Lebensdaten
1886 bis 1940
Geburtsort
Gotha
Sterbeort
Chatou (Departement Seineet-Oise, Frankreich)
Beruf/Funktion
Jurist ; Völkerrechtler
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117677515 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Juridicus (Pseudonym)
  • Strupp, Karl
  • Juridicus (Pseudonym)
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Zitierweise

Strupp, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117677515.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus thür. Kaufmannsfam., d. 1715 in Meiningen d. Handelsfa. „I. M. Strupp“ gründete, seit 1740 „B. M. Strupp“ (Kaufhaus in Meiningen), seit 1742 Bankhaus B. M. Strupp in Meiningen u. G. mit gr. Einfluß auf d. Industrialisierung in Mitteldtld.;
    V Louis (1854–1914), Bankier u. Kaufm., Leiter d. Niederlassung d. Bankhauses B. M. Strupp in G., Aufsichtsratsvors. d. Gothaer Waggonfabrik, wandelte 1905 „B. M. Strupp“ in d. „Bank f. Thüringen AG“ um, später in Frankfurt/M., GKR, S d. Mayer (1819–73), Kaufm. u. Hofbankier in Meiningen, u. d. Ida Friedländer (1830–83);
    M Anna Würzburger ( v. 1910);
    Ur-Gvv B. M. (1787–1859), Hofbankier in Meiningen;
    Ov Meinhold (1853–1912), Bankier in Meiningen, Gustav (1851–1918), Dr. iur., Bankier in Meiningen u. Berlin, Finanzberater d. Herzöge v. Sachsen-Meiningen, Begründer d. Hermsdorfer Porzellanfabrik, Ehrenbürger v. Hermsdorf, Mäzen, 1903–18 Mitgl. d. LT v. Meiningen, GKR (s. NDB IX*; L);
    Frankfurt/Main 1915 Mathilde (Thilde) (1895–1995), emigrierte 1940 in d. USA, zuletzt in New York, T d. Heinrich Haas (* 1864), Dir. d. Bankhauses „Samuel Bloch“ in Nürnberg (s. Wenzel), u. d. Auguste Bloch;
    1 S Werner (* 1922), emigrierte 1940 mit seiner Mutter in d. USA, Jur. b. d. American Society of Composers, Actors and Publishers (ASCAP) in New York; Verwandter Werner Hofmann (1922–69), Prof. f. Soziol. in Marburg (s. NDB IX).

  • Leben

    Nach dem Abitur am Lessinggymnasium in Frankfurt/M. studierte S. 1905–08 Geschichte und Rechtswissenschaft in Heidelberg, u. a. bei Georg Jellinek (1851–1911). 1909 legte er in Kassel das preuß. Referendarexamen ab und wurde 1910 bei Karl Heinsheimer (1869–1929) in Heidelberg mit einer familienrechtlichen Arbeit zum Dr. iur. promoviert. Das preuß. Referendariat brach S., zu diesem Zeitpunkt finanziell unabhängig, 1912 ab, um als Privatgelehrter in Frankfurt/M. zu leben. Erste Veröffentlichungen behandelten die Quellen des Völkerrechts und das Staatsrecht einzelner thür. Staaten. Während des 1. Weltkriegs leistete der frontuntaugliche S. 1914–18 beim stellv. Generalkommando des 18. Armeekorps in Frankfurt/M. freiwilligen Dienst, war an der Zensur beteiligt und verfaßte völkerrechtliche Gutachten. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Veröffentlichungen zum Kriegsvölkerrecht. Unter dem Pseudonym „Juridicus“ übersetzte er franz.sprachige Texte des belg. Diplomaten Émile Banning (1836–98) über die belg. Neutralität.

    1920 scheiterte eine Habilitation bei Berthold Freudenthal (1872–1929) an der Univ. Frankfurt/M., S. erhielt jedoch im selben Jahr einen Lehrauftrag für Völkerrecht. 1923 wurde er aufgrund seiner bisherigen Veröffentlichungen kumulativ für Staats- und Völkerrecht habilitiert. 1926 wurde er ao., 1932 o. Professor in Frankfurt. 1925, 1930 und 1934 hielt er Gastvorlesungen an der „Academie des Droits Internationale“ in Den Haag. 1911–17 war er mit Theodor Niemeyer (1857–1939) Herausgeber des „Jahrbuchs des Völkerrechts“, 1920–34 neben Walther Schücking (1875–1935) und Max Fleischmann (1872–1943) Mitherausgeber der „Zeitschrift für Völkerrecht“. 1933 als Jude von seinem Lehrstuhl entlassen, erhielt S. im selben Jahr, auch wegen seiner Veröffentlichungen zum Vertrag von Lausanne, einen Ruf an die Univ. Istanbul für Internat. Recht und emigrierte mit seiner Familie in die Türkei. Dort mußte er seine Vorlesungen aus gesundheitlichen Gründen 1935 beenden. Bis 1937 lebte S. in bescheidenen Verhältnissen in Frankfurt/M., 1936/37 hielt er Gastvorlesungen an der Univ. Kopenhagen. Von Dänemark zog er 1939 vorübergehend nach Frankreich, um Vorlesungen am Pariser „Institut des Hautes Etudes Internationales“ zu halten. Im selben Jahr erhielt S. auf Vermittlung von Max Horkheimer (1895–1973) die Möglichkeit, am „International Institute of Social Research“ der Columbia University in New York zu lehren. Kurz vor der geplanten Abreise nach Amerika verstarb S. in Chatou an den Folgen einer Embolie.

    S. gehörte zu den international bekanntesten dt. Völkerrechtswissenschaftlern. Anders als seinen Freunden Hans Wehberg (1885–1962) und Walther Schücking, die dem Pazifismus zuneigten, lagen S. solche Intentionen fern; während des 1. Weltkriegs unterstützte er die Politik des Dt. Reichs, später auch eine Revision des Versailler Vertrags. Immer aber war S. um länder- und schulenübergreifende Kontakte bemüht. Seine Bedeutung liegt in dem Sammeln und Herausgeben völkerrechtlicher Quellentexte und Nachschlagewerke. Mit seinem Namen verbunden ist das von ihm begründete und 1924 mit Julius Hatschek (1872–1926) herausgegebene „Wörterbuch des Völkerrechts und der Diplomatie“, das in 2. Auflage seit 1960 von seinem Schüler Hans-Jürgen Schlochauer (1906–90) als „Strupp-Schlochauer“ fortgeführt wurde (3. Aufl. als „Encyclopedia of Public International Law“, seit 1981 hg. v. R. Bernhardt). Zu S.s weiteren Schülern gehörten der dän. Völkerrechtler Georg Cohn (1887–1956), der dt.-amerik. Politikwissenschaftler Hans Morgenthau (1904–80), der amerik. Sicherheitspolitiker Fritz G. A. Kraemer (1908–2003) und der österr.-amerik. Wirtschaftswissenschaftler Peter Drucker (1909–2005).

  • Auszeichnungen

    A Rr.kreuz d. sächs.-ernestin. Hausordens II. Kl. (1915); preuß. Kriegshilfekreuz (1917); Verdienstkreuz d. preuß. Kronenordens; finn. Orden d. Freiheitskreuzes III. Kl. (1918); bulgar. Stern u. Kreuz d. Mil.ordens f. Tapferkeit; - Mitgl. d. Dt. Vereinigung f. Internat. Recht (1912), d. American Soc. for Settlement of Internat. Disputes (1913), d. Vereinigung Dt. Staatsrechtslehrer (1922–1933), d. Ac. Diplomatique Internat., Paris (1927), d. American Inst. of Internat. Law (1927) u. d. Inst. de Droit Internat. (1932).

  • Werke

    Urkk. z. Gesch. d. Völkerrechts, 2 Bde., 1911;
    Völkerrecht. Fälle z. akad. Gebrauch u. Selbststudium, 1911;
    Das internat. Landkriegsrecht, 1914;
    Die internat. Schiedsgerichtsbarkeit, 1914;
    Ausgew. Aktenstücke z. oriental. Frage, 1916;
    Dt. Kriegszustandsrecht, 1916;
    Die Neutralisation u. d. Neutralität Belgiens, 1917;
    Émile Banning, La défense de la Belgique au point de vue national et européen (1887), Ein Neudr., mit Übers. v. Juridicus, 1917;
    Belgier über Belgiens Neutralisierung, In Ausw. übers. v. Juridicus, 1917;
    Entwurf e. Reichsgesetzes betreffend d. Ausnahmezustand im Reiche u. in d. Schutzgebieten, 1918;
    Die Friedensverträge, Bd. 1 (Ostverträge), 1918, Unser Recht auf Elsaß-Lothringen, 1918;
    Das völkerrechtl. Delikt, 1920;
    Grundzüge d. positiven Völkerrechts, 1921, 51932;
    Wb. d. Völkerrechts u. d. Diplomatie, 3 Bde., 1924–29, 21960–62;
    Theorie u. Praxis d. Völkerrechts, 1925;
    Das Werk v. Locarno, 1926;
    Eléments du Droit Internat. Public Universel, Européen et Américain, 3 Bde., 1927, 21930, türk. 1930;
    Die völkerrechtl. Haftung d. Staates, insbes. b. Handlungen Privater, 1927;
    Rechtsfälle aus d. Völkerrecht, 1927;
    Die Schiedsger.-, Ger. u. Vergleichsverträge d. Dt. Reiches, 1929;
    Die Rechtsstellung d. Staatsangehörigen u. d. Staatsfremden, in: G. Anschütz u. R. Thoma (Hg.), Hdb. d. Dt. Staatsrechts, Bd. 1, 1930, S. 274–80;
    Staatsrechtl. Fälle u. Probleme, 1931;
    Der Vertrag v. Lausanne, 1932;
    Die Beziehungen zw. Griechenland u. d. Türkei v. 1820 bis 1930, 1932;
    Neutralisation, Befriedigung, Entmilitarisierung, 1933;
    Les règles générales du droit de la paix, 1934;
    Legal Machinery for peaceful Change, 1937;
    Problèmes actuels de l`organisation du monde, 1937;
    Bibliographie du Droit des Gens et des Relations Internationales, 1938.

  • Literatur

    | H. Wehberg, in: Die Friedenswarte 40, 1940, S. 175–78;
    H. Widmann, Exil u. Bildungshilfe, Die dt.sprachige Emigration in d. Türkei n. 1933, 1973, bes. S. 119 u. 291;
    F. Neumark, Zuflucht am Bosporus, 1980, S. 90;
    P. Arnsberg, Die Gesch. d. Frankfurter Juden seit d. Franz. Rev., 1983, Bd. 3, S. 503;
    M. Bothe, in: B. Diestelkamp u. M. Stolleis (Hg.), Jur. an d. Univ. Frankfurt am Main, 1989, S. 161–70 (P);
    G. Radbruch, Briefe II (1919–1945), 1995, S. 96 f.;
    Die Juden d. Frankfurter Univ., hg. v. R. Heuer u. St. Wolf, 1997, S. 365–68 (P);
    M. Stolleis, Gesch. d. öff. Rechts in Dtld., Bd. 3, 1999, S. 392;
    P. Drucker, Schlüsselj., 2001, S. 184, 191, 195 u. 205–07;
    S. Link, Ein Idealist mit Idealen, Der Völkerrechtler K. S. (1886–1940), 2003 (P, L);
    Rhdb.;
    BHdE II;
    Göppinger; – zur Fam.:
    A. Erck u. J. Rauprich, Dr. Gustav S., eine biogr. Skizze, in: Archiv u. Regionalgesch., 1998, S. 343 ff.;
    K. Witter, Der Nachlaß S. im Thür. StA Meiningen, in: Archiv in Thür. 12, 1997, S. 24–26;
    Nachlaß nicht bekannt; einzelne Briefe (an James Scott Brown) im Nachlaß Walther Schücking (Landes- u. Univ.bibl. Münster) sowie (Korr. mit Peter Drucker) im Drucker Inst. (Claremont, California); – Eigene Archivstudien: Univ.archiv Frankfurt/M.; Archiv Mohr Siebeck (Staatsbibl. Preuß. Kulturbes., Berlin); StA Meiningen; StadtA Nürnberg.

  • Portraits

    Fotogr., um 1925 (Den Haag, Peace Palace Library).

  • Autor/in

    Martin Otto
  • Empfohlene Zitierweise

    Otto, Martin, "Strupp, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 596-597 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117677515.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA