Lebensdaten
1843 bis 1917
Geburtsort
Bremerhaven
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Brückenbauer ; Bauingenieur ; Professor für Statik der Baukonstruktionen
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11756009X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mehrtens, Georg Christoph

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Zitierweise

Mehrtens, Georg Christoph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11756009X.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carstxen ( 1861), Schmiedemeister u. Gastwirt, S d. Bauern Christopher u. d. Margaretha von Glahn;
    M Metta Dorothea (* 1811), T d. Adam Christopher Labusör (* 1779), Maurermeister in Lehe, u. d. Metta Dorothea Brüns (1784–1827);
    ⚭ Eva Barbara Wittig ( 1904).

  • Leben

    M. studierte 1861-66 an der TH Hannover, nachdem er vorher zwei fahre in der Maschinenfabrik von Balcke in Altena praktiziert hatte. Nach bestandener Staatsprüfung als Bauführer für Eisenbahn- und Maschinenbau trat er bei der Eisenbahndirektion Hannover ein. 1869 legte er das Regierungsbaumeisterexamen ab. Seit 1872 war M. bei Privatbahnen tätig: als Sektionsbaumeister beim Bau der Lüneburg-Wittenberger Bahn, als Abteilungsbaumeister beim Bau der Berlin-Dresdener Bahn und zuletzt als Oberingenieur beim Bau der Bahnlinie Frankfurt a.d. Oder-Cottbus. 1878 trat er zum zweitenmal in den preuß. Staatsdienst ein. Neben seiner Tätigkeit als Regierungsbaumeister im technischen Büro des Ministeriums der Öffentlichen Arbeiten fand er noch Zeit –, im Nebenamt als Assistent, später als Privatdozent –, für die Ausführung von Brücken und beweglichen Brücken an der TH Berlin zu wirken. 1883-88 war er Eisenbahnbau- und Betriebsinspektor in Frankfurt a.d. Oder, anschließend als Regierungs- und Baurat Leiter des Büros der Eisenbahndirektion Bromberg. 1894 wurde M. als Professor für Ingenieurwissenschaften an die TH Aachen, 1895 als Professor für Statik der Baukonstruktionen und Brückenbau an die TH Dresden berufen. Nach der Emeritierung Otto Mohrs übernahm er auch dessen Vorlesungen über Festigkeitslehre. 1901-02 war er Rektor, 1913 schied er aus dem Lehramt.

    M.s Verdienste liegen auf drei Gebieten: in der Einführung des Flußstahles im Stahlbrückenbau, in seinem maßgebenden Einfluß bei Bau der Nogat- und Weichselbrücken von Marienburg, Dirschau und Fordon sowie in seiner umfangreichen schriftstellerischen Tätigkeit. Unter seiner Leitung wurde 1889-93 ein großes Versuchsprogramm|mit Flußstahl, welcher nach dem Thomasverfahren erschmolzen war, durchgeführt, ehe dieser innerhalb des Deutschen Reiches erstmalig für Brückenbauten eingesetzt werden durfte. Als Folge dieser gründlichen Untersuchungen wurde in Deutschland erschmolzener Stahl z. B. auch beim Bau kanad. Großbrücken verwendet. Durch den Flußstahl wurde das bis dahin fast ausschließlich verwendete Schweißeisen verdrängt. M. beschäftigte sich jedoch nicht nur mit Werkstoffprüfung und -forschung, sondern auch mit der praktischen Verwendung des Thomasstahles im Eisenbahnbrückenbau. Erstmals wurden Teile der Neuen Weichselbrücke bei Dirschau und der Neuen Nogatbrücke bei Marienburg aus Flußstahl erstellt. Als ersten Versuch hierfür darf man den Bau der Wallgrabenbrücke auf der Eisenbahnstrecke Dirschau-Marienburg aus Flußstahl ansehen. M. entwarf auch die große kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke über die Weichsel bei Fordon, die 1891-93 erbaut wurde.

    Aus M.s schriftstellerischer Tätigkeit sind besonders hervorzuheben sein vielbeachteter Vortrag auf dem Internationalen Ingenieurkongreß der Weltausstellung in Chicago 1893, das aus Anlaß der Weltausstellung in Paris 1900 in drei Sprachen herausgegebene Buch „Der deutsche Brückenbau im XIX. Jh.“ und sein Werk „Vorlesungen über Ingenieurwissenschaften“, von dem insgesamt vier Bände erschienen.

  • Werke

    Der dt. Brückenbau im 19. |h., 1900, Faks.-Ausg., 1984;
    Vorlesungen üb. Ingenieurwiss., I. T.: Vorlesungen üb. Statik d. Baukonstruktionen, 3 Bde., 1903 06, II. T.: Eisenbrückenbau, 1. Bd., 1908;
    Eisen u. Eisenkonstruktionen, in: Hdb. d. Baukde., Abt. I: Hülfswiss., Bd. II, H. 1;
    Flußeisen im Brückenbau, in: Centralbl. d. Bauverwaltung IX, 1889, S. 229 f., 339;
    Weitgespannte Strom- u. Thalbrücken d. Neuzeit, ebd. X, 1890, S. 357-60, 366-70, 376-78, 383 f., 391 f.;
    Die Gesch. d. Eisenbahn-Geleises, ebd. XI, 1891, S. 457-60, 479-81, 500-02, 505-07, 521 f.;
    Üb. d. b. Bau d. neuen Eisenbahnbrücken in Dirschau u. Marienburg mit d. Verwendung v. Flußeisen gemachten Versuche u. Erfahrungen, in: Stahl u. Eisen 11, 1891, S. 707-27;
    Einiges üb. d. Prüfung d. Flußeisen-Materials d. Fordoner Weichselbrücke, ebd. 12, 1892, S. 593-99;
    Hängebrücken d. Neuzeit, ebd. 17, 1897, S. 495-505, 868-73, 1049-57;
    The Use of Mild Steel for Engineering Structures, in: Transactions ASCI, Vol. 30, Oct.-Dec. 1893, dt. in: Stahl u. Eisen 13, 1893, S. 581-89, 631-39;
    Träger mit sich selbsttätig ein- u. ausschaltenden Gelenken, in: Der Eisenbau 1, 1910, S. 150-56;
    Bau d. neuen Kentuckyflußbrücke in Kentucky, ebd. 2, 1911, S. 301-04, 367-73;
    Der Wettbewerb um d. Bau e. Rheinstraßenbrücke in Köln (mit F. Bleich), ebd. 2, S. 399-427, 455-69, 500-15, 3, 1912, S. 22-38, 65-76, 113-22, 188-93;
    Üb. d. Bau d. neuen Quebecbrücke, ebd. 3, 1912, S. 55-64;
    Der zweite engere Wettbewerb um d. Bau e. Rheinstraßenbrücke in Köln (mit F. Bleich), ebd. 4, 1913, S. 213-29, 254-66, 291-302, 317-29, 361-67, 428-39;
    Ästhet. Fragen d. Ingenieurkunst, bes. d. Eisenbaus, ebd., S. 452-58, 5, 1914, S. 251-59;
    Üb. d. Erfindung u. Entwicklung d. Seilschwebebahnen, ebd., S. 377-88, 6, 1915, S. 48-52, 59-64, 93-101, 121-28;
    Zur Gesch. d. eisernem Brücken, ebd. 8, 1917, S. 9-14.

  • Literatur

    Stahl u. Eisen 33, 1913, S. 909 (P);
    Dt. Bauztg. 1913, S. 406 (P);
    Der Eisenbau 4, 1913, Nr. 5;
    VDI-Zs. 1917, S. 113 f.;
    Pogg. VII a.

  • Autor/in

    Friedrich Nather
  • Empfohlene Zitierweise

    Nather, Friedrich, "Mehrtens, Georg Christoph" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 628-629 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11756009X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA