Lebensdaten
1855 bis 1920
Geburtsort
Tübingen
Sterbeort
Heilbronn
Beruf/Funktion
Verleger
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117338354 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Siebeck, Paul

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Zitierweise

Siebeck, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117338354.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann (s. 1);
    M Mathilde Laupp;
    1) Göppingen 1879 Thekla Elisabethe (1857–1919), T d. Heinrich Landerer (1814–77), prakt. Arzt, Gründer d. Christophsbads in Göppingen, Med.rat (s. Schwäb. Lb. VI; Kreuter, Neurologen), u. d. Thekla Werner ( frühestens 1891), führte nach d. Tod ihres Mannes bis 1891 d. Christophsbad weiter, 2) 1920 Frieda Hartlieb ( 2] N. N. Reinhardt), Verlagsangest.;
    4 S Oskar (s. 3), Richard (s. 5), Robert (1885–1914 ⚔), Musiker, Musikwiss., Werner (1891–1934, ⚭ Luise v. Frank, 1893–1942, T d. Reinhard v. Frank, 1860–1934, württ. Personaladel 1912, o. Prof. f. Strafrecht in Gießen, Halle, T. u. München, s. NDB V), begann 1914 e. kaufmänn. orientierte Ausbildung b. J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), führte seit 1920 mit Oskar (s. 3) d. väterl. Verlag in T. weiter (s. W); E Hans Georg (s. 4).

  • Leben

    S. begann 1871 eine zweijährige Lehre in der väterlichen H. Laupp'schen Buchhandlung, an die sich vier „Wanderjahre“ in Bonn und Leipzig bei den Verlagen Emil Strauß und F. A. Brockhaus anschlossen. Nach dem Tod des Vaters 1877 arbeitete S. als Teilhaber mit seinem Schwager J. Gustav Kötzle zusammen. Beide erwarben 1878 den Heidelberger J. C. B. Mohr-Verlag und holten ihn nach Tübingen. Der Verlag war 1801 in Frankfurt/M. gegründet worden, bereits 1805 nach Heidelberg übergesiedelt und hatte unter Jakob Christian Benjamin Mohr (1778–1854) Bedeutung mit Veröffentlichungen der Heidelberger Romantiker und als Universitätsverlag erlangt. 1880 trennte sich S. von Kötzle, zog nach Freiburg um und baute seinen geisteswiss. Verlag J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) auf. 1886 war S. Mitbegründer des Dt. Verlegervereins. Nach Erkrankung Kötzles übernahm S. 1897 auch die H. Laupp'sche Buchhandlung und verkaufte das Sortiment. 1899 löste er den Freiburger Verlagssitz auf und führte beide Verlage wieder von Tübingen aus.|In den politisch und wirtschaftlich relativ stabilen Verhältnissen des Kaiserreichs und vor dem Hintergrund sich stetig verbessernder Kommunikations- und Verkehrsverhältnisse expandierte S. kräftig und brachte aufwendige Großprojekte und Zeitschriften auf den Weg, etwa 1891 die bis heute existierende „Zeitschrift für Theologie und Kirche“. Er vollzog den Wandel vom klassischen Universitätsverlag mit vielfältigem, an den Fakultäten vor Ort ausgerichteten Programm zum stärker inhaltlich spezialisierten wiss. Fachverlag. Dabei repräsentierte er einen neuen Verlegertypus, der besonderen Wert auf persönliche Beziehungen zu seinen Autoren legte und sich als Organisator und ideeller Unterstützer der von den Autoren vertretenen wiss. Richtungen verstand. In diesem Sinne gehörte S. zu den Ende des 19. Jh. in Erscheinung tretenden „Individual“- bzw. „Kulturverlegern“. Zunehmend profilierte sich der Verlag dabei als Publikationsort der südwestdt. Neukantianer um Wilhelm Windelband und Heinrich Rickert und als Sammelpunkt sozialwiss. interessierter Nationalökonomen wie Max Weber, Werner Sombart und Edgar Jaffé. Auch Ernst Troeltsch und Albert Schweizer oder Staatsrechtler wie Paul Laband gehörten zu den Verlagsautoren. Für die liberale Theologie und den Kulturprotestantismus, eine der maßgeblichsten Strömungen der prot. Theologie des Kaiserreichs, wurde der Tübinger Verlag zum wichtigsten Forum. Mit dem enzyklopädischen Lexikon „Religion in Geschichte und Gegenwart“ (RGG, 1909–13) brachte S. ein Standardwerk auf den Weg, von dem jede der folgenden Verlegergenerationen eine neue Auflage organisierte, die den jeweiligen Stand der prot. Theologie widerspiegelte. Bis zur Jahrhundertwende dehnte S. seinen Wirkungskreis stetig auf den gesamten dt.sprachigen und dann internationalen Markt aus.

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Freiburg, Br. 1899); D. theol. h. c. (Gießen 1909); – Mitgl. d. Ausschusses f. d. Grundordnung im Börsenver. d. Dt. Buchhändler (1887, Schriftführer im Vorstand 1889–93; 1. Vors. d. Verlegerver. 1892/93).

  • Werke

    Die Organisation d. dt. Buchhandels u. seine Bücherpreise in d. wiss. Lit., 21904;
    zu Werner:
    Der Heidelberger Verlag v. Jacob Christian Benjamin Mohr, 1926.

  • Literatur

    s. 1); DDr. P. S. z. Gedächtnis: 28. Nov. 1920, 1920 (P);
    Oskar u. Werner Siebeck (Hg.), Zum Gedächtnis an DDr. P. S., 1925 (enthält Selbstdarst. v. S., 1920).

  • Portraits

    s. 1);
    Foto v. 6. 11. 1900, in: Album d. Dienstags-Ges. Tübingen, Bd. 3, 1862–1894, Nr. 168 (Univ.bibl. Tübingen).

  • Empfohlene Zitierweise

    Knappenberger-Jans, Silke, "Siebeck, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 315-316 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117338354.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA