Lebensdaten
1785 bis 1847
Geburtsort
Güstrow (Mecklenburg)
Sterbeort
Meißen
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118561626 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kersting, Georg

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Kersting, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118561626.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg Friedrich (1755–1800), Amtsglaser, Glasmaler;
    M Ilsabe Koeter (1741–1808);
    1818 Agnes, T d. Hofpostmeisters Sergel in Dresden; 4 K, u. a. Hermann (1825–50), Historienmaler, v. Schwind beeinflußt (s. ThB);
    E Hermann (1863–1937), Afrikaforscher.

  • Leben

    Vermutlich erhielt K. von seinem Vater die ersten Unterweisungen in der Malerei. Später kam er zu J. Beutel in Güstrow in die Lehre und konnte 1805 durch die Hilfe eines reichen Vetters die Kopenhagener Akademie beziehen, die zuvor die Ausbildungsstätte C. D. Friedrichs und Ph. O. Runges gewesen war. Seine Lehrer waren N. Abildgaard und Ch. A. Lorentzen, deren Einwirkung in K.s Schaffen jedoch kaum erkannt werden kann. Dagegen scheint J. Juel mit seiner hellen, sorgfältigen Malweise K. beeindruckt zu haben 1808 ging er nach Dresden und 1809 für kurze Zeit nach Rostock, wo die ersten bekanntgewordenen Ölgemälde entstanden: neben einem Porträt eine Ansicht Rostocks von Westen, die bereits K.s Sinn für tektonische Strenge bei einer Bescheidenheit in der Motivwahl verrät. Spätestens im Sommer 1810 war K. wieder in Dresden, denn im Juli 1810 unternahm er mit C. D. Friedrich eine Wanderung durch das Riesengebirge, von der gezeichnete Porträts Friedrichs in Rückenansicht vorhanden sind. Das ganzfigurige Porträt, das sich vom Betrachter abkehrt, scheint bei K. früher als bei Friedrich ausgebildet zu sein. 1811 malte er die Staffage in Friedrichs „Kreuz im Riesengebirge“. Damals übernahm er auch den Zeichenunterricht der Kinder des Jenaer Buchhändlers K. F. Frommann. Die stilistische Orientierung K.s an Friedrich zeigt sich in der sauber lasierenden Maltechnik und besonders im Zeichenstil. K.s Spezialität, Porträts (hauptsächlich von Künstlern) in schlichten Interieurs, scheint jedoch im wesentlichen seine eigene Idee zu sein, wenn auch gezeichnete Fensterausblicke Friedrichs von 1806 und ein dadurch beeinflußtes Gemälde von K. L. Kaaz (1807) sowie eine Tradition von kleinfigurigen Künstlerporträts im Atelier aus dem 18. Jahrhundert (J. H. Tischbein und J. Junker) im Hintergrund dieser Schöpfungen stehen. Bezeichnend für alle seine Porträts in Interieurs ist die Konzentration auf eine Tätigkeit oder Unterhaltung. Mit solchen Interieurs, insbesondere mit einem Bildnis Friedrichs im Atelier, erzielte K. 1811 die ersten Erfolge auf der Dresdner Akademieausstellung. 1812 stellte er zwei „Malerstuben“ (jene Friedrichs und Kügelgens) in Berlin aus. Der Weimarer Hof kaufte durch Vermittlung Goethes 1813 den „Eleganten Leser“, der K.s Interesse an Beleuchtungsproblemen zeigt, sowie die „Stickerin“ (K.s Freundin Louise Seidler, beide (1812) Weimar, Staatliche Kunstsammlungen, Variante 1827 Kiel, Kunsthalle). Im April 1813 schloß sich K., nachdem er sich mit Unterstützung G. von Kügelgens und Friedrichs ausgerüstet hatte, dem Lützower Freikorps an und erhielt hier für sein mutiges Verhalten im Gefecht am Göhrdewalde das Eiserne Kreuz. Seine gefallenen Freunde Th. Körner, K. F. Friesen und Hartmann ehrte er 1815 in den beiden Gedächtnisbildern „Der Vorposten“ und „Kranzwinderin“ (beide Berlin, National Galerie). Bald danach erhielt er einen Ruf der Fürstin Anna Sapieha als Hofmaler nach Warschau, wo er 2 Jahre verbrachte. Ein lebensgroßes Brustbild der Fürstin (Karlsruhe, Privatbesitz) erinnert an diese Episode.

    1818 erhielt er eine Anstellung als Malervorsteher an der Porzellanmanufaktur Meißen, wo er sich sogleich bei dem großen Tafelservice für den Herzog von Wellington (1819) bewährte. Offenbar absorbierte K.s Wirken für die Manufaktur einen großen Teil seiner Schaffenskraft. Eine neue Flächigkeit und das Zurücktreten der Innenraumdarstellungen scheint mit der Porzellanmalerei zusammenzuhängen. Es entstehen nun auch Porträts in der Landschaft, religiöse Bilder, Allegorien, Genreszenen und Blumenstilleben. Bisweilen wiederholt K. ältere Motive. Seine Familie spielt in den Werken der 30er und 40er Jahre, deren Stil die zeichnerische Präzision mehr und mehr zugunsten einer malerischen Auffassung verliert, eine große Rolle, wie überhaupt K.s Kunst mehr privaten als öffentlichen Charakter hat. Die meisten Porträts in seinen Interieurs stellen Freunde dar. 1837 stellte er zum letzten Mal in Dresden aus.

    Die persönliche und künstlerische Beziehung zu Friedrich hat sich seit der Mitte der 20er Jahre stark gelockert. Im Unterschied zu diesem vertrat K. bereits in seinen frühen Werken eine dem vordergründig Sichtbaren verhaftete Malerei, die schon vor den Befreiungskriegen biedermeierliche Züge aufwies. Gedankliches kleidete K. in die Form herkömmlicher Allegorie. Die allgemeine Entwicklung nach 1815 zur Verklärung des Alltäglichen durch das künstlerische Abbild brachte K.s Malerei jedoch nicht zu einer neuen Blüte. Er wurde zum Vorläufer der beschaulichen Kunst A. L. Richters, mit dem er seit 1828 in Meißen zusammenarbeitete, ohne jedoch dessen Produktivität und Sinn für Popularisierung der Kunst zu besitzen. Daher geriet er bald nach seinem Tode in Vergessenheit. Seit K.s Wiederentdeckung zu Beginn dieses Jahrhunderts im Zuge der Aufwertung der deutschen Malerei der Romantik, sind kaum 40 Ölgemälde von ihm bekannt geworden.

  • Werke

    Weitere W G. v. Kügelgen im Atelier, 1810/11 (Karlsruhe, Staatl. Kunsthalle);
    C. D. Friedrich im Atelier, 1811 (Hamburg, Kunsthalle);
    Wiederholung v. 1819 (Mannheim, Kunsthalle);
    Am Fenster schreibender Mann, 1811 (Weimar, Staatl. Kunstslgg.);
    F. Matthäi im Atelier, 1811 (Karl-Marx-Stadt, Stadt. Mus.);
    C. D. Friedrich im Atelier, 1812 (Berlin, Nat.gal.);
    Lesender b. Lampenlicht, 1814 (Winterthur, Stiftung Oskar Reinhart);
    Der Prediger Reinhard, 1816 (Berlin, Nat.-gal.);
    Paar am Fenster, 1817 (Obbach, Slg. Gg. Schäfer);
    Apollo mit d. Stunden, 1822 (Güstrow, Logenhaus);
    Haarflechterin, 1827 (Kiel, Kunsthalle);
    Die Kinder d. Künstlers, ca. 1832 (Privatbes.);
    Kinder am Fenster, 1841 (Düsseldorf, Städt. Kunstslgg.).

  • Literatur

    Kunst-Bl. Nr. 63 v. 25.12.1847;
    Biograph, u. literar. Skizzen a. d. Leben u. d. Zeit Karl Försters, 1846, S. 24-26, 87, 94, 105;
    H. Uhde, Erinnerungen u. Leben d. Malerin Louise Seidler, 1874, S. 46 f., 88-90;
    A. L. Richter, Lebenserinnerungen e. dt. Malers, 1885, S. 303 f.;
    W. v. Kügelgen, Jugenderinnerungen e. alten Mannes, 1924, S. 94-96;
    Rachel, Altdresdner Fam.leben in d. Biedermeierzeit, 1915, S. 83;
    O. Gehrig, G. F. K., 1931/32 (P);
    G. Vriesen, Die Innenraumbilder G. F. K.s, 1935;
    K. Leonhardi, G. F. K., Bilder u. Zeichnungen, 1939;
    H. Brauer, Schadow, K. u. d. Hofprediger Reinhard, in: Jb. d. Stiftung Preuß. Kulturbes. III, 1964/65, S. 246-54;
    Dt. Romantik, Handzeichnungen I, hrsg. v. M. Bernhard, 1973, S. 662-82 (P);
    ThB (W, L).

  • Portraits

    Selbstbildnisse, Zeichnung, 1813 (Karlsruhe, Privatbes.), Abb. b. Bernhard, s. L, Zeichnung, 1814 (Dresden, Stadtmus.), Abb. in: Goethe-Ausstellung, Sachs. Kunstver. z. Dresden, Juni -Juli 1932, Nr. 85.

  • Autor/in

    Helmut Börsch-Supan
  • Empfohlene Zitierweise

    Börsch-Supan, Helmut, "Kersting, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 539-541 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118561626.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA