Lebensdaten
1909 bis 1985
Geburtsort
Köln-Kalk
Sterbeort
Madison (Wisconsin, USA)
Beruf/Funktion
Meteorologe ; Physiker
Konfession
-
Normdaten
GND: 1055346325 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schwerdtfeger, Werner
  • Šverdtfeger, V.

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Zitierweise

Schwerdtfeger, Werner, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1055346325.html [20.01.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Otto Dietrich (1870–1914), Major, S d. Wilhelm D. (1834–1915) u. d. Agnes Ziegner (1840–1909);
    M Helene Laura (1879–1965), T d. Eduard Hueck (1840–1920), Rittergutsbes. in Hettensen (Kr. Northeim), u. d. Hedwig Luise Schimmel (1844–1932);
    Om Adolf Hueck (1882–1955), Bergwerksdir., Pol. (s. NDB IX);
    B Hans W. E. (1902–1990), Prof. d. Math. in Montreal (s. Pogg. VII a; Canadian who's who, 1979; BHdE II),;
    2 Schw;
    Leipzig 1933 Marianne (1909–2000), T d. Carl Otto Noack (1879–1918), Kaufm. in Leipzig, u. d. Elsa Agnes Koth (1884–1966);
    2 S, 1 T.

  • Leben

    Nach dem Schulbesuch in Göttingen begann S. 1927 an der Univ. Freiburg (Br.) mit dem Studium der Meteorologie und Geophysik. 1929 wechselte er nach Leipzig zu Ludwig Weickmann (1882–1961), bei dem er 1931 mit einer Arbeit zur Analyse pulsierender polarer Luftmassen promoviert wurde. Danach führte er mit Heinz Lettau (1909–2005) Ballonaufstiege durch, bei denen seine spätere Ehefrau Marianne Noack assistierte. 1933 trat er als Meteorologe bei der Zentrale|für Flugsicherung, dem späteren Reichsamt für Wetterdienst, in Berlin ein. 1935 wurde er als Leiter der Wetterflugstelle nach Königsberg (Pr.) versetzt und trug dort maßgeblich zur Entwicklung der Wettererkundung mit Flugzeugen bei, weshalb er zum Aufbau einer Großraumwettererkundungsstaffel der Luftwaffe 1938 nach Berlin zurückberufen wurde. Bis 1943 gehörte er, zuletzt als Meteorologischer Leiter, der Wettererkundungsstaffel 1 des Oberbefehlshabers der Luftwaffe an und absolvierte mehr als tausend Wetteraufstiege und 250 Langstreckenwettererkundungsflüge. 1937 in Königsberg habilitiert, war S. 1942/43 zudem Dozent für Meteorologie an der Univ. Wien.

    Im Aug. 1943 bestellte ihn das Oberkommando der Luftwaffe zum Leiter der Zentralen Wetterdienstgruppe, die für die Wetterberatung der höchsten Kommandostellen bei strategischen Entscheidungen zuständig war. Seine Wetteranalysen und die darauf basierenden, für die dt. Operationen entscheidenden Prognosen erwiesen sich sowohl vor als auch nach der alliierten Invasion im Juni 1944, wie bei der Vorbereitung der Ardennen-Offensive im Dez. 1944 gegen massive Bedenken der operativ verantwortlichen Kommandostellen als richtig.

    Nach Kriegsende vermochte S. einen rudimentären Wetterdienst aufrechtzuerhalten. Die amerik. Militärrregierung übertrug ihm im August 1945 die Leitung des zivilen Wetterdienstes für Südbayern, die er bis 1948 innehatte. Seit 1947 lehrte er außerdem an der Univ. München Meteorologie. 1948 ging S. nach Argentinien, wo er bis 1956 wissenschaftlicher Berater des „Argentino Servicio Meteorologico Nacional“ in Buenos Aires und danach bis 1961 für die argentin. Marine tätig war. 1949–51 lehrte er an der „Escuela Superior de Meteorologica de la Nacion“ in Buenos Aires und 1957 an der dortigen Univ. Meteorologie und Atmosphären-Physik. 1950 gab er in Erinnerung an seinen gefallenen Freund, den Arktis-Flieger Rudolf Schütze (1909–43) aus Königsberg dessen Tagebuch heraus, das erstmals über die umfangreichen Wettererkundungsflüge über Grönland, Spitzbergen und Nowaja Zemlja berichtete. 1952 erschien S.s erstes Buch über Meteorologie, dem über 100 weitere wissenschaftliche Veröffentlichungen in dt., span. und engl. Sprache folgten. 1957/58 war S. Gastprofessor an der Univ. Melbourne in Australien und anschließend an den Univ. Los Angeles, Boulder (Colorado, USA) und Madison (Wisconsin, USA), wohin er im Jan. 1962 als Professor für Meteorologie berufen wurde und umfangreiche Forschungsvorhaben, nunmehr mit Schwerpunkt Antarktis, leitete und durchführte. Der „International Commission on Polar Meteorology“ gehörte er seit 1975 an. 1984 erschien als Zusammenfassung seines Lebenswerks der Erforschung polarer Wetter- und Klimazustände und –entwicklungen „Weather and Climate of the Antarctic“ (russ. 1987). S.s Hauptaugenmerk galt später den Windsystemen in der Antarktis. Er entdeckte die „barrier winds“ über den transantarktischen Bergzügen als beherrschenden Faktor des Regionalklimas. Zu seinen Schülern zählen David H. Bromwich, Thomas R. Karl, Thomas R. Parish und John W. Zillmann.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Internat. Comm. on Polar Meteorology (1975); Ehrenmitgl. d. American Meteorological Soc. (1979); Werner-Schwerdtfeger Library, Univ. Madison (seit 1983); Schwerdtfeger Academic Award d. Univ. Madison (seit 1983).

  • Werke

    Weitere W Zur Theorie polarer Temperatur u. Luftdruckwellen, in: Veröff. d. Geophysikal. Inst. d. Univ. Leipzig, Serie 2, Bd. 4, 1931, S. 255–319 (Diss.);
    Vertikalaustausch in unmittelbarer Berechnung, in: Meteorolog. Zs. 50, 1933, S. 47–51 (mit H. H. Lettau);
    Unterss. über atmosphär. Turbulenz u. Vertikalaustausch v. Freiballon aus, II. Mitt., ebd. 51, 1934, S. 249–57 (mit dems.);
    Wasserglorien u. Eisglorien, ebd. 55, 1938, S. 313–17;
    Über d. Möglichkeiten d. Höhenwindmessung durch Funkpeilung d. Wetterflugzeuge, in: Erfahrungsberr. d. Dt. Flugwetterdienstes, 8. Folge, Nr. 17, 1934, S. 139–52;
    Über die hohen Wolken, Wiss. Abhh. d. Reichsamts f. Wetterdienst, Bd. 5, Nr. 1, 1938 (Habil.schr.);
    Wetterflug in einem Wärmegewitter, in: Wetter 55, 1938, S. 137–42 (mit R. Schütze);
    Unterss. über d. Aufbau v. Fronten u. Kaltlufttropfen, Berr. d. Dt. Wetterdienstes in d. US-Zone, Nr. 3, 1948;
    The semi-pressure oscillation, its cause and effects, in: Journal of Meteorology 13, 1956, S. 217 f. (mit F. Prohaska);
    Hodograph analysis as applied to the occurrence of Clear-Air Turbulence, ebd. 16, 1959, S. 588–92 (mit U. Radok);
    On the asymmetry of the southern circumpolar vortex in the winter, in: Antarctic Journal of the U. S. 1, 1966, S. 198;
    Hg.:
    Climates of Central and South America, World Survey of Climatology 12, 1976;
    Wetterflieger in der Arktis 1940–44, 1982 (mit F. Selinger).

  • Literatur

    Bull. of the American Meteorological Soc., 1985;
    E. Vocke, Die Wetterflieger, 2002 (P);
    Meteorologen.

  • Autor/in

    Franz Selinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Selinger, Franz, "Schwerdtfeger, Werner" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 72-73 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1055346325.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA