Lebensdaten
1882 – 1961
Geburtsort
Neu-Ulm
Sterbeort
Bad Kissingen
Beruf/Funktion
Meteorologe ; Geophysiker ; Hochschullehrer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117239283 | OGND | VIAF: 267241957
Namensvarianten
  • Weickmann, Ludwig Friedrich
  • Weickmann, Ludwig
  • Weickmann, Ludwig Friedrich
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Zitierweise

Weickmann, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117239283.html [27.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Franz P. (1840–1912), Verw. am Amtsgericht in N.-U.;
    M Anna Maria Sauter (1845–1911);
    1 B, 1 Schw;
    Theresia (1883–1941), T d. Franz Mayer (1848–1926), Leiter d. Mayer’schen Hofkunstanstalt in München;
    3 S Friedrich (1913–83), Helmut (1915–92), Ludwig Anton (1919–2016), 1 T Gertrud (1912–2003);
    Gvv d. Ehefrau Joseph Gabriel Mayer (1808–83), gründete 1848 d. „Anstalt f. christl. Kunsterzeugnisse“ in München (s. NDB 16).

  • Biographie

    Nach dem Abitur am humanistischen Gymnasium in Ulm studierte W. seit 1901 an der Univ. München Mathematik und Physik. Ende 1905 wurde er Assistent und 1910 Kustos an der Meteorologischen Zentralstation in München. Das Lamont’sche Forschungsstipendium ermöglichte W. die Fortsetzung seiner Studien in München und 1908–09 in Göttingen. 1911 wurde er mit der math. Arbeit „Beiträge zur Theorie der Flächen mit einer Schar von Minimalgeraden“ bei Aurel Voss (1845–1931) in München promoviert. Während des 1. Weltkriegs in das mit Deutschland verbündete Osman. Reich beordert, baute er dort einen ersten Wetterdienst mit 37 Stationen auf. Im Nov. 1918 nahm er seine Tätigkeit an der nunmehrigen Bayer. Landeswetterwarte wieder auf, jetzt als Hauptobservator. In Auswertung des in der Türkei gesammelten Beobachtungsmaterials entstand 1922 seine Habilitationsschrift „Luftdruck und Winde im östlichen Mittelmeergebiet“.

    1923 wurde W. auf den Lehrstuhl für Geophysik und als Direktor des Geophysikalischen Instituts der Univ. Leipzig berufen (1932 / 33 Dekan, 1933–35 Prorektor). Hier forschte er zu atmosphärischen Luftdruckwellen mit dem daraus folgenden Konzept der Spiegelungs- und Symmetriepunkte. Viele der insgesamt ca. 90 von W. betreuten Doktorarbeiten widmeten sich dieser Thematik.

    Zu W.s bekannten Schülern zählen Bernhard Haurwitz (1905–86), Werner Schwerdtfeger (1909–85) und Heinz Lettau (1909–2005).

    Weiten Kreisen wurde W. durch die legendäre Arktisfahrt des Luftschiffs „Graf Zeppelin“ im Juli 1931 bekannt, an der er als meteorologischer Leiter teilnahm. Dank seiner wissenschaftsorganisatorischen Fähigkeit gelang W. trotz der schweren Wirtschaftskrise die Errichtung des Geophysikalischen Observatoriums auf dem Collm bei Oschatz, das mit seiner Erdbeben- und Magnetwarte zunächst v. a. der Physik der festen Erde diente. Am Observatorium wird bis heute seismologische Forschung sowie seit den 1950er Jahren auch Ionosphärenforschung betrieben. Dem NS-Regime stand W. als international agierender Wissenschaftler und aufgrund seiner humanistischen Bildung ablehnend gegenüber, wollte aber so weit wie möglich konstruktives Wirken erhalten. So sorgte er im 2. Weltkrieg als Chefmeteorologe der in Norwegen und Finnland operierenden Luftflotte V dafür, daß die norweg. Meteorologen ihre Arbeit fortsetzen konnten. 1942 nach Leipzig zurückgekehrt, widmete sich W. der Schulung des Meteorologen-Nachwuchses im Rahmen der Studienaktionen des Reichswetterdienstes. Nach der Zerstörung des Instituts im Dez. 1943 war er für ca. ein Jahr Berater in der Zentralen Wetterdienstgruppe in Potsdam-Wildpark. Ende Juni 1945 in die US-amerik. Besatzungszone verbracht, wurde W. 1946 kommissarischer Leiter, im März 1948 Präsident des Dt. Wetterdienstes in der US-Zone. Nach seinem Ruhestand 1953 wirkte er bis zu seinem Tod als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des 1952 von ihm mitgeschaffenen, alle Westzonen umfassenden Dt. Wetterdienstes und 1954–57 zudem als Lehrbeauftragter an der FU Berlin.

  • Auszeichnungen

    |u. a. Mitgl. d. Sächs. Ak. d. Wiss. z. Leipzig (1925, Präs. 1940–45), d. Leopoldina (1932, Obmann f. Geophysik u. Meteorol. 1943) u. d. Internat. Aerol. Komm. d. IMO in Genf (1931, Präs. 1935);
    Ehrenmitgl. d. Ges. f. Erdkde. z. Leipzig (1936);
    Ehrenvors. d. Dt. Meteorol. Ges. Bad Kissingen (1953);
    Gründungsmitgl. d. Ak. d. Wiss. u. d. Lit. z. Mainz (1949);
    BVK (1952);
    Dr. h. c. rer. nat. (FU Berlin 1954);
    Wetterdienstplakette (1957);
    korr. Mitgl. d.|Bayer. Ak. d. Wiss. (1959);
    W.weg, Leipzig (2008);
    Prof.-L.-W.-Stiftung an d. Univ. Leipzig (2013).

  • Werke

    Weitere W Wellen im Luftmeer, Neuere Unterss. über Gesetzmäßigkeiten im Gang u. in d. Verteilung d. Luftdruckes, 1. Mitt. Symmetrie d. Luftdruckganges, Der Luftdruck als zus.gesetzte Schwingung, 1924;
    Aufbau d. Atmosphäre, Mechanik u. Thermodynamik d. Atmosphäre, Klimaänderungen, Die Eiszeiten, in: B. Gutenberg (Hg.), Lehrb. d. Geophysik, Abschnitte 13, 16 u. 17, 1926–29 (z. T. mit B. Haurwitz);
    Die Arktisfahrt d. Luftschiffes „Graf Zeppelin“ im Juli 1931, 1933 (mit A. Berson u. R. L. Samoilowitsch);
    Die in d. J. 1931–1935 in Leipzig im Observatorium am Collmberg aufgezeichneten Erdbeben, in: Berr. d. Math.-Phys. Kl. d. Sächs. Ak. d. Wiss. Leipzig 89, 1937, S. 205–346 (mit P. Mildner);
    Ein Taschenthermohygrograph als bioklimat. Forsch.mittel, ebd. 90, 1938, S. 47–54;
    Ber. z. 25-J.-Feier d. Geophysikal. Inst. d. Univ. Leipzig, d. Geophysikal. Observatorium, 1938;
    Über Aerol. Diagrammpapiere, IMO, Internat. Aerol. Komm., Denkschr. d. Präs., 1938;
    Synopt.-aerol. Unters. d. Wetterlage während d. Internat. Tage v. 13. bis 18. 12. 1937, 1939 (mit J. Bjerknes., P. Mildner u. E. Palmén);
    Witterungslehre z. Goethes Zeit u. heute, 1943, ²1944;
    Grundlagen d. Klima- u. Wetterkde., in: Klima, Wetter, Mensch, hg. v. A. Seybold u. H. Woltereck, ²1952, S. 11–90 (mit H. Ungeheuer);
    Die Organisation e. modernen Wetterdienstes, 1952;
    Zum 150. Geb.tag v. Heinrich Wilhelm Dove, in: Meteorol. Abhh. d. FU 2, 1954, H. 3, S. 9–19;
    Gedächtnisrede f. GR Prof. August Schmauß, in: Meteorol. Rdsch. 8, 1955, S. 1–6;
    Nachlaß: Archiv d. Bayer. Ak. d. Wiss., München.

  • Literatur

    |Jub.bd. z. 35. Wiederkehr d. Gründungstages d. Geophysikal. Inst. d. Univ. Leipzig, hg. v. W. Hesse, 1949 (W. z. 65. Geb.tag gewidmet);
    Weickmann-Heft, Herrn Prof. Dr. L. W. z. 70. Geb.tag, 1952;
    R. Lauterbach, L. W., 70 J. alt, in: Geol. 1, 1952, H. 4, S. 321 f. (P);
    H. Flohn, in: Btrr. z. Physik d. Atmosphäre 35, 1962, H. 3 / 4, S. 141–44;
    R. Geiger, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1962, S. 201–04;
    B. Haurwitz, in: Zs. f. Geophysik 28, 1962, S. 50 f.;
    Fr. Möller, in: J.-Chron. d. Ludwig-Maximilians-Univ. München 1961 / 62, S. 30–32;
    H. Philipps, in: Zs. f. Meteorol. 16, 1962, H. 5 / 8, S. 121–26 (W-Verz., P);
    R. Scherhag, in: Jb. d. Ak. d. Wiss. u. Lit. z. Mainz 1961, 1962, S. 64–70 (W-Verz., P);
    W. Schwertfeger, in: Meteorol. Rdsch. 15, 1962, H. 1, S. 1–3;
    R. Penndorf, in: Archiv f. Meteorol., Geophysik u. Bioklimatol. Ser. A 13, 1963, H. 3 / 4, S. 481–84;
    W. Buchheim, in: Jb. d. Sächs. Ak. d. Wiss. Leipzig 1960 / 62, 1964, S. 385–88 (P);
    Mitt. d. dt. meteorol. Ges. 1, 1982, S. 25–28;
    P. Dannevig, Wehrmacht W. værtjeneste og vitenskap under krigen 1940–45, in: Været 8, 1984, Nr. 2, S. 51–60;
    R. Schminder, L. W. u. d. Geophysikal. Observatorium, in: Leipziger Geowiss. 3, 1997, S. 175–201;
    K. Wege, Die Entwicklung d. meteorol. Dienste in Dtld., 2002;
    Pogg. VI–VIII;
    Sächs. Lb. V (P);
    Qu Archiv d. Univ. Leipzig.

  • Autor/in

    Michael Börngen
  • Zitierweise

    Börngen, Michael, "Weickmann, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 572-573 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117239283.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA