Lebensdaten
geboren 14. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Liederdichter ; Komponist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11854974X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hermann von Salzburg
  • Johann von Salzburg
  • Johannes von Salzburg
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Zitierweise

Mönch von Salzburg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11854974X.html [16.12.2018].

CC0

  • Leben

    M. wirkte in der Umgebung des prunkliebenden, kunstverständigen und weitgereisten Salzburger Erzbischofs Pilgrim II. v. Puchheim (1365–96). Die Beziehung von Autor und Mäzen kennen wir aus den Liedern selbst. Die Mariensequenz (Spechtler G 2) weist mit dem Akrostichon „Pylgreim erczpischof legat“ darauf hin; zwei weltliche Lieder, poetische Liebesbriefe des Hofstaats („hofgesind“), sind an die in Salzburg zurückgebliebenen Hofdamen gerichtet und datiert (Mayer-Rietsch Nr. 30 auf 1387, Nr. 18 auf 1392), wobei eines (Nr. 18) dem Erzbischof selbst in den Mund gelegt ist. Das hat zu der Vermutung Anlaß gegeben, daß Pilgrim selbst als der Dichter anzusehen sei (Korth), was jedoch nicht bewiesen werden kann. Der Text erwähnt das Salzburger Lustschloß Freisaal, welches heute noch besteht, zum ersten Mal und grüßt die dort zurückgebliebene Geliebte. Durch verschiedene Hinweise in den Handschriften wird ein künstlerisch produktiver Kreis am Hof und um den Autor sichtbar (Wachinger). In der Überschrift zum weltlichen Lied Nr. 19 der Mondsee-Wiener Liederhandschrift heißt es: „Ain tenor von hübscher melodey, als sy ez gern gemacht haben, darauf nicht yglicher kund übersingen“ (= frei diskantieren). Im Marienlied G 3 weist das Akrostichon „plebanus Reicher von Rastat“ (Radstadt) auf den „magister curie“ (Hofmeister, 1384/85 belegt) des Salzburger Hofs. Das Register der Hs. A (München cgm. 715) nennt noch einen Martin in der Umgebung des Autors, bei dem es sich wohl um den „Martinus plebanus s. Ciriaci“ in Werfen handelt, der 1370 als „Martinus Kuchlmeister“ und „intrusus“ (Vertrauter) des Erzbischofs bezeichnet wird. Die Kolmarer Liederhandschrift (München cgm. 4997) überliefert bei Lied G 9, dem einzigen lat. Lied des „Mönchs“, folgende Eintragung: „Als her peter von sahsen dem münch von salczburg dyß vorgeschriben par schicket, da schicket er yme dyß nachgende latynysch par her wyderumb in dem selben tone“ (in derselben Melodie). Wir haben es also beim Autor, der sich Mönch von Salzburg nennt, mit einer gelehrten Dichter- und Komponistenpersönlichkeit von überregionalem Format zu tun und nicht mit einem „Lokalautor“, wie dies im 19. Jh. noch dargestellt worden ist.

    Die Überlieferung seiner 49 geistlichen und 57 weltlichen Lieder in über 100 Handschriften weist ebenfalls in diese Richtung. Kein Lyriker von Walther von der Vogelweide bis Oswald von Wolkenstein ist im gesamten deutschen Sprachgebiet so reich überliefert. Die wichtigsten Handschriften liegen heute in München und Wien, die große Mondsee-Wiener Liederhandschrift (1472 in Salzburg belegt) ist besonders hervorzuheben. In der Überlieferung des 15. und 16. Jh. scheint mit „Mönch“ ein weitbekannter Liedtypus („Markenzeichen“) benannt worden zu sein. Für mehrere große Handschriften ist hinsichtlich der Autorenfrage eines bemerkenswert: Jene Handschriften, die vermutlich in der Nähe des Autors entstanden sind (z. B. die Mondsee-Wiener Liederhandschrift) bezeichnen den Autor als den „Mönch“. Dies tut auch die älteste Überlieferung weltlicher Lieder, die Sterzinger Miszellaneenhandschrift aus der Zeit um 1400. Andere, weiter entfernt entstandene Handschriften bemühen sich, Namen zu nennen: Hs. A (cgm. 715) nennt einen Hermann, Hs. E einen Johann(es). Dies dürfte aber eine Verwechslung mit einem anderen Autor der Handschrift gewesen sein: Beide Nennungen führen nicht weiter: Auch der Versuch, den Autor mit dem Abt von St. Peter in Salzburg, Johann von Rossess ( 1375), zu identifizieren (Noack), mußte scheitern. Ob M. überhaupt einem Orden angehörte, ist eindeutig nicht zu beantworten. Zu bedenken wäre jene Überlegung, daß die Umgebung des Erzbischofs den Dichter und Komponisten ja kannte und in den „Salzburger“ Handschriften eine Nennung daher nicht nötig war. Nur entfernte Zeugnisse wollten sich darum bemühen Die Identität des Autors ist uns bis heute verborgen geblieben.

    Das umfangreiche Werk M.s vereinigt alle Themen und Formen der Liedkunst des Spätmittelalters. Im Einklang mit der beginnenden großen Marienverehrung sind 20 der 49 geistlichen Lieder der Mutter Jesu gewidmet. Die übrigen Lieder verteilen sich auf das Kirchenjahr (besonders Passion, Ostern, Fronleichnam) und auf Heiligenfeste. 27 Lieder sind Übertragungen lat. Hymnen und Sequenzen. Das Lied „Josef, lieber nefe mein“ (G 22) ist bis heute als Krippenlied lebendig geblieben. Neun mehrstrophige Lieder stehen mit ihren umfangreichen stolligen Strophen formgeschichtlich zwischen Sangspruchdichtung und Meistergesang. Die 57 weltlichen Lieder vereinigen alle Themen der Liebeslyrik in großer Variationsbreite: Tageliedvarianten, Sehnsucht, Treueversicherung, Hoffnung, Erinnerung, Preis der Geliebten, Neujahrswünsche, Falkenjagd, Farballegorie, Brief sowie die Schelte auf die höfischen „Klaffer“ (böse Zungen). Drei Trinklieder (Herbst-Trinklied, zwei Martinslieder) runden das Werk ab. Formal wechseln durchkomponierte Strophen mit stollig gebauten Liedern, die sehr häufig zusätzlich einen Refrain mit interessantem musikalischem Bau aufweisen. Als epochal jedoch kann auch von musikwissenschaftlicher Seite angesehen werden, daß mit den Tageliedern die erste Mehrstimmigkeit in deutscher Sprache überliefert ist und mit dem Martinskanon der erste dreistimmige Kanon im deutschen Lied. Die Lieder Heinrich Laufenbergs und Oswalds von Wolkenstein eine Generation später sind ohne M. nicht denkbar, der Meistergesang pflegte seine Formen weiter (Wachinger, Brunner); noch Paul Hofhaimer (1459–1537) könnte von ihm beeinflußt gewesen sein.

  • Werke

    49 geistl. u. 57 weltl. Lieder mit Melodien. – Ausgg.: Die geistl. Lieder d. Mönchs v. Salzburg, hrsg. v. F. V. Spechtler, 1972;
    F. A. Mayer u. H. Rietsch, Die Mondsee-Wiener Liederhs. u. d. Mönch v. Salzburg, 1896 (Ausg. d. weltl. Lieder);
    Der Mönch v. Salzburg, Auswahl, Texte, Worterklärungen v. F. V. Spechtler, Überss. v. M. Korth, Übertragung u. Rhythmisierung d. Meindien v. J. Heimrath u. M. Korth, kunstgeschichtl. Erll. v. N. Ott, 1980;
    G. F. Jones, F. V. Spechtler u. U. Müller, Verskonkordanz zu d. geistl. Liedern d. Mönchs v. Salzburg, 1975.

  • Literatur

    ADB 12 (unter Hermann v. Salzburg);
    ADB 14 (unter Johannes v. Salzburg);
    H. Noack, Der Mönch v. Salzburg, 1941;
    J. Janota, Stud. zu Funktion u. Typus d. dt. geistl. Liedes im MA, 1968;
    W. Röll. Vom Hof z. Singschule, 1976;
    H. Brunner, Tradition u. Innovation im Bereich d. Liedtypen um 1400, in: Textsorten u. lit. Gattungen, 1983;
    G. Bärnthaler, Übersetzen im dt. SpätMA, Der Mönch v. Salzburg, Heinrich Laufenberg u. Oswald v. Wolkenstein als Übersetzer lat. Hymnen u. Sequenzen, 1983;
    F. V. Spechtler, Lyrik d. ausgehenden 14. u. d. 15. Jh., 1984;
    ders., Ma. Liedforschung II: Beischrr. zu Liedern d. Mönchs v. Salzburg, in: FS f. I. Reiffenstein, hrsg. v. P. Stein u. a., 1988, S. 511-25;
    B. Wachinger, Mönch v. Salzburg, in: Die dt. Lit. d. MA, Vf.-Lex. d. MA VI, 1987 (W-Verz., L);
    ders., Mondsee-Wiener Liederhs., ebd.;
    ders., Der Mönch v. Salzburg, 1989 (W-Verz., L).

  • Autor/in

    Franz Viktor Spechtler
  • Empfohlene Zitierweise

    Spechtler, Franz Viktor, "Mönch von Salzburg" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 657-658 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11854974X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hermann von Salzburg, Dichter, gewöhnlich der Mönch von Salzburg genannt; sein Vorname wird verschieden angegeben, in zwei Handschriften heißt er Johann, in einer dritten, die näheres über seine persönlichen Verhältnisse angibt, H. Er war Benedictinermönch in Salzburg zur Zeit des Erzbischofs Pilgrim ( 1396), auf dessen Anregung er seine geistlichen Gedichte verfaßte, wobei er von einem Laienpriester Martin unterstützt wurde. Sie bestehen zum größten Theil in Verdeutschungen lateinischer Kirchenhymnen, deren oft sehr kunstvolle Formen er mit einer für seine Zeit bemerkenswerthen Gewandtheit wiedergibt. Einzelne, wie ein Dreikönigslied, sind dagegen originale Dichtungen und zeigen einen volksmäßigen Zug. Auch weltliche Lieder finden sich unter seinem Namen in den Handschriften: doch wird sein litterarisches Eigenthum noch genauer und schärfer auszusondern sein.

    • Literatur

      Ph. Wackernagel in seinem deutschen Kirchenlied 2, 409—455 gibt die vollständigste Sammlung aller unter dem Namen des Dichters überlieferten Gedichte: vgl. dazu Pfeiffer in den Altd. Blättern 2, 325 ff. Bartsch, Meisterlieder der Kolmarer Handschrift S. 184.

  • Autor/in

    K. Bartsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bartsch, Karl; l. u., "Mönch von Salzburg" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 165 unter Hermann von Salzburg [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11854974X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Johannes von Salzburg, gewöhnlich der Mönch von Salzburg genannt, hat gegen Ende des 14. Jahrhunderts deutsche geistliche Lieder gedichtet und lateinische übersetzt. Er wird auch Hermann genannt; vgl. den Art. Hermann von Salzburg, Bd. XII. S. 165. Ueber die Bezeugung der Namen in den Handschriften vgl. Hoffmann von Fallersleben, Geschichte des deutschen Kirchenlieds bis auf Luther's Zeit, 2. Aufl., Hannover 1854, S. 239. Hier finden sich auch einige seiner Lieder und S. 245 ein Verzeichniß aller ihm in den Handschriften zugeschriebenen.

  • Autor/in

    l. u.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bartsch, Karl; l. u., "Mönch von Salzburg" in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 472 unter Johann von Salzburg [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11854974X.html#adb2content

    CC-BY-NC-SA