Lebensdaten
1819 bis 1903
Geburtsort
Deutsch-Krone
Sterbeort
Jena
Beruf/Funktion
Philosoph ; Kunsthistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117110515 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schasler, Maximilian Alexander Friedrich
  • Schasler, Max
  • Schasler, Maximilian Alexander Friedrich
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Zitierweise

Schasler, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117110515.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes Karl, Bgm. v. Dt.-Krone;
    M Friederike Birnbaum;
    nach 1849 N. N. Sack;
    2 S; wohl Adoptiv-T Nahida Ruth (eigtl. Anna Maria Concordia) (1849–1928, 1892 jüd., 1] 1873 Dr. Max Remy, 1839–81, Kunsthist., Philol., Redakteur, s. Brümmer, 2] 1895 Moritz Lazarus, 1824–1903, o. Prof. d. Philos. in Bern u. Berlin, s. NDB 14), Schriftst. in Berlin, zuletzt in Meran, Vf. v. „Das jüd. Weib“, 1892, 31892, Nachdr. 1999 hg. v. E. Sharell, 41922 (s. Wi. 1928; Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1901-1936; Kosch, Lit.-Lex.), T d. Nahida Sturmhoefel (1822–89), aus Flatow (Westpr.), Dichterin u. a. in Perchtoldsdorf b. Wien, zuletzt in Italien, Erzieherin, Vorkämpferin d. Frauenbewegung, gründete in Dresden e. d. ersten Zeitungen f. Frauen (s. Brümmer), u. e. preuß. Offz.

  • Leben

    Auf Empfehlung seines Lehrers am Gymnasium in Bromberg, des Hegelianers Heinrich Theodor Rötscher (1803–71), hörte S. während seines vom Vater aus finanziellen Gründen gewünschten Theologiestudiums an der Univ. Königsberg 1841/42 neben sprachwissenschaftlichen Vorlesungen u. a. bei Georg Heinrich Ferdinand Nesselmann (1811–81) vornehmlich philosophische Vorlesungen beim Hegel-Biographen Karl Rosenkranz (1805–79), denen er seine philosophische Ausrichtung verdankte. 1843-45 setzte er sein Theologiestudium an der Univ. Berlin bei Philipp Konrad Marheineke (1780–1846), Franz Ferdinand Benary (1805–80) und August Neander (1789–1850) fort, verlegte sich aber in Privatstudien auf das Gebiet der Sprachphilosophie und vergleichenden Grammatik. 1845 wurde er bei Franz Bopp (1791–1867) mit der Dissertation „De origine et formatione pronominum et priorum numerorum“ promoviert. Seine Tätigkeit als Privatlehrer 1843-46 machte ihn finanziell unabhängig, so daß er sich auf eine akademische Laufbahn vorbereiten konnte. Seine Habilitationsschrift „Die Elemente der philosophischen Sprachwissenschaft Wilhelm v. Humboldts“ (gedr. 1847) wurde vom Anti-Hegelianer Friedrich Adolf Trendelenburg (1802–72) zurückgewiesen, ermöglichte aber S.s Aufnahme in die (hegelsche) „Philosophische Gesellschaft“, deren Vorsitz er in den 70er Jahren übernahm. S. wandte sich journalistischen Arbeiten zu und wurde Mitarbeiter am satirischen Wochenblatt „Kladderadatsch“. Er beteiligte sich an den Aufständen 1848 und wurde 1849 wegen revolutionärer Umtriebe aus Preußen ausgewiesen. An der Univ. Heidelberg versuchte er sich erneut mit seiner Schrift über W. v. Humboldt zu habilitieren, wurde aber auch aus Baden aus politischen Gründen ausgewiesen. Seit 1850 wandte er sich in Leipzig, seit 1851 in Berlin, wo er sich unter Verbot politischer Tätigkeit ansiedeln durfte, hauptsächlich der Geschichte der Kunst und Kunstkritik zu und wurde als Redakteur der „Dioskuren“ (1856-75) zu einem der einflußreichsten Kunstkritiker Deutschlands. Mit seinem Werk „Berlins Kunstschätze“ (2 Bde., 1856, 101874) suchte er gegen die herrschenden ästhetisch-idealistischen Gemeinplätze eine kritische Würdigung bedeutender Kunstwerke zu fördern. Seit 1877 übte er seine kunstkritische Tätigkeit in Rudolstadt, Meiningen und Jena aus, wo 1884 ein letzter Habilitationsversuch am Widerstand des Kantianers Otto Liebmann (1840–1912) scheiterte.

    Seinen Ruf als einer der führenden Ästhetiker der Hegelschen Schule erwarb er sich mit der Rosenkranz gewidmeten „Kritischen Geschichte der Ästhetik von Plato bis auf die Gegenwart“ (2 Bde., 1872, Nachdr. 1971), in der er die drei Stufen der organisch-dialektischen Entwicklung des ästhetischen Bewußtseins der Menschheit von der Antike bis zum 19. Jh. nachzeichnet und dadurch zeigt, daß sich in der Gegenwart die Grundzüge einer anthropologisch begründeten „neuen Ästhetik“ als Synthese der fortgeschrittenen zeitgenössischen Ansätze abzeichnen. In einer kritischen Auseinandersetzung u. a. mit der Ästhetik Friedrich Theodor Vischers (1807–87) versuchte er noch einmal, seinen Standpunkt des Realidealismus zu rechtfertigen (Über einige Principienfehler d. modernen Ästhetik, in: Zs. f. Philos. u. phil. Kritik 89, 1886, Beigabeh., S. 1-48). Seine systematischen Schriften (Das Reich d. Ironie, 1879; Das System d. Künste, 1882, 21885; Aesthetik, Grundzüge d. Wiss. vom Schönen u. d. Kunst, 2 T., 1886) fanden hingegen wenig Resonanz. Dies gilt auch von seinem philosophischen Testament „Anthropogenie, Das Allgemein-Menschliche, seinem Wesen und seiner dreigliedrigen Entwicklung nach“ (1888), das die Idee des Wahren, Guten und Schönen anthropologisch auf ursprüngliche Tätigkeiten des menschlichen Geistes zurückführt. – o. Mitgl. d. Kgl. Ak. d. Künste, Amsterdam (1872).

  • Werke

    Weitere W Über dramat. Musik u. d. Kunstwerk d. Zukunft, 2 Abt., 1883/84;
    Über e. halbes Jh., Erinnerungsbilder aus d. Lb. e. alten Burschenschafters, 1895 (Autobiogr., W);
    Ausgew. Slg. gemeinverständl. Abhh., 1901;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Univ.bibl. Jena.

  • Literatur

    E. v. Hartmann, Zur Gesch. d. Ästhetik (1871), in: ders., Ges. Stud. u. Aufss. gemeinverständl. Inhalts, 1876, S. 396-417;
    A. Lasson, Zur Gesch. d. Ästhetik, in: Zs. f. Philos. u. phil. Kritik 63, 1873, S. 47-68, 200-34;
    Ch. Bénard, L'esthétique de M. S., in Revue Philosophiqueet de l'Étranger 2, 1876, S. 1-33;
    BJ VIII, Tl.;
    Altpreuß. Biogr. II;
    Kosch, Lit-Lex.3 (W);
    Ziegenfuß;
    Dict. of Art.

  • Autor/in

    Wolfhart Henckmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Henckmann, Wolfhart, "Schasler, Max" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 586-587 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117110515.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA