Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Verlegerfamilie
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 120517078 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Oldenburg
  • Oldenbourg
  • Oldenburg

Verknüpfungen

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Zitierweise

Oldenbourg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120517078.html [14.11.2018].

CC0

  • Leben

    Die Familie, die urkundlich seit etwa 1300 nachzuweisen ist, nennt sich nach dem Hof Oldenburg (bei Steyerberg, südlich von Bremen). Seit 1833 nach Auflösung der Leibeigenschaft Eigentümer, lebt die ältere Linie der Familie bis heute in der 13. Generation auf dem Hof. Conrad Ernst Oldenburg (1664–1727), als Sohn des Meiers Johann in 4. Generation auf dem Hof geboren, wirkte seit 1690 in Stolzenau als Auditor und Hilfsschreiber, dann als Amtsschreiber und schließlich hier und seit 1711 in Bruchhausen als Amtmann. Sein Sohn Friedrich Ernst (1710–63) wählte die franz. Schreibweise des Familiennamens (mit „ou“), wie sie seither von diesem Zweig verwendet wird, während der Familienstamm auf dem Hof bei der ursprünglichen Schreibweise geblieben ist. Friedrich Ernst wirkte nach dem Jurastudium an der Univ. Halle als Auditor in seiner Heimatstadt Stolzenau, als Amtsschreiber in Nordholz bei Bremen, seit 1742 als Amtsschreiber im Amt Rotenkirchen, seit 1748 in Hitzacker. Aus seinem Amtssiegel mit den drei Türmen wurde später das Münchener Familienwappen und davon wiederum das Firmenzeichen abgeleitet. Sein ältester Sohn Ernst Hermann (1740–75) schlug 1757 die Militärlaufbahn in Hannover ein (1761 Leutnant). Dessen einziger Sohn Georg Martin (1770–1842) etablierte sich 1797 in Leipzig als erfolgreicher Kaufmann. Von seinen 12 Kindern übersiedelte der älteste Sohn Carl als Textilkaufmann nach England; dessen Nachkommen ließen sich in Mexiko und USA nieder. Auch Georg Martins Söhne August, Gustav und Wilhelm lebten als Kaufleute in England. August und Wilhelm kehrten nach einigen Jahren nach Leipzig zurück.

    Rudolf (1811–1903), der 4. Sohn Georg Martins, wurde der Stammvater des Münchener Familienzweiges und Gründer des Verlags- und Druckhauses (s. u.). Sein ältester Sohn Rudolf August v. O. (1845-1912, bayer. Personaladel 1881), verheiratet mit Hedwig Pacher v. Theinburg (1848–1928), einer Enkelin des Nationalökonomen Friedrich List (1789–1846), erweiterte innerhalb kurzer Zeit alle Verlagsbereiche. Er brachte historische Reihenwerke sowie mehrere neue Fachzeitschriften und -bücher für die Bereiche Technik und Naturwissenschaften heraus, gründete 1901 in Berlin eine Niederlassung des Verlags und bereitete die spätere Herausgabe der unabhängigen „Bayerischen Staatszeitung“ vor. Sein Bruder Hans (1849–1922, s. DBJ IV, Tl., W, L) baute die Druckerei auf und gliederte ihr 1880 eine Buchbinderei an. 1912 errichtete er zusammen mit seinem jüngeren Bruder Paul (1858–1936, s. Rhdb..) einen Zeitungsbetrieb. Die „Bayerische Staatszeitung“, deren verantwortlicher Herausgeber Paul war, erschien von 1913 bis zum Verbot 1933 durch die Nationalsozialisten. Paul|konnte bis Mitte der 30er Jahre das Schulbuchprogramm für die Mittel- und höheren Schulen ausbauen und auf das gesamte Reichsgebiet ausweiten. 1930 waren bereits ca. 500 Mitarbeiter im Gesamtunternehmen beschäftigt. Das Umsatzverhältnis von Verlag und technischen Bereichen, die bereits mehr fremde als verlagseigene Druck- und Bindeaufträge akquirierten, betrug in etwa 1:1. In der Bombennacht vom 24./25.4.1944 wurde das gesamte Anwesen mit den Wohn- und Betriebsgebäuden weitgehend zerstört. Wilhelm (1875–1960; s. Rhdb.; Klimesch; Munzinger), der älteste Sohn von Hans, war seit 1909 in den Verlagsbereichen Natur- und Geisteswissenschaften tätig, seit 1923 auch als Geschäftsführer der „Bayerischen Staatszeitung“. 1919-35 fungierte er zudem als Handelsrichter. Sein jüngerer Bruder Alexander (1881–1952, s. Rhdb.) übernahm nach dem Tod des Vaters die Leitung der technischen Betriebsbereiche, die 1923 den staatlichen Auftrag erhielten, Notgeld zu drucken und die Druckplatten dazu für andere Druckereien herzustellen. Mit dem Erlös konnte später ein neues Druckereigebäude errichtet werden. 1928 wurde dem technischen Unternehmensbereich eine Wertpapierdruckerei angegliedert. Nach dem Krieg stellte Alexander wichtige Weichen zum Wiederaufbau der technischen Betriebe. Friedrich (1888–1941, s. L), Dr. phil., der zweite Sohn von Paul, war seit 1919 im Schulbuchverlag tätig. Seit 1925 Zweiter, seit 1930 Erster Vorsitzender des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, wurde er 1934 von den Machthabern des Dritten Reiches von diesem Amt abgesetzt. Im Schulbuchverlag mußte er hinnehmen, daß die Nationalsozialisten ihre Anschauungen durchsetzten. Eine damit verbundene Schulbuchreform mit quotenmäßiger regionaler Aufteilung und Auftragsverluste machte es für ihn sehr schwierig, wenigstens den Besitzstand zu erhalten. Cilla (1886–1965), die jüngste Tochter von Rudolf August, war mit Dipl.-Ing. Wilhelm v. Cornides (1886–1964) verheiratet, der 1912 in die Firma eintrat und für den Verlagsbereich Technik zuständig wurde. Er legte den Schwerpunkt auf technische Zeitschriften und konnte mit dem Anzeigengeschäft große Erfolge erzielen. 1942 mußte er aus politischen Gründen aus dem Unternehmen ausscheiden. Nach dem Krieg kehrte er in das Unternehmen zurück und gründete 1947 in Wien den „Verlag für Geschichte und Politik GmbH“, dessen Geschäftsführer sein Sohn Dr. Karl v. Cornides (1911–1989), 1937-41 Leiter der Berliner Zweigniederlassung des Verlages, wurde. Karl v. Cornides und Rudolf Carl gründeten 1957 den R. Oldenbourg Verlag in Wien. Eberhard (* 1911; s. Klimesch, P), ein Enkel von Paul, war 1942 mit der finanziellen Leitung des Gesamtunternehmens betraut worden. Ihm und seiner Nichte Ilse Schröder (1920–61), einer Tochter von Friedrich, gelang es bereits in den ersten Nachkriegstagen, von den Amerikanern Aufträge – so zum Druck von Lebensmittelkarten – und damit die Lizenz für den Druckbetrieb zu erhalten. Dazu wurden auch die nicht zerstörten Gebäude und Einrichtungen der technischen Betriebe der Druckerei Gerber zugewiesen, bis die technischen Betriebsbereiche Ende 1948 ein wieder instandgesetztes Fabrikgebäude an der Rosenheimer Straße beziehen konnten. Alexanders einziger Sohn John (* 1910), Dr. iur., der als Verbindungsoffizier der amerik. Armee nach München gekommen war, konnte wichtige Brücken zur Besatzungsmacht schlagen und damit seinem Vater beim Wiederaufbau des Unternehmens zur Seite stehen. Ende 1945 waren bei R. Oldenbourg bereits wieder 180 Mitarbeiter beschäftigt. Unter maßgeblicher Beteiligung von Eberhard wurde im Oktober 1945 für die technischen Betriebe eine neue Firma, die „R. Oldenbourg Graphische Betriebe GmbH“, gegründet. Eberhard wurde 1949 deren Geschäftsführer sowie persönlich haftender Gesellschafter der R. Oldenbourg KG. Unter seiner über 30jährigen Leitung vollzog sich der Wiederaufbau der zerstörten technischen Betriebe und der Aufstieg des Unternehmens zu einem namhaften Medienkonzern mit über 1300 Mitarbeitern. Eberhard war 15 Jahre Mitglied im Präsidium des Bundesverbandes Druck, 20 Jahre im Vorstand bis hin zum Vorsitz im Verband der bayer. Druckindustrie sowie 14 Jahre Mitglied im Präsidium der bayer. Industrie. 1953 betraute er seinen Bruder Wolfgang (1913–86) mit der Leitung der Wertpapierabteilung. Dieser gründete das „Institut für Wertpapierdruck“, das Kontakte zu den bedeutendsten Banken und Geldinstituten unterhielt, und er legte den Grundstein zur späteren Ausweitung der Produktion von eurocheque-, Bank- und Telefonkarten.

    Da für den Verlag zunächst keine Lizenz zu erhalten war, wurde Mitte 1946 der Leibniz-Verlag gegründet, dessen Lizenzträger und Geschäftsführer 1947 Rudolf Carl (1910–1986; s. Klimesch, P), Dr.-Ing., ein Sohn von Wilhelm, wurde. Erst 1949 konnte der Verlag wieder unter „R. Oldenbourg“ firmieren. Rudolf Carl leitete 1951-79 den technischen und naturwissenschaftlichen Verlag, 1951-78 war er gleichzeitig für den Gesamtverlag Geschäftsführer in der R. Oldenbourg KG.|Fast 20 Jahre fungierte er als Ausschußvorsitzender im Börsenverein des Deutschen Buchhandels. 1955 konnten neue Räume im erweiterten Betriebsgebäude an der Rosenheimer Straße bezogen werden. Walter (* 1916), der jüngere Bruder von Rudolf Carl, war 1939 in den Verlag eingetreten. Nach dem Krieg befaßte er sich 37 Jahre lang mit dem Sektor Schulbuch und Pädagogik. 1952 wurde er Leiter des Schulbuchverlages, 1972-82 war er auch Geschäftsführer im Gesamtverlag, 1979-83 Geschäftsführer des Gesamtverlags in der R. Oldenbourg KG. Unter seiner Leitung wurde der Schulbuchverlag zum ertragreichsten Verlagszweig. Der M. Prögel Verlag wurde erworben. Thomas v. Cornides (* 1938), Dr. iur., Sohn des Karl v. Cornides, trat 1967 in den Verlag ein, leitete seit 1972 als Geschäftsführer die Abteilung Geisteswissenschaft, 1983-98 den Gesamtverlag. Er ist Geschäftsführer des R. Oldenbourg Verlags in Wien sowie Dozent an der juristischen Fakultät der Univ. Graz. Johannes (* 1944), Dipl.-Math., Sohn von Rudolf Carl, seit 1971 im Lektorat des technischen Verlages, übernahm 1979 als Nachfolger seines Vaters die Leitung des technisch-naturwissenschaftlichen Verlages und schuf einen Verlagsbereich für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Seit 1982 ist er Geschäftsführer im Verlag. Dr. Dr. Friedrich Rosenkranz (* 1941), ein Enkel von Friedrich, Physiker und Betriebswirt, Professor am Wirtschaftswissenschaftlichen Institut der Univ. Basel, übernahm 1980 als Geschäftsführer die Gesamtleitung der Graphischen Betriebe, 1982-97 der R. Oldenbourg KG. Während seiner Tätigkeit konnten die Geschäftsverbindungen ins Ausland, mit Schwerpunkt in Nordeuropa ausgebaut werden. Die Gesamtzahl der Mitarbeiter, einschließlich ausländischer Beteiligungen stieg nun auf ca. 1700. Der traditionelle Wertpapiersektor verlor aufgrund der finanz- und steuerrechtlichen Entwicklungen an Bedeutung, dafür expandierte unter seiner Leitung das Geschäft mit intelligenten, personalisierten und geldwerten Plastikkarten. 1996 wurde dieser Geschäftsbereich allerdings wegen seiner im internationalen Wettbewerb zu geringen Betriebsgröße verkauft. Das Unternehmen konzentriert sich nun wieder auf die angestammten Bereiche Verlage, Druck und Binderei.

  • Werke

    zu Friedrich: Buch u. Bildung, 1945.

  • Literatur

    J. Hohlfeld, Das Geschl. Oldenburg zu Oldenburg u. d. Münchener Verlegerfam. O., 1940;
    ders., Fa. R. Oldenbourg, 1940;
    M. Schröter, Die Geistesgebiete d. Verlags R. Oldenbourg, 1958;
    O. – Eine Münchner Fam. u. e. Münchner Unternehmen, 1983. – Zu Friedrich: Das Dt. Führerlex., 1934 (P);
    F. Möhl, Der Verlag Oldenbourg, München, u. d. Verlag Friedrich Oldenbourg, in: Die Werkbücherei, 1942, S. 48-50;
    H. Kurtz, Dr. F. O., Lb. u. Bibliogr., (1945).- Zu Wilhelm u. Karl v. Cornides: Österr.-Lex., 1995.

  • Autor/in

    Adolf Friedl, Walter Oldenbourg
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Friedl, Adolf; Oldenbourg, Walter, "Oldenbourg" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 508-510 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120517078.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA