Lebensdaten
1718 bis 1793
Geburtsort
Strelitz
Sterbeort
Stralsund
Beruf/Funktion
schwedisch-pommerischer Regierungsrat ; Kunstmäzen
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 129978175 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Olthoff, Adolf Friedrich von
  • Olthof, Adolf Friedrich von
  • Olthoff, Adolf Friedrich von
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Zitierweise

Olthof, Adolf Friedrich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129978175.html [23.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus e. ursprüngl. aus Westfalen stammenden Gelehrtenfam., deren ältester bekannter Vorfahr, Johann 0.(1555-1629), Pastor in Osnabrück war; mit d. gleichnamigen, 1707 in d. schwed. Adelsstand erhobenen u. in d. Ritterhaus introduzierten Geschl. verbindet d. Fam. d. gemeinsame Stammvater, Mag. Johann O. (1595–1662), Pastor u. Präpositus in Bergen (Rügen). – V Lucas Anton ( n. 1752, schwed. Adel 1752), 1715 Pagenhofmeister, dann Archivar zu Strelitz, 1728-44 schwed.-pomm. Landsyndikus;
    M N. N.; ledig;
    N Balthasar Anton Dunker (1746–1807), Maler (s. ADB 48).

  • Leben

    1728-34 besuchte O. das Stralsunder Gymnasium. 1738 wurde er Adjunkt seines Vaters, 1742 Sekretär der schwed.-pomm. Ritterschaft. Gleichzeitig studierte er in Halle und Greifswald Jura und beteiligte sich an den Aktivitäten der „Deutschen Gesellschaft“. 1744 wurde er Nachfolger seines Vaters als Landsyndikus. 1747-56 hielt er sich in Geschäften der schwed.-pomm. Ritterschaft überwiegend in Stockholm auf. In dieser Zeit lernte er Schwedisch und erwarb sich umfassende Kenntnisse des schwed.-pomm. Staats- und Verwaltungsrechts.

    1757, nach Ausbruch des Siebenjährigen Krieges, pachtete O. zusammen mit dem Stralsunder Kaufmann, Bankier und Manufakturisten Joachim Ulrich Giese (1720–80) die damals in Stralsund neueingerichtete Münze. Giese stellte das Kapital und übernahm die kaufmännische und technische Leitung der Münze, O. oblagen die Rechtsangelegenheiten sowie der Verkehr mit den Zentralbehörden in Stockholm, der Regierung in Stralsund und den Landständen. Gleichzeitig legte O. sein Amt als Landsyndikus nieder; er erhielt Titel und Rang eines Kanzleirats. Nach dem Eintritt Schwedens in den Krieg wurde O. Mitglied des schwed. Kriegskommissariats. In dieser Eigenschaft geriet er am 22.10.1759 in Demmin in preuß. Kriegsgefangenschaft, aus der er Anfang 1760 entlassen wurde. Am 4.5.1761 erteilte die Krone den beiden Gesellschaftern der Münze die Erlaubnis, zur Abwehr des minderwertigen preuß. Geldes dem jeweiligen von Preußen angenommenen Münzfuß zu folgen. Die Münzdirektoren verpflichteten sich, die Krone mit Vorschüssen zu unterstützen, die zurückgezahlt werden sollten. Während die Ausprägung der Münzen Schwedisch-Pommerns immer schlechter wurde, stiegen die Gesellschaftergewinne, die O. einen großzügigen Lebenswandel und ein beachtliches Mäzenatentum ermöglichten. Im April 1762 erhielt er vom schwed. König den Auftrag, Friedensverhandlungen mit Preußen aufzunehmen. Am 22.5.1762 schloß O. mit dem preuß. Bevollmächtigten Johann v. Hecht den Frieden von Hamburg, der Schweden und Preußen in ihrem gegenseitigen Besitzstand bestätigte. Auf seine Anregung hin ließ der schwed. Reichstag den Leipziger Münzfuß restituieren. Am 5.7.1762 wurde O. zum wirklichen Regierungsrat mit Sitz und Stimme in der pomm. Regierung ernannt. Wegen seiner geschäftlichen Aktivitäten ließ er sich jedoch ein Jahr später von seinem Amt entpflichten.

    Hatte O. 1760 bereits die Güter Darz und Zargelitz auf Rügen gekauft, erwarb er hier zwei Jahre später das große Gut Boldevitz, wo er einen Verwandten- und Freundeskreis um sich versammelte und sich als Kunstmäzen betätigte. Durch Vermittlung Johann Georg Sulzers trafen im November 1761 der Porträtmaler Georg David Matthieu, im Juli 1762 der spätere Goethe-Freund Jakob Philipp Hackert in Stralsund ein. Hackert schmückte einen großen Saal in O.s feudalem Stralsunder Stadthaus mit Architekturstücken und Landschaften aus (im 2. Weltkrieg zerstört). Im Sommer 1763 übersiedelten die Maler mit O.s Familie nach Boldevitz; O.s Neffe Balthasar Anton Dunker wurde Schüler Hackerts. Im Sommer 1763 hielt sich hier auch Johann Kaspar Lavater auf. Als O. und Giese im Mai 1764 nach Schweden reisten, begleitete sie Hackert. Im Mai 1765 ging dieser nach Paris, wohin ihm O. seinen Neffen zur Fortsetzung der Ausbildung mitgab.

    Der Münzvertrag war Ende August 1763 abgelaufen, die Münze stellte ihren Betrieb ein. Die Prüfung der Münzrechnungen zur Feststellung der ausstehenden Forderungen Gieses und O.s an die Krone (160 232 Reichstaler) zog sich hin. Am 6.12.1766 erhielten sie 72 313 Reichstaler in Kronobligationen. Damit konnten die beiden, die weit über ihre Verhältnisse gelebt hatten, jedoch ihre Gläubiger nicht befriedigen. Am 11.3.1773 ernannte Gustav III. O. erneut zum Regierungsrat; als solcher gehörte er u. a. 1775 der Visitationskommission für die Univ. Greifswald an. Die Hälfte seines stattlichen Jahresgehalts wurde allerdings sogleich von den Gläubigern gepfändet. Gegen endgültigen Verzicht auf alle Ansprüche an die Krone erhielten Giese und O. schließlich Inhaberobligationen mit einer Laufzeit von 20 Jahren, wobei jährlich 750 Reichstaler, also insgesamt 15 000 Reichstaler, bei der Kammer in Stralsund fällig wurden. Außerdem erhielten sie das Recht, eine Lotterie durchzuführen sowie einen Lombard zu eröffnen. Nachdem das Hofgericht im August 1777 den Konkurs über O.s Vermögen, das nur noch zur Hälfte seine Schulden (100 000 Reichstaler) deckte, eröffnet hatte, kam er im Mai 1779 um seinen Abschied ein. 1787 wurde O. zum Vizekanzler der Univ. Greifswald ernannt, wobei ihm als Besoldung ein Professorengehalt zugebilligt wurde. 1792 nutzte er die 1775 ihm und Giese erteilte Konzession für eine Pfandleihanstalt: Die beiden Juden Wolf Joseph Friedländer und Moses Samson übernahmen die Direktion des Pfandhauses und zahlten dafür eine Entschädigung an O. und die Witwe Giese.

  • Literatur

    R. Marsson, Aus d. Schwedenzeit v. Stralsund, v. O. u. Giese, 1928 (L, P);
    I. Seth, Universitetet i Greifswald och dess ställning i svensk kulturpol. 1637-1815, Diss. 1952 (dt.: Die Univ. Greifswald u. ihre Stellung in d. schwed. Kulturpol. 1637-1815, 1956);
    ders., Zusammenfassung och bilagor. Förteckning över kanslerer, professorer och svenska studenter, 1952;
    K. Åmark, Sveriges statsfinanser 1719-1809, T. I-III, 1961;
    W. Buchholz, Öff. Finanzen u. Finanzverw. im entwickelten frühmodernen Staat (1720–1806), 1992.

  • Portraits

    Brustbild v. G. D. Matthieu (Verbleib unbek.), Abb. b. Marsson, s. L.

  • Autor/in

    Werner Buchholz
  • Empfohlene Zitierweise

    Buchholz, Werner, "Olthof, Adolf Friedrich von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 531 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129978175.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA