Lebensdaten
1892 bis 1932
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Maler ; Librettist ; Chansontexter
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117232874 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schiffer, Otto (eigentlich)
  • Schiffer, Marcellus
  • Schiffer, Otto (eigentlich)
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Zitierweise

Schiffer, Marcellus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117232874.html [19.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Siegfried (1849–97), aus Bieltschowitz, Holzhändler in B.;
    M Gertrud Isaac (1861–1927), aus B.;
    1928 Margueritte (Margo) Lion (1899–1989, kath.), aus Istanbul (Konstantinopel), Kabarettistin, Chansonniere, Schausp., trug 1923 in B. d. v. Mischa Spoliansky vertonten Chansons S.s vor, kehrte 1932 nach Paris zurück, emigrierte 1939 in d. USA u. war in Kurt Robitscheks (1890–1950) Neuausg. d. „Kabarett d. Komiker“ tätig, kehrte 1962 nach B. zurück (s. BHdE II; Metzler Kabarett-Lex.), T e. franz. Geschäftsmanns in Istanbul, nach d. 1. Weltkrieg in B.; kinderlos.

  • Leben

    S., der seit 1917 Malerei und Grafik bei Emil Orlik in Berlin studierte, arbeitete zunächst als Maler und Illustrator und schrieb Gedichte, Märchen, Erzählungen und Zeitschriftenartikel (u. a. für die „Weltbühne“). Sein einziges eigenständiges Theaterstück blieb das Drama „Angst“, das im Dez. 1920 am Albert-Theater in Dresden Premiere hatte. Seit 1921 verfaßte er Chansontexte für die Berliner Kabaretts „Wilde Bühne“, seit 1924 für die „Gondel“.

    1926 entstanden mit „Die fleißige Leserin“ (Musik: Paul Strasser) und „Hetärengespräche“ (Musik: Friedrich Hollaender) die ersten zeitkritischen Kabarettrevuen; es folgten „Was Sie wollen“ (1927, Musik: ders.), „Die fleißige Hetäre“ (1927, Musik: ders. u. Paul Strasser), „Ich tanze um die Welt mir dir“ (1929, Musik: F. Hollaender), „Der rote Faden“, „Quick“ (beide 1930, mit F. Hollaender als Co-Autor, Musik: Rudolf Nelson) und „Sie werden von uns hören“ (1931, Musik: Walter Gronostay, Peter Kreuder, Rudolf Nelson). Mit den Musiken seines bevorzugten Komponisten Mischa Spoliansky (1898–1985) verfaßte S. seit 1928 die Kabarettrevuen „Es liegt in der Luft“ (1928), „Alles Schwindel“ (1931) und den kabarettistischen Opern-Einakter „Rufen Sie Herrn Plim“ (1932). Zu den Kurzopern „Hin und zurück“ (1927) und „Neues vom Tage“ (1928) von Paul Hindemith schrieb er die Libretti.

    Mit seinen Kabarettrevuen schuf S. den Typ des urbanen, vage zeitkritischen Kleinkunst-Musicals voller Witz und literarischem Anspruch. Der Entschluß zum Freitod fünf Monate vor dem Machtantritt der Nationalsozialisten war weniger politisch begründet als durch seine melancholische Natur, wie sie auch in Notizen und Gedichten immer wieder zum Ausdruck kam. Noch kurz vor seinem Tod hatte S. auch bei einem größeren Publikum Popularität gewonnen durch seinen Schlager „Heute nacht oder nie“ mit der Musik seines kongenialen Komponisten Mischa Spoliansky für den Tonfilm „Das Lied einer Nacht“ (1932, Regie: Anatol Litvak), ursprünglich gedacht als Parodie auf die verkitschten Schlager der Zeit.

  • Werke

    Hans im Glück, 1927 (Kinderrevue, Musik: Paul Strasser);
    textl. Neubearbb. f. Operetten, u. a. Die Fledermaus, 1929;
    Pariser Leben, 1929;
    Die Geisha, 1931;
    Couplet- u. Chansontexte zu Ulysses in Ithaka, 1927 (Posse, Musik: Spoliansky);
    Artisten, 1928 (Komödie, Musik: W. R. Heymann, darin d. Lied „Kennst du das kleine Haus am Michigansee?“);
    Ein Stück Malheur, 1928 (Schwank, Musik: Walter Goehr);
    Co-Autor: Schön u. schick, 1928 (Revue, mit Hermann Haller, Musik: Hans May, Siegwart Ehrlich, Harry Carlton u. a.);
    Das Haus dazwischen, 1932 (Volksstück, mit Felix Joachimson, Musik: Spoliansky);
    100 Meter Glück, 1932 (Operette, mit Geza Herczeg u. Robert Mein, Musik: Spoliansky).

  • Literatur

    K. Budzinski, Die Muse mit d. scharfen Zunge, Vom Cabaret zum Kabarett, 1961;
    H. Greul, Bretter, d. d. Zeit bedeuten, 21971;
    M. S., Kinder d. Zeit, Chansons, hg. v. A. Lareau, 1991;
    V. Rotthaler (Hg.), M. S., Heute nacht oder nie, Tagebücher, Erzz., Gedichte, Zeichnungen, 2003 (P);
    K. Budzinski u. R. Hippen, in: Metzler Kabarett Lex.

  • Autor/in

    Klaus Budzinski
  • Empfohlene Zitierweise

    Budzinski, Klaus, "Schiffer, Marcellus" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 751 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117232874.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA