Lebensdaten
1863 bis 1928
Geburtsort
Obernkirchen (Hessen-Nassau)
Sterbeort
Marktredwitz (Oberfranken)
Beruf/Funktion
Admiral
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117184888 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Scheer, Carl Friedrich Heinrich Reinhard
  • Scheer, Reinhard
  • Scheer, Carl Friedrich Heinrich Reinhard

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Zitierweise

Scheer, Reinhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117184888.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Julius (1835–1904), Dr. theol. et phil., Aushilfspfarrer, Oberlehrer an d. Bürgerschule in O., S d. Karl (1800–38), Kreistierarzt in Eschwege, u. d. Maria Ihring (1802–60;
    M Marie (1835–89), T d. Georg Friedrich Reinhard(t) (1792–1852), Bürger u. Mühlenbes. in Hanau, u. d. Maria Wilhelmine Koch (1803–38);
    1899 Emilie Mohr ( 1920 ermordet);
    K Marianne (* 1900, N. N. Besserer, Marineoffz., nach d. 2. Weltkrieg in Hannover), Else (* 1902, Wilhelm Brandenburg, Dir. in Mannheim), Liselotte (* 1919, Dr. Franz Flemming);
    E Helmut Besserer (* 1921), Ingrid Brandenburg, Ruth Brandenburg, Horst Brandenburg.

  • Leben

    S. trat 1879 als Kadett in die Ksl. Marine ein. 1884-90 nahm er an mehreren Expeditionen zur vollständigen Inbesitznahme der neu erworbenen Kolonien in West- und Ostafrika sowie in der Südsee teil. Als Referent in der Torpedoversuchskommission (1890–94), später als Mitarbeiter (1897–1900) und Chef der Zentralabteilung des Reichsmarineamtes (1903–07) bzw. Departementdirektor (1911–13) erwarb er sich das Vertrauen des Großadmirals Alfred v. Tirpitz (1849–1930). Als Kommandant des Linienschiffs „Elsaß“ (1907-09), seit 1913 als Chef des II., später des III. Geschwaders bewies S. seine Fähigkeiten als militärischer Führer. Nach Ausbruch des 1. Weltkriegs galt er bald als der einzige kommandierende Admiral, der geeignet schien, die Hochseeflotte aus der strategischen Sackgasse in der Nordsee herauszuführen und wenigstens Teilerfolge zu erzielen. Im Jan. 1916 wurde er zum Nachfolger des schwer erkrankten Flottenchefs Admiral Hugo v. Pohl (1855–1916) ernannt. Da eine große Schlacht gegen die engl. Flotte zu riskant erschien, wollte S. durch vermehrte offensive Vorstöße versuchen, Teile aus den Häfen zu locken und zu schlagen. Dieser Gedanke lag auch dem Vorstoß in den Skagerrak am 31.5.1916 zugrunde. Allein die – S. nicht bekannte – Tatsache, daß die engl. Admiralität den dt. Funkverkehr entziffert hatte und alle engl. Einheiten daher rechtzeitig ausgelaufen waren, war verantwortlich für das Zusammentreffen der Hauptstreitkräfte beider Flotten. Die Schlacht endete mit schweren Verlusten auf beiden Seiten. Ob S. dabei taktisch erfolgreicher war als sein Gegenspieler Lord John Jellicoe (1859–1935) ist umstritten. Strategisch gesehen war die Skagerrak-Schlacht kein Erfolg, wie auch S. intern zugab. Umso mehr drängte er daher auf einen uneingeschränkten U-Boot-Krieg, der am 9.1.1917 proklamiert wurde, die erhofften Erfolge aber nicht brachte. Um das interne Chaos bei der Führung des Seekriegs zu beseitigen, setzte S. im Aug. 1918 die Bildung einer Seekriegsleitung durch, an deren Spitze er stand. Angesichts der drohenden Niederlage plante S. im Okt. 1918 einen letzten Flottenvorstoß, der, militärisch völlig unsinnig, die Ehre des ksl. Offizierkorps retten und dem Neuaufbau der Marine nach dem Krieg den Weg ebnen sollte. Die Meuterei der Matrosen in Kiel und Wilhelmshaven vereitelte diesen Plan. Anders als im Sommer 1917, als S. rücksichtslos gegen Matrosen vorgegangen war, die gegen die menschenunwürdige Behandlung durch jüngere Offiziere und schlechte Versorgung protestiert hatten, gelang es ihm dieses Mal nicht, die Unruhen im Keim zu ersticken. Innerhalb weniger Tage brach die alte Ordnung zusammen. Am 17.12.1918 schied S. aus der Marine aus. Mit seinen Erinnerungsbänden und in Vorträgen versuchte er gleichwohl in den 1920er Jahren, seine Haltung zu rechtfertigen und – versehen mit dem Nimbus des „Siegers vom Skagerrak“ – für den Wiederaufbau einer starken Flotte zu werben; er starb während einer dieser Vortragsreisen.|

  • Auszeichnungen

    Orden Pour le mérite (1916, mit Eichenlaub 1918); Gedenktafel am Geburtshaus in Obernkirchen.

  • Werke

    Dtld.s Hochseeflotte im Weltkriege, 1919;
    Vom Segelschiff z. U-Boot, 1925 (Autobiogr.);
    Die dt. Flotte in gr. Zeit, 1928;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß bis auf wenige Splitter (im BA, Mil.archiv Freiburg) verschollen.

  • Literatur

    J. R. Jellicoe, The crisis of the naval war, 1920;
    A. v. Trotha, Admiral S., 1928 (P);
    E. v. Mantey, in: DBJ X, 1928, S. 230-35;
    H. Möller, Gesch. d. Rr. d. Ordens „Pour le Mérite“ im Weltkrieg, II, 1935, S. 246-48;
    Gr. Deutsche in Bildnissen ihrer Zeit, Ausst.kat. Berlin 1936 (P);
    D. Meyer-Quitlingen, in: Lb. Kurhessen I, 1939, S. 232-39 (W, L, P); – zur Fam.:
    W. Haines, in: Archiv f. Sippenforsch. 16, 1939, H. 9, S. 257-60.

  • Portraits

    Gem. v. Ernst Zimmermann, 1920 (Marineschule Mürwik);
    Gem. v. F. Käck, o. J. (Scheer-Haus Laboe, Kiel).

  • Autor/in

    Michael Epkenhans
  • Empfohlene Zitierweise

    Epkenhans, Michael, "Scheer, Reinhard" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 607 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117184888.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA