Lebensdaten
1811 bis 1887
Geburtsort
Mosbach/Elz (Baden)
Sterbeort
Königsberg (Preußen)
Beruf/Funktion
Bierbrauer ; Zementfabrikant
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 13956926X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schifferdecker, Johann Philipp

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Zitierweise

Schifferdecker, Johann Philipp, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13956926X.html [20.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit 1580 in M. nachweisbarer Küfer- u. Bierbrauerfam., d. mehrfach Ratsherren u. Bgm. stellte;
    V Johann Georg (1784–1842), Bierbrauer in M., S d. Philipp Martin (* 1743), aus M.;
    M Eva Maria Ritzhaupt (1796–1835);
    Om Friedrich, Bes. e. Brauerei; 23 jüngere Geschw u. a. Eduard ( Wilhelmine Schwarz), Bes. d. v. S. 1838 übernommenen Brauerei in K., KR;
    Friderice Louise Antonie Reinikke;
    1 S Paul (* 1846), Chemiker, 2 T Antonia (* 1848), Olga (* 1852), alle drei vermutl. nach S.s Tod Inh. d. Ponarth Bierbrauerei in K., Gesellschafter d. Portland-Cement-Werks Heidelberg, Schifferdecker & Söhne;
    N Adolf (* 1866), Braumeister, 1900 Brauereidir. u. Vorstandsmitgl. d. Ponarth Brauerei AG. Stadtverordneter in K. (s. Wenzel).

  • Leben

    S. erlernte wie seine Vorfahren in der Mosbacher Klosterbrauerei das Brauereihandwerk. Später arbeitete er in der dem „Dt. Hof ange|schlossenen Brauerei des Vaters. 1838 erhielt er durch einen Bruder seiner Mutter eine eigene Brauerei in Königsberg, wo er so erfolgreich untergäriges bayer. Bier braute, daß er 1849 die Produktion in einen neu errichteten Großbetrieb nach Ponarth bei Königsberg verlagerte, der 1860 einen Bierausstoß von 200 000 hl. und 1869 von 340 000 hl. erreichte. 1869 verkaufte S. die Brauerei teilweise an seinen Bruder Eduard, blieb aber als Teilhaber und später als Aufsichtsrat weiterhin mit dem Unternehmen verbunden. Anfang 1873 erwarb er als Existenzgrundlage für seinen Sohn Paul die Bergheimer Mühle am Neckar in Heidelberg im Konkursverfahren und baute sie zu einer Portland-Zementfabrik um, die durch fehlende Erfahrung der Familie in der Zementherstellung bald gefährdet war, aber mit der Einstellung des Zementchemikers Friedrich Schott (1850–1931) 1875 gerettet wurde. S. zog sich daraufhin nach Königsberg zurück und wurde nach der Umwandlung der Brauerei in Ponarth in eine Aktiengesellschaft 1885 Aufsichtsrat derselben.

    Das Heidelberger Zementwerk erreichte zu diesem Zeitpunkt eine jährliche Produktion von 54 000 t. Zahlreiche Großbaustellen im In- und Ausland wurden beliefert, u. a. die der städtischen Kanalisationen in Heidelberg, Karlsruhe, Augsburg, München und Zürich. Nach S.s Tod wurde die Offene Handelsgesellschaft 1888 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. In den Folgejahren nahm das „Portland-Cement-Werk Heidelberg, vorm. Schifferdecker & Söhne“, einen raschen Aufschwung. Anfang 1895 durch einen Großbrand fast völlig zerstört, erfolgte die Neuerrichtung eines modernen Werks im benachbarten Leimen. Aus den konjunkturellen Krisen um die Jahrhundertwende gingen die Portland-Cement-Werke Heidelberg gestärkt hervor. Durch zahlreiche Übernahmen, Beteiligungen und Fusionen wuchs der Konzern in wenigen Jahren zum größten süddt. Zementhersteller. Nach 1968 erfolgte eine starke Internationalisierung der Geschäftstätigkeit. Der Konzern firmiert seit 2001 unter dem Namen „HeidelbergCement“ und ist heute als drittgrößter Baustoffhersteller der Welt mit 46 Mio. t Zementabsatz in 50 Ländern vertreten.

  • Literatur

    J. Eckstein (Hg.), J. P. S., Friedrich Schott, Carl Leonhard, Portland-Cement-Werk Heidelberg, vorm. Schifferdecker & Söhne, in: Hist. biogr. Bll. Ind., Handel u. Gewerbe, XIII. Lfg. 1898/99 (P);
    W. Freimann, Königsberg, Pr., u. seine Vororte, Eine Bild-Dok., 1988, S. 198;
    M. Runow (Hg.), J. P. S., einer d. erfolgreichsten Unternehmer, die in unserer Stadt geboren wurden, in: Mosbacher J.hh. 8, 1998, S. 239-61;
    D. Cramer, J. P. S. u. Friedrich Schott, Die Anfänge d. Baustoffind. in Heidelberg, in: P. Blum (Hg.), Pioniere aus Technik u. Wirtsch. in Heidelberg, 2000, S. 122-41 (P).

  • Autor/in

    Dietmar Cramer
  • Empfohlene Zitierweise

    Cramer, Dietmar, "Schifferdecker, Johann Philipp" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 751-752 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13956926X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA