Lebensdaten
1808 bis 1883
Geburtsort
Gebrazhofen (Schwäbisches Allgäu)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Kunstanstaltsbesitzer ; Industrieller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 141882727 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mayer, Joseph Gabriel

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Zitierweise

Mayer, Joseph Gabriel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd141882727.html [19.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Andreas, Bäcker in G.;
    M Therese N. N.;
    1836 Maria, T d. Mesners Stöger in Regensburg;
    2 S, 3 T, u. a. Joseph (1846–98), Bildhauer in M., Franz Borgias (1848–1926), Maler, Nachf. seines Vaters in d. Leitung d. Hofkunstanstalt;
    Schwieger-S Franz X. Zettler (1841–1916), Inh. d. Hof- u. Glasmalerei in M.;
    E Anton (1886–1967), Karl (1889–1970), Adalbert (1894–1987), alle Leiter d. Hofkunstanstalt;
    Ur-E Konrad (* 1923), Gabriel (* 1938), beide Leiter d. Kunstanstalt.

  • Leben

    M., der schon früh Neigung und Talent für Zeichnen, Malen, Schnitzen und Bauen zeigte, machte 1825-28 eine Schreinerlehre, ging anschließend als Ornament-Bildhauer und Tischler auf Wanderschaft und kam 1829 nach München, wo er zunächst zwei Jahre beim Kirchenschreiner L. Glück arbeitete und sich in seiner Freizeit im Architekturzeichnen übte. Durch Aufträge zu technischen Entwürfen für Kunststudenten und Gewerbemeister verdiente er sich die Mittel, um erst den Vorbereitungskurs an der Polytechnischen Schule, dann die Akademie der Bildenden Künste besuchen zu können, wo Schlotthauer, Zimmermann, Gärtner, Dempp|und Haindl seine Lehrer waren. 1836 gründete M. eine bald viel besuchte Vorbereitungsschule für am Kunstgewerbe interessierte Lehrlinge, Gesellen und Meister und gab eine von ihm selbst auf Stein gezeichnete Serie von 120 Vorlageblättern im Folioformat heraus.

    Als die von Joh. Nepomuk v. Kurz gegründete „Anstalt für Erziehung und Unterricht krüppelhafter Knaben“ in die Hände des Staates überging, wurde M. 1844 als Vorstand berufen. Er schätzte sich glücklich, seine ganze Kraft für vom Leben Benachteiligte einsetzen zu können. Bei der Suche nach Möglichkeiten, den aus der Anstalt entlassenen Knaben Beschäftigung und Verdienst zu verschaffen, kam er auf die Idee, durch Formendruck eine dem kirchlichen Gebrauch dienende Plastik herzustellen. Er erfand dazu eine besondere Masse, eine aus Ton und fein zerriebenem Stein gemengte Art Terrakotta, „Massa“ genannt, auf die er 1847 ein Privileg erhielt. 1848 gründete M. eine „Anstalt für christliche Kunsterzeugnisse“, die zunächst aus drei Abteilungen für Altarbau, Plastik und Faßmalerei bestand. Das Unternehmen mit einer Belegschaft von 100 Mann gedieh prächtig, und bereits 1851 beteiligte sich M. an der Londoner „Industrieausstellung aller Völker“. Um die künstlerische Qualität seiner Plastiken – hauptsächlich Christus- und Mariendarstellungen, Heiligen-Statuen, Kreuzweg-Stationen – zu gewährleisten, versicherte er sich der Mitarbeit des Bildhauers Joseph Knabl (1819–81), der 1858-61 der Firma als leitender Entwerfer angehörte. 1859 legte M. die Vorstandschaft der „Anstalt für krüppelhafte Knaben“ nieder und konzentrierte sich nunmehr ganz auf die „Kunstanstalt“, die er 1862 um eine Abteilung für Glasmalerei erweiterte. Auf dem 1851 erworbenen Grundstück am Stiglmaierplatz wurde ein Neubau mit vielen Ateliers, Werkräumen und einem großen Ausstellungssaal errichtet. 1865 gründete M. eine Verkaufsagentur in London, später solche in Dublin und New York. Für die Mitarbeiter seiner Firma schuf M., der trotz seiner Erfolge ein einfacher, bescheidener Mann blieb, Kranken- und Unterstützungskassen.

    Nachdem vorübergehend auch M.s ältester Sohn Joseph sowie sein Schwiegersohn Franz X. Zettler (der sich dann selbständig machte) an der Leitung des Unternehmens beteiligt gewesen waren, wurde nach M.s Tod dessen zweiter Sohn, Franz Borgias, alleiniger Chef der „Hofkunstanstalt und Glasmalerei“ (Verleihung des Titels 1882), deren Geschäft sich vor allem im Export glänzend entwickelte. Eine Vielzahl sakraler Kunstgegenstände in einem charakteristischen Stil des „idealistischen Naturalismus“ bis hin zu Gesamt-Kircheneinrichtungen wurde geliefert. Mayer-Fenster finden sich in Tausenden von Kirchen in aller Welt, darunter das 1905 gelieferte „Heilig-Geist-Fenster“ der Peterskirche in Rom. Unter der Leitung von M.s Enkeln und Urenkeln blieb die Kunstanstalt auch nach den beiden Weltkriegen erfolgreich, wobei Glas- und Mosaikarbeiten, die unter Mitwirkung namhafter Künstler entstanden (z. B. das 1961 gelieferte große Apsis-Mosaik für die Weltfriedenskirche in Hiroshima), besondere Bedeutung erlangten. Seit den 70er Jahren liegt der Schwerpunkt der Aktivitäten auf der Restaurierung mittelalterlicher Glasmalereien (Regensburger Dom, Münchner Liebfrauendom) und der Bemühung um neue Märkte, z. B. im arabischen Raum (Kunstverglasungen und Mosaiken für die Moschee im Flughafen von Riad). 1988 wurde eine Mosaikwerkstätte in den USA eingerichtet.

  • Literatur

    ADB 21;
    Dt. Hausschatz 9, 1882/83, S. 631-35 (P);
    ThB;
    Unterlagen d. Firma.

  • Autor/in

    Konrad Mayer
  • Empfohlene Zitierweise

    Mayer, Konrad, "Mayer, Joseph Gabriel" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 545 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd141882727.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mayer: Joseph Gabriel M., Großindustrieller, Gründer der nach ihm benannten Kunstanstalt zu München, geb. am 18. März 1808 zu Gebrazhofen (1806—1810 zu Baiern gehörig, jetzt Würtembergisch) als der Sohn einfacher Bürgers- und Bäckersleute, verrieth sühzeitig außergewöhnliche Anlage für Malen. Schnitzen, Zeichnen und Rechnen, kam nach verschiedenen mißglückten Versuchen, ihn bei einem benachbarten Bildhauer unterzubringen, endlich zu einem Schreiner, ging nach dreijähriger Lehrzeit auf die Wanderschaft und gelangte endlich über Frankfurt a. M. nach München (1829). Hier trat M. als Geselle in Condition, übte sich aber in den Freistunden im Architekturzeichnen und fand durch viele Aufträge zu technischen Entwürfen für Gewerbsmeister etc. die Mittel, erst den Vorbereitungscurs an der polytechnischen Schule und bald darauf die Akademie der bildenden Künste besuchen zu können, wo er die Unterweisung von Schlotthauer, Zimmermann, Gärtner und Andern genoß. Um sich auf eigene Füße zu stellen, gründete M. 1836 eine bald vielbesuchte Vorbereitungsschule für junge, dem Kunstgewerbe zustrebende Männer, und gab eine darauf bezügliche von ihm auf Stein gezeichnete Reihe von Vorlegeblättern heraus. Als dann die von Hermann Kurz gegründete Anstalt für Erziehung und Unterricht krüppelhafter Knaben in die Hände des Staates überging, wurde M. 1844 als Vorstand berufen und bekleidete diese Stelle bis 1859 in tüchtigster Weise. M., welcher gemeinnütziges Wirken immer als sein Lebensideal betrachtete, schätzte sich glücklich, eine Thätigkeit gefunden zu haben, wo er für die arme, leidende Menschheit in wahrer charitativer Weise seine beste Kraft einsetzen konnte. Von dem Wunsche beseelt, den aus der Anstalt entlassenen Knaben eine Beschäftigung und Existenzmittel zu verschaffen, gerieth M. auf die Idee, durch Formendruck eine dem religiösen Culte dienende Plastik herzustellen, wozu er eine eigene Masse erfand, welche jedoch bald gegen den ungleich besseren Cement vertauscht wurde. Auch hiefür hatte der unermüdliche Schlotthauer die erste Anregung gegeben. Um gute Vorbilder zu erhalten, gewann M. den Beistand des schon vielgefeierten Holzbildhauers Jos. Knabl, welcher 1858 in die von M. gegründete „Anstalt für christliche Kunsterzeugnisse“ eintrat und mit seinen Modellen und Schülern zum kräftigen Aufschwunge dieser Firma beitrug, welche die Arbeit in der von M. projectirten Massa bald wieder aufgab und ebenso den Steinguß wie die Holzsculptur cultivirte. Besonderen Ruf erwarb die Anstalt durch die solide und geschmackvolle Fassung ihrer Statuen, darunter eine ganz originell wirkende Brokatdamast-Imitation. Nächst der Sculptur zog M., welcher seit 1859 die Vorstandschaft der „Anstalt für krüppelhafte Knaben“ ganz niedergelegt hatte, auch die Glasmalerei in sein Bereich|und erhielt bald Aufträge nach Frankreich, England, Spanien und Amerika. Schon im Jahre 1867 wurde die 10000ste Kiste verpackt und ihre Absendung durch ein Arbeiterfest gefeiert. Die Anstalt, welche an dreihundert Personen deschäftigte, gründete 1865 zu London eine Filiale, erhielt auf den Weltausstellungen, insbesondere 1880 zu Melbourne und Sydney, vielfache Auszeichnungen. Für seine Arbeiter sorgte M. durch verschiedene Kranken- und Unterstützungslassen in einer wahrhaft väterlichen Weise. M., welcher immerdar derselbe einfache, wohlwollende und beinahe schüchterne Mann blieb, dessen unscheinbares Aeußere in nichts seine thatkräftige Energie verrieth, starb am 16. April 1883, die Fortsetzung seiner vielfach, insbesondere von Künstlern angefeindeten Anstalt seinen rührigen Söhnen hinterlassend.

    • Literatur

      Vgl. Beschreibung und Abbild, der Mayer'schen Kunstanstalt im „Deutsch. Hausschatz“, Regensb. 1876, S. 652 ff. Porträt und Biographie ebendas. 1883, S. 631 ff. A. Huhn, Rede am Grabe etc., München 1883.

  • Autor/in

    Hyac. , Holland.
  • Empfohlene Zitierweise

    Holland, Hyacinth, "Mayer, Joseph Gabriel" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 120-121 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd141882727.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA