Lebensdaten
1872 bis 1940
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Neu Tollow bei Wismar
Beruf/Funktion
Konstrukteur ; Unternehmer
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 117599026 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rumpler, Edmund

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Zitierweise

Rumpler, Edmund, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117599026.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf (Aron) Löb (1837–1924), aus Leipnik (Mähren), Kaufm. in Wien, S d. Benjamin (1805–88), Kaufm. in Leipnik, u. d. Anna Kraus (1804–88), aus Leipnik;
    M Regine (1846–1929), T A. Hermann Saar, Kaufm. in Prag, u. d. Julie N. N.;
    Berlin 1912 Julie (Lola) (1885–1944, jüd., seit 1912 ev.), aus Wien, T d. Philipp Stiedry (1845–1907), Einzelprokurist, u. d. Amalie Löwy (1863–1941);
    1 S Hans C. (* 1921), Buchbinder, 3 T Eva E. (* 1913), Sängerin. Ilse M. (* 1915. Ray Newton, * 1921), Photographin, Annamarie (* 1918), Physikotherapeutin, alle emigrierton 1935 nach New York; Schwager Fritz Stiedry (1883–1968, Erika Wagner, 1892–1974, Schausp.), Dirigent, 1924/25 Dir. d. Volksoper Wien, 1925-33 d. städt. Oper Berlin, emigrierte in d. USA, seit 1960 in d. Schweiz (s. Munzinger; BHdE II);
    E Katherine (* 1956), Ballettänzerin.

  • Leben

    R. besuchte das Realgymnasium in Wien und studierte 1890-95 an der TH Wien Maschinenbau und Elektrotechnik. Nach Praktika in Fabriken für Waggon- und Dampfmaschinenbau, erhielt er 1896 eine Stelle als Konstrukteur bei der „Wagenbau-Fabriks-Gesellschaft“ in Nesselsdorf (Mähren). 1898 trat R. als Technischer Leiter bei der „Allg. Motorwagengesellschaft“ (AMG) in Berlin ein. Nach weiteren Tätigkeiten, u. a. bei der „Daimler-Motoren-Gesellschaft“ in Berlin-Marienfelde und bei den „Adler Fahrradwerken“ in Frankfurt/M. (als Chef-Konstrukteur), gründete R. 1906 ein Konstruktionsbüro, dem er im selben Jahr eine Gesellschaft zum Bau von Luftfahrzeugen angliederte, 1907 die „Autogena Schweißindustrielle GmbH“. Zudem war er seit 1900 Redakteur der Fachzeitschrift „Der Motorwagen“ und wurde 1901 Herausgeber des „Automobiltechnischen Kalenders“.

    Im Nov. 1908 wurde die Firma „Edmund Rumpler Luftfahrzeugbau“ als erstes dt. Flugzeugunternehmen in das Berliner Handelsregister eingetragen. Die ersten Flugzeuge wurden als Auftragsarbeiten nach den Vorgaben der Erfinder gebaut (u. a. ein „Enten“-Flugzeug f. Henrich u. Wilhelm Focke). Ebenfalls 1908 begann die Produktion von R.s 8-Zylinder-Flugmotor „Aeolus“. 1910 erwarb er die Lizenz für Bau und Vertrieb des Flugzeugs „Taube“ von Igo Etrich (1879–1967). R.s Chefpilot Hellmuth Hirth (1886–1938) machte die „Rumpler-Taube“ durch Erfolge bei Flugwettbewerben überaus populär. Nach Streitigkeiten mit Etrich entfielen im Febr. 1913 die Lizenzvereinbarungen und die „Taube“ wurde daraufhin von vielen Firmen gefertigt. 1911 begann R. mit dem Bau von Wasserflugzeugen.

    Seit 1913 dt. Staatsbürger, produzierte R., der 1916 die bayer. „Rumpler AG“ in Augsburg gründete, während des 1. Weltkriegs zahlreiche Militärflugzeuge, hauptsächlich bewaffnete Aufklärer; die Belegschaft umfaßte 1918 ca. 2300 Personen. Sein Unternehmen „Rumpler Luftverkehr“ verwendete umgebaute Militärflugzeuge für den zivilen Flugverkehr. Mit einer Entwurfsarbeit zu einem 1000 PS-Flugmotor wurde R. 1921 bei Friedrich Romberg an der TH Berlin-Charlottenburg zum Dr.-Ing. promoviert. Die Versuche der 1921 gegründeten „Rumpler-Ocean-Fluggesellschaft“, einen Transozean-Luftverkehr mit Großflugbooten einzurichten, ließen sich letztlich nicht realisieren.

    In seiner „Auto- und Apparate Versuchsbau GmbH“ entwickelte R. zu Beginn der 20er Jahre das „Tropfenauto“, das zwar kein Verkaufserfolg wurde, mit seiner konsequent aerodynamischen Ausbildung, der neuartigen Mittelmotor-Konfiguration und schwingender Einzelradaufhängung jedoch weit in die Zukunft wies (DRP 391 420, 1921). Mit der Schwingachse verbesserte er die unzulängliche Straßenlage der damaligen Automobile wesentlich, seine konstruktiven Bemühungen auf dem Gebiet des Vorderradantriebs beförderten dessen Entwicklung. Weitere Firmengründungen schlossen sich an, so 1921 die „Kälteanlagen GmbH“ in Berlin für die Produktion seines patentierten Kleinkälteerzeugers. 1926 veräußerte R. seine Produktionsanlagen in Reinickendorf und Schönholz. Seit 1933 vom NS-Regime diskriminiert, betrieb er bis zu seinem Tod ein kleines Konstruktionsbüro in Berlin-Charlottenburg.

    R. verfolgte aufmerksam die technischen Entwicklungen, um sie konstruktiv und unternehmerisch umzusetzen, was auch die sehr hohe Anzahl seiner Patente belegt. Seine Erfindungen beeinflußten die Flugzeugentwicklung bis in die Zeit des 1. Weltkriegs und die Automobiltechnik während der 1920er Jahre. R. zählte zu den ersten, denen der Sprung von der handwerklichen Einzelfertigung der Flugapparate zur rationellen Serienproduktion verschiedener Flugzeugmuster gelang.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Flugtechn. Ausschusses d. 1906 gegr. Berliner Ver. f. Luftschiffahrt, d. techn. Ausschusses d. Ksl. Aeroclubs, d. Ksl. Automobilclubs, d. Vorstands u. d. Ausschusses d. Dt. Mus. u. d. Vorstands d. Wiss. Ges. f. Luftfahrt (Berliner Ver. f. Luftschiffahrt).

  • Werke

    Die Flugmaschine, krit. Besprechung ausgeführter Flugmaschinen mit bes. Berücks. d. geschichtl. Entwicklung, 1909;
    Luftschiffahrt u. Verbrennungskraftmaschinen, Motoren f. Luftfahrzeuge, in: VDI-Zs. 52, 1909, S. 441-48, 53, 1909, S. 487-92, 532-84;
    Das Parsevalsche Motorluftschiff Modell 1908, ebd. 53, 1909, S. 896-901;
    Der 1000 PS Flugmotor, 1921 (Diss.);
    Das Trans-Ozeanflugzeug, in: Beih. z. Zs. f. Flugtechnik u. Motorluftschiffahrt 14, 1926, S. 37-63;
    Das Rumpler-Transocean-Flugboot, 1928. – Weitere Patente: Achsanordnung f. Motorwagen u. dgl. mit zweiteiliger Antriebsachse, DRP 153 982 (1903);
    Lenkräderantrieb I. Motorfahrzeuge, DRP 194 784 (1907);
    Mehrdeckerflugzeug etc., DRP 300 049 (1911);
    Drei- oder vierrädriges Automobil, DRP 346 341 (1919);
    Antriebsvorrichtung f. d. Hinterachse v. Motorwagen, DRP 316 777 (1915);
    Steuerung 1. Verbrennungskraftmaschinen mit sternförmig angeordneten Zylindern, insbes. f. Fluzeuge, DRP 365 478 (1920);
    Höhensteuerung f. Flugzeuge, DRP 550 918 (1928);
    Kurbelwelle f. Kraftmaschinen, DRP 678 539 (1934).

  • Literatur

    J. A. de Vries, Taube, Dove of War, 1978 (P);
    G. Borgeson, E. R., Icarus Bound, in: Automobile quarterly, 1984, S. 264-81 (P);
    M. Wolff-Metternich, E. R., Konstrukteur u. Erfinder, 1985;
    J. A. Kranzhoff, E. R., Wegbereiter d. ind. Flugzeugfertigung, 2004;
    Rhdb. (P);
    Wi. 1935. – Firmenschrr.: Rumpler Luftfahrzeugbau GmbH, 1912;
    Rumpler, Zehn J. dt. Flugtechnik, 1919;
    Rumpler Werke AG 1908–18, 1919.

  • Autor/in

    Hans Holzer
  • Empfohlene Zitierweise

    Holzer, Hans, "Rumpler, Edmund" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 256-257 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117599026.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA