Lebensdaten
1737 bis 1807
Geburtsort
Prenzlau (Uckermark)
Sterbeort
San Piero di Careggio bei Florenz
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118544306 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hackert, Jakob Philipp
  • Hackert, Philipp
  • Hackert, Jakob Philipp

Orte

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Zitierweise

Hackert, Philipp, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118544306.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Philipp (1712–68), Porträt- u. Staffiermaler in P., preuß. Hofmaler, S d. Peter (1667–1730), Maler in Königsberg, um 1708 in Berlin, u. d. Anna Sophie Elis. Wentzelin;
    M Marg. Cunigunde (1720-n. 1768), T d. Joh. Meister, aus Schaffhausen, Buchhändler, Buchbindermeister u. Stadtgerichtsassessor in P., u. d. Euphemia Agnesa Willich;
    Ov Joh. Gottlieb (1713–73), Maler;
    B Joh. Gottlieb (1744–1804 [?]), Maler, Wilhelm (1748–80), Historien- u. Porträtmaler, tätig in Rom u. als Zeichenlehrer a. d. Ak. in Petersburg, Karl Ludw. (1751–1816), Maler, Gg. Abraham (1755–1805), Kupferstecher u. Verleger, mit H. tätig in Rom u. Neapel, zuletzt in Florenz; ledig.

  • Leben

    H. lernte bei seinem Vater und bei einem Onkel in Berlin. Durch Glume und Le Sueur gefördert, durch Sulzer theoretisch beeinflußt, wandte er sich der Landschaftsmalerei zu. Nach ersten Erfolgen während des Siebenjährigen Krieges ging er im Dienste eines Baron Olthoff nach Stralsund und Rügen (Entdeckung der Insel für die Malerei) und dann mit seinem Gönner nach Stockholm. 1765 reiste H. nach Paris, 1768 nach Italien und ließ sich in Rom nieder. Dort erhielt er 1771 von Graf Orlow im Namen der Kaiserin Katharina den Auftrag, den russischen Seesieg über die Türken bei Tschesme in 6 Bildern zu verherrlichen (jetzt Leningrad, Peterhof). Als „Modell“ für eins der Bilder diente eine eigens zu diesem Zweck auf der Reede von Livorno gesprengte Fregatte – ein Ereignis, das den Namen H.s in ganz Europa berühmt machte. Durch Glück und Umstände begünstigt, sehr geschäftstüchtig, auch auf Reisen unablässig tätig, gewann H. die Gunst König Ferdinands IV. von Neapel, der ihn 1786 zu seinem Hofmaler ernannte. In seiner Wohnung im Palazzo Francavilla, „die er mit Künstlergeschmack möblieren ließ und mit Zufriedenheit bewohnt“, besuchte ihn Goethe (Italienische Reise, 14.3.1787). H. war in Neapel trotz seines protestantischen Glaubens und seiner „preußischen“ Haltung eng mit der Hofgesellschaft verbunden, gab den Prinzessinnen Zeichenunterricht, war bei den Jagden des Königs dabei und war in allen Fragen der Kunst der Vertraute des Königs und der Königin. Selbst architektonische Entwürfe begutachtete er und gab die Programme zur Ausschmückung der königlichen Gemächer in Caserta an. Auch versuchte er, die antike Enkaustik (Wachsmalerei) zu erneuern. Diesem Lebensumkreis entsprachen die Bilder, die er malte: Seehäfen, Jagdbilder, Landschaften der Umgebung Neapels, dekorative Malereien in Caserta und auf Schloß San Leocio. In den Jahren der französischen Revolution wurde seine Tätigkeit eingeschränkt; der Aufstand der Lazzaroni (1799) vertrieb ihn aus Neapel. Er wohnte zuletzt in San Piero di Careggio, einem kleinen Weingut bei Florenz. Seinen schriftlichen Nachlaß vermachte er Goethe, der aus seinen Papieren die „Biographische Skizze“ (1811) zusammenstellte.

    H.s Landschaften zeigen den Übergang von der rokokohaften Gartenlandschaft zur weiträumigen, in Anlehnung an die klassischen Landschaften des 17. Jahrhunderts (Poussin, Claude Lorrain) entwickelten, jedoch auch von Claude Vernet beeinflußten Porträtlandschaft (Vedute), in der die heroische Erfindungskraft der Vorbilder zur treuen Nachahmung der idealen Landschaftsnatur der römischen Campagna herabgemindert ist. Die englische Sitte, Veduten von den besuchten Stätten des Südens zu erwerben, traf auf H.s Kunstauffassung, so daß er in Italien zu einem vielbeschäftigten Maler wurde. H.s Landschaftskunst wirkte bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts nach und prägte das Italienerlebnis der Goethezeit mit.

  • Werke

    W Gem. in Berlin, Chantilly, Dresden, Köln, Neapel, Weimar u. a. Orten. - Schrr.: Lettere sull' uso della Vernice nella pittura, Perugia 1788, dt. v. A. Riedel 1800;
    Principi di disegno di paesi, desegnato dal vero, dt. 1803, u. als Anhang z. H.-Biogr. Goethes, 1811. - Briefe in: Zur Nachgesch. d. ital. Reise, Goethes Briefwechsel mit Freunden u. Kunstgenossen in Italien 1788–90, in: Schrr. d. Goethe-Ges. V, 1890.

  • Literatur

    ADB X;
    B. Lohse, J. Ph. H., Leben u. Anfänge s. Kunst, Diss. Frankfurt 1936;
    E. Forssman, J. Ph. H. u. Schweden, in: Konsthistorisk Tidskrift 3, Stockholm 1955, S. 17-34;
    ThB (auch f. Fam.).

  • Portraits

    Gem. v. W. Titel, 1806 (Hamburg, Kunsthalle), Abb. b. Rave;
    Bleistiftzeichnung v. dems. (Dresden, Kupf.kab.;
    Foto Marburg).

  • Autor/in

    Wolfgang Freiherr von Löhneysen
  • Empfohlene Zitierweise

    Löhneysen, Wolfgang Freiherr von, "Hackert, Philipp" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 410 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118544306.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hackert: Jacob Philipp H., Landschaftsmaler, geb. zu Prenzlau 15. Sept. 1737, zu Florenz 1807. Frühzeitig erhielt er den ersten Kunstunterricht von seinem Vater und nachdem er später in Berlin weitere Studien gemacht hatte, begab er sich 1762 nach Stralsund, besuchte die Insel Rügen und Stockholm, machte überall fleißige Studien nach der Natur und kam endlich 1765 nach Paris, wo es ihm jedoch nicht lange gefiel. Er suchte die malerische Gegend der Normandie auf und führte die damals in Frankreich beliebten Bilder in Gouache in großer Menge aus, wodurch er sich einen Namen machte und Geld erwarb. H. hatte vier jüngere Brüder, welche alle Künstler wurden (Karl Ludwig, starb durch Selbstmord 1800 in Lausanne; Johann Gottlieb, geb. 1744, 1773 zu Bath in England; Wilhelm, geb. 1748, 1780 als Zeichenlehrer an der Akademie zu Petersburg, und Georg Abraham, geb. 1755, starb als Kunsthändler zu Florenz). Als sich H., der der Lehrer und väterliche Rathgeber seiner Brüder wurde, nach Italien begab, folgten sie ihm nach, ihre Kunstthätigkeit mit der seinigen vereinend. Die italienische Landschaft war ein fortwährender Gegenstand ihres Studiums; hier ist nicht der Raum dazu, alle ihre Kreuz- und Querzüge in Italien aufzuzählen. Sie erhielten unzählige Aufträge von Engländern und auch für den Papst, für Kaiser Joseph, Gustav Adolf von Schweden, die Kaiserin Katharina II. von Rußland und insbesondere für den königlichen Hof von Neapel waren sie thätig. Im J. 1786 wurde unser Künstler zum Hofmaler des Königs von Neapel ernannt und genoß in dieser Stellung vielen Ruhm. Doch dauerte diese Glückszeit nur vier Jahre, da ihn die Revolution um seine Stellung und um einen großen Theil seines erworbenen Vermögens brachte. Er siedelte 1803 nach Florenz über, begleitet von seinem jüngsten Bruder Georg, der daselbst eine Kunsthandlung errichtet hatte, während sein Bruder fleißig malte, bis er 1807, zwei Jahre nach seinem Bruder, am 28. April starb. Die Zahl seiner Gemälde ist sehr groß; fast alle Gallerien Europa's besitzen einige derselben, auch seine Zeichnungen sind sehr zahlreich anzutreffen, da der Künstler sehr productiv war. Viele seiner Gemälde wurden durch den Stich vervielfältigt; sein Bruder Georg, Dunker, Gmelin, Aliamet und Andere gaben Stiche nach denselben heraus, die einmal sehr gesucht waren, aber heutzutage minder geachtet werden. H. ist als Landschaftsmaler beachtenswerth, da er in der Zeit thätig ist, in welcher die Kunst sich aus dem Manierismus zu erheben anfing; er hat das Verdienst, sich der Natur zugewendet zu haben. Wenn ihn die Zeitgenossen den größten Landschaftsmaler nannten, so ist das Urtheil der Nachwelt nüchterner geworden. In der Kunst Hackert's macht sich die Vedute zu stark bemerklich, ohne höheren geistigen Aufschwung und darum erbleicht neben einem Carstens sein Stern bedeutend. Als einem Vorkämpfer für die Befreiung der gefesselten Kunst bleibt ihm in den Annalen derselben immerhin ein ehrenvoller Platz. Der Künstler hat sich auch mit der Radirnadel versucht; wir besitzen von ihm Folgen von Ansichten von der Insel Rügen, aus der Normandie, aus Neapel und aus Schweden. — Auf Hackert's letztwillige Verfügung erhielt Goethe, der|seit 1787, wo er ihn zuerst in Neapel besuchte, in freundschaftlichen Beziehungen zu ihm stand, seine biographischen Aufzeichnungen und Papiere, um danach seine Biographie zu schreiben. Goethe's „Philipp Hackert“ ist nicht sowol eine selbständige, als eine redactionelle Arbeit. Auch die angehängte Abhandlung über Hackert's Kunstcharakter ist nicht von Goethe, sondern von Hofrath Meyer.

    • Literatur

      Goethe's Werke, Stuttg. 1831, Bd. 37, Hempel'sche Ausgabe, Thl. 32. — Fiorillo, Gesch. der z. Künste.

  • Autor/in

    Wessely.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wessely, Joseph Eduard, "Hackert, Philipp" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 295-296 unter Hacker, Jakob Philipp [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118544306.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA