Lebensdaten
1823 bis 1883
Geburtsort
Lenthe bei Hanno-ver
Sterbeort
Sherwood, Royal Tunbridge Wells (Kent, England)
Beruf/Funktion
Ingenieur ; Großindustrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117629499 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Siemens, Karl Wilhelm
  • Siemens, William (1859-1883)
  • Siemens, Sir William (seit 1883)
  • mehr

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Siemens, Wilhelm von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117629499.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Werner v. S. (s. 1), Friedrich (s. 3);
    London 1859 Anne (1821–1901), aus Glasgow, T d. Joseph Gordon (um 1786–1855), aus Carrol (Sutherland), „Writer to the Signet“, u. d. Anne Cunes (* 1786/87); kinderlos; Schwager Lewis D. B. Gordon (1815–75), studierte an d. Bergak. in Freiberg (Sachsen), Prof. f. Ziviling.wesen in Glasgow, Pionier d. Seekabelverlegung (s. Oxford DNB);
    N Wilhelm v. S. (s. 5), Carl Friedrich v. S. (s. 6); N 2. Grades Georg (s. 4).

  • Leben

    Nach Hauslehrerunterricht in Menzendorf (Meckl.) und dem Besuch der Großheimschen Realschule in Lübeck besuchte S. 1841 kurzzeitig die Gewerbeschule in Magdeburg und absolvierte dort ein Praktikum bei der Stollbergschen Maschinenbauanstalt. Dem schloß sich ein Studium der Naturwissenschaften an der Univ. Göttingen an. 1843 hielt sich S. in England auf, um ein von seinem Bruder Werner entwickeltes Verfahren zur galvanischen Vergoldung zu vermarkten, 1844 ließ er sich dauerhaft in England nieder und betätigte sich als Zivilingenieur. Zusammen mit seinem Bruder Friedrich konzentrierte er sich seit 1848 auf Entwicklungsarbeiten im Maschinenbau und in der Wärmetechnik. Zusätzlich übernahm er 1850 die Vertretung der von Werner 1847 in Berlin gegründeten „Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske“ (S & H) in London.

    S. organisierte die erfolgreiche Beteiligung von S & H an der Londoner Weltausstellung 1851, bei der das Unternehmen für seine gezeigten Innovationen mit der „Council Medal“ ausgezeichnet wurde. Ein gemeinsam mit Werner konstruierter Wassermesser entwickelte sich 1851 rasch zu einem gefragten und lukrativen Produkt. Gleichzeitig bereitete S. den Einstieg von S & H in das Geschäft mit Telegraphen-Seekabeln vor. Wilhelm und Werner wurden 1857 auf Vermittlung von Lewis Gordon von der Firma R. S. Newall & Co. im Rahmen der Verlegung eines Tiefseekabels zwischen Sardinien und Algerien mit der Lieferung von Telegraphenapparaten und der Prüfung der Kabel selbst beauftragt. 1858 erfolgte die Umwandlung der bisherigen Vertretung von S & H in ein eigenständiges Unternehmen „Siemens, Halske & Co.“ (seit 1865 „Siemens Brothers“) unter der Leitung von S. Die brit. Regierung bestellte 1859 beide Brüder zu wissenschaftlichen Beratern für künftige staatliche Kabellegungen. Damit war endgültig der Marktzugang gesichert, und S. eröffnete 1863 eine eigene Seekabelfabrik in Charlton bei Woolwich (Kent). Das prosperierende Unternehmen war maßgeblich am Bau der Indo-Europ. Telegraphenlinie (1868–70) beteiligt und verlegte mit dem firmeneigenen Kabelschiff „Faraday“ 1874–84 sechs Transatlantikkabel.

    Besondere wirtschaftliche und technische Bedeutung erlangte das 1864 von S. sowie Émile und Pierre-Émile Martin entwickelte „Siemens-Martin-Verfahren“ zur Stahlgewinnung, das auf dem von seinem Bruder Friedrich bei Industrieöfen angewandten Regenerativprinzip (1856) gründete. Als Voraussetzung für das Verfahren diente 1861 die Einführung gasbefeuerter Öfen zur Stahlproduktion durch Wilhelm und Friedrich. S. gründete in Birmingham (1866) und Landore (1867) große Stahlwerke und setzte seine metallurgischen Experimente fort. 1867 meldete er sein erstes Patent für die Stahlfabrikation an (Improvements in furnaces and in processes and apparatus in connection therewith, principally applicable to metallurgical operations), weitere Patente folgten in den nächsten Jahren.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Royal Soc. of Arts (1849, Goldmedaille 1850, Albert Medal 1874), d. Institution of Mechanical Engineers (1851), d. Institution of Civil Engineers (1854, Telford Prize 1853, Howard Quinquennial Prize 1883), d. British Ass. for the Advancement of Science (1856, Präs. 1882), d. Royal Institution (1859), d. Royal Soc. (1862), d. Iron and Steel Inst. (1869, Bessemer Goldmedaille 1875), d. Athenaeum Club (1871), d. Soc. of Telegraph Engineers and Electricians (1872, Gründer u. erster Präs.); Gr. Preis d. Weltausst. Paris (1867); Dr. h. c. (Oxford 1869, Glasgow 1879, Dublin 1882, Würzburg).

  • Werke

    Scientific Works, 3 Bde., hg. v. E. F. Bamber, 1889.

  • Literatur

    ADB 55;
    W. Pole, The Life of Sir W. S., 1888, dt. 1890 (P);
    A. Rotth, Die Brüder S. u. d. Wärme, in: Btrr. z. Gesch. d. Technik u. Industrie, Jb. d. VDI 10, 1920, S. 42–54;
    ders., Die Brüder S. u. d. Siemens-Martin-Verfahren, ebd. 11, 1921, S. 207–15;
    J. D. Scott, S. Brothers 1858–1958, 1958;
    W. Feldenkirchen, Die wirtschaftl. Bedeutung d. Siemens-Martin-Verfahrens, in: Technikgesch. 55, 1988, S. 301–22;
    S. v. Weiher, Die engl. S.-Werke u. d. S.-Überseegeschäft in d. 2. Hälfte d. 19. Jh., 1990;
    Siemens AG (Hg.), W. S., A Man of Vision, 1993 (P);
    Werner v. Siemens, Lebenserinnerungen, hg. v. W. Feldenkirchen, 2004 (P);
    DSB XII;
    Pogg. II, III, VI, VII a Suppl.;
    D. J. Jeremy (Hg.), Dict. of Business Biogr. V, 1986;
    Oxford DNB (P);
    Qu
    Archiv d. S.-Fam.stiftung, Goslar;
    Archiv d. Siemens AG, München (Siemens Corporate Archives) (P).

  • Portraits

    P Erinnerungsmedaille d. Imperial College, Univ. of London;
    Stahlstich nach e. Phot. v. Van der Weyde (s. Pole, 1890);
    Porträtphot., undat., The Mansell Collection;
    Gem. v. R. Remington, beide abgeb. in: W. S., A Man of Vision, 1993 (s. L);
    Wachsrelief, undat. (München, Archiv d. Siemens AG);
    Phot.|im Archiv d. S.-Fam.stiftung, Goslar, u. im Archiv d. Siemens AG, München.

  • Autor/in

    Frank Wittendorfer
  • Empfohlene Zitierweise

    Wittendorfer, Frank, "Siemens, Wilhelm von" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 372-374 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117629499.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Siemens: Karl Wilhelm S., Ingenieur, als jüngerer Bruder von Ernst Werner S. am 4. April 1823 in Lenthe in Hannover geboren, studirte von 1841—42 in Göttingen, trat 1842 in die gräflich Stolberg'sche Maschinenfabrik ein, ging 1842 zusammen mit seinem vorgenannten Bruder und im Interesse desselben nach London, um dort verschiedene Erfindungen (galvanische Versilberung, Differential-Regulator u. a.) zu verwerthen, und ließ sich dort als Civilingenieur nieder. 1858 übernahm er die Leitung der Filialen des Berliner Geschäfts seines Bruders und lieferte außer Telegraphenapparaten vorzugsweise Kabel und eiserne Tragsäulen, sowie Isolatoren für oberirdische Leitungen. Zugleich war er Mitarbeiter an mehreren wissenschaftlichen Arbeiten seiner Brüder Werner und Friedrich S.; mit letzterem arbeitete er über die vortheilhaftere Ausnutzung der Brennmaterialien. Er wandte die zuerst 1816 von Stirling vorgeschlagenen Regeneratoren bei Dampfmaschinen an, baute 1847 eine Regenerativdampfmaschine, in welcher der Dampf abwechselnd überhitzt und wieder gesättigt wurde und widmete sich seit 1856 hauptsächlich der so folgenreichen Einführung der Regeneratoröfen, deren er sich besonders bei der Eisen- und Stahlgewinnung bediente, während sein Bruder Friedrich sie in der Glasindustrie anwandte. 1867 gründete er ein Stahlwerk in Birmingham und 1869 die Landore-S. Steel-Works, in welchen der Stahl theils nach eigenem Verfahren unmittelbar aus Erzen, theils nach dem Siemens-Martin'schen Verfahren aus Guß- und Schmiedeeisen erzeugt wird. Ein neueres Verfahren bezweckt die unmittelbare Darstellung von Schmiedeeisen aus den Erzen. Von S., der 1871 verstarb, rühren noch folgende Erfindungen her: ein Regenerativcondensator zum Vorwärmen des Speisewassers (1850), der jetzt allgemein eingeführte Reactions-Wassermesser (1851), ein Widerstandsthermometer und Pyrometer (1860), ein Bathometer (1861), eine hydraulische Bremse zur Hemmung des Rücklaufs der Geschütze (1867), ein Dampfblaserohr (1872) und in neuester Zeit erfand er noch einen Tiefenmesser. — Seine Schriften sind fast ausschließlich in englischen|Journalen veröffentlicht. Ein bis zum Jahre 1863 reichendes Verzeichniß gibt Poggendorff's biographisch-litterarisches Handwörterbuch II, 926.

    • Literatur

      Vgl. noch Meyer's Conversationslexicon 3. Aufl. XIV, 670 und Rosenberger, Geschichte der Physik III, 687.

  • Autor/in

    Pagel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pagel, Julius Leopold, "Siemens, Wilhelm von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 213-214 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117629499.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA