Lebensdaten
1820 bis 1886
Geburtsort
Darmstadt
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Verleger ; Buchhändler ; Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117480371 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Spamer, Johann Gottlieb Christian Franz Otto
  • Franz Otto (Pseudonym)
  • Spamer, Otto
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Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Spamer, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117480371.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., Forstbediensteter in D.;
    M N. N.;
    Adelheid Rosamunde Schmidt;
    S Hugo (1846–1901), seit 1879 Verlagsbuchhändler in Berlin, bes. f. Schulbücher, Vors. d. Kuratoriums d. kaufmänn. Fortbildungsschulen (s. BJ VII, S. 406; BJ VI, Tl.), mind. 1 T Elisabeth Magdalena Wilhemine Rosamunde (* 1848, ⚭ Max Lange, 1832–99, Schachmeister, Verl., seit 1864 Mitinh. v. S.s Verlagsbuchhandlung in L., s. NDB 13).

  • Leben

    Gegen den Willen der Eltern, die für ihn die Laufbahn eines Forstbeamten vorgesehen hatten, absolvierte S. eine Buchhändlerlehre in Darmstadt und wurde nach der Ausbildung Buchhandlungsgehilfe mit den Stationen Aschaffenburg, Frankfurt/M., Landau und Leipzig. Dort übergab ihm sein Brotherr, der Leipziger Verleger Johann Jacob Weber (1803–80), die beiden in seinem Verlag erscheinenden Publikationen „Agronomische Zeitung“ und „Gewerbezeitung“ 1847 auf Darlehensbasis. Mit diesem Anfangskapital gründete S. am 31.3.1847 die „Verlagsbuchhandlung Otto Spamer“, verkaufte aber die beiden Wochenzeitungen wegen fehlender Rentabilität schon 1849 und veröffentlichte in der Folge Bücher der unterschiedlichsten Art. 1851 begann S., Kinder- und Jugendbücher unter dem Titel „Das Illustrirte goldene Kinderbuch“, seit 1854 unter dem Reihentitel „Illustrierte Jugend- und Hausbibliothek“, herauszugeben. Viele dieser Bücher waren unterhaltsame Sachbücher, die zugleich über Illustrationen den Zugang zu den Bildungsabsichten verstärkten. Diesem Bemühen um die Förderung der Bildung der Jugend blieb S. bis zum Lebensende treu; ein Verlagskatalog von 1873 präsentierte das Sortiment in vier Hauptabschnitten, von denen die „Jugend- und Volksbildungsschriften“ wieder in fünf Unterabteilungen aufgegliedert waren und mit 159 Publikationen den größten Programmbereich bildeten. Es folgten mit 20 Titeln die allgemeinen Bildungspublikationen, danach 106 Fachschriften und schließlich 12 Prachtwerke, wie z. B. „Kaiser Wilhelm, der Wiederhersteller des Deutschen Reiches“ (1878 ff.) und „Der Jugend Lieblings-Märchenschatz“ (1873 ff.). Dem Ziel der Wissensförderung für die rasch wachsende Schicht des Bildungsbürgertums diente auch die Herausgabe eines eigenen, mit 10 000 Abbildungen ausgestatteten „Illustrirten Konversations-Lexikons“ (1870–82). Hinzu traten verschiedene kaufmännische Schriften wie das berühmte „Rothschilds Taschenbuch für Kaufleute“, aber auch patriotische Werke wie die Schilderungen des Feldzugs von 1870/71 und nicht zuletzt Publikationen zu sozialpolitischen Themen.

    Zwischen 1860 und 1880 besaß der Verlag eine führende Position in der dt. Jugendliteratur, die auch durch eine Reihe von Auszeichnungen gewürdigt wurde. Mit diesen Erfolgen gelang es S., 1858 seiner Verlagsbuchhandlung ein Kunstatelier („Artistische Anstalt“), 1868 eine Buchbinderei und 1877 eine Buchdruckerei anzugliedern.

    Darüber hinaus trat S. auch selbst als Schriftsteller hervor: Unter dem Pseudonym Franz Otto veröffentlichte er in seinem Unternehmen eine Anzahl eigener Schriften, z. T. als Verfasser, z. T. als Mitverfasser oder Herausgeber. Der Verlagskatalog von 1883 nennt 34 Titel, doch zeigt die Zusammenführung aller Quellen eine weitaus größere Produktivität S.s auf den verschiedensten Gebieten. Er verstand es, mit seinem populärwissenschaftlichen Darstellungsstil den Zeitgeschmack des Publikums zu treffen; viele seiner Bücher erlebten mehrere Auflagen.

  • Auszeichnungen

    Gr. goldene Medaille Ks. Franz Josefs I.; bayer. Ludwigsmedaille; sachsen-meining. silberne Ehrenmedaille; sächs. Albrechtsorden 1. Kl.; Ehrenmitgl. d. Freien Dt. Hochstifts, Frankfurt/M.; Erster Preis auf d. Jugendschrr.-Ausst. in Dresden (1879).W Der Jugend Lieblings-Märchenschatz, hg. v. F. Otto, 21873, 101913; S. Traut, Lieschen's kl. Welt, Unterhaltende Bücher f. kl. Mädchen, 1876–80; H. Elm, Zehn Schock Knacknüsse, Ill. Rätselbuch f. d. Jugend, 1877; Ferdinand Schmidt u. F. Otto, Ks. Wilhelm, der Wiederhersteller d. Dt. Reiches u. seine Zeit, 1878 ff.; T. Focking, Unsere Kleinen! Lehre u. Bsp. in Bildern u. Fabeln aus d. Kinderleben u. d. Natur, 1881; – als Autor, Hg., Bearbeiter u. Mithg. publizierte S. mehr als 50 Titel, darunter viele unter Ps.; umfangreichstes W-Verz. in: Klotz (s. L), S. 396–401.

  • Literatur

    ADB 35;
    Börsenbl. f. d. Dt. Buchhandel 1847 u. 1886;
    C. Michael, Ein dt. Buchhändler, 1880;
    Gesammt-Verlags-Kat. d. dt. Buchhandels, VII/2, 1882, S. 798–862;
    Rudolf Schmidt, Dt. Buchhändler, dt. Buchdrucker, V, 1908, S. 906–10;
    H. Wegehaupt, Alte dt. Kinderbücher, Bibliogr. 1851–1900, 1985;
    Gesamtverz. d. Dt. Schrifttums 1700 bis 1910 (GV), Bd. 105 u. 136, 1984/85;
    K. F. Pfau, Biogr. Lex. d. Dt. Buchhandels d. Gegenwart, 1890;
    A. Klotz, Kinder- u. Jugendlit. in Dtld. 1840–1950, IV, 1996, S. 396–405 (W-Verz.);
    R. Hirschberg, in: Doderer;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    R. Würfell, Lex. dt. Verlage v. A – Z, 2000, S. 819–21;
    Stadtlex. Leipzig.

  • Portraits

    Holzschnitt, Abb. in: LIZ Nr. 1500 v. 30. 3. 1872.

  • Autor/in

    Roland Stark
  • Empfohlene Zitierweise

    Stark, Roland, "Spamer, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 620-621 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117480371.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Spamer: Franz Otto S., Leipziger Buchhändler, geboren am 29. Aug. 1820, am 27. November 1886. Er wurde als der Sohn eines hessischen Forstbeamten in Darmstadt geboren, wo er auch seine Jugendjahre verlebte und bei dem Buchhändler Eduard Heil seine Lehrlingszeit durchmachte. Mit 18 Jahren kam er nach Aschaffenburg und später nach Leipzig, wo er mehrere Jahre in dem Hause J. J. Weber's beschäftigt war. Dort lernte er kennen, was es damals in Deutschland an illustrirter Litteratur gab, und bekam einen lebhaften Eindruck von dem Werth und der Bedeutung der Buchausstattung durch Illustrationen. 1847 etablirte er sich; vom 31. März 1847 ist das Schreiben datirt, das die Begründung der Firma Otto Spamer in Leipzig bekannt machte. Aber ehe das Geschäft noch recht in Gang kommen konnte, führte ihn das Revolutionsjahr 1848 nach Wien; von da wurde er weiter nach Osten, nach Ungarn, Siebenbürgen, sogar bis in die Türkei verschlagen. Durch Handelsbeziehungen, die er dort anknüpfte, half er sich nach seiner Rückkehr nach Leipzig empor — er hat zuerst das Insectenpulver nach Leipzig gebracht und in den beiden nächsten Jahren manchen andern, ähnlichen Kleinkram vertrieben. 1851 beginnt sich sein Buchverlag nach einigen vergeblichen Anläufen lebendiger zu regen und schlägt nun die Richtung ein, auf der er später seine großen Erfolge erreicht hat: zu Weihnachten dieses Jahres erschienen die ersten Bände der „Illustrirten Jugend- und Hausbibliothek“. Im Laufe von drei Jahrzehnten entstand dann aus diesen Anfängen die große Zahl von Kinder-, Jugend-, Familien- und Volksschriften, die den Namen Spamer's durch ganz Deutschland getragen haben; die bekanntesten sind: der Kosmos für die Jugend, das Buch der Erfindungen, die Welt in Waffen, das illustrirte Konversationslexicon, die Bibliothek des Wissenswürdigsten aus der Gewerbskunde und technischen Chemie, die kaufmännische Bibliothek, Rothschild's Taschenbuch für Kaufleute u. s. w. Unter dem Pseudonym Franz|Otto hat Spamer auch selbst für seinen Verlag Bücher gemacht, indem er die Arbeiten andrer für seine populären Zwecke benutzte, aber auch aus eignen Sachen immer wieder neues entwickelte; so ist aus dem „Glockenspiel der Potsdamer Garnisonskirche" die vielgelesene Jugenderzählung „Der große König und sein Rekrut“ und aus den Holzschnitten zur „Welt in Waffen“ wenigstens der Gedanke und der Anfang zu der Kriegszeitung „Die Wacht am Rhein“ hervorgegangen. Schon die Titel seiner bekannten übrigen Bücher: Deutsche Geschichten für die Kinderstube, das Buch berühmter Kaufleute, Vaterländisches Ehrenbuch, Alruna (der Jugend Lieblings-Märchenschatz), Auf hohen Thronen, Männer eigener Kraft, Deutsche Dichter, Denker und Wissensfürsten, lassen die Richtung seiner Thätigkeit erkennen und sind zugleich bezeichnend für seinen Geschmack. Zwei Jahrzehnte lang, etwa von 1860 bis 1880, hat der Spamersche Verlag die erste Stelle in der deutschen Jugendlitteratur eingenommen, verdientermaßen darf man sagen im Hinblick auf die Ehrlichkeit der Bestrebungen Spamer's als Volksbildner und auf die mehr als mittelmäßige Güte vieler seiner Bücher, wenn auch in dem bekannten Ausspruch Diesterweg's, mit dem Spamer seinen Verlag zu empfehlen pflegte: „Hätte ich die Anlegung von Bibliotheken für Menschen von 16 bis 18 Jahren zu bestimmen, so schriebe ich an Herrn Spamer: schicken Sie mir alle Ihre Bücher!“ eine starke Ueberschätzung liegt.

    • Literatur

      Vgl. C. Michael, Ein deutsches Buchhändlerheim. Leipzig 1880.

  • Autor/in

    G. Wustmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wustmann, Gustav, "Spamer, Otto" in: Allgemeine Deutsche Biographie 35 (1893), S. 31-32 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117480371.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA