Lebensdaten
1811 bis 1903
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Verleger
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 117116408 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Oldenbourg, Rudolf
  • Oldenbourg, R.
  • Oldenbourg, Rud.
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Zitierweise

Oldenbourg, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117116408.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg Martin (1770–1842), Kaufm. in L., S d. Ernst Hermann (1740–75), hann. Lt. (beide s. Fam.art.);
    M N. N.;
    Dresden 1843 Emilie ( 1907), T d. Dr. phil Carl Justus Blochmann, Geh. Schulrat, Dir. d. Blochmann-Inst. in Dresden, u. d. Juliane Ottilie Schnorr v. Carolsfeld (Schw d. Malers Julius Schnorr v. Carolsfeld, 1794–1872);
    4 S, 4 T, u. a. Rudolf v. O. (1845-1912), Hans (1849–1922), Paul (1858–1936), alle Verleger (s. Fam.art).

  • Leben

    Nach einer fünfjährigen Buchhändlerlehre in Lübeck nahm O. eine Stellung im Hause Frommann in Jena an. Im Frühjahr 1831 folgte er einem Angebot aus London, das die Teilhaberschaft in einer namhaften Buchhandlung in Aussicht stellte. Die Erwartungen erfüllten sich jedoch nicht, so daß O. Anfang 1835 zurückkehrte und eine Stellung bei Schmerber in Frankfurt/M. antrat. Durch dessen Vermittlung übernahm er im Juli 1836 die Geschäftsführung eines Zweigunternehmens des Stuttgarter Cotta-Verlages in München. Er erkannte bald die zunehmende Bedeutung der Natur- und Ingenieurwissenschaften für das Verlagswesen. In seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied im Börsenverein Deutscher Buchhändler (1849) gelang es ihm. das staatliche Schulbuchmonopol in Bayern schrittweise außer Kraft zu setzen; seit 1855 wirkte er im Sachverständigenausschuß an der Vorbereitung eines Urhebergesetzes mit. Im Schulbuch erblickte er ein weiteres erfolgversprechendes Verlagsgebiet. 1855 wurde O. vom Magistrat der Stadt München die Konzession als Verlagsbuchhändler erteilt; damit war die rechtliche Voraussetzung für eine selbständige verlegerische Tätigkeit geschaffen.

    Angeregt von Max v. Pettenkofer und Justus v. Liebig, brachte er auf eigene Rechnung und mit Zustimmung des Stammhauses seit dem 8.7.1858 ein „Journal für Gasbeleuchtung“ heraus. Dieses Datum gilt heute als das Gründungsdatum der Firma, obwohl O. noch elf Jahre Angestellter bei Cotta blieb, in denen er mit Zustimmung des Hauses Cotta eigene Verlagsobjekte, darunter ein erstes Schulbuch, entwickelte und herausgab. 1859 kam O. mit der historisch-geisteswissenschaftlichen Forschung in Berührung, die später zu|einem weiteren Fachgebiet seines Verlagsprogramms wurde. In enger Verbindung mit der Historischen Kommission bei der Bayer. Akademie der Wissenschaften erschien seit 1859 die „Historische Zeitschrift“, zunächst noch als Verlagsobjekt des Hauses Cotta. Als Ende 1869 alle auswärtigen Cottaschen Zweigunternehmen verkauft wurden, erwarb O. für 20 500 Gulden 12 Verlagsobjekte, darunter die „Historische Zeitschrift“, und schuf damit eine solide Basis für ein eigenes Unternehmen. Die ersten Geschäftsräume wurden 1870 im Palais Ludwig Ferdinand am Wittelsbacherplatz angemietet. 1871 konnte in der Maxvorstadt ein großes Anwesen mit Wohnhaus und eigenen Geschäftsräumen erworben werden. Ein Jahr später wurde mit dem Bau eines ersten Druckereigebäudes begonnen. 1873 übernahm O. die Münchener Filialdruckerei des Regensburger Verlegers Pustet, zwei Jahre später auch dessen Pachtrechte vom Bayer. Zentral-Schulbücherverlag. Der Druckerei wurde 1880 eine Buchbinderei angegliedert. Damit war ein unternehmerisches Konzept geschaffen, das sich bis heute bewährt hat. O. zog sich im Alter von 80 Jahren zurück, nachdem er bereits drei seiner Söhne in die Leitung des Unternehmens übernommen hatte.

  • Literatur

    ADB 52;
    G. Menz (Hg.), Dt. Buchhändler, 1925, S. 185-206 (P);
    G. Olzog u. J. Hacker (Hg.), Dokumentation dt.sprachiger Verlage, 121995;
    LGB.

  • Autor/in

    Adolf Friedl, Walter Oldenbourg
  • Empfohlene Zitierweise

    Friedl, Adolf; Oldenbourg, Walter, "Oldenbourg, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 510 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117116408.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Oldenbourg: Rudolf O., in München, geboren am 15. December 1811 zu Leipzig, ist der Sohn eines angesehenen Kaufmanns, der aus Hannover nach Leipzig eingewandert war. Er besuchte das Nicolai-Gymnasium in Leipzig bis zum Eintritt in Tertia und war dann ein halbes Jahr in dem väterlichen Geschäft thätig. Durch vielfachen Umgang mit den Söhnen von Buchhändlern wurde er veranlaßt, sich dem Buchhandel zuzuwenden und kam, zwecks Erlernung desselben, Ostern 1827 zu Friedr. Asschenfeldt in Lübeck, der sich eines sehr guten Rufes als kaufmännisch gebildeter Sortimentsbuchhändler erfreute. Fünf Jahre dauerte diese nach damaliger buchhändlerischer Sitte strenge Lehrzeit, nach deren Ablauf er noch weiter ein halbes Jahr als Gehülfe verblieb, dabei vielfach angeknüpfte gesellige Beziehungen zu Lübecker Familien ausgiebig genießend.

    Frommann in Jena, ein Freund seines Vaters, nahm ihn dann Michaelis auf 1½ Jahr als Gehülfe auf, und dort fand er Gelegenheit, in mehrfache Beziehungen zu der Familie des eben verstorbenen Goethe zu kommen. Von da ging O. 1834 nach London, wo mehrere seiner Geschwister sich niedergelassen hatten. Dort lebte er, nur in losem Zusammenhange mit dem deutschen Buchhandel, im wesentlichen nur seiner geistigen Ausbildung durch Studium der nationalökonomischen Litteratur Englands und gelegentlich auch des englischen Buchhandels. 1835 ging er nach Frankfurt a. M. in die Schmerber'sche Buchhandlung; schon im Herbst 1836 wurde er durch seinen Freund Schmerber der Cotta'schen Buchhandlung, deren Leitung 1832 Freiherr Georg v. Cotta übernommen hatte, als Geschäftsführer der litterar-artistischen Anstalt in München vorgeschlagen. Er nahm an, und in dieser Stellung bot sich ihm Gelegenheit zu mannichfaltiger Thätigkeit, bis er 1843 als Associé der Handlung aufgenommen wurde. Er gründete die Bibelanstalt der Cotta'schen Buchhandlung, in welcher mehrere von den ersten deutschen Künstlern illustrirte Ausgaben der Luther'schen Bibel, des Neuen Testaments und anderes auf die Bibel Bezügliche erschienen. 1845 kaufte er die Vogel'sche Buchhandlung in Landshut, welche das Verlagsrecht der einzigen approbirten katholischen Bibelübersetzung besaß, und gab diese mit dem in der Bibelanstalt angesammelten bildlichen Material heraus, dem sich Aehnliches der biblischen Litteratur anschloß, wodurch der protestantischen Bibelanstalt eine katholische unter der Firma Vogel'sche Buchhandlung zur Seite gestellt wurde. Oldenbourg's Thätigkeit|griff jetzt in alle Zweige des großen Cotta'schen Geschäfts direct oder indirect ein und bot ihm Gelegenheit, eine Menge von Erfahrungen zu erwerben, wie sie selten gefunden wird. In diesem Verhältniß blieb er 32 Jahre, bis zum Jahre 1868, wo das Münchener Zweiggeschäft der J. G. Cotta'schen Buchhandlung durch Uebereinkunft der Betheiligten liquidirt wurde. Die Vogel'sche Buchhandlung in ihrem bedeutendsten Theile hatte O. schon 1866 an Friedr. Pustet in Regensburg, die Bibelanstalt 1868 an Brockhaus in Leipzig verkauft. Die übrigen sehr ansehnlichen Bestände der Anstalt gingen an die Betheiligten über. Die Zeitschriften erwarb mit einigem Anderen O. Der Rest siedelte nach Stuttgart über, während das Sortimentsgeschäft dem bisherigen Buchhalter des Geschäfts, Herrn Riedel, überlassen wurde. Schon 1858 hatte O. das „Journal für Gasbeleuchtung“ für seine alleinige Rechnung und unter seinem Namen gegründet, welches als erstes technisches Fach-Journal mit der Zeit eine ansehnliche Bedeutung bekommen sollte. Ihm schlossen sich einige juristische Journale mit Erfolg an, und so trat O. 1869 mit einem Verlagsgeschäft von beträchtlichem Umfang und Erträgniß in den Markt des Buchhandels ein. 1873 erweiterte er das Geschäft durch Ankauf der Pustet'schen Buchdruckerei und des dazu gehörigen Schulbücherverlags in München. Zwei Söhne, Rudolf August und Hans, waren inzwischen als Theilhaber in das Geschäft mit eingetreten, und mit deren Hülfe entwickelte sich dasselbe zu seinem jetzigen Umfange, in welchem es 16 Schnellpressen, eine Buchbinderei mit 50—60 Arbeitern und ein Comptoirpersonal von einigen 20 Personen beschäftigt. Der Eintritt eines dritten Sohnes, Paul, wurde Veranlassung zur Anfügung einer Abtheilung für Papier und Schreibmaterialien. In den letzten Jahren war es die Publication des großen Baumeister'schen Werkes „Denkmäler des klassischen Alterthums“ (in 3 Bänden), dem sich das epochemachende Werk Heinrich v. Sybel's „Begründung des Deutschen Reiches“ sowie mehrere der großen Publicationen der „Münchener Historischen Commission", auch der „Deutsche Novellenschatz“ (48 Bde.) und der „Novellenschatz des Auslandes“ (24 Bde.) anschloß, welche eine Hauptaufgabe der Firma bildeten. Nach dem Tode R. Oldenbourg's ( in München am 10. October 1903) ging das umfangreiche Geschäft in den Besitz seiner Söhne über, unter deren rühriger Leitung es sich stetig weiterentwickelte.

  • Autor/in

    Karl Fr. Pfau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pfau, Karl Friedrich, "Oldenbourg, Rudolf" in: Allgemeine Deutsche Biographie 52 (1906), S. 703-704 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117116408.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA