• Genealogie

    V Joh. Gottlob Israel ( 1867), Zeug- u. Leinenwebermeister in H., S d. Handarbeiters Joh. Gottlob in H.;
    M Joh. Juliane (* 1791), T d. Zeug- u. Leinenwebermeisters Joh. Gottlob Engelmann in H. u. d. Eva Maria Quosig;
    1) Seifersbach b. Mittweida 1840 Juliane Frieder. (1811–41), T d. Weißgerbers Christian Friedrich Matthieß in H. u. d. Christiane Maria Beyer, 2) Hainichen 1843 Juliane Wilhelmine, Wwe d. Oberfeuerwerkers u. Grenzaufsehers Joh. Gottfried Oelschlägel in Olbernhau;
    1 T aus 1).

  • Leben

    Durch die Erfindung des Holzschliffs zur Papierherstellung Anfang der 1840er Jahre rettete K. die Papierwirtschaft und vor allem die Zeitungspresse, die bis dahin auf Lumpenpapier angewiesen war, vor größter Rohstoffnot. K., der ursprünglich Mechaniker werden wollte und als Folge der Not im Elternhause auch dem Weberhandwerk nachgehen mußte (1839 Webermeister in Hainichen), war ein guter Naturbeobachter und eifriger Bastler. Er gewann dem Fichtenholz durch Schleifen an einem nassen Schleifstein Fasern zur Papiergewinnung ab. Die Fasermasse kochte er mit Wasser zu einem dicken Brei, der dann durch ein Tuch geseiht wurde. So entstand brauchbare Holzpapiermasse. K. baute daraufhin einen einfachen Schleifapparat, der Holzstoff ohne Splitter lieferte. Diesen brachte er in die Altchemnitzer Papiermühle, die ihm daraus 6 Ries Papier herstellte. Das „Frankenberger Intelligenz- und Wochenblatt“ verwendete diese ersten K.schen Papierrollen. – K. setzte sich, da er keine staatliche Unterstützung erhoffen konnte, mit dem Papierfachmann Heinrich Voelter, dem technischen Direktor der „Vereinigten Bautzener Papierfabriken“, in Verbindung, der dem Erfinder 700 Taler anbot sowie Patentanmeldung auf beider Namen. Das Patent wurde im August 1845 in Sachsen erteilt. Voelter ließ den Erfinder nicht im Unklaren darüber, daß letztlich alles vom Bau einer geeigneten Holzschleifmaschine abhängen würde. Nach 1848 kamen die ersten Maschinen heraus, und als 1852 die Patenterneuerungen fällig wurden, konnte K. die auf seinen Teil entfallenden Kosten nicht bezahlen. Voelter aber setzte die Arbeit mit großem Gewinn ohne K. fort. Die nun epochemachenden Holzschleifmaschinen waren nur mit Voelters Namen verbunden. – K.s Einfallsreichtum zeigt ein heute noch im Museum in Hainichen vorhandenes „Ideen-Büchlein“ von 1841/42. Darin sind 20 bemerkenswerte Vorschläge für Erfindungen und Verfahren enthalten, die sich über die gesamte Technik erstrecken.

  • Literatur

    ADB 53;
    H. Gebauer, Die Volkswirtsch. im Kgr. Sachsen III, 1893, S. 629;
    VDI-Zs. 39, 1895, S. 1238;
    H. Pönicke, in: Mitteldt. Jb. 1955, S. 98;
    ders., Eine Erfindung v. Weltruf, in: VDI-Nachrr. 5 V. 29.1.1969, S. 18.

  • Portraits

    Phot., Abb. in: Sächs. Köpfe im zeigenöss. Bild, hrsg. v. Heimatwerk Sachsen, 1938, S. 84.

  • Autor/in

    Herbert Pönicke
  • Empfohlene Zitierweise

    Pönicke, Herbert, "Keller, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 436 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118561073.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Keller *)Zu Bd. LI, S. 101.: Friedrich Gottlob K., Erfinder des Holzschliffes (Holzstoffes), geboren am 27. Juni 1816 zu Hainichen in Sachsen, am 8. September 1895 zu Krippen bei Schandau in Sachsen. Er war ein Sohn schlichter, fleißiger Eltern, erlernte das Webe- und Blattbinder-Handwerk, durchwanderte Preußen, Sachsen und Oesterreich, wurde 1839 Bürger und Webermeister seiner Vaterstadt. Er erzählt, wie er die Wespen beim Bau ihrer Nester aus Holzfasern beobachtet habe, wie ihm auch eingefallen sei, daß sie als Kinder dünne Holzbrettchen mit Löchern versehen, Kirschkerne eingeklemmt und dann die vorstehenden Buckel der Kerne am Schleifsteine abgeschliffen hätten, um so (nach Entfernung des weichen Kernes) Perlenschnüre für ihre Freundinnen auf Fäden zu reihen. Dabei habe er beobachtet, daß das Schleifwasser stets mit einem Faserstoff gemischt gewesen sei, und als er um 1840 immer wieder von der Lumpennoth gelesen habe, sei er auf den Gedanken gekommen, Papierstoff aus Holz durch Schleifen an einem Sandstein herzustellen. 1844 hatte K. mit Hülfe seiner Frau 100 kg Holzstoff geschliffen und ließ ihn in der Papiermühle von K. F. G. Kuhn zu Alt-Chemnitz mit 40% Lumpenpapiermasse in Druckpapier umwandeln. Am 26. August 1845 erhielt K. auf seine Erfindung das sächsische Patent, war aber als mittelloser Mann und vom Glück wenig begünstigt, am 20. Juni 1846 genöthigt, seine Rechte an den Director der Bautzener Papierfabriken H. Völter (s. d.) abzutreten. K. schlug ferner vor, Papier und Pappe aus Torf und Schachteln fabrikmäßig herzustellen; er erfand einen künstlichen Blutegel, einen neuen Tastapparat für den Morseapparat, ein Schiffsschaufelrad und hatte schließlich eine kleine mechanische Werkstätte, wo er Holzmeß-Kluppen, gepreßte Korke aus Holzschliff u. s. w. herstellte. K. war stets in Geldnoth, daher erhielt er vom Jahre 1870 an bis zu seinem Tode aus Anerkennung für sein Verdienst seitens der in- und ausländischen Holzstoff- und Papierfabrikanten ansehnliche Geldgeschenke, sodaß es möglich war, ihm in den letzten Lebensjahren eine monatliche Rente von 200 M. auszuzahlen. 1893 wurde er durch Verleihung des kgl. sächs. Verdienstordens II Cl., durch die Verleihung des Ehrenbürgerrechts seiner Vaterstadt und durch Anbringung einer Gedenktafel bei Krippen geehrt. Seine Vaterstadt Hainichen geht mit dem Plane um, ihm ein Denkmal zu errichten. Man sammelt gegenwärtig die hierfür erforderlichen Mittel.

    • Literatur

      E. Kirchner, Das Papier. 3. Aufl. Holzschliff, S. 203 u. s. w. erschienen bei Günther-Staub, Bieberach a. d. Riß.

  • Autor/in

    F. M. Feldhaus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Feldhaus, Franz Maria, "Keller, Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 53 (1907), S. 765 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118561073.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA