Lebensdaten
1530 bis 1606
Geburtsort
Grünberg (Hessen)
Sterbeort
Darmstadt
Beruf/Funktion
Arzt ; Bibliothekar ; pfälzischer Leibarzt ; Polyhistor
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119842440 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Struppius, Joachim
  • Strupp von Gelnhausen, Joachim
  • Strupp genannt von Gelnhausen, Joachim
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Zitierweise

Strupp, Joachim, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119842440.html [20.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Petrus Strupf (Strupp) (um 1495-um 1565), bis 1525 Prämonstratenser-Chorherr im Kloster Langenselbold b. Hanau, Mag., 1527–36 erster luth. Prediger in G., 1536 Prädikant u. Reformator in Gelnhausen (Hessen), 1543 erster luth. Pfarrer ebd.;
    M Magdalene († 1567), aus Wippenbach (Wetterau);
    2 B Johann(es) (um 1527/28–99, Maria N. N., 1599 als „Hexe“ angeklagt u. hingerichtet), Pfarrer 1552 in Friedberg, 1567 in Gelnhausen, Hans Ulrich († 1567), Prediger in Sachsenhausen b. Frankfurt/M., 4 Schw u. a. Dorothea ( Tilmann Krug, Schulmeister bis 1568 in Gelnhausen, 1568–71 in Langen), Anna ( 1] Theobald v. Hochstadt, 1579, bis 1556 Stadtschreiber in Steinau, dann hanau. Rat, 2] Johannes Nicenius, 1579, Sup. in Gelnhausen);
    Wittenberg 1557 Elisabeth (1532–1602, T d. Benedikt Pauli (1490–1552, JUD, Prof. an d. Univ. Wittenberg, Hofger.assessor, kursächs. Rat (s. Jöcher), u. d. Anna Roth;
    4 S (2 früh †) Johann (1563–1617, hessen-darmstädt. Rat u. Kanzler in Gießen, Georg Joachim (1574–1643, hess. Bergwerksverw. in Oberramstadt, bis 1614 Keller u. Amtmann in Bickenbach, 1622 hess. Vogt in Wetzlar, 4 T Margarethe (1568–n. 1607, Hieronymus de Cantoral, v. 1606), Anna Magdalene (1569–1635, Anstadt [Anastasius] Juncker, 1568–1616, JUD, Rat u. Hofger.assessor in Marburg, Kanzleidir. in Gießen), Elisabeth (1576–1657, Balthasar Mentzer, 1565–1627, Prof. d. Theol. in Marburg u. Gießen, s. NDB 17), Christina (1582–1613, ⚭ Ludwig Seitzer, 1635, 1610 Hofprediger in Butzbach, 1619 Pfarrer in Oberohmen, 1624 in Frankenberg, 1632 in Wallau).

  • Leben

    S. studierte seit 1545 in Marburg und seit 1548 in Wittenberg Theologie, Philosophie, oriental. Sprachen und Medizin. 1551 wurde er auf Empfehlung Philipp Melanchthons Hauslehrer der Gemahlin des Kf. Moritz von Sachsen, Agnes von Hessen, sowie von deren jüngerer Schwester Elisabeth (seit 1560 Kfn. von der Pfalz). Nach der Promotion zum Dr. med. 1560 in Wittenberg praktizierte S. als Arzt in Friedberg (Hessen). 1562–75 hatte er das Amt des Stadtarztes in Frankfurt/M. inne. 1575 wechselte S. nach Darmstadt, wo er zum Leibarzt des hess. Lgf. Georg I. berufen worden war. 1576 ging S. nach Heidelberg, um dort als Erzieher Friedrichs (1574–1610) zu wirken, des Sohnes Elisabeths und späteren Kurfürsten. Gleichzeitig war er kfl. Leibarzt und Bibliothekar. Während seiner Amtszeit erweiterte S. die Bestände der Bibliotheca Palatina beträchtlich. 1583 kehrte S. wieder nach Darmstadt zurück. 1587 erblindete er und lebte daraufhin bis zu seinem Tod in Armut.

    Seine Grundsätze und Methoden als Lehrer und Erzieher legte S. in seinem für Kurprinz Friedrich IV. und Prn. Christina von der Pfalz verfaßten „Hofschulbuch“ (1583) nieder. 1574 erschien S.s „Sitopotiamatechnia“, eine Ernährungslehre für Notzeiten, in der er darlegt, wie trotz des Mangels an Nahrungsmitteln die Gesundheit erhalten werden kann. Seine bedeutendste Schrift verfaßte S. in Frankfurt/M., das „Consilium medicum generale, fideli bonoque pectore, pro salute publica propositum“ (1567, erw. 1572), das er selbst ins Deutsche übersetzte und 1573 als „Nützliche Reformation, Zu guter gesundtheit, vnd Christlicher Ordnung“ herausgab. Dieses Werk thematisiert in zwölf Kapiteln alle Bereiche des öffentlichen Gesundheitswesens, wie z. B. die Apotheken, deren regelmäßige Kontrolle durch Ärzte S. fordert. In einem weiteren Abschnitt empfiehlt S. Vorkehrungen zur Reinhaltung der Luft in den Städten, ferner gesundheitspolitische Maßnahmen wie die Straßenreinigung an festen Wochentagen, das Verbot des Ausgießens von verschmutzten Flüssigkeiten und des Entsorgens von Urin und Fäkalien in den Gassen. Kritisch beurteilt S. das Halten von Nutztieren in den städtischen Kernbereichen sowie die Bestattungen in Kirchen. S. hebt die Pflicht der Obrigkeit hervor, für die Gesundheit der Untertanen Sorge zu tragen. Mit diesen Forderungen wurde S. zu einem der wichtigsten Begründer des öffentlichen Gesundheitswesens und der Hygiene in Dtld. S.s Reformprogramm wurde in zahlreiche spätere Medizinalordnungen (u. a. Augsburg 1582, Nürnberg 1592) aufgenommen.

  • Werke

    Consensus celebriorum medicorum, historicorum et philosophorum, super secretissimis ac preciosissimis quibusdam medicinis fere exoticis, 1574 (dt. 1574);
    Sitopotiamatechnia ( . . . ) Newe|Speißkammer vnd speißkeller in vorstehenden hungers nöten, Landstheuwerungen, vnd Kriegßläufften, Sampt anmütiger Haußapotecken und Kuchenartzney, 1574.

  • Literatur

    ADB 36;
    A. Fischer, Gesch. d. dt. Gesundheitswesens, Bd. I, 1933, S. 90 f. u. 174–83;
    L. Clemm, Die Strupp v. Gelnhausen, in: Btrr. z. hess. KGesch. 12, FS z. 70. Geb.tag v. Wilhelm Diehl, 1941, S. 465–86;
    B. Harms, J. S., ein Vorkämpfer f. d. öff. Gesundheitspflege im 16. Jh., in: Med. Mschr. 19, 1965, S. 68–72;
    W. Kallmorgen, 700 J. Heilkde. in Frankfurt/M., 1936;
    A. Labisch, Homo Hygienicus, 1992, S. 63 f.;
    Frankfurter Biogr.;
    Ärztelex.

  • Portraits

    Votivgem. (Gelnhausen, Ks.saal d. Roman. Hauses, ursprüngl. in d. Marienkirche).

  • Autor/in

    Werner E. Gerabek
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerabek, Werner E., "Strupp, Joachim" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 595-596 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119842440.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Strupp: Joachim St. gen. von Gelnhausen, Arzt u. Polyhistor, geb. 6. April 1530 als Sohn des Predigers zu Grünberg i. Oberhess.; studirte in Marburg (1545) und Wittenberg (1548). Auf Melanchthon's Empfehlung wurde er (1551) Präceptor der Gemahlin Kurfürst Moritz' von Sachsen, Agnes, bei der er auch nach ihrer zweiten Vermählung mit Johann Friedrich d. Mittl. von Gotha blieb. Darauf wurde er Präceptor ihrer jüngeren Schwester Elisabeth in Kassel (1560 mit Kurfürst Ludwig VI. von der Pfalz vermählt). 1575 kam er nach Darmstadt als Leibarzt des Landgrafen Georg, von wo ihn die Pfalzgräfin nach Heidelberg zur Erziehung ihres Sohnes Friedrich (IV.) berief; zugleich war er hier Leibarzt und Bibliothekar. Die Grundsätze seiner Methode und den bisherigen Verlauf der Ausbildung seines Schülers schilderte er 1583 in dem „Hof-Schuellbuch“. Bereits im folgenden Jahre kehrte er nach Darmstadt zurück, als mit der Vormundschaft Johann Casimir's die Erziehung reformirten Pädagogen übergeben wurde; er erblindete 1587 und hatte viel mit Noth zu kämpfen. Ob eine Belehnung mit einem Hofgut zu Habitzheim, welche 1604 von Hessen und Pfalz geplant war, zu Stande kam, ist nicht ersichtlich. Er starb am 18. Juni 1606.

    • Literatur

      Marburger Staatsarchiv. — Moser, Patriot. Archiv 1786 IV, 210—344 eingehend über den Heidelberger Aufenthalt, mit Actenstücken. —
      Strieder, Hess. Gelehrten-Gesch. XVI, 57. —
      Joh. Angelus, Leichpredigt 1607. — Kestner, Med. Gelehrt.-Lex. S. 817.

  • Autor/in

    Kretzschmar.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kretzschmar, "Strupp, Joachim" in: Allgemeine Deutsche Biographie 36 (1893), S. 670-671 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119842440.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA