Lebensdaten
1882 bis 1961
Geburtsort
Mandel bei Bad Kreuznach
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Nationalökonom ; Betriebswirtschaftler
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118551450 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hirsch, Julius

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Hirsch, Julius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118551450.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Salomon, Kaufm., Versicherungs-Generalagent in Aachen;
    M Mathilde Emanuel;
    1927 Edith, T d. Bankiers Jarislowski in Berlin;
    1 S Rudolph, Spezialist f. Planung elektron. Datenverarbeitungsanlagen in N.Y.

  • Leben

    Nach mehrjähriger kaufmännischer Tätigkeit und nachgeholtem Abitur studierte H. an der Universität Bonn Nationalökonomie. Auf die Bonner Promotion zum Dr. phil. 1909 folgte 1911 die Habilitation an der Handelshochschule Köln für das neueingerichtete Fach „Privatwirtschaftslehre des Handels“, das er seit 1917 als ordentlicher Professor vertrat. H. war 1914-16 bis zu seiner Verwundung Frontsoldat; danach war er im Kriegsernährungsamt in Berlin als ständiger Berater für Fragen der Preisregulierung tätig. Seit März 1919 im Reichsernährungsministerium als Abteilungsleiter für Fragen der Übergangswirtschaft zuständig, wirkte er seit August 1919 als Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium maßgeblich mit, die Kriegsfolgen (Reparations- und Währungsprobleme) und die Experimente einer dirigistischen Wirtschaftspolitik zu überwinden. Nach dem Rücktritt des sozialdemokratischen, gleich ihm auf Ausgleich bedachten Reichswirtschaftsministers Robert Schmidt wurde er, demokratisch orientiert, zum 1.3.1923 zur Disposition gestellt. H. kehrte zur Wissenschaft zurück. Da er seinen Kölner Lehrstuhl 1919 aufgegeben hatte, lehrte er seit 1924 als Dozent, seit 1928 als Honorarprofessor Betriebswirtschaftslehre an der Handelshochschule Berlin, seit 1926 als Honorarprofessor auch an der Universität Berlin. An der 1926 vom Reichstag veranlaßten Wirtschaftsenquête war er als Sachverständiger für Handelsfragen stark beteiligt und begründete im Zusammenhang damit 1929 die Forschungsstelle für den Handel in Berlin.

    Der nationalsozialistischen Judenverfolgung entrann H. im Herbst 1933 in Berlin, da er an die Handelshochschule Kopenhagen, 1940 in Kopenhagen, da er an die New School for Social Research in New York berufen wurde. In den USA betätigte er sich bis zu seinem Tod als Hochschullehrer und Forscher, als Publizist, auf Vortragsreisen sowie als Berater von Wirtschaftsunternehmen; 1941-43 war er Chief Consultant im Office of Price Administration in Washington.

    H. verband die Erfahrungen seiner kaufmännischen Tätigkeit mit den Anregungen seiner Hochschullehrer W. Kähler, H. Dietzel, H. Schumacher und Ch. Eckert zum steten Interesse am aktuellen Geschehen in der Wirtschaft, konzentriert auf wissenschaftliche Erfassung betriebswirtschaftlicher Vorgänge im gesamten Bereich des Handels. Preisgestaltung aus der Sicht des selbständigen Handelsunternehmers, Organisation und Formen des Handels, Verhältnis des Handels zum Staat waren für H. zentrale Probleme, für deren Erforschung er zukunftweisende Arbeit geleistet hat. Schon in seiner Dissertation (1910) gelangte er zu einer gründlichen Systematik des noch fast unerforschten deutschen Warenhauswesens. In seiner Habilitationsschrift (1913), mit der|er seinen handelswissenschaftlichen Ruf begründete, analysierte er rationelle Weiterbildungen im Einzelhandel und ihre Bedeutung als Handelsbetriebssystem für Produktion, Handel und Verbrauch. „Der moderne Handel“ (1925) war nicht nur H.s Hauptwerk, sondern ein Handbuch von einmaliger Prägung; es behielt lange Zeit seinen Rang, weil es auch die damals neuartigen Handelsformen der Kriegs-, Übergangs-, Plan- und sogar Sowjetwirtschaft erfaßte. Im „Amerikanischen Wirtschaftswunder“ (1926, mehrere Auflagen, Übersetzungen) bot er ein großartiges wirtschafts- und sozialpolitisches Gesamtbild eines modernen Industrie- und Handelsstaates.|

  • Auszeichnungen

    Dr. oec. publ. h. c., Dr. rer. pol. h. c.

  • Werke

    Weitere W Die Warenhäuser in Westdtld., 1910;
    Die Filialbetriebe im Detailhandel (unter hauptsächl. Berücksichtigung d. kapitalist. Massenfilialbetriebe in Dtld. u. Belgien), 1913;
    Die dt. Währungsfrage, 1924;
    Der moderne Handel, 1925 (hervorgegangen a. d. Btr. Organisation u. Formen d. Handels u. d. staatl. Binnenhandelspol.im „Grundriß d. Sozialökonomik“, 1917) (zahlr. Aufll., Überss.);
    Grundlagen d. Handels-Enquête, 1929;
    Price Control in the War Economy, 1943.

  • Literatur

    Der Handel heute, In Memoriam J. H., hrsg. v. K. Ch. Behrens, 1962 (mit 7 biograph. Btrr., P);
    Rhdb.

  • Autor/in

    Friedrich Facius
  • Empfohlene Zitierweise

    Facius, Friedrich, "Hirsch, Julius" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 215-216 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118551450.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA