Lebensdaten
1861 bis 1935
Geburtsort
Barmen
Sterbeort
Leverkusen bei Köln
Beruf/Funktion
Industrieller ; Chemiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118528009 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Duisberg, Friedrich Carl
  • Duisberg, Carl
  • Duisberg, Friedrich Carl
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Zitierweise

Duisberg, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118528009.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Ahnherr der Fam. ist Eberhard ( 1588), Pfarrer an der Liebfrauenkirche zu Hückeswagen, der mit s. Gemeinde 1569 z. ref. Glauben übertrat;
    V Carl (1827–96), Bandwirker, dann Bandfabrikant in Barmen, S des Carl Frdr. (1797–1860), Bandwirker u. Landwirt in Unterbarmen, u. der Bauerntochter Joh. Maria Scheel;
    M Wilhelmine (1832–1920), T des Bandwirkers Peter Frdr. Weskott in Barmen;
    Elberfeld 1888 Johanna (1864–1945), T des Kaufm. Eduard Seebohm (1823–98) u. der Julie Rumpff (Schw des Industr. Carl Rumpff, Schwiegersohn des Frdr. Bayer [ 1880], s. NDB I);
    3 S, 1 T, u. a. Carl Ludw. (Ps. Achaz, 1889-1958), Schauspieler, bis 1934 Dir. des Deutschen Theaters in Berlin, Curt (* 1898), Dir. der I.G. Farbenindustrie.

  • Leben

    D. verkörperte einen neuen Unternehmertyp und gab durch sein Leben Beispiel einer vielseitigen, im letzten Grunde reiner Menschlichkeit entsprungenen Leistung und einer Schule machenden industriellen Führungskunst. Nachdem er 16jährig das Abitur an der Oberrealschule in Elberfeld und 21jährig den Doktorgrad in Chemie an der Universität Jena erhalten hatte, trat er 1883 als Chemiker bei den Farbenfabriken Bayer in Elberfeld ein. Schon in den ersten zwei Jahren gelangen ihm mehrere Farbstofferfindungen, darunter zwei, welche die Rentabilität der Farbenfabriken Bayer entscheidend verbesserten. Danach erhielt er Prokura, beteiligte sich an der Führung des Unternehmens und ging mit dem Sohn des Firmengründers, Friedrich Bayer, und dem Schwiegersohn Henry Th. von Böttinger ein durch persönliche Freundschaft gefestigtes Arbeitsbündnis ein, übernahm dabei selbst die Leitung der wissenschaftlichen Versuche, den Ausbau des Erfindungsschutzes durch Patente, sogar die Führung von Patentprozessen und zugleich die Tätigkeit eines Betriebsführers und Betriebsingenieurs. In dieser Eigenschaft begründete D. die Arzneimittelproduktion von Bayer, baute nach ganz neuen Grundsätzen ein wissenschaftliches Laboratorium auf mit einem Stab von Forschern, die er in echter Gemeinschaftsarbeit miteinander zu verbinden verstand. Großzügig und weit vorausschauend gestaltete er die Firmenpolitik, befürwortete eine Eigenfabrikation von Grundchemikalien und verwirklichte diese in persönlichem Einsatz unter Überwindung größter Schwierigkeiten. 1895 entwarf er in einer Denkschrift über „Aufbau und Organisation der Farbenfabrik zu Leverkusen“ das Musterbild eines weiträumigen, auf stete Erweiterung und rasche Umstellung bedachten chemischen Großbetriebes. Es wurde richtunggebend für die gesamte chemische Großtechnik. Im September 1903 regte D., nunmehr Vorstandsmitglied der Farbenfabriken Bayer, auf Grund von Beobachtungen und Erfahrungen einer Amerikareise den Zusammenschluß der deutschen Farbenfabriken an, um die Organisation zu vereinfachen, eine bessere Arbeitsteilung zu ermöglichen und die Preise für den Verbraucher zu ermäßigen. Diesen Vorschlag legte er im Januar 1904 in einer Denkschrift nieder. Dank seiner Verhandlungskunst und des von ihm vertretenen Grundsatzes, zugunsten einer Zukunftssicherung auf naheliegende kleine Vorteile in der Gegenwart zu verzichten, gelang es schon 1904, die ersten Voraussetzungen zu schaffen für einen späteren, in zwei Etappen 1916 und 1925 vollzogenen, engen Zusammenschluß zur Interessengemeinschaft Farbenindustrie, deren Grundsätze – Vorrang der Forschung, rechtzeitige Verständigung, Sicherheit für alle Mitarbeiter – unbestritten die deutsche chemische Industrie durch nahezu hoffnungslose Situationen hindurchgerettet haben. Als Vorsitzender des Verwaltungsrates der I. G. Farbenindustrie erlebte D. später, wie diese Grundsätze, die er nicht ohne Widerspruch kurz nach 1900 verkörpert und durchgesetzt hatte, allmählich fast selbstverständliches Allgemeingut wurden.

    In den Jahren nach dem 1. Weltkrieg übernahm D. immer mehr Aufgaben im öffentlichen Leben. Seine Gabe, große Organisationen glänzend zu leiten, über zwei Jahrzehnte im engeren Bereich der Chemie erprobt, bewährte sich nun, um den Zusammenschluß der gesamten deutschen Industrie herbeizuführen und in der größten Notzeit die Erhaltung deutscher Kulturgüter zu sichern. Die Fortführung des Deutschen Museums in München, die Bildung einer Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft (1920), einer Wirtschaftshilfe und Darlehnskasse der Deutschen Studentenschaft (1921) und vieler ähnlicher Einrichtungen sind seiner persönlichen Initiative zu verdanken. Nächtelang hat er nach Tagen, die durch Wirtschaftsaufgaben größten Stils voll beansprucht waren, im Interesse der Studentenhilfe eigenhändig hunderte von Briefen unterschrieben. Generationen von Studenten zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg nannten ihn den „Studentenvater“. Mit seiner ganzen Kraft hat er in der schwierigsten Zeit für die Sicherung der deutschen Wissenschaft und ihres Nachwuchses gewirkt. Sein Herz, das so warm für die Studenten schlug, bewies D. in allen Fragen der Sozialpolitik. „Die vornehmste Pflicht eines Industriellen habe ich stets darin erblickt, das soziale Problem einer Lösung näher zu bringen“, bekennt er in seinen Lebenserinnerungen. Charakteristischerweise hat er in Leverkusen die „Pflege des Zusammengehörigkeitsgefühls zwischen Firma und Werksangehörigen“ weitblickend auf den Menschen als ganze Persönlichkeit abgestellt und neben Wohnungs- und Gesundheitsfürsorge, Unterstützungskassen und Sozialeinrichtungen im engeren Sinne auch Bildung, Sport und Erholung umfassen lassen. Die Gestalt D.s lebt in der deutschen Chemie fort als großer Protektor, Naturfreund und Freund der Geselligkeit, humorvoller Lebenskünstler und deutscher Patriot. – Ehrendoktor von Dresden, München, Bonn, Tübingen, Heidelberg, Köln, Berlin und Marburg.

  • Werke

    Abhh., Vorträge u. Reden aus d. J. 1882-1921, 1923 (enthält 214 Titel); Abhh., Vorträge u. Reden aus d. J. 1922-1933, 1933 (enthält 219 Titel, P); Meine Lebenserinnerungen, hrsg. v. J. v. Puttkamer, 1933.

  • Literatur

    B. Rassow, in: Die dt. Wirtschaft u. ihre Führer I (Die ehem. Industrie), hrsg. v. K. Wiedenfeld, 1925, S. 118 ff. (P);
    J. Herle u. H. Gattineau, C. D., e. dt. Industrieller, 1931 (P);
    C. vom Berg, Gesch. d. Fam. D., 1933 (P);
    A. Stock, C. D., in: Chem. Berr., 1935;
    A. Weiss, in: Gr. Deutschen IV, 1942, S. 484 ff. (P);
    Rhdb. (P);
    Pogg. III, IV.

  • Portraits

    2 Ölgem. v. M. Liebermann, 1909, v. L. Samberger, 1923;
    Ölgem. d. Verwaltungsrates d. IG.-Farben v. H. Groeber, 1926 (Verwaltungsgebäude d. BASF in Ludwigshafen);
    Marmorbüste v. A. v. Hildebrand (Städt. Mus. Wuppertal-Elberfeld).

  • Autor/in

    Walter Greiling
  • Empfohlene Zitierweise

    Greiling, Walter, "Duisberg, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 181-182 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118528009.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA