Lebensdaten
1835 bis 1921
Geburtsort
Stronach bei Dölsach (Südtirol)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118524283 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Defregger, Franz Jacob von
  • Defregger, Franz Jacob (bis 1882)
  • Defregger, Franz von
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Zitierweise

Defregger, Franz von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118524283.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Michael (1805–58), Bauer beim Eder in Stronach;
    M Maria Fercher (1805–41);
    1872 Anna Maria (1856–1902), T des Joseph Müller in München u. der Anna Sedlmayr;
    5 S, 2 T.

  • Leben

    D. verbrachte seine Jugend auf dem Bauernhofe seiner Eltern und zeigte schon als Knabe vorzügliche Anlagen zu einer künstlerischen Tätigkeit, die erst nach dem Tode des Vaters autodidaktisch ausgebildet wurden. Er verkaufte seinen Besitz, wollte nach Amerika auswandern, entschloß sich aber, Bildhauer zu werden, und begab sich nach Innsbruck, wo ihm sein Lehrer an der Gewerbeschule Michael Stolz den Rat gab, sich als Maler zu versuchen, und ihn auf einer Reise nach München mitnahm, um ihn Piloty vorzustellen. D. erhielt hierauf Unterricht bei Hermann Dyck und nach Bestehen der Aufnahmeprüfung in der Akademie bei Hermann Anschütz, ohne innere Befriedigung, weshalb er 1863/64 nach Paris ging, sich in der Großstadt fremd fühlte und unberührt von Beziehungen zu der modernen französischen Malerei enttäuscht nach seiner Heimat zurückkehrte. Dort wurden seine ersten Gemälde vollendet, zumeist aus dem alltäglichen Dasein der ländlichen Bevölkerung, auch Interieurs und Aktstudien. Im Herbst 1865 wieder in München, ist er bald einer der beliebtesten Schüler Pilotys geworden, der ihm zwar die wichtigen koloristischen Grundzüge seiner Kunst gegeben, die Themen der Darstellung aus dem Gebiete der Tiroler Geschichte und des Tiroler Volkslebens aber ganz seinen Neigungen für diese Vorwürfe überließ. 1869-72 erreichte D. seine ersten Erfolge mit den Werken „Speckbacher und sein Sohn Anderl“, „Ringkampf“, „Ball auf der Alm“, „Bettelmusikanten“ und anderen ähnliche Stoffe behandelnden Bildern großen Formats, erregte damit auf der Münchner Jahresausstellung 1870 und der Wiener Weltausstellung 1873 ungewöhnliches Aufsehen, erhielt die goldene Medaille und ist seither als „Meister der Bauernmalerei“ berühmt, besonders auch außerhalb von Deutschland. Seine Popularität hat über zwei Jahrzehnte gedauert, obwohl er eine eigentliche Entwicklung seiner künstlerischen Leistung nicht aufweist, in seiner flüssigen Technik wie bei der Ausführung seiner Kompositionen, die nach und nach verflachten, einer sich gleichbleibenden Methode folgte und gerne seine Motive wiederholte. D. verblieb in München, erhielt als Professor eine offizielle Lehrstelle an der Akademie (Kompositionsklasse) und gehörte bis in sein hohes Alter, auch seines bescheidenen, gütigen Auftretens wegen, zu den bekannten Persönlichkeiten der Stadt.

    D. hat seine Laufbahn mit einem Meisterstück begonnen, der „Almlandschaft“ (1860), auf der er die unmittelbare Frische des Natureindrucks mit einem beglückenden Gefühl für Raum und Atmosphäre vereinigt. In seinen zwischen 1864 und 1867 geschaffenen, von stimmungsvollen braungoldenen Farbtönen durchklungenen Innenräumen aus Tiroler Bauernhäusern zeigt sich ebenfalls diese realistische Wirklichkeitsaufnahme an, nachgeprüft von der Klarheit eines für alle Schattierungen und Differenzen der Lichtwirkung empfindlichen Auges, Werke von bleibendem Wert in der Geschichte der deutschen Kunst, neben ihnen wenige strenge Porträts (der Maler Gysis). Diese Vorzüge werden allmählich aufgegeben. An ihre Stelle treten Genre- und Historienbilder in dekorativer Aufmachung. Illustrationen der ruhmvollen Vergangenheit Tirols, ohne patriotische Leidenschaft, und freundliche Schilderungen gefälliger, öfters süßlich-sentimentaler Dorfgeschichten mit zahlreichen in bühnengemäßer Gruppierung wiedergegebenen Figuren lassen, ohne dabei zu vergessen, daß die Begabung D.s ihren Weg niemals auf Kosten des guten Geschmacks genommen hat, die bedauernde Frage entstehen, warum er in späteren Jahren die verheißungsvollen Anfänge nicht fortgesetzt hat und daher nach seinen Arbeiten aus der Mitte und dem Ende seines Lebens oft nur als ein von den Wünschen seiner Zeit allzusehr abhängiger Künstler beurteilt wird.

    Die Ursprünglichkeit und die Ehrlichkeit seiner künstlerischen Gesinnung ist trotzdem unbestritten und verleiht seinen Werken sogar in einer ihnen kühl und vielleicht verständnislos gegenübertretenden Nachwelt ihre Bedeutung. - Friedensklasse des Ordens Pour le mérite und Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst.

  • Literatur

    C. Gurlitt, Die dt. Kunst d. 19. Jh., 21900, S. 377 bis 380;
    R. Muther, Gesch. d. Malerei im 19. Jh., 51906, S. 485 f.;
    A. Rosenberg, D., 31911;
    H. Uhde-Bernays, Der frühe D., in: Kunst u. Künstler, Jg. 13, 1914/15, S. 369-74;
    ders., in: Kunstchronik 56, 1920/21, S. 299-303;
    ders., Mittler u. Meister, 1948, S. 218-23;
    F. Haack, Die Kunst d. XIX. Jh., 61922, S. 224-69;
    P. F. Schmidt, in: DBJ III, S. 64-68 (u. Tl. 1921, L);
    A. F. Seligmann, in: NÖB IV, S. 101-09 (P);
    ThB (W, L);
    GHdA Bayern IV, 1953.

  • Autor/in

    Hermann Uhde-Bernays
  • Empfohlene Zitierweise

    Uhde-Bernays, Hermann, "Defregger, Franz von" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 557 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118524283.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA