Lebensdaten
1897 bis 1973
Geburtsort
Temesvár (Ungarn)
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
klassischer Philologe ; Religionshistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118561456 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kerényi, Karl
  • kerenyi, karl

Orte

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Zitierweise

Kerényi, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118561456.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Koloman Kintzig (1868–1934), nahm d. Fam.-namen K. an (ungar. Form v. Quirinus), Postbeamter in T., Arad u. Budapest, S d. József Kintzig, Bäcker u. Postmeister in Ujszentanna Bez. Arad (Nachfahre v. Einwanderern aus d. Kinzigtal im Schwarzwald), u. d. Eleonora Wolf;
    M Kornelia (1870–1930), T d. Károly Halász (1841–1908), Postmeister u. Notar in Csákova Bez. Temes, u. d. Anna Wildmann;
    1) (⚮) Elisabeth Stamberger (* 1896), Dr. phil., Gymnasiallehrerin, 2) 1936 Magda (* 1914), T d. Gymnasialdir. Dr. Károly Lukács in Györ u. d. Theresia Hatschek;
    2 T aus 1), 1 S, 2 T aus 2).

  • Leben

    Aufgewachsen in der sprachlichen und konfessionellen Vielfalt des Banat, selbst ungarischer Muttersprache, konnte K. sich später in Griechenland ebenso heimisch fühlen wie in Italien, besonders Rom, und in seiner Wahlheimat, dem Tessin. Die Gymnasialzeit in Arad, der Stadt 13 hingerichteter ungarischer Freiheitskämpfer von 1848/49, weckte in K. bleibenden Abscheu gegen Mißbrauch der Macht. Nach Studium der klassischen Philologie in Budapest bei dem Latinisten Geza Némethy – zusätzlich angeregt von dem Indogermanisten und Indologen Joseph Schmidt – wurde K. 22jährig zum Dr. phil. promoviert mit einer Arbeit über Platon und Longinus. Nach dem 1. Weltkrieg hospitierte er noch das Wintersemester in Greifswald im Seminar des Gräzisten Johannes Mewaldt und unternahm Abstecher zu den Berliner Vertretern der Altertumswissenschaft. Durch Eduard Norden und Johannes Boll wurde er zu religionsgeschichtlicher Forschung angeregt. Er habilitierte sich mit der Schrift „Die griechisch-orientalische Romanliteratur in religionsgeschichtlicher Beleuchtung“ (1927, 21962). Seit 1927 war er Privatdozent für Religionsgeschichte in Budapest, seit 1934 zugleich Extraordinarius, seit 1936 Ordinarius für klassische Altertumswissenschaft in Pécs (Fünfkirchen), 1941 in Szeged. Anläßlich eines Griechenlandaufenthaltes 1929 schloß er Freundschaft mit Walter F. Otto, 1934 in Frankfurt mit Leo Frobenius (Doorner Vorträge). Das literarische Werk Thomas Manns und Hermann Hesses hat er als deren Briefpartner beeinflußt.

    Bestimmend für seinen weiteren Lebensweg wurde die Begegnung mit C. G. Jung, der K.s Studien über mythologische Urbilder „Das göttliche Kind“ und „Das göttliche Mädchen“ als frappante Entsprechung seiner psychologischen Befunde erkannte und kommentierte. K. wurde zunächst Vortragender der Eranos-Tagungen in Ascona, gelangte 1943 mit seiner Familie als ungarischer Kulturbeirat in die Schweiz, nahm Wohnsitz im Tessin und verzichtete 1947 auf Rückkehr nach Ungarn. 1948-66 lehrte er am C. G. Jung-Institut in Zürich, hielt Gastvorlesungen an den Universitäten Rom, Genua, Zürich, Bonn, Oslo|und Vorträge auf philosophischen, archäologischen und religionswissenschaftlichen Kongressen, wie auch öffentlich vor zahlreichen Hörern, besonders im deutschen Sprachraum. K.s Anliegen war es, aus der Antike Grundformen und Urbilder menschlicher Existenz heutigen Menschen als Lebenshilfe zu erschließen. In der Methode phänomenologisch, berücksichtigte er dabei sprachliche und bildliche Zeugnisse ebenso wie Landschaft und Atmosphäre der immer wieder selbst bereisten Orte – etwa in seinem „Apollon“ (1937, 31953), „Hermes“ (1944), dem „Göttlichen Arzt“ (1948, 21956), den „Mysterien von Eleusis“ (1962, englisch 1967), in „Zeus und Hera“ (1972) und dem nachgelassenen Werk „Dionysos – Urbild des unzerstörbaren Lebens“. In „Antike Religion“ (1940, 51971) zeigte er griechischen und römischen Stil religiösen Erlebens auf. Mythologe war K. auch im Sinn belebenden Neu-Erzählens der „Mythologie der Griechen“ (Götter und Heroen) (Band 1, 1951, 41966, Band 2, 1958, 41966); die deshalb in seiner Fassung außer deutsch, englisch, italienisch, französisch, schwedisch, holländisch, japanisch, ungarisch und sogar ins Neugriechische übersetzt erschienen ist.|

  • Auszeichnungen

    D. theol. (Uppsala 1963); Goldmedaille d. Humboldt-Ges. 1969; Pirckheimerring d. Stadt Nürnberg, 1970.

  • Werke

    Weitere W Werke, bisher Dd. 1-3, 1966-68, 7, 1971, 8, 1976;
    Verz. in: Prometheus, 1959;
    Einführung in d. Wesen d. Mythol. 1941, 41951 (mit C. G. Jung);
    Der göttl. Schelm, 1954 (mit dems. u. P. Radin);
    Romandichtung u. Mythol. -
    ein Briefwechsel mit Th. Mann, 1945;
    Gespräch in Briefen mit Th. Mann, 1960, Neuausg. 1972;
    Herm. Hesse, K. K., Briefwechsel aus d. Nähe, hrsg. v. Magda Kerényi, 1972 (W).

  • Literatur

    M. Rychner, Vom Umgang mit Göttern, 1947;
    R. Schott, Die wiedergewonnene Götterwelt, 1953;
    Festschr. Stockholm, ed. G. Säflund, 1967;
    Ch. de Beus, De Mythe en het oeuvre v. K. K., 1969;
    G. Lieberg, K. K. als Deuter d. antiken Rel., in: Ensemble II, Humboldt Ges. Mannheim, 1970;
    O. Heuschele, Lebensfreundlicher Humanismus, ebd.;
    ders., Gedenkrede, 1974;
    F. Jesi, K. e L'Isola, 1975; in Vorbereitung
    , Gedenkbd., Austin Texas Journal of Indo-European Studies.

  • Portraits

    v. Lou Albert-Lasard, L. Vinkler (mehrfach).

  • Autor/in

    Lilla Dominika Mehmke
  • Empfohlene Zitierweise

    Mehmke, Lilla Dominika, "Kerényi, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 511 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118561456.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA