Lebensdaten
1798 bis 1857
Geburtsort
Freiburg (Breisgau)
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Dramatiker ; badischer Hofmarschall
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11850505X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Auffenberg, Joseph Freiherr von

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Zitierweise

Auffenberg, Joseph Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11850505X.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph Erasmus von Auffenberg ( 1820), Oberstwachtmeister und Hofmarschall der Fürsten von Fürstenberg in Donaueschingen;
    M Eleonore Freiin von Brandenstein (1769–1800);
    Stief-M Gräfin von Thurn und Taxis-Walsassina; unverheiratet.

  • Leben

    A. brach 1815 sein juristisches Studium in Freiburg ab, um, ergriffen von der Zeitströmung des Philhellenismus, mit einem Freunde an der Griechenbefreiung teilzunehmen. Er kam jedoch nur bis Treviso und trat bald darauf in österreichische Militärdienste. J. Schreyvogels Anerkennung für seinen ersten Versuch im Trauerspiel brachte sein anpassungsfähiges, fast mühelos arbeitendes Talent zu schneller Entfaltung. Auf Wunsch des Vaters zurückgekehrt, wurde er in Karlsruhe Gardeoffizier, Mitglied des Hoftheaterkomitees, großherzoglicher Hofmarschall und schließlich Theaterintendant. Durch eigenes Verschulden verscherzte er sich die Gunst des Landesherrn, wurde seiner Ämter enthoben und lebte zuletzt, ein Sonderling und fast Vergessener, wieder in seiner Heimatstadt. Als geschickter Praktiker bediente er sich ohne Scheu des ganzen Schillerschen Erbes in der Wahl seiner Stoffe, der Verwendung theatralisch wirkungsvoller Motive, in Charakterzeichnung,|Aufbautechnik und Stil. Mit der Schillerschen Rhetorik verband er alle gebräuchlichen Requisiten der Schicksalsdramatik. Dem Hang der Restaurationsepoche zur „dramatischen Historie“ kam er, eine in mancher Hinsicht Victor Hugo verwandte Erscheinung, durch die für seine unbedenkliche Arbeitsweise kennzeichnende Mischung von beanspruchter quellenkundlicher Geschichtstreue und hemmungsloser Phantastik entgegen. Viele seiner Stoffe entnahm er den Romanen Walter Scotts. Nicht nur im Leben war er eine Abenteurernatur - davon legt seine an wildromantischen Ereignissen reiche „Humoristische Pilgerfahrt“ Zeugnis ab -, sondern auch in der geistigen Arbeit. Sein eigentliches Traumland blieb immer das maurische Spanien. Ihm widmete er sein Hauptwerk „Alhambra“, eine Trilogie mit einem Vorspiel, die durch breite lyrische und epische retrospektive Partien die ganze Entwicklung des Islams von seinen Anfängen bis zum Untergang seiner europäischen Macht zur Darstellung brachte. Aus dem beabsichtigten Monumentaldrama wurde jedoch durch das zeitbedingte, formauflösende Streben nach dem Historienzyklus ein kaum noch lesbarer dialogisierter Versroman.

  • Werke

    u. a. Pizarro, Trauerspiel, 1817;
    Die Spartaner, Trauerspiel, 1818;

    Der Schwarze Fritz (Victorin u. Luitgarde), Romant. Trauerspiel, 1818;

    Die Flibustier, Romant. Trauerspiel, 1819;

    Die Bartholomäusnacht, Trauerspiel, 1819;

    Viola, Romant. Trauerspiel, 1824;

    Fergus Mac Ivor, Schauspiel, 1827;

    Alhamhra, Dramat. Gedicht, 1829/30; Der Renegat v. Granada, Dramat. Nachtgemälde, 1830;

    Der Prophet v. Florenz, Trauerspiel, 1838;

    Die Furie v. Toledo, Roman aus d. Zeiten d. westgot. Herrschaft in Spanien, 2 Bde., 1832;

    Humorist. Pilgerfahrt nach Granada u. Cordova, 1835;
    Sämtl. W, 20 Bde. u. 2 Suppl.-Bde., 1843 bis 1847 (P).

  • Literatur

    ADB I;
    E. L. Stahl, J. v. A. u. d. Schauspiel d. Schillerepigonen, = Theatergeschichtl. F, Bd. 21, 1910;
    W. Salewski, J. v. A., in: Die Pyramide, Wschr. z. Karlsruher Tagbl., 1925, Nr. 1;
    F. Doldinger, Alhambra, J. v. A.s Pilgerfahrt z. Reich d. Geister, 1934;
    Goedeke XI. 1951, S. 198-204 (W, L);
    F. Sengle, Das dt. Gesch.drama, 1952, S. 155 ff.;
    K. Bartsch, in: Bad. Biogrr. 1, 1875, S. 14 f.;
    Kosch, Lit.-Lex. I.

  • Portraits

    Kupf. v. Bittheuser-Epple (Nat.bibl. Wien);
    Stahlstich v. Kauffmann.

  • Autor/in

    Adalbert Elschenbroich
  • Empfohlene Zitierweise

    Elschenbroich, Adalbert, "Auffenberg, Joseph Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 440 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11850505X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Auffenberg: Joseph Freiherr v. A., dramatischer Dichter, geb. zu Freiburg 25. Aug. 1798, 25. Dec. 1857. Er studirte zu Freiburg seit 1813 die Rechte, unterbrach aber das Studium, um 1815 mit einem Freunde nach|Griechenland zu gehen. Doch kamen beide nur bis nach Oberitalien und kehrten von dort in zerrüttetem Zustande zurück, worauf A. Militärdienste in Desterreich nahm, aber bei einem Besuche in Wien, von Schreyvogel aufgemuntert, den Entschluß faßte, sich ganz der Dramatik zu widmen. Auf Wunsch seines Vaters, eines fürstenbergischen Hofmarschalls, kehrte er nach Baden zurück und trat als Lieutenant in das badische Gardeducorps. Seit 1822 beim Hoftheatercomité in Karlsruhe beschäftigt und bald Präsident desselben machte er, nachdem das Comité 1832 aufgelöst worden, eine Reise nach Spanien, auf der er vor den Thoren Valencias mörderisch angefallen, mit 23 Wunden in das Hospital del Cid aufgenommen und unter der Pflege barmherziger Schwestern hergestellt wurde, wie er in seiner lebhaft und anschaulich geschriebenen „Humoristischen Pilgerfahrt nach Granada und Cordova" (Stuttg. 1835) berichtet. Er setzte zum Dank das Hospital zum Erben seines Nachlasses ein. Er starb als badischer Hofmarschall. Seine dramatischen Dichtungen entlehnen ihren Stoff gern aus entlegenen Zeiten und Ländern und behandeln dieselben mehr rhetorisch als dramatisch, offenbar nach dem Muster Schiller's, aber darin unähnlich, daß sie nirgends einen nationalen Zug herauszufinden und wirksam zu machen wissen. Zu nennen sind das Trauerspiel „Pizarro" (Bamberg 1823), „Die Flibustier", „Coligni“, „Wallas“, „König Erich“, „Das Opfer des Themistokles“, die nach Walter Scott gearbeiteten Schauspiele „Fergus Mac Ivor“ und „Der Löwe von Kurdistan“, besonders aber das dreitheilige dramatische Gedicht: „Alhambra“ (Karlsr. 1829—30. 3 Bde.), das eher ein dialogisirter Roman als eine Trilogie genannt werden kann. Auch einen Roman verfaßte er: „Die Furie von Toledo“ (Karlsr. 1832). Seine sämmtlichen Werke erschienen in 3 Ausgaben (Wiesbaden 1843—45. 20 Bde.; 1846. 21 Bde. und 1855. 22 Bde.). — Vgl. Theater-Lexikon. Altenb. 1839. 1. 164. Goedeke, Bd. 3. 882 f.

    Von einem älteren Benedict v. A. erschien zu Wien eine Gedichtsammlung „Poet. Versuche“ (1789) und, mit Gruber und Schleifer gemeinsam: „Denkmal der Freundschaft“ (1792). Auch ist er Verfasser eines dramatischen Sittengemäldes „Amalie von Nordenfeld oder die Freimaureraufnahme“ (1794).

  • Autor/in

    K. Goedeke.
  • Empfohlene Zitierweise

    Goedeke, Karl, "Auffenberg, Joseph Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 654-655 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11850505X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA