Lebensdaten
1862 bis 1937
Geburtsort
Bremen
Sterbeort
Jena
Beruf/Funktion
Zoologe
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 117683574 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Plate, Ludwig Hermann
  • Plate, Ludwig
  • Plate, Ludwig Hermann
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Plate, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117683574.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1813–80), Neuphilol., Lehrer an d. Bürger- bzw. Realschule in B., Vf. v. Lehrbüchern d. engl. u. franz. Sprache;
    M Phoebe Hind (1826–1911), aus England;
    1) 1902 Hedwig (vermutl. 1861-1933), T d. Friedrich v. Zglinicki (1818–86), preuß. Gen.major, Kdt. v. Glogau (Oberschlesien), u. d. Henriette Wolff (1830–88), 2) 1933 Klara König (* 1880);
    1 Stief-S;
    N Ludwig (s. 2).

  • Leben

    Nach Abschluß des Gymnasiums in Bremen 1882 studierte P. zuerst Mathematik und Naturwissenschaften in Jena. Dabei beindruckte ihn Ernst Haeckel (1834–1919) als leidenschaftlicher Vertreter der Evolutionstheorie, dessen dogmatische Darstellung P. aber auch kritisch betrachtete. Beim Studium in Bonn und München war namentlich der Zoologe Richard Hertwig (1850–1937) sein Lehrer. 1885 wurde er in Jena mit einer Arbeit über die Rädertiere (Rotatoria) promoviert, bestand 1887 in Bonn das Staatsexamen für das höhere Lehramt, wurde im selben Jahr Assistent am Zoologischen Institut der Univ. Marburg und nach der Habilitation (Protozoen-Studien mit Btrr. z. Gattung Lagenophrys, Noctiluca u. a.) 1888 Privatdozent. Als Stipendiat der Humboldt-Stiftung der Berliner Akademie der Wissenschaften führte P. 1893-95 eine Sammel- und Forschungsreise an der Westküste Südamerikas bis nach Feuerland durch. Weitere Reisen führten ihn 1901/02 nach Griechenland und an das Rote Meer, 1904/05 in die Karibik, 1913/14 nach Sri Lanka (Ceylon) und Südindien. Die unter Mitarbeit verschiedener Spezialisten veröffentlichten vier Bände der „Fauna chilensis“ und die vier Bände der „Fauna et Anatomica Ceylanica“ waren das Ergebnis von P.s Sammeltätigkeit. 1896 war P. für ein Jahr Assistent am Zoologischen Institut der Univ. Berlin bei Franz Eilhard Schulze (1840–1921) und wurde 1898 Lehrer an der Tierärztlichen Hochschule Berlin. 1898 wurde er Titular-professor in Berlin, 1901 Kurator am Museum für Meereskunde, 1905 o. Professor an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin.

    P. war zunächst vergleichend-anatomisch unter Einbeziehung der Evolutionstheorie tätig, wovon seine umfassende vergleichende Übersicht der „Sinnesorgane im Tierreich“ (Tl. 2 seines Werkes „Allg. Zool. u. Abstammungslehre“) 1924 zeugt. P. hat die Evolutionstheorie, vor allem in der von Darwin gegebenen Version, auch in allgemeinverständlichen Werken dargestellt, so in dem Übersichtswerk „Die Abstammungslehre, Tatsachen, Theorien, Einwände und Folgerungen in kurzer Darstellung“ (1925, 2. Aufl. d. „Leitfaden d. Deszendenztheorie“). Er bezog öffentlich gegen die „ultramontane Weltanschauung“ der kath. Orthodoxie Stellung und sah keine Versöhnung von Glaube und Naturwissenschaft. Er erkannte aber andererseits die durch die Genetik bedingten neuen Gesichtspunkte der Evolutionslehre nur teilweise an und hielt an der Vererbbarkeit erworbener Eigenschaften fest, obwohl diese durch August Weismann (1834–1914) überzeugend widerlegt worden war. Mit seiner „Erbstockhypothese“ wollte er die nur auf einzelne Erbanlagen gerichtete Betrachtung der Evolution überwinden. P. kritisierte die Genetiker Hugo de Vries (1848–1935) und Wilhelm Johannsen (1857–1927) und den Paläontologen Otto Jaekel (1863–1929). Er meinte, als „Altdarwinist“ eine die verschiedenen Ansichten verknüpfende Evolutionsvorstellung entwickeln zu können, die sich aber gegen die von Theodosius Dobzhansky (1900–75) und Julian Huxley (1887–1975) begründete „synthetische Theorie“ der Evolution nicht behaupten konnte. Auf Haeckels Wunsch seit 1909 o. Professor der Zoologie in Jena und damit auch Direktor des von diesem gerade begründeten „Phyletischen Museums“, entzweite P. sich bald mit Haeckel über die Nutzung des Museums. 1904 gehörte er zu den Begründern des „Archivs für Rassen- und Gesellschaftsbiologie“, des Organs der „Deutschen Gesellschaft für Rassenhygiene“. Er trat zunehmend als Chauvinist, Antidemokrat und Antisemit hervor, war langjähriger Vorsitzender des „Alldeutschen Verbandes“ in Jena und gehörte seit 1930 dem „Stahlhelm“ an. 1932 wandte er sich in der 2. Auflage seiner „Vererbungslehre“ gegen die „törichte demokratische Gleichmacherei“ und behauptete, daß „Männer und Rassen“ Weltgeschichte machen; 1935 erklärte er in seiner Autobiographie, daß „die Führung im Staat nie von der großen Masse ausgehen darf.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Dt. Ges. f. Rassenhygiene (1904), d. Ak. d. Wiss. in Stockholm u. Budapest u. d. Leopoldina (1933).

  • Werke

    u. a. Selectionsprinzip u. Probleme d. Artbildung, 1908;
    Vererbungslehre, 1913, 21932/33;
    Abstammungslehre, 1925;
    Autobiogr. in: Archiv f. Rassen- u. Ges.biol. 29, 1935, S. 84-87.

  • Literatur

    A. Ploetz, in: Archiv f. Rassen- u. Ges.biol. 31, 1937, S. 542 f.;
    G. Uschmann, Gesch. d. Zool. u. d. zool. Anstalten in Jena 1779-1919, 1959 (P);
    Rhdb. (P);
    Brem. Biogr.;
    DSB;
    D. Henze, Enz. d. Entdecker u. Erforscher d. Erde, 17. Lfg., 1995.

  • Autor/in

    Gottfried Zirnstein
  • Empfohlene Zitierweise

    Zirnstein, Gottfried, "Plate, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 507-508 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117683574.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA