Lebensdaten
1805 bis 1880
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Bad Boll
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118512080 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Blumhardt, Johann Christoph
  • Blumhardt, Christoph
  • Blumhardt, Johann Christoph
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Zitierweise

Blumhardt, Christoph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118512080.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Georg Friedrich (1777–1822), Bäcker und Holzmesser in Stuttgart, S des Johann Christoph, Lakai in Stuttgart, und der Heinrika Johanna Förstner aus Stuttgart;
    Ur-Gvv Matthäus (Gvv von Christian Gottlieb, s. 1);
    M Louise, T des Johann Christoph Deckinger, Schneidermeister in Stuttgart, und der Johanna Rosine Schneider;
    Sitzenkirch (Baden) 1838 Johanna Dorothea (1816–86), T des Karl Köllner (1790–1853), Kaufmann, Bürgermeister und Vorsteher des Rettungshauses in Kornthal, und der Johanna Schumann; 6 K, u. a. Christoph s. (2).

  • Leben

    B. besuchte schon mit drei Jahren die Schule. 1820 kam er als Seminarist nach Schöntal, 1824 ins Tübinger Stift, wo er sich dem Studium der Theologie widmete. 1829 wurde er Vikar in Dürrmenz. 1830-37 war er Lehrer am Missionshaus in Basel, sodann ein Jahr lang Vikar in Iptingen, um 1838 die Pfarrstelle in Möttlingen zu übernehmen. In diesem abgelegenen Schwarzwalddorf sollte er die großen geistlichen Erfahrungen seines Lebens machen. Seine aus dem schwäbischen Pietismus herkommende Reichgotteshoffnung fand eine merkwürdige Erfüllung in der Heilung einer hochgradig hysterischen Frau, deren Krankheit die Form dämonischer Besessenheit angenommen hatte (Gottliebin Dittus, 1815–86). B. sah in der nach zweijährigem Gebetskampf 1843 erfolgten Heilung einen Sieg Jesu über die Mächte der Finsternis. An die Heilung schloß sich eine große Bußbewegung an, verbunden mit neuen Heilungen. Trotz der vom Konsistorium auferlegten Beschränkungen bereitete sich die Bewegung weit über die Grenzen der Pfarrei Möttlingen aus. 1852 kaufte B. um 25 000 Gulden das königliche Bad Boll am Fuße der Schwäbischen Alb, wo er fast drei Jahrzehnte lang der Seelsorger und Helfer von Hilfesuchenden wurde. Er sah in seiner Wirksamkeit das erste Morgenrot des nahen Reiches Gottes und den Sieg Gottes über alle Völker und Mächte. Nach seinem Tode führte sein Sohn Christoph das Werk des Vaters fort. In Möttlingen besteht heute noch ein vom Geist B.s beeinflußtes Rettungswerk „Arche“, das den Mittelpunkt einer besonders in Württemberg verbreiteten Gemeinschaft bildet. B.s Bedeutung besteht darin, daß durch seine Erfahrungen ein neues Verständnis für die Aktualität der neutestamentlichen Eschatologie in der evangelischen Theologie aufkam, besonders in der so genannten dialektischen Theologie (K. Barth, E. Thurneysen).

  • Werke

    Verteidigungsschrift gegen Herrn Dr. de Valenti, 1850;
    Krankheitsgesch. d. Gottliebin Dittus in Möttlingen (1844), 1850, 5o. J.;
    15 Predigten üb. d. ersten drei Advents-Evangelien, 1864;
    Handbüchlein d. Weltgesch. f. Schulen u. Fam., 1843, 101899;
    Hdb. d. Missionsgesch. u. Missionsgeogr., 2 Bde., 31862;
    Slg. v. Morgenandachten nach Losungen u. Lehrtexten d. Brüdergemeine, 1865;
    Ges. Werke, 3 Bde., 1886–88.

  • Literatur

    ADB XLVII (W, L);
    F. Zündel, Pfarrer J. Ch. B., 1880, 141942;
    H. Lhotzky, Der Wunderpfarrer, 1920;
    E. Heinatsch, J. Ch. B. (d. Ä.), 1926;
    F. Seebass, J. Ch. B., sein Leben u. Wirken, 1949;
    A. Münch, Zeugen d. gegenwärt. Gottes (3.: J. Ch. B.), 41949;
    E. Michaelis, Geisterreich u. Geistesmacht, Der Heilungs- u. Dämonenkampf J. Ch. B.s, 1950;
    W. Schulte, Was kann d. Arzt u. Psychiater z. J. Ch. B., z. Krankheit u. Besessenheit sagen?, in: Ev. Theol. 9, 1949/50, S. 151 ff.;
    O. Bruder, Zu d. Heilungen B.s, ebenda;
    W. Schulte, Zu d. Heilungen J. Ch. B.s (Erwiderungen auf O. Bruder), ebenda, 1950, S. 91 ff.;
    PRE;s. a. L z. →Christoph s. (2).

  • Portraits

    Phot. in Bad Boll (im Bes. v. H. F. Lavater).

  • Autor/in

    Heinz-Horst Schrey
  • Empfohlene Zitierweise

    Schrey, Heinz-Horst, "Blumhardt, Christoph" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 335 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118512080.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Blumhardt: Johann Christoph B., Pfarrer in Bad Boll in Württemberg, geboren am 16. Juli 1805 in Stuttgart, am 25. Februar 1880, bekannt vor allem durch seine Krankenheilungen kraft des Gebetes und der Handauflegung, sowie durch seinen siegreichen Kampf wieder angebliche Mächte der Finsterniß. Ohne besondere Erlebnisse weilte er seit 1820 im Seminar in Schönthal, seit 1824 an der Universität Tübingen, wirkt dann 1829 als Vicar in Dürrmenz, 1830 als Missionshauslehrer in Basel, wird 1837 Vicar in Iptingen und 1838 Pfarrer in Möttlingen bei Calw. Im J. 1841 kommt er hier seelsorgerisch mit einem an hochgradiger Hysterie und anderen Krankheiten leidenden Mädchen, Namens Gottliebin Dittus (geboren 1815, als Frau Brodersen in Bad Boll) in nähere Beziehung, und bald entwickelten sich Zustände in der Gemeinde, die von B. und vielen Gleichgesinnten als Wirkungen satanischer Mächte gedeutet wurden. Nach zwei Jahren weichen die Poltergeister und dämonischen Erscheinungen von Besessenheit, und die ganze Gemeinde erfährt eine tiefgreifende Erweckung, die im weitesten Umkreis ihre Wellen schlägt. Die kirchliche Oberbehörde greift einige Male mit einem Verweis gegen B. ein; aber die Bewegung ist nicht zu hemmen, Scharen von leiblich und geistlich Hülfsbedürftigen suchen ihn auf und kehren großentheils geheilt zurück. Im J. 1852 kauft er das königliche Bad Boll, um sich ganz den „Elenden“ zu widmen; bis zu seinem Tode ist er, seit 1869 von seinen Söhnen unterstützt, der Helfer unzähliger Kranken, denen er mit Gottes Wort und Gebet zur Seite steht. Eigenthümlich ist die Erscheinung, daß B., ein stiller, nüchterner, anspruchsloser Mann, nichts von spiritistischer Geisterei an sich hatte; das einzige, was auf schwärmerische Anlage schließen läßt, war seine „große Hoffnung“, das Kommen des Reiches Gottes noch zu erleben. Wie es sich mit den angeblichen Kämpfen und Siegen über satanische Mächte in Wirklichkeit verhält, ist schwer zu entscheiden, zumal da die Beschreibung der Details nur in wenigen handschriftlichen Exemplaren, die noch dazu möglichst geheim gehalten werden, existirt. So weit ein abschließendes Urtheil möglich ist, scheint von den dämonischen Mächten nach Abzug der Wirkungen von Hysterie, Suggestion und Hypnose einerseits, von Leichtgläubigkeit, Aberglauben und Betrug anderseits nicht viel übrig zu bleiben.

    Schriften: „Beibet in meiner Liebe. Abendpredigt“ (Barmen 1864); „Die Freundlichkeit des Herrn nach Klagel. 3, 25, eine Hochzeitpredigt“ (Stuttgart 1863); „Handbuch der Missionsgeschichte und Missionsgeographie“ (2 Bände, 3. Ausgabe Calw 1863); „Ihr seid das Licht der Welt. Abendpredigt über Matth. 5, 14—16“ (1.—6. Aufl. Elberfeld 1863); „Fünfzehn Predigten über die drei ersten Advents Evangelien zur Beförderung christlicher Erkenntniß“ (Stuttgart 1864); „Psalmlieder oder die Psalmen in sangbare Lieder umgesetzt“ (2. Aufl. Stuttgart 1861); „Abendpredigt in der Hospitalkirche zu Stuttgart am letzten Abend des evangelischen Kirchentags“ (Stuttgart 1869); „Kurze Betrachtungen über Schriftworte zu Trost und Erbauung“ (2 Hefte, Bad Boll 1867); „Zwei Bibelvorträge“ (Berlin 1867); „Der Blindgeborene nach Joh. 9, 1—7, Predigt“ (Bad Boll 1867); „Vom Frieden Gottes nach Phil. 4, 7. Eine Abendstunde, gehalten zu Bad Boll am 8. August 1857“ (5. Aufl. Stuttgart 1870); „Friederike Hahn. Eine württembergische Pfarrfrau“ (Basel 1869); „Ueber die Lehre von den Engeln nach Maßgabe der heil. Schrift mit besonderer Berücksichtigung der Erscheinung des Engels bei Zacharias Luc. 1, 11—13“ (Abdruck aus Vilmar's Pastoral-theologischen Blättern. Stuttgart 1865); „Predigten und Vorträge“ (2. Aufl. Bad Boll 1867); „Sammlung von Morgenandachten nach Losungen und Lehrtexten der Brüdergemeinde“ (Bad Ball 1865, 2. Aufl. 1873); „Uebersichtliche Auslegung der Bergpredigt Jesu|Matth. 5—7 in kurzen Vorträgen“ (Bad Boll 1872. 2. Aufl. Karlsruhe 1886); „Täglich Brot aus Bad Boll für 1878"; dasselbe für 1880, herausgegeben von Theophil Blumhardt (Bad Boll 1878, 1880); „Handbüchlein der Weltgeschichte für Schulen und Familien. Herausgegeben vom Calwer Verlagsverein“ (10. Aufl. 1899); „Predigtblätter aus Bad Boll. Nachgelassene Predigten und Vorträge. Herausgegeben von Theophil Blumhardt“. 1. u. 2. Bd. Bad Boll 1880. 3. Bd. Bad Boll 1881 (Karlsruhe 1886); „Gesammelte Werke, herausgegeben von Christoph Blumhardt“ (5 Bde., Karlsruhe 1886); „Kurze Besprechung des Vaterunsers oder des Reichsgebetes. Herausgegeben von Theophil Blumhardt“ (2. Aufl. Karlruhe 1886); „Predigten und Vorträge, gehalten in der Schweiz. Herausgegeben von einigen Freunden“ (Zürich 1886).

    • Literatur

      Lebensbild von Fr. Zündel. 5 Auflagen, Zürich 1880—87. — Th. H. Mandel, Der Sieg von Möttlingen im Lichte des Glaubens und der Wissenschaft. Leipzig 1895. —
      Blumhardt's Vertheidigungsschrift gegen Herrn Dr. de Valenti. Reutlingen 1850. —
      Schnabel, Die Kirche und der Paraklet. 1880. —
      Allg. Evang.-Luth. K.-Ztg. 1880 u. 1881. —
      Neue Christoterpe 1889, S. 30 f. — Christoph Blumhardt, Gedanken aus dem Reiche Gottes im Anschluß an die Geschichte von Möttlingen und Bad Boll und unsere heutige Stellung, ein vertrauliches Wort. Bad Boll 1895. — J. Hesse, Art. Joh. Christoph Blumhardt in Realencyklopädie für protest. Theologie und Kirche. 3. Aufl. von A. Hauck, 3. Bd. 1897, S. 264 f.

  • Autor/in

    E. Chr. Achelis.
  • Empfohlene Zitierweise

    Achelis, Ernst Christian, "Blumhardt, Christoph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 47 (1903), S. 28-29 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118512080.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA