Lebensdaten
1888 bis 1945
Geburtsort
Dorpat
Sterbeort
Ahrenshoop
Beruf/Funktion
Theologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 117440833 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Seeberg, Erich

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Zitierweise

Seeberg, Erich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117440833.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Reinhold (s. 1);
    M Amanda Schneider;
    Ov Alfred (s. 2);
    Berlin 1913 Margot, T d. Konstantin Crotogino, Konsul, u. d. Olga Knöhr;
    5 K u. a. Bengt (1914–44 ⚔), Militärpfarrer auf d. Tirpitz (s. Lex. dt.balt. Theol. seit 1920, bearb. v. W. Neander, 1967), Hilde Erika Schimpf (* 1919), Wolfgang Ando (* 1921), Dr. med., Alla Barbara Gross (* 1932).

  • Leben

    S. legte 1907 das Abitur am Bismarck-Gymnasium in Berlin-Wilmersdorf ab und studierte anschließend bis 1912 Theologie in Tübingen und Berlin. Neben seinem Vater waren v. a. Karl Holl (1866–1926) und Adolf v. Harnack (1851–1930) in Berlin seine wichtigsten Lehrer. Bei ihnen wurde er 1912 mit der Arbeit „Die Synode von Antiochien im Jahr 324/25, Ein Beitrag zur Geschichte des Konzils von Nicäa“ (1913, Nachdr. 1973) promoviert; im folgenden Jahr habilitierte er sich in Greifswald (Gottfried Arnold, Die Wiss. u. d. Mystik seiner Zeit, 1923, Nachdr. 1964). 1915–18 war S. Feldprediger, 1919 wurde er ao. Professor in Breslau, 1920 o. Professor für Kirchengeschichte in Königsberg. 1924 wechselte er nach Breslau, 1926 nach Halle; 1927 trat er die Nachfolge Holls in Berlin an (Dekan 1933–35). Als Vorsitzender der „Gesellschaft für Kirchengeschichte“ (1927–45) und der „Kommission zur Herausgabe der Werke Luthers“ (ca. 1936–45) sowie als Herausgeber des wichtigsten Fachorgans (Zs. f. KGesch., 1927–45) hatte S. beträchtlichen fachpolitischen Einfluß, der ihm aufgrund enger Kontakte zum Nationalsozialismus (Mitgl. d. NSDAP seit 1933) erlaubte, einige seiner Schüler (P. Meinhold, E. Benz, E. Peschke) auf kirchengeschichtlichen Lehrstühlen unterzubringen. Sein der antihistoristischen Revolution der Nachkriegszeit verpflichtetes historiographisches Werk kreist um die in gezielter Anpassung an weltanschauliche Tendenzen des Nationalsozialismus interpretierte „deutsche“ Mystik Meister Eckharts. Eng verbunden war S. mit dem systematischen Theologen Rudolf Hermann (1887–1962). Er bemühte sich, die von seinem Vater und Holl inaugurierte Lutherrenaissance zur „Lutherrevolution“ weiterzuführen und mit einer „dt. Frömmigkeit“ zu verbinden, die – darin theologischen Tendenzen der Dt. Christen vergleichbar – „judaisierende“ Traditionsbestände des Christentums eliminierte. Innerhalb des Fachs zunehmend wegen seiner fachpolitischen Einflußnahmen und seiner zeitweiligen Affinitäten zum Nationalsozialismus isoliert, distanzierte sich S. nach und nach innerlich von dem immer offenkundigeren antichristl. Charakter des NS-Staats.

  • Auszeichnungen

    D. theol. h. c. (Berlin 1920); Ehrenmitgl. d. ak. Luther-Ges., Dorpat; korr. Mitgl. d. Königsberger Gel. Ges.

  • Werke

    Christus, Urbild u. Wirklichkeit, 1937, Nachdr. 1969;
    Menschwerdung u. Gesch., Aufss., 1938;
    A. Wiebel (Hg.), Rudolf Hermann – E. S., Briefwechsel 1920–1945, 2003.

  • Literatur

    S. Bitter, Umdeutung d. Christentums, Der balt. Theol. E. S. im NS, in: Dt.balten, Weimarer Rep. u. Drittes Reich, 1. Bd., hg. v. M. Garleff, 2001, S. 267–96;
    Th. Kaufmann, „Anpassung“ als historiograph. Konzept u. als theol.pol. Programm, Der Kirchenhist. E. S. in d. Zeit d. Weimarer Rep. u. d. „Dritten Reiches“, in: ders. u. H. Oelke (Hg.), Ev. Kirchenhist. im „Dritten Reich“, 2002, S. 266–72 (W, L);
    ders., Die Harnacks u. d. S.s (s. L zu 1);
    Dt.balt. Biogr. Lex.;
    RGG2–4;
    BBKL IX (W, L);
    Lex. Greifswalder Hochschullehrer III.

  • Autor/in

    Thomas Kaufmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Kaufmann, Thomas, "Seeberg, Erich" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 136-137 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117440833.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA