religiöse und kulturelle altorientalische Umwelt wie in der Öffnung der verschiedenen alttestamentlichen Disziplinen – bei Wahrung der Wissenschaftlichkeit – auf ihre theologische Dimension hin.

  • Werke

    Weitere W Sittliche Fragen, 1885;
    Über d. Notwendigkeit u. Möglichkeit e. neuen Ausg. d. hebrä. Bibel, 1902;
    Die babylon. Ausgrabungen u. d. ältere bibl. Geschichte, 1903, 51908;
    Der Babel-Bibelstreit u. die Offenbarungsfrage, 1903;
    Biblia Hebraica I, 1905, II, 1906, 21909;
    Stud. z. hebrä. Archäol. u. Rel.gesch., in: Btrr. z. Wiss. vom Alten u. Neuen Testament 1, 1908;
    Die hellenist. Mysterienrel. u. d. AT, ebd. NF 7, 1924;
    Die alttestamentl. Wiss. in ihren wichtigsten Ergebnissen, 1910, 41920 (engl. 1911, auch tschech. u. hebrä.);
    Die Rel. d. Volkes Israel v. d. Urzeit b. z. Christus, 1920 (schwed. 1920, engl. 1925);
    Gestalten u. Gedanken in Israel, Gesch. e. Volkes in Charakterbildern, 1926;
    Gesch. d. Volkes Israel III/1, 1927, III/2, 1929. -
    Autobiogr. in: Die Rel.wiss. d. Gegenwart in Selbstdarst. I, 1925, S. 113-44 (W-Verz., P).

  • Literatur

    J. Hempel, in: Zs. d. dt. morgenländ. Ges. 84, 1930, S. 79-93.

  • Autor/in

    Helmut Engel
  • Empfohlene Zitierweise

    Engel, Helmut, "Kittel, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 692-693 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116194367.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA